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27. April 2012 5 27 /04 /April /2012 23:15

Freitag 30.03.2012

Normalerweise ist nach einem solchen Walk immer ein Relaxtag geplant, nicht heute. Warum nicht? Passt einfach nicht in den Plan, in welchen Plan, wir haben doch keinen. Das ist nicht mehr ganz so richtig. Nachdem unsere Zeit in Neuseeland nun langsam zu Ende geht, bleibt es nicht aus, dass man bestimmte Dinge doch noch gerne sehen oder machen würde und man dann doch ein bisschen planen muss. Wir machen uns also wieder auf den Weg Richtung Picton von wo aus die Fähre zurück nach Wellington auf die Nordinsel geht. Doch zunächst soll es heute nur bis nach Nelson gehen. Kein wirklich grosser Sprung aber wir haben noch gut die Strecke zwischen Motueka und Takaka im Kopf auf der man kaum über einen Schnitt von 25km pro Stunde kommt. Ausserdem wollen wir noch bei British Spares, dem Ersatzteillieferant für alte englische Motorräder in Neuseeland, vorbeifahren. Tim einer der Chefs wartet dort schon auf uns, Des hat ihn schon einmal vorab informiert. Nach Motueka führt die Strecke durch eine unspektakulär schöne Landschaft. Als wir Birtish Spares erreichen ist es schon nach 14:00. Tim macht uns erst einmal einen Tee bzw. Manu einen Kaffee und wir sitzen in den Privaträumen im 2. Stock des Industriegebäudes. Nachdem sie noch einige Lagerangelegenheiten geklärt hat setzt sich auch Doris, die Frau des deutschen Teilhabers an British Spares zu uns und wir haben eine schöne Unterhaltung, vornehmlich natürlich über die Tour, die Motorräder, das Geschäft mit den englischen Ersatzteilen und die Händlerstruktur in Neuseeland. Um das Industriegelände befinden sich Weinberge, die zum Grundstück gehören. British Spares ist nicht selbst im Weingeschäft, verkauft jedoch die Trauben inkl. das Ernten natürlich an andere Weingüter der Gegend. Der Plan ist jedoch eine „British Spares“ Abfüllung zu kreieren, die dann an besondere Kunden geliefert werden kann. Wir haben sein Versprechen, dass wir mit auf der Liste stehen. Es ist schon fast 4:00 Nachnittag als wir uns wieder auf den Weg Richtung Nelson machen. Dort ist es mal wieder gar nicht so leicht eine preiswerte und dennoch akzeptable Unterkunft zu finden. Die Hostels sind grösstenteils ausgebucht. Klar, das hatten wir ganz vergessen, es ist ja die Ulyssus Rally in der Stadt. Wir hatten gedacht, dass die Damen und Herren im gesetzteren Alter eher in guten Motels übernachten. In einer Kurve noch etwas ausserhalb des Ortskerns fällt mir an einer Lodge ein Motorradschild auf. Klasse denk ich, wenn die auf Biker eingestellt sind haben sie sicherlich auch eine Garage. Könnte sein, dass sie eine haben aber soweit komme ich gar nicht. Das Vacancy Schild bezieht sich auf drei Dormbetten die noch frei sind. Ne, ein Schlafsaal, bei allem Sparen, das ist nichts für uns. Der Mann an der Rezeption sagt mir gleich, dass wir relativ schlechte Karten hätten noch ein freies Bett zu finden aber er würde für uns in einer Lodge anrufen, die vielleicht noch etwas haben könnte. Ist auch nicht weit von der Stadtmitte entfernt. Gesagt getan und siehe da, die haben noch ein Zimmer frei, sogar mit Bad. Wir schwingen uns wieder auf die Motorräder und fahren dorthin. Die Fernlodge, Hotel, Hostel und Restaurant, alles unter einem Dach. Während ich drinnen die Verfügbarkeit noch einmal absichere und mir das Zimmer anschaue wird Manu draussen mal wieder auf die Triumph angesprochen. Die Kiwis können es meistens gar nicht glauben wie lange Sie damit nun schon unterwegs ist. Der Mann der sie angesprochen hat stellt sich als der „Museumsdirektor“ so seine Karte, des Museums eines reichen Texaners heraus der ein Faible für alte vorwiegend englische Motorräder hat. Wir hatten von diesem Vogel schon gehört, er hat grosse Flächen Land aufgekauft und dort ausser dem Museum eine Art Trailstrecke angelegt wo sehr spezielle Kundschaft oder Freunde mit englischen Klassikern auch mal Offroad trainieren können. Er organisiert unter anderem Touren mit reichen amerikanischen Freunden, die dann mit einer alten Brough Superior oder einer alten BSA vorwiegend über die Südinsel brettern. Sicher ein sehr exklusives Vergnügen. Das Museum ist auch noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich soll aber noch werden. Der „Direktor“ kümmert sich natürlich auch um die Wartung der Bikes. Sein Kumpel kommt noch auf dem Fahrrad um die Ecke, die beiden wollen einen heben und haben die Autos zu Hause gelassen. Wir überlegen noch, das Zimmer ist klein, ohne jede Ablagemöglichkeit und direkt neben dem Aufgang. Die Motorräder könnten wir auf den Hotelparkplatz stellen, der allerdings in keiner Art gesichert ist, ausser dass Licht brennt. Das zieht noch nicht so richtig, allerdings wird es auch immer später. Wir tätigen noch einen Verzweiflungsanruf in einem recht guten Motel, haben aber auch entschieden, wenn die nichts haben nehmen wir das Zimmer. Die Speisekarte hört sich auch gut an. Das Motel hat tatsächlich nichts frei und ich handle einen Abstellplatz für die Motorräder im Biergarten heraus. Nun ist klar, wir bleiben. Die Beiden sitzen drinnen schon beim zweiten Bier und wir gesellen uns dazu. Das Essen ist gut und wir unterhalten uns prima, lachen viel und können Andrew sogar etwas bei seiner Ersatzteilsuche für seine alte BMW helfen. Er trinkt Guiness, das passt, das kann ich auch gut trinken und so wird es recht spät bis wir aufs Zimmer kommen. Für die nächste Nacht hat er uns schon ein Zimmer bei sich zu Hause angeboten. Mal sehen was der Tag morgen bringt, zunächst werden wir mal auf den berühmten Samstags Markt gehen, Des, Steph und auch Tim haben uns den dringend empfohlen zu besuchen.

