Montag 28.11.2011
Heute soll alles gemächlich ablaufen. Einkaufen im kleinen General Store, Internet Zugang klären im Fahrrad-Laden, frühstücken, Wäsche waschen so plätschert der Tag dahin. Wir laden wieder einmal unser Tagebuch und ein paar Bilder in den Blog und starten dann, viel zu spät allerdings zu einer kleinen Wanderung. Der Melrose Natural Walk sollte es eigentlich sein. Aufgrund der extrem sparsamen Ausschilderung solte allerdings mehr ein Umherstolpern über verschiedene Hügel am Fusse des Mt. Remarkable werden. Wir sehen viele der einheimischen Vögel und ein Känguru Rudel aus aller nächster Nähe. Am Abend nach Spaghetti und Rotwein möchte ich noch einmal ins Internet. Der Router im Fahrrad-Laden läuft noch und so sitze ich davor auf der nächtlichen Strasse und ergänze noch den Blog, hole Informationen über unseren Motorradtransport nach Neuseeland ein und Skype noch ein bisschen mit meinen Eltern und Aggel einem meiner besten Kumpel vom Motorradklub. Der Verkehr ist gleich Null und so ist man völlig ungestört.
Dienstag 29.11.2011
Auch heute lassen wir es relaxed angehen. Wir wollen zur Alligators Gorge fahren um sie zu durchwandern. Wenn man bummelt wird es natürlich immer noch ein bisschen später als es werden sollte aber was soll´s wir müssen ja nicht auf den Bus. Die Strasse zur Alligators Gorge ist eine Achterbahn, 12km lang hoch und runter, extrem kurvig. Jedoch hat irgendein Spielverderber alle 2-300m einen tiefen Wasserablaufgraben quer über die Strasse gezogen und so wird’s wieder nix mit mal wieder richtig Kurven fahren.
Die Schlucht ist sehr schön zu durchwandern. Wir sehen sogar das spezielle „Schluchtenkänguru“ das hier unten lebt, es ist an das Leben in der Schlucht vornehmlich durch kletterfähigere Beine angepasst und hört auf den Namen Euro. Euro in der tiefen Schlucht, wenn das mal kein Zeichen ist. Wieder zurück auf dem Parkplatz wollen wir noch zum zweiten Lookout wandern, sind nur 1,2km hin und zurück. Es weht ein starker, extrem böiger Wind und wir machen uns schon etwas Gedanken über unsere Motorräder. Als wir starten wollen schlägt hinter uns ein ca. 5cm dicker und 1,2m langer Ast auf das Dach des neben unseren Mopeds geparkten SUV´s. Ok, damit hat sich das erledigt und wir schauen, dass wir hier wegkommen. Auf den Eukalyptusbäumen hängt noch viel abgestorbenes Zeugs rum und wir wollen nicht warten bis noch grösseres auf einem unserer Motorräder landet.

Mittwoch 30.11.2011
Heute geht es mal wieder mit viel Wind nach Adelaide, ich frag mich manchmal ob wir motorradfahren oder segeln. Am Stadtrand kontaktieren wir zunächst einmal Gryphi, unsere Gastgeberin für die nächsten zwei Tage. Sie wohnt draussen in Glenelg, einem Stadtteil Adelaides direkt am Meer. Der Australian Motorcycle Atlas beinhaltet ganz übersichtliche Karten von Adelaide und so durchqueren wir die Stadt auf einer Art Ringstrasse um dann über den Anzac Highway nach Glenelg zu fahren. Gryphi wohnt in einem äusserst schicken Hotel, so richtig mit grosser Einfahrt, Pagen am Eingang und so weiter. Das Wiedersehen mit Gryphi ist herzlich. Wir hatten uns nur sehr kurz auf dem HOG Treffen unterhalten und so gab es nun beiderseits genug zu erzählen um sich näher kennenzulernen. Dementsprechend lang wurde der Abend bei einem tollen Rotwein. Um 1:30 haben wir dann doch abgebrochen, die Flasche war leer und uns fielen schon fast die Augen zu. Also ab ins Bett im Gästezimmer.