 

Samstag 31.03.2012

Der Tag startet schön sonnig. Ich habe die Motorräder schon um halb neun vom Biergarten auf den Parkplatz geschoben, das war die Abmachung. Nach meinem ersten Frühstück packen wir die Bikes und lassen sie auf dem Parkplatz stehen, Laptop und dicke Kamera können wir bei unserer Barfrau von gestern Abend lassen. Erstaunlich, sie ist schon wieder auf den Beinen. Das zweite Frühstück wollen wir auf dem Markt zu uns nehmen. Dorthin können wir locker laufen und kommen dabei an einem deutschen Wurstladen vorbei. Nelson ist recht fest in deutscher Hand. Auch auf dem Markt gibt es einen Bratwurst Stand mit Sauerkraut, Fleischkäse etc. Um diesen Stand hört man fast nur deutsche Stimmen. Das Publikum dort ist bunt gemischt und auffällig freakig unterwegs. Es gibt Stände mit tollem Schafskäse, mehrere Brotstände mit Broten die den Namen auch verdienen und dann natürlich auch Tand, Jade-Schmuck und einiges andere. Zugegebenermassen einer der besten Märkte die wir in Neuseeland schon gesehen haben wenn nicht der Beste. Auch Tony und Ronda laufen uns wieder über den Weg, sie sind auf dem Ulyssus Treffen und haben auch einen Abstecher auf den Markt gemacht. Man hat eh das Gefühl, dass das Treffen hierher verlagert wurde. Überall laufen Motorradfahrer mit Ulyssus T-Shirts, Jacken oder Baseball-Caps herum, sie sind kaum zu übersehen. Am Rande des Marktplatz kommen wir noch bei einem Barber vorbei, das erinnert mich daran, dass wieder einmal eine Rasur fällig wäre, eine rundum Rasur sogar, heisst Kopf und Bart. Ich hab´s mal wieder viel zu lange anstehen lassen. Als mich die Friseurin sieht entscheidet sie sogar noch ein bisschen länger zu machen. Nein Spass beiseite, eigentlich sollte der Laden schon seit 30 Minuten geschlossen sein aber der Andrang ist noch riesig und so macht sie einfach weiter nachdem der Chef schon gegangen ist.

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Nach der Rasur nehmen wir den Queen Charlotte Drive in Angriff. Eine enge kurvige Strasse die auf dem kürzesten Weg nach Picton führt. Sie bietet tolle Ausblicke über den Sound aber man ist gut beraten wenn man die Strasse im Auge behält, mit der Qualität der Fahrbahnoberfläche steht es mal wieder nicht zum Besten. Gut, dass wir unsere Backpacker Unterkunft schon von Nelson aus vorgebucht haben. Nachdem wir in Havelock, einem kleinen aber mittlerweile recht belebten Küstenort berühmt für seine Grünlippenmiesmuscheln eine Pause gemacht haben, wird es wie immer spät. Das wird mittlerweile zur Gewohnheit aber die Strassen die wir in letzter Zeit unter die Räder genommen haben waren ziemlich unberechenbar und wir sind natürlich auch spät aus Nelson weggekommen. Zwischen Havelock und Picton zeigt die Strasse noch einmal richtig was sie drauf hat, enge Serpentinen die sich nach unten schrauben Wellbleche in den Kurven und immer mal wieder ein Pothole das die Federn bis zum Anschlag zusammendrückt. Hier wäre die GS in Ihrem Element aber ich habe schon geraume Zeit meinen Frieden mit der Wahl unserer Motorräder gemacht und möchte die alte Harley auf dieser Tour nicht mehr missen. Nach dem grausligen Zimmer in der Fernlodge möchten wir mal wieder eine ruhige Nacht haben, daher haben wir im Tombstone Backpacker das einzigste Apartment gebucht. Das Backpacker hat seinen Namen nicht von irgendwoher, es liegt direkt neben dem Friedhof, die Betreiber zelebrieren diese Lage mit dem Namen, einer Tür in der Form eines Sargdeckels und dem Spruch „Ruhe sanft im Tombstone Backpacker“. Das Apartment ist klasse, eine tolle Aussicht über Picton und den Fährhafen durch doppelverglaste Fenster, eine echte Seltenheit in Kiwiland und dadurch auch sehr ruhig trotz der exponierten Lage. Wir gehen einkaufen, damit wir die tolle Küche richtig nutzen können und kochen uns ein schönes Abendessen.