Donnerstag 1.12.2011
Als ich morgens aufwache liegt Manu noch im Tiefschlaf, ich linse durch den Vorhang und schaue ...wow, direkt aufs Meer, das ist ein Ausblick den man gerne hat so früh am Morgen. Da muss ich natürlich sofort raust. Ich mache mir zunächst einmal mein erstes Frühstück. So ein Frühstück auf dem Balkon und unter dir das Meeresrauschen, gibt es denn da noch eine Steigerung? Vielleicht wenn Du dabei direkt am Strand sitzt und die Harley neben Dir noch warm tickert.
Heute steht ein technischer Dienst auf dem Programm, Ventile an der Triumph einstellen (dachte ich) und die Primärkette der Harley spannen. Wir haben übers Internet Kontakt mit dem Triumph Riders Club in Adelaide aufgenommen. Es meldet sich Daryl bei uns, die Arbeiten an der Triumph können wir in seiner Werkstatt erledigen, er hat alles Notwendige und kennt sich gut aus, hat auch ein paar alte Schätzchen in der Garage stehen. Das nehmen wir gerne an, doch zuvor müssen wir bei K&M Motorcycles vorbei, die Arbeiten an der Harley erledigen (hätten wir eigentlich auch bei ihm machen können aber dort waren dann Dichtung etc. vorhanden). Den Vormittag verbummeln wir ein bisschen, Frühstücken, ein neues Handy kaufen (mit dem alten war die Netzabdeckung eine Katastrophe, ich konnte es nicht glauben, ist aber tatsächlich so). Wir kommen aufgrund dieser Bummelei erst gegen 14:30 zu K&M. Der Nachmittag geht voll in der Werkstatt drauf. Nicht wegen der vielen Arbeit, nein wegen der ganzen interessanten Gespräche dort. Daryl kommt auch vorbei, er stellt uns Murray vor. Murray hat eine Lagerhalle auf der anderen Strassenseite, er ist der eigentliche Gründer von K&M Motorcycles hat den Laden jetzt aber an die neuen Betreiber verpachtet. Seine Lagerhalle ist bis unter die Decke mit Ersatzteilen für alte englische Motorräder gefüllt. Daneben stehen darin noch rund 30 Motorräder vorwiegend alte Klassiker, Harleys, Indians, Triumphs, Nortons, BSA aber auch alte Yamahas XS650 der ersten Baujahre, man kann sich kaum satt sehen. Wir kommen natürlich zu spät zum Abendessen, GAU, Manu kann nicht mehr duschen. Das Abendessen wird trotzdem gut, duschen kann man auch morgen noch. Es wird wieder 0:00 bis wir ins Bett kommen. Gryphi ist schon wirklich cool drauf. 8 Monate im Jahr ist sie gewöhnlich auf Reisen. Einige Zeit davon mit Ihrer 1200er Sportster, die dadurch immerhin schon 170.000km auf dem Zähler hat. Für 2013 ist natürlich eine Reise nach USA zum 110. Geburtstag von Harley-Davidson geplant, machen sicherlich einige Leute aber nicht von März bis Oktober. Wir reden hier von einer Dame die immerhin schon 63 Jahre alt ist. Die australische HOG Zeitschrift hat auch schon einen Artikel unter der Rubrik „Hardcore HOG Members“ über sie veröffentlicht. By-the-way in Rente ist sie seit 48, selbst finanziert versteht sich.
Freitag 2.12.2011
Heute ist schon wieder Abfahrt, allerdings wechseln wir nur den Standort. Wir ziehen zu Daryl. Eigentlich wollten wir so gegen 13:30 bei ihm sein aber wir sind irgendwie dem Müssiggang verfallen. Frühstücken mit Gryphi dann in den neuen (noch nicht eröfffneten) Apple Store, der Betreiber ist so freundlich und deinstalliert mir die Software des Telstra USB Internet Sticks den ich versucht habe bei Ty zu installieren, dann wieder zurück ins Hotel. Gryphi empfängt uns mit einer Modenschau was sie so auf Ihre Reise mitzunehmen gedenkt. Mouschka ist ebenfalls zur Beratung da. Wir haben noch einmal viel zu Lachen und können auch den ein oder anderen sinnvollen Input liefern.
So gegen 15:00 ruft dann Daryl an, uups ihn hatten wir ja fast vergessen. Wäre gut wenn wir bis 16:00 bei ihm wären, da er gegen 17:00 weg muss zum Arbeiten. Nun müssen wir uns sputen, schnell die restlichen Dinge gepackt, zweimal zu den Motorrädern laufen um alles wieder zu verstauen und es kann losgehen. Natürlich begleitet uns Gryphi und wartet unten am Ausgang der Tiefgarage. Wir hatten uns oben bei den Bikes schon herzlich verabschiedet. Man hätte es schon noch ein paar Tage aushalten können, unnötig zu erwähnen, dass man sich an solche Lebensumstände schnell gewöhnen kann.
Nun geht es über den Anzac Highway, die Brighton Road und die South Main Road südwärts Richtung Morphett Vale. Wir finden die Adresse recht schnell und werden von Daryl, der die Bikes schon gehört hat als wir in die Strasse eingebogen sind, die Einfahrt hoch und hinters Haus gelotst. Da stehen die beiden Ladys nun sicher unter einer Überdachung direkt vor der hinteren Eingangstür und dem Tor hinter dem sich Daryls Schätzchen in einem kleinen Showroom befinden. Daryl kann uns noch schnell zeigen wo Schlafzimmer, Bad und Toilette ist und ganz wichtig wie der Fernseher im Wohnzimmer funktioniert dann rauscht er auch schon ab zu seinem Arbeitseinsatz. Es ist schon ganz anders als in Deutschland, Du lernst jemanden kennen und bekommst am gleichen Tag die Haustürschlüssel. Wir haben das zwar zuhause auch schon praktiziert aber ich glaube, dass das nicht unbedingt üblich ist.
Da wir nicht eingekauft haben suchen wir ein Restaurant zum Abendessen und landen im Fasta Pasta, einem Nudel-Fast-Food Restaurant aber gar nicht einmal so schlecht.
Samstag 3.12.2011
Am Morgen gehe ich erst einmal einkaufen. Nach dem zweiten Frühstück schauen wir uns mit Daryl Bilder aus seiner Jugendzeit an. Daryl war schon immer ein Brit-Biker. Triumph, BSA und viel Rock´n Roll haben ihn begleitet seit er 18 Jahre alt ist. Die Clique war schon gut unterwegs, allerdings haben von ca. 8 Jungs nur 3 überlebt. Selbstmorde, Unfälle und Krebs. Daryl erzählt uns noch einiges über seine Familie, dann muss er schon wieder weg da das Konzert und damit auch sein Einsatz um 13:00 wieder beginnt.
Wir verbummeln den Tag, einkaufen, essen, der Tag ist schnell vorbei und wir sehen zu, dass wir wieder nach Hause kommen um das Abendessen zu kochen.