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Sonntag 01.04.2012

Heute ist Sonntag und da wir nach unserem harten Walk oben in Puponga keinen Relaxtag eingelegt hatten, wird der heute nachgeholt. Manu schläft erst einmal richtig aus dann frühstücken wir zusammen und gammeln noch ein bisschen herum und gehen am Nachmittag auf einen kleinen Walk zu einer etwas abgelegenen kleinen Bucht. Das ist so inspirierend und das Wetter auf der Nordinsel so wenig motivierend, dass wir beschliessen noch eine Nacht dranzuhängen und am Montag einen Ganztages Walk auf dem Queen Charlotte Track zu buchen. Buchen muss man weil man ein Boot braucht, welches einem morgens zum Startpunkt weit draussen im Marlborough Sound fährt und abends am Endpunkt wieder abholt. Auf dem Weg durch den Hafen sehen wir ein Schild das für frischen Fisch direkt vom Boot wirbt. Wow das wäre doch was für heute Abend. Als wir von unserem Walk zurückkommen steuern wir als Erstes das Fischerboot an auf dem eine junge Frau die Fische anbietet. Hoffentlich ist noch etwas da, schliesslich ist es schon 4:00 aber die Sorge war unbegründet, die Eisboxen sind noch recht gut gefüllt und sie angelt einen nach dem anderen heraus, erklärt uns was für eine Art es ist und wie er schmeckt. Die grösste Herausforderung ist einen zu finden, der eine annehmbare Grösse hat, meistens sind es ganz schöne Brummer die sie da rauszieht, die würden uns drei Tage lang reichen. Letztendlich finden wir jedoch einen schönen Butterfisch den sie uns mit ein paar Handgriffen filetiert. Wenn man sie so beobachtet sieht man, dass sie sicher auf einem solchen Fischerboot aufgewachsen ist. Wir freuen uns schon aufs Abendessen, das wird heute ein rechter Festschmaus.Dazu muss natürlich noch ein guter Chardonnay her.

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Montag 02.04.2012

Früh aufstehen ist angesagt, unser Schiff läuft um 8:00 aus und wir sollen 10 Minuten früher dort sein. Freundlicherweise fährt uns unser Hostel Wirt an den Hafen. Zum Abschied gibt er uns seine Telefonnummer und bietet an, uns auch wieder abzuholen. Na so weit ist das nicht sagen wir, das laufen wir. Er lächelt milde und meint, das würden sie alle sagen und bis jetzt hätten noch alle angerufen weil sie so müde waren und so wird es uns auch ergehen. Damit ist das schon gelaufen, wir werden uns definitiv nicht abholen lassen, das wäre ja gelacht, milde belächeln lassen wir uns nicht. Wir sind fast eine Stunde mit dem Boot unterwegs und ich werfe immer mal wieder einen Seitenblick auf Manu, normalerweise ist sie nicht sonderlich seefest aber sie hält sich gut. Ich habe gelesen, dass Seekrankheit im Alter nachlässt, na wenigstens ein Vorteil könnte das Älterwerden haben. Der erste Teil des Weges hat es in sich, über 200 Meter Höhe machen auf den ersten Km das ist für uns Biker schon ganz schön anstrengend. Man ist nicht wirklich trainiert, wenn man den ganzen Tag auf dem Moped sitzt. Danach geht es runter auf Meeresspiegel und noch einmal auf die gleiche Höhe, dann verläuft der Weg in lockerem Auf und Ab runter zum Endpunkt. Alles in allem 14 km, damit hat man sich am Endpunkt einen Kaffee und einen Karottenkuchen verdient meint Manu und prompt steht da natürlich eine Lodge, die genau das anbietet. Weibliche Intuition, oder stand´s im Prospekt?

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Wir müssen doch eine ganze Weile auf unseren Rücktransport warten und vertreiben uns die Zeit indem wir noch ein bisschen auf dem Track weiterlaufen. Unser Schiff ist, was uns so nicht bewusst war gleichzeitig das Postschiff. Am Morgen war das nicht zu bemerken aber jetzt auf der Rückfahrt fährt der Kapitän alle möglichen Ansiedelungen an, ein Camp für schwererziehbare Kinder, die man nach hier draussen ausgesiedelt hat oder eine Lodge und eine Farm. Das Postschiff ist die schnellste Möglichkeit denen die Post vorbeizubringen. Die Kontaktpersonen warten schon auf dem Steg und so geht es flott, benötigt aber dennoch seine Zeit, bis alle angefahren sind. Meistens steht noch ein Hund mit auf dem Steg und auch für den gibt es immer ein Leckerli damit er dem Postboten gnädig gestimmt ist. Ich habe das Gefühl wir hätten eine Cruise gebucht. Irgendwann kommen wir dann aber doch wieder in unseren Hafen und wir gehen noch beim Supermarkt vorbei und dann zum Hostel. Na, so schwer war das nicht, dazu muss man kein Auto bewegen, schon gar nicht einen grossen Van der sich schon beim Starten einen ordentlichen Schluck genehmigt. Das war nun heute der Abschied von der Südinsel, morgen wird es auf die Fähre nach Wellington gehen. Es macht uns etwas traurig, es ist wie ein kleiner Abschluss auf dem Weg zurück nach Hause, die Zeit rast und der verbleibende Rest ist nur noch ein knapper 3 Wochen Urlaub.

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Dienstag 03.04.2012

Die Fähre müssen wir nicht buchen, da alle Ulyssus Jungs die Insel mittlerweile verlassen haben ist die Lage wieder sehr entspannt. Nach dem Frühstück schnappe ich mir ein Fahrrad und fahre runter zur Fähre um nach denTickets zu schauen. Die Dame dort am Check-in meint ich könnte die Tickets direkt bei Ihr kaufen wenn wir mit den Motorrädern ankommen. Prima, dann müssen wir nicht noch einmal an den etwas weiter weg gelegenen Ticketschalter. Ich radle wieder zurück und wir packen in aller Ruhe die Motorräder, machen noch ein paar Bilder und sitzen noch etwas im Lounge-Küchenbereich des Hostels bis es Zeit ist zur Fähre hinunter zu fahren. Das Wetter ist trüb aber noch trocken. Das war ja Wettermässig wieder eine Punktlandung. Auf der Fähre treffen wir Liam und Chris die gerade von der Ducati Rally in Hamner Springs kommen. Die Beiden sind gut drauf und wir haben eine gute Unterhaltung während der Überfahrt. Liam ist in der Motorradbranche tätig und engagiert sich derzeit sehr stark für Elektromotorräder, ist natürlich ein gutes Thema für mich, da ich zuletzt die Entwicklung der EV Steckverbinder geleitet habe und daher gut im Thema stehe.

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In Wellington verlässt uns das Wetterglück. Als wir von der Fähre fahren fängt es gerade an zu regnen und steigert sich schnell zu einem ergiebigen Landregen. Wir steuern zunächst einmal das Motel an, das uns beim ersten Wellington Aufenthalt eine Unterstellmöglichkeit gewährte. Der Besitzer war gerade dabei das gesamte Anwesen zu verkaufen und konnte uns daher nicht zu sichern ob der nächste Besitzer uns das auch gewähren würde. Ich bin jedoch guter Dinge, da wir die Motorräder auf einem Platz stehen hatten, der eigentlich kein echter Autoparkplatz war sondern eher eine winklige Fläche die sich durch die Autoparkplätze so ergeben hat. Der neue Besitzer ist freundlich aber skeptisch und tatsächlich hat er auf dieser Fläche sein eigenes Auto, ein Cabriolet, geparkt. Wir finden dennoch einen Fläche auf der ich versuchen möchte die Mopeds irgendwie unterzubringen. Die Lage ist einfach toll so gerade um die Ecke von Barry´s Haus, überdacht und nicht einsehbar von der Strasse. Als der Hotelbesitzer die Motorräder sieht überlegt er es sich doch noch einmal anders, schaut in die Buchungen und stellt uns einen gesamten Autoparkplatz zur Verfügung, max. 2 Tage. Das ist ok für uns, wir bedanken uns herzlich und fahren erst einmal zu Barry um das Gepäck abzuladen. Danach werden die Motorräder unten geparkt und mit dem grossen ABUS-Kettenschloss gesichert. Das Teil wiegt 5kg aber ich bin froh, dass wir es dabei haben, man hat doch immer ein gutes Gefühl wenn dieser Schliesszylinder einrastet. Um das Abendessen kümmern wir uns bzw, der Chinese von nebenan.

Mittwoch 04.04.2012

Es regnet. Daher nutzen wir den Tag, ich schreibe Tagebuch und kümmere mich um Angebote für die Verschiffung unserer Motorräder, das wird ja nun so langsam Zeit. Wir trinken noch einen Kaffee unten bei John in seinem kleinen Eck-Café und Manu wäscht noch einmal unsere gesamte Wäsche durch. Zwischendurch bringen wir dem Hotelier als Dankeschön noch eine Flasche Wein vorbei. Und es regnet immer noch. Ich telefoniere mit Dick Huurdemon, den wir eigentlich heute hätten besuchen wollen und verschiebe den Besuch auf morgen, da wir ja mit den Motorrädern bei ihm vorbeischauen möchten. Dick ist der Freund und damalige Begleiter von Des Molloy auf dem Trip mit den alten englischen Motorräder von Peking nach Arnheim. Ich möchte unbedingt auch seine Unterschrift in meiner Ausgabe vom „Last Hurrah“.

Donnerstag 05.04.2012

Das Wetter passt heute wieder sehr gut zu einem Abfahrtstag, die Sonne scheint und der Regen ist Schnee von gestern. Wir verabschieden uns schon früh am Morgen von den Conroy´s da Barry und Belinda natürlich arbeiten müssen. Da wir heute aber eh nur bis Palmerston North fahren wollen, lassen wir uns Zeit für die Abreise. Bevor wir Wellington verlassen steht noch der Besuch bei Dick Huurdemonn auf dem Plan. Der wohnt eigentlich gerade übern Berg im Stadtteil Melrose, dort allerdings an einer Strasse die sicherlich mit der steilsten Strasse der Welt mithalten kann dazu jedoch mit einer sauberen, von Wellblech durchzogenen Haarnadelkurve aufwartet. Mit der beladenen Harley und dem hohen sogenannten Apehanger Lenker doch eine nicht zu unterschätzende Herausforderung darstellt. Dick ist ein bemerkenswerter Mann, der mit seinen heute immerhin 78 Jahren immer noch mit seiner alten Norton Gespann Bj 54 unterwegs ist. Er ist ein cleverer Ingenieur der gute und durchdachte Ideen und Lösungen auch in die Realität umsetzen kann. Die Gabel an seiner Norton ist selbstentwickelt und ist eine Konstruktion die praktisch eine gezogene Schwinge darstellt. In der Garage steht noch ein Studebaker, der springt nach einigen ersten Umdrehungen an und brabbelt ruhig vor sich hin. Alles bei ihm zeugt von seiner technischen Versiertheit. Wir reden bei einem Tee über seine Sicht dieses extremen Trips und wie es danach so für ihn gelaufen ist. Er erzählt uns über einen Freund aus Deutschland, der wie sich herausstellt bei uns in der Nähe wohnt und so nehmen wir gerne die Adresse mit und den Auftrag dem Freund viele Grüße auszurichten.