Sonntag 4.12.2011
Heute ist mal wieder Abfahrtstag, ich war schon einkaufen um Daryl noch einmal ein bisschen den Kühlschrank zu füllen. Zuviel hat allerdings keinen Wert, da er eh nie zuhause ist. Aber ein paar Liter Milch und vor allem sein geliebtes Veggiemite kann nicht schaden. Wir schauen noch eine DVD die ein Freund von ihm zusammengestellt hat. Viele der Jugendfotos unterlegt mit Musik aus den 60ern, verdammt gute Arbeit. Nun müssen wir aber los, wir wollen noch einige Mitglieder des Triumph Riders Club von Adelaide treffen. Der Treffpunkt liegt auf unserem weiteren Weg Richtung Melbourne. Daryl fährt seine Sprint, schade ich dachte der Bonnie zu Ehren würde er seine T110 nehmen. Nach einem Tankstop und einigen Kilometern durch die Hügel im Hinterland von Adelaide rollt hinter mir Manuela mit hilflosem Winken langsam aus. Shit happens, der Gaszug ist gerissen, ausgerechnet. Unnötig zu erwähnen, dass wir genau den nicht als Ersatz dabei haben. Wir prüfen den Reparaturkit für Züge aller Art, müssen jedoch feststellen, dass der passende Nippel hier nicht dabei ist. Da wir noch nicht allzu weit weg von Daryls Heim sind fährt er kurzerhand zurück, er hat noch einen Zug zuhause liegen. Ich baue inzwischen den alten Gaszug aus. Da ich mit der Triumph Technik nicht sehr vertraut bin, gehe ich zunächst davon aus, dass ich beide Vergaser öffnen muss, stelle dann aber erleichtert fest, dass es auch anders geht wenn man ein bisschen im „no-panic-mode“ darüber nachdenkt. Mittlerweile ist auch Daryl schon wieder eingetroffen, zeitgleich mit den Mitgliedern des TRC, die von ihm informiert wurden und sich natürlich auch gleich aus der anderen Richtung auf den Weg gemacht haben. Nach einer kurzen Begrüssungs- und Vorstellungsrunde mache ich mich daran den Zug auszutauschen. Leider ist der neue alte Zug etwas zu lang. Dem können wir mit Leitungsbindern abhelfen, funktioniert prima. Noch ein paar Fotos zusammen mit den Jungs (und einer Dame) vom TRC und Daryl begleitet uns noch in grosses Stück. Wir trinken noch einen Tee zusammen dann sind wir wieder alleine auf Tour. Bei Wellington geht es mit einer kleinen Fähre über die Mündung des Murray Rivers in den Lake Alexandrina, interessanterweise muss man dafür nicht einmal etwas bezahlen. In Meningie suchen wir uns ein schönes Motel und essen im Hotel-Pub zu Abend.
Montag 5.12.2011
Das Tagesziel heute heisst Mt.Gambier. Dort wollen wir mal wieder 2 Nächte bleiben, es gibt ein bisschen was zu sehen dort. Wir fahren lange Zeit an der Küste entlang, bei Kingston SE wählen wir die Strasse im Landesinneren, auch die Küste wird nach einiger Zeit langweilig ausserdem weht ein kräftiger Wind von dem wir hoffen, dass er sich im Landesinneren etwas abschwächt.
Mt. Gambier erweist sich als gemütliches Städtchen mit guten Cafes und Einkaufsmöglichkeiten. Wir versuchen ein Zimmer im Youth Hostel zu bekommen, da dies ein ganz besonderes ist, es ist in einem alten Gefängnis untergebracht und die Zimmer sind teilweise die alten Gefängniszellen. Das ist uns jedoch nicht vergönnt, da ein Jugendcamp das ganze Hostel eine ganze Woche lang belegt. Nun überlegen wir noch ob wir einen Caravan Park oder ein Motel anfahren, das Motel liegt gerade um die Ecke also geht es zuerst dorthin. Nun es ist so, wenn man von zwei Möglichkeiten die teurere und schönere zuerst besichtigt liegt die Entscheidung auf der Hand. Wir bleiben also im Motel, zugegebenermassen ein sehr schönes, mit Internetzugang und vor allem mit einem Barbecue Bereich in dem wir uns selbst etwas kochen können. Fürs Abendessen haben wir allerdings noch nicht eingekauft und gehen in ein Malayisches Restaurant. Während dem Essen schaue ich auf die Uhr (mit Datum) und es fällt mir wie Schuppen von den Augen, morgen ist der 6. und damit Manu´s Geburtstag . Na Gott sei Dank haben wir doch die schönere Location gewählt aber das kann´s natürlich noch nicht gewesen sein. Ich lass mir schon noch etwas einfallen, hab da auch schon die eine oder andere Idee.