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Irgendwann müssen wir dann endgültig starten und verabschieden uns schweren Herzens von Dick, mit dem wir uns sicher noch lange hätten unterhalten können ohne, dass es uns langweilig geworden wäre.

Wir schauen auf kürzestem Wege aus der Stadt heraus- und auf die Küstenstrasse Richtung Palmerston North zu kommen. 30 Km nördlich von Wellington verlassen wir die Strasse noch einmal um uns bei Harley Speed&Custom für die schnelle und kostenlose Zusendung der Lenkerhalterung zu bedanken. Die Jungs freuen sich uns noch einmal zu sehen und schütteln nur den Kopf als sie sehen, dass der Lenker immer noch mit 5 Kabelbindern fixiert ist. Meine Argumente des funktionierenden Systems wollen sie nicht wirklich folgen, ihnen wäre das zu heiß. Als Ingenieur denke ich aber beurteilen zu können ob ich damit ein Risiko eingehe und hätte ich darüber Zweifel hätte ich die Riser schon ausgetauscht. In der Mongolei hätte ich auch keine neuen Riser, daher interessiert es mich wie weit ich mit der Konstruktion kommen kann.

Alles in allem sind wir dieses Mal verdammt spät dran. In Palmerston wollten wir uns mit Fay unserer Bekannten vom Royal Enfield Club treffen. Dazwischen waren wir schon so weit direkt zu Ihr nach Dannevirke zu fahren um bei ihr zu übernachten, jetzt müssen wir wieder mit ihr telefonieren und das Treffen doch nach Palmerston verlegen. Das hätten wir mal besser nicht gemacht, doch dazu später mehr. Gerade als wir wieder starten wollen fällt mir auf, dass der Ölkühler der Triumph seltsam weit hunten hängt. Das sieht nicht gut aus, er hängt nur noch an den Ölleitungen, die Halterung war doch etwas zu schwach für die hochfrequenten Vibrationen des Paralleltwins. Gut dass wir noch ein paar Kabelbinder dabei haben. Die sind der moderne „No.8 wire“ den die Neuseelaänder gerne beschwören. Ein Draht der bei Zäunen auf den Weiden verwendet wird und dazu herhält alles Mögliche und Unmögliche zu fixieren. Die Kabelbinder machen ihren Job tadellos, der Ölkühler sitzt fest in seiner alten Halterung.

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Nun kann es weiter gehen. An einer Tankstelle mit Werkstatt nehmen wir gleich noch einmal 4 grosse Binder mit man kann ja nie wissen. Als wir in Palmerston ankommen ist es schon stockdunkel. Am Ortseingang höre ich ein seltsames rasselndes Geräusch. Ich versuche es zu lokalisieren aber da ist es schon wieder weg. Könnte Gravel auf der Strasse gewesen sein, das irgendwo ans Schutzblech geprasselt ist. Sage ich mir, irgendwie klang es anders. Aber aus den Ohren aus dem Sinn. Wir finden ein schönes Motel das recht preisgünstig ist und rufen Fay an um ihr die Adresse durchzugeben. Sie und ihr Freund Tony sind schon unterwegs und kurz vor Palmerston, na dann steht ja einem gemeinsamen Abendessen nichts mehr im Weg. Nachdem sie uns abgeholt haben gehen wir einen guten „Roast-of-the-day“ essen und anschliessend in eine Bar mit guter Livemusik. Fay ist früher Classic Rennen auf dem Motorrad gefahren und ganz aus dem Häuschen als sie hört, dass wir bei Dick waren. Er hat, solange er noch bei British Spares gearbeitet hatte, ihr Rennmotorrad getunt und gewartet, interessanterweise eine Ducati. Die Welt ist so klein.

 

Freitag 06.04.2012

Wir fühlen uns beide ziemlich sch... Der Kopf schmerzt, die Nase läuft, das sieht nicht gut aus. Wir verlängern noch eine Nacht in dem „Nest“ und suchen uns erst einmal eine Apotheke, die am Karfreitag geöffnet hat. Dort decken wir uns mit ein paar Erkältungsmittel ein, die wir in Deutschland sicher nie nehmen würden und nehmen ein heisses Bad im Motel. Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass das Zimmer ein Spa-Bath mit Blubber Wanne hat, das ist natürlich eher für ein Sektfrühstück gedacht aber taugt auch als Erkältungsbad.

 

Samstag 7.04.2012

Bevor wir heute Palmerston North verlassen um nach New Plymouth zu fahren cruisen wir noch etwas durch die Stadt, zusammen mit jeder Menge Fahrzeuge der 50er und 60ziger Jahre. Heute ist hier ein Festival das dieser Ära huldigt. Toll an der Ampel neben einem 54er Chevi Pick Up zu stehen und im Rückspiegel einen 62er Holden und einen 68er Käfer zu sehen. Man fühlt sich echt in der Zeit zurückversetzt. Manche der Einwohner sind ebenfalls im Look dieser wilden Jahre aufgebrezelt. Mehrere alte Doppeldecker Busse fahren die Besucher zu den verschiedenen Events, die über das Stadtgebiet verteilt sind. Uns interessiert vor allem die Car&Bike-Show. Kulanterweise lässt man uns einen kostenlosen Blick in die heilige Halle werfen. Was dort so rumsteht erfreut das Herz jedes Oldtimer Enthusiasten. Aus Europa sind nur drei Fahrzeuge vertreten, 2 VW Käfer und man höre und staune ein 500er Fiat. Roy Orbison, Elvis Presley und die Rolling Stones untermalen die Ausstellung mit ihrer Musik und man hat American Graffiti und James Dean in seinem Porsche vor Augen. Rechts von der Bühne ein lebensgrosser Elvis Presley, der leger auf einem Barhocker fläzt und links eine alte Wurlitzer Jukebox machen richtig Lust noch bis heute Abend zu bleiben aber das passt leider nicht mehr in den Zeitplan. Wir sind in New Plymouth mit Lew vom Royal Enfield Owners Club verabredet also geht es nach einem Neuzeitkaffee wieder auf die Strasse Richtung Nordwesten und Richtung Mount Taranaki.

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Einige Kilometer nach New Plymouth plötzlich wieder dieses Geräusch von vor zwei Tagen, verdammt, das hört sich sehr metallisch an aber irgendwie auch nach aussen und nicht nach irgendetwas im Motorinnern. Ich muss mich nicht lange fragen wo das nun genau herkommt, gerade stellt sich so ein weiches, schwammiges Gefühl am Hinterrad ein und schon ist auch Manu neben mir, schüttelt den Kopf und deutet mir anzuhalten. Ich rolle gerade am Strassenrand aus als die Luft völlig aus dem Hinterreifen entwichen ist. Na prima, das hat uns heute am Ostersamstag noch gefehlt. Zum Jammern haben wir allerdings keine Zeit, mit vereinten Kräften schieben wir den nun (gefühlt) tonnenschweren Koloss auf den weichen Grasstreifen damit uns nicht einer der vorbeirauschenden Lkw´s den Hintern abfährt. Ich bin schon am Auspacken des Wagenhebers und des Werkzeuges als hinter uns zwei Motorräder anhalten. Ah, das sind die Beiden die gerade in entgegengesetzter Richtung vorbeigefahren sind. Nett, dass auch hier die Hilfsbreitschaft unter Motorradfahrern so gross ist. Tyson und Sharon heissen die Beiden, sie sind nach New Plymouth unterwegs, mit den 50/60ern haben sie nicht soviel am Hut sie müssen einfach zum Einkaufen. Tyson zieht sofort seinen Repair Kit raus und meint wir sollten seinen benutzen damit wir unseren noch als Reserve haben, das ist schon eine sehr grosse Hilfsbereitschaft. Ich nutze den Tip Top Kit von uns, schliesslich sind 3 Gummistopfen vorhanden, nehme aber gerne 2 seiner Gaskartuschen. Auch mit 3 Kartuschen ist der Reifen noch nicht so wirklich fahrbar, als 180/70-16 hat er eben schon ein ganz ordentliches Volumen, aber ganz unten im Koffer liegt die Handpumpe die ich mir noch aus dem Touratech-Katalog geordert habe. Das geht dann besser als gedacht. Wir halten noch ein bisschen Small Talk am Strassenrand damit der Kleber im Pfropfen noch etwas vulkanisieren kann. Wir wünschen uns oft mehr Zeit um sie wie hier mit Menschen wie Tyson und Sharon verbringen zu können, ein Kaffee oder ein Bier wäre schon noch schön gewesen.

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An der nächsten Tankstelle füllen wir die Luft dann komplett auf und SMSen noch einmal mit Lew. Der nimmt die Verspätung gelassen und textet zurück „Ok, ich fahr Euch dann weiter entgegen und wir treffen uns in Patea anstatt Hawera zum Kaffee“. Das klappt dann auch problemlos, die Luft scheint zu halten. Lew hat zu unseren Ehren seine Edel-Royal Enfield aus dem Stall gezogen, eine 750er Twin. Bei uns kennt man die Enfield ja fast nur als die einzylindrische 500er Bullet die so auch heute noch in Indien gebaut wird oder auch als die Diesel-Version die es davon gibt. Mit der 750er kann man schon eine etwas flottere Gangart wählen und das ist ganz gut so, denn trotz unserer Verspätung durch den Reifen wollen wir den Coastal Highway rund um den Mt. Taranaki fahren, den grossen Vulkan nach dem die ganze Region benannt ist. Bei der Umrundung des Berges kann man sehr schön sehen wie schnell sich das Wetter an einem solchen Berg ändern kann. Während zu Beginn die gesamte Ostflanke in einer dicken Wolke verschwindet wird die Süd- und die Westseite noch völlig von der Sonne beschienen. Nachdem wir den Berg fast umrundet haben ist die Westseite nun wiederum in grauen Wolken und es scheint, dass zumindest die Ostseite wolkenfrei ist. Nach ein paar weiteren Stops kommen wir im Dunkeln in New Plymouth an und fahren direkt zu Lew. Während wir bei der Royal Enfield Rally mit den Worten „Come and stay at us“ nach New Plymouth eingeladen wurden hat uns Lew beim Kaffee in Patea locker gefragt wo wir denn heute Nacht bleiben werden. Keine Ahnung sage ich und denke es kommt jetzt das obligatorische „you can stay at us“ aber weit gefehlt, wir können ja von ihm aus telefonieren meint er. Na ja, en bisschen überrascht sind wir schon aber wir haben einige Adressen in unserem Lohse Reiseführer, die sind meistens ganz brauchbar. Meistens. Heute landen wir beim Youth Hostel weil die anderen Backpacker nur noch Dorm Betten zur Verfügung haben. 80$ für ein Zimmer 3mx2,3m mit Gemeinschaftsbad und direkt unter dem Holzbohlenboden der Küche. Die Wasserleitungen laufen neben meinem Ohr durch die Wand. Die Nacht wird dementsprechend „geruhsam“.