Dienstag 6.12.2011
Heute fällt das erste Frühstück aus, um 8 bin ich schon auf Einkaufstour. Zuerst mal abchecken was ich im Café auf der Hauptstrasse so alles bekomme. Na, ja zumindestens ein sehr guter und riesengrosser Cappucino ist dort zu bekommen. In der nächsten Bäckerei steht ein Geburtstagskuchen in der Auslage, der ist allerdings nicht zu verkaufen man muss einen bestellen, die Zeit hab ich natürlich nicht also muss eine andere Lösung her. Rüber zum nächsten Supermarkt, dort gibt es tolle „Happy Birthday“ Kerzen für einen Geburtagskuchen, den finde ich in einem Stück Karottenkuchen, einem der Lieblingskuchen von Manu. So nun muss es aber schnell gehen wenn Manu noch schlafen und der Cappuccino noch warm sein soll bis ich zurück bin. Schnell noch Lachs, Joghurt, Truthahnbrust und Philadelphia eingepackt, im Vorbeigehen in einer Bäckerei ein richtiges Brot mitgenommen und auf ins Café. Die Bedienung im Café bitte ich die Milch besonders heiß zu machen da ich ja noch einen etwas weiteren Weg vor mir habe. Es hat alles wunderbar geklappt und wir haben ein herrliches Geburtagsfrühstück und gehen dann zum Blue Lake der Hauptattraktion von Mt.Gambier. Der Blue Lake ist ein See dessen Farbe sich immer Anfang November von einem unscheinbaren Grau in ein strahlendes Blau wandelt angeblich ist dieses Phänomen bis heute nicht erforscht. Nach dem Blue Lake sehen wir uns noch das Umpherton Sinkhole an in dem zum Sonnenuntergang viele Oppossums aus den Felsspalten kommen sollen. Das Ganze ist natürlich touristisch schon voll ausgeschlachtet. Das Sinkhole, eine Höhle deren Höhlendach eingebrochen ist, ist weit weg von einem natürlichen Zustand. Es handelt sich eher um einen schön angelegten Garten begrenzt von zugegebenermassen beeindruckenden Felswänden. Zur Fütterung der Opposums werden Touren angeboten. Das ist nix für uns, da gönnen wir uns doch lieber ein schönes selbst gekochtes Abendessen mit einem guten Rotwein zum Abschluss des Geburtstages.
An dieser Stelle möchte ich (Manu) mich noch einmal ganz herzlich für die vielen Geburtstagsgrüsse bedanken.
Die Schauer sind da. Wir können zunächst einmal gemütlich frühstücken, dann gehen wir Richtung „Jetty“, so nennt man hier die Pier (also der Steg) der ins Meer hinaus geht. Er ist 1,8km lang und wurde in mehreren Stufen zur heutigen Länge ausgebaut. Begonnen hat man damit um das hier geschlagene Holz auf die Schiffe in der Bucht zu laden. Wir sind gerade mal auf der Hälfte angekommen wird es über dem Meer total neblig. Wie sich kurze Zeit später herausstellt ist es ein Nieselregen, gepaart mit dem ohnehin starken Wind eine grauslige Angelegenheit. Wir versuchen in einen eigentlich extra dafür vorgesehenen Unterstand zu flüchten aber der Planer oder Designer dieser Unterstände war eine echte Niete. Die Abschattungen sind so angebracht, dass der Wind fröhlich das Wasser durchtreibt, direkt auf unsere Hosen und ein Streifen auf Schulterhöhe, na danke, gut gemacht. Es hilft nix, wir müssen zurück, als es etwas nachlässt starten wir und sind trotzdem ganz schön nass bis wir wieder am Strand ankommen. Die Gore-Tex Jacken sind klasse, haben aber einen entscheidenden Nachteil, sie haben keine Kapuzen. Gott sei Dank ist gleich am Ortseingang das kleine Eiscafe mit Segafredo- Espresso, unser absoluter Favorit unterwegs und so gibt es erst mal einen grossen Cappuccino bevor es weitergeht. Aufgrund der gerade gemachten Erfahrung gehen wir in ein Sportgeschäft und fragen nach wasserdichten Mützen Hüten oder ähnlichem. Nee, so was hätten sie nicht aber wir sollen doch mal im Surfladen schauen. Na, ob die Jungs Mützen aufhaben bzw. es sie interessiert ob diese wasserdicht sind darf bezweifelt werden. Die Surfer sind eh schon alle rechte Freaks und extrem easy going, erkennt man schon daran, dass in grossen Buchstaben Open from 9am – 4pm steht um 3:30 Uhr der Laden aber schon dicht ist. Wahrscheinlich war grad ´ne gute Gelegenheit zum Surfen. Wir peilen nun unser letztes Ziel für heute an. Es handelt sich um die wohl älteste Steinkirche vom Südwesten Western Australiens. Zugegeben einen ziemliche Einschränkung. Die ältesten Gräber um die Kirche datieren um 1838. Für Australier sind dies schon fast die Anfänge ihrer Zeitrechnung. Manchmal denkt man vorher existierte der Kontinent gar nicht.