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19. April 2012 4 19 /04 /April /2012 12:53

Mittwoch 21.03.2012

Für uns geht es wieder weiter heute. Über den Arthurs Pass soll es nach Christchurch gehen. Um den stark befahrenen und mit Baustellen gespickten Highway 6 zu meiden fahren wir auf kleinen Nebenstrassen vorbei an der stillgelegten Brunner Mine und dem Lake Brunner Richtung Pass. Wir passieren einige Minendenkmäler, die alle an vergangene Minenunglücke erinnern. Mann, das waren nicht wenige. Wie schon gesagt, die Westküste und vor allem dieser mittlere Teil sind eng mit dem Kohleabbau verbunden. Der Arhtur´s Pass selbst ist extrem unspektakulär. Man kann ihn nicht mit einem der bekannten Alpenpässe vergleichen. Es gibt keine Serpentinenanfahrt, kein Ausblick, nur ein flacher Übergang mit einer kleinen Ansammlung an Häusern, teils Unterkünfte teils Cafés oder beides. Die Bilder, die man immer in den Prospekten sieht kommen danach. Mit einem Seitenblick erkenne ich das Bild, das immer meine Vorstellungen des Passes prägte. Da muss ich natürlich anhalten und mal wieder ein Bild machen.

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Wir kommen flott voran und erreichen Christchurch relativ frühzeitig wenn man bedenkt, dass wir erst um 12:00 weggefahren sind. Ausser ein paar Fotostops und einem längeren Halt für Kaffee und Essen gab es keine Unterbrechungen. Wir steuern zunächst mal die Adresse von Jon Miller an. Jon betreibt einen Handel mit Ersatzteilen vorwiegend für Triumph Motorräder, die alten klassischen natürlich. Viele der Teile werden hier in Neuseeland gemacht. Neben diesen speziellen Teilen vertreibt er auch Reifen für die alten Ladies und das ist der Grund warum wir ihn besuchen. Ich habe schon von Greymouth aus im Internet nach einem Hinterreifen für Manu´s Triumph gesucht als mir Harry empfohlen hatte Jon Miller zu kontaktieren. Der Hinterreifen der in der Garage von Harry steht ist von ihm. Ich hatte mir ja schon überlegt einfach den zu nehmen war mir jedoch nicht sicher aufgrund der anderen Grösse ob der denn nicht zu breit wird. Harry besorgt die Adresse und Telefonnummer von Jon über einen seiner Arbeitskollegen und die Sache ist geritzt. Der Reifen wird bei Jon bereitstehen wenn wir in Christchurch eintreffen so die Zusicherung. Nun wollen wir sehen ob dem auch so ist. Michael ein Arbeitskollege, mittlerweile guter Freund und erfahrener Triumph Kenner hat mir bestätigt, dass der Reifen teilweise zur Erstausrüstung gehörte. Jon ist zu Hause und wir vereinbaren den Reifenwechsel für morgen 9:30. Für uns heisst es jetzt eine Unterkunft in der Nähe zu finden. Das erweist sich als nicht ganz einfach, Jon hatte das schon angedeutet, da aufgrund der Erbeben Schäden und deren Beseitigung viele Organisationen in der Stadt sind die die Hotels und Motels belegen. Auch wurden einige betroffenen Personen aus ihren Häusern in diese Unterkünfte umgesiedelt und so fahren wir zunächst einmal an vielen “No Vacancy“ Schildern vorbei. Wir wollen versuchen in einem der Hostels aus unserem Stefan-Loose Reiseführer unterzukommen und rufen eins nach dem anderen an, nur um uns überall Absagen zu holen. Nur noch Dorm Zimmer, kein Platz für die Motorräder etc. Wir fahren zurück zu dem einen Motel das noch ein „Vacancy“ aushängen hatte aber auch das hat sich erledigt. Als wäre das nicht schon besch... genug fängt es nun auch noch an zu regnen. Daneben ist noch ein Motel, mein Gott sieht das luxuriös aus. Die haben natürlich nur noch ein Zimmer und das ist das grosse Appartement, was auch sonst. Egal, es ist nah bei Jon, so sollte es morgen früh regnen ist das nicht ganz so schlimm und wir haben in letzter Zeit sehr sparsam gelebt was unsere Unterkünfte anging. Die Motorräder haben zwar keinen gesondert gesicherten Parkplatz aber überdacht. Nach dem Abendessen gehen wir immer mal wieder kurz vor die Balkontür, es nieselt fein aber recht ergiebig. Shit, aber es kommt nicht ganz überraschend nur etwas früh, die Wettervorhersage hatte den regen erst morgen angekündigt. Ich rufe noch Sven Dossinger an und wir verabreden uns für morgen Abend zum Barbecue. Sven kommt aus Rheinhausen, lebt und arbeitet derzeit allerdings in Christchurch. Er ist der Bruder von Petra und Annette die ich wesentlich besser kenne.