Wir wollen jetzt noch kurz beim HOG Treffen im normalerweise beschaulichen Margaret River vorbeischauen. Was heisst normalerweise, auch jetzt sind die Harley Fahrer eine recht überschaubare und sehr zivilisierte Menge. Viele sind auf Tour, einige Motorräder stehen in der Hauptstrasse am Bürgersteig. Alles in allem sollen ca. 2000 Harleyfahrer hier sein, also kein Vergleich mit einer Superrally, Hamburg oder gar Faak. Ich denke da eher so an Mainz und selbst da sind es glaube ich deutlich mehr.
So zieht es uns zunächst einmal auf das Festgelände um zu sehen was dort so geboten wird. Zugegebenermassen nicht sehr viel denn es ist Nachmittag und wie gesagt alles auf Tour. Wir kommen mit einem Redakteur von OZ Bikes dem australischen Easyrider Magazin ins Gespräch und er wittert natürlich eine Story. Ihr seid aus Deutschland? Und wo sind Eure Bikes? Auf dem Parkplatz. Na da müssen wir hin er möchte ein paar Fotos und ein paar Informationen zu unserer geplanten Tour. Mal sehen vielleicht macht er tatsächlich eine Story draus. Wir lernen noch ein paar nette Menschen, darunter Gryphi aus Adelaide kennen. Eine etwas ältere HOG-Lady die aber extrem gut drauf ist. Eine Einladung nach Adelaide folgt auf dem Fuße und wir werden sicher bei Ihr vorbeischauen. Am Parkplatz-Eingang hat ein Schweizer Dienst, ein Schweizer? Ja er begrüsst uns in astreinem Schwyzerdütsch ist aber schon 40 Jahre hier in Oz. Reist jedes Jahr für einige Wochen in die Schweiz zum Skifahren.
Über Nannup geht es zunächst nach Pemberton, einer kleinen Holzfäller Siedlung, ehemalige Holzfäller Siedlung muss man glaube ich sagen. Heute steht hier zwar noch ein Sägewerk, das erste was aber ins Auge fällt sind zwei Restaurants für die Touristen die hier manchmal Busweise durchkommen. Es gibt Marron und Trouts, Marron sind ähnlich den Hummern, leben jedoch im Süsswasser. Trouts sind einfach Forellen. Beides scheinbar absolute Spezialitäten dieser Region jedoch stehen die Marrons Ihren Salzwasser Pendants im Preis in nichts nach und so bleibt es bei einem einfachen Cesar Salad mit gerauchter Forelle als Mittagessen. Wir schlendern noch etwas durch das recht idyllische (oder auch nur einfache) Dorf als mit Blaulicht und heulender Sirene ein Polizeiwagen durchs Ort schiesst. Doch nicht so idyllisch, das Böse ist immer und überall.Die Touristeninformation sieht in Walpole nicht sehr viele Zimmerangebote (zumindest nicht nach unseren preislichen Vorstellungen) und so entscheiden wir uns für ein Motel, das jedoch warnt, dass ein Konzert stattfände und es bis 23:30 recht unruhig werden könne. Egal so alt sind wir ja nicht, was ist es denn für ein Konzert fragen wir. Keine Ahnung, irgendeine Rockband. Der Weg von Pemberton nach Walpole führt durch wunderschöne Karriwälder, die am höchsten wachsenden Harthölzer findet man nur in Western Australien. Die Bäume können bis zu 100 Metern hoch werden. Eine Fahrt durch diese Wälder gleicht einem Gang durch eine Kirche. Wie Säulen stehen die Bäume auf beiden Seiten der Strasse. Die Band stellt sich als eine Art Girlie-Nirwana-haste-nicht-gesehn Band heraus. Die Band hört man in unserem Zimmer kaum, dafür jedoch die Nachbarn.
Alte und große Bäume sind unsere Passion, sie strahlen eine solche Kraft und Ruhe aus, daß es uns sehr viel gibt einfach nur dazustehen und sie anzuschauen bzw. in hrer Nähe zu sein. Die Nacht verbringen wir im Albany´s Backpacker. Die jungen Leute dort kochen am Abend was das Zeug hält. Die Nacht ist sehr ruhig. Diese Erfahrung werden wir noch des öfteren machen. Die Backpackers oder Youth Hostels legen grossen Wert auf die Nachtruhe ab 22:00.
Wir frühstücken etwas Toast und machen schnellst möglich den Abflug um beim Harley Händler das Öl mitzunehmen und weiter Richtung der Nullarbor Plain zu fahren. Beim HD Offiziellen gibt es erst mal lange Gesichter, 50er Einbereichsöl haben die nicht. Wofür das denn wäre? Wofür wohl, für eine alte Shovelhead. Eine was...? Ach so! Nein haben wir nicht. Vielleicht der Ölspezialist um die Ecke. Der hat es aber auch nicht. Alles was er uns anbieten kann ist 40er Öl, na ja besser als nichts, mit dem Additiv „Stop Fume- For Worn Engines“ sollte es gehen. Die Bonnie braucht eben min. 1l Öl auf 1000km und über die Nullarbor sind es von hier bis Adelaide ,wo sicher wieder 50er Öl zu bekommen ist, ca. 2500km. Nun kann es weiter Richtung Norseman gehen. Wir werden noch von zwei Kiwis angesprochen. Sie sind gerade über die Nully gekommen. Sie fahren eine R100GS und eine K1200RT. Speziell der K-Fahrer findet die Nullarbor das übelst langweilige was er je in seinem Leben getan hat. Noch ein bisschen Small Talk, die beiden sind wirklich nett, dann müssen wir aber los. Aufgrund des verzögerten Aufbruchs kommen wir heute nur noch bis Ravensthorpe, mieten uns dort in einem nicht mehr ganz frischen Motel ein dessen Besitzerin entweder etwas angeheitert, leicht stoned oder irgendwie anders unterwegs ist. Egal der Platz ist gut, noch eine kurze Kettenpflege (warum können die Kisten keinen Kardan haben?) dann gehen wir ins Hotel in die Ortsmitte um zu Abend zu essen. Klasse Lammkoteletts mit richtigem Kartoffelbrei und Gravy (einer braunen Sosse die man mit der Gabel essen kann). Wir helfen noch einem Aussie der gerade mit den Kumpels das Feierabendbier geniesst die SMS seiner neuen deutschen Freundin zu übersetzen. Er muss sie schwer beeindruckt haben, sie ist aber sicherlich auch schwer beeindruckt, dass er die SMS direkt übersetzt (was seine Hausarbeit gewesen wäre ) wieder zurückschickt. Job done! Wir gehen ins Bett.
Vorm Eingang des Hard Rock gabelt uns ein Tuk-Tuk-Fahrer auf. Hey, man do you ride HD? Sah man am T-Shirt (manmuss jedoch zugeben, daß er schon ein sehr geschultes Auge hatte, denn es stand ja nur „Shovelhead A Spirit of Adventure“ über einer Abbildung eines Shovelhead Motors darauf). Yes, man. Greeeaat, man do you want a HD jacket? No sir, I ride the bike don´t need a fake jacket. Wir haben uns dann natürlich einfangen lassen, da wir eh Bangkok nicht verlassen wollten ohne einmal Tuk-Tuk zu fahren. Mit der vielfachen Versicherung keine unplanmässigen Stops einzulegen starten wir Richtung Hotel bzw. zu einem Thai-Restaurant gegenüber welches auch von Thais besucht werden würde. No Stops ging voll ok aber wenn jemals ein Thai in diesem Restaurant isst dann ist er entweder reich oder verwandt mit dem Besitzer. So what, es war nicht wirklich schlecht und so war der Abend dadurch kaum beeinträchtigt.