Donnerstag 22.03.2012

Aufwachen. Es regnet. Frühstück No.1. Es regnet. Kaffee im Bett. Es regnet. Frühstück No.2 Es regnet. Na gut dann soll´s wohl so sein. Ich ziehe die Regenklamotten über und mache mich auf den Weg zu Jon, es sind ja nur 6 Blocks die Strasse hoch. Manu bleibt im Zimmer und kann sich mal etwas Zeit für sich nehmen. Beim Reifenwechsel daneben stehen wäre wirklich Zeitverschwendung. Kaum schiebe ich die Triumph unter dem Dach hervor hört es auch schon auf zu regnen. Na das nenne ich mal eine schöne Aufmerksamkeit vom alten Petrus. Bei Jon angekommen gibt es erst einmal einen Tee auf der Veranda, Jon raucht noch eine Zigarette dann wollen wir anfangen. Aber zunächst kommt da noch ein Kunde dazwischen, der seine überarbeitete Norton Sitzbank abholen möchte. Er ist mit seiner Frau unterwegs und Jon stellt mich vor und erzählt ihm, dass wir mit den beiden Oldies in Down Under unterwegs sind. Als wir auf die Strecke zu sprechen kommen stellt sich heraus, dass seine Frau im Ruddy Nugget Café in Ross arbeitet und in dem Haus um die Kurve mit den vielen Nummernschildern und Motorradteilen wohnt. S ist immer wieder überraschend, wie sich die Wege mancher Menschen auf diesem Trip mit den unsrigen kreuzen. Es ist geradezu unglaublich und wir fragen uns oft, was uns das oder ob uns das etwas sagen soll. Als die Beiden wieder weg sind machen Jon und ich uns an die Arbeit. Das Rad ist schnell ausgebaut aber der Reifen will ums Verr... nicht von der Felge. Egal was wir probieren, der Metzeler Enduro2 ein toller Allround Reifen für dieses Motorrad hält auf der Felge wie festgeklebt. Die Entscheidung fällt schnell, Jon ruft den örtlichen Triumph Händler an, der sich bereit erklärt den Reifen zu wechseln. Noch bevor wir losfahren können kommt noch Phil vorbei, auch ein Kunde von Jon auf einer 650 Tiger Scrambler, er holt ein paar Kleinteile ab und liefert etwas ab. In seinem Workshop hätte er auch noch einen Sicherungssplint den wir für die Bremsstange der Hinterradbremse brauchen. Als er weg ist fahren wir gleich los und die Jungs von Triumph erledigen den Job in 10 Minuten, Geld wollen sie dafür keins, also wollen wir zum nächsten Liquor Store fahren und ein paar Bier holen, das internationale Zahlungsmittel. Da dies ein Industriegebiet ist und auch Jon keinen Liquor Store in der Nähe kennt, fahren wir bei einem Freund von Jon vorbei, der in einer Garage um die Ecke Planen näht und auch die Norton-Sitzbank erneuert hat. Der Mann, schlohweisse Haare und Bart strahlt eine ungeheuere Ruhe aus. Es vergehen einige Sekunden nachdem wir die Garage betreten haben bis er langsam den Kopf von der Arbeit hebt, lächelt und das Gespräch aufnimmt. Klar weiss er wo wir das Bier bekommen, ebenfalls um die Ecke. Wir reden noch ein paar Takte und fahren dann zum Bier kaufen. Ich bewundere Menschen, die so in sich ruhen und trotzdem solch eine Aktivität ausstrahlen. Das Bier kommt richtig gut an, ich habe natürlich ein Deutsches gekauft, nun brauchen wir noch Öl für die alte Trumphi. Wir parken vor einer Werkshalle, die sich gegenüber dem Autostore befindet in dem Jon sein Öl kauft. Bevor wir in den Ölshop reingehen möchte mir Jon noch eine kleine Sammlung alter Brit-Bikes zeigen. In der Werkhalle befindet sich eine kleine Werkstatt. Ich traue meinen Augen nicht, darin stehen 8 top restaurierte Triumph Motorräder. DAS ist der Workshop des zweiten Kunden in dem wir auch den Splint finden. Die Werkshalle gehört einem Firmenbesitzer mit Faible für klassische Triumph. Der junge der bei Jon war ist nur für die Wartung dieser und noch einiger weiterer eingestellt worden, verrückt, oder? Es ist sonst keiner da also gehen wir rüber in den Ölshop und dann nichts wie nach Hause, das Rad wieder einbauen. In Christchurch stehen überall umgebaute kleine Wohnwägen in den Strassen, die die Cafés in der Innenstadt ersetzen sollen. Das trifft sich hervorragend, da Jon nur Instant Kaffee zu Hause hat und ich gerne noch einen guten Nachmittags-Latté hätte. Es ist echt praktisch, kurz anhalten, rausspringen Kaffee holen und weiterfahren. Fast wie ein Drive-thru. Das Einbauen des Rades gestaltet sich etwas kniffelig und Gott sei Dank kommt Phil noch einmal vorbei. Er kennt den entscheidenden Kniff, ich sag jetzt nicht wobei wir uns etwas ungeschickt angestellt haben. Vor kurzem hatte sich die Tachowelle noch einmal an der Monsterhupe der Triumph verhakt und seitdem funktioniert der Tacho nicht mehr. Da ich weiss, dass Manu grossen Wert darauf legt zu wissen wie schnell sie unterwegs ist bauen wir auch noch kurzerhand eine neue Tachowelle ein, dummerweise hat Jon nur die China-Version verfügbar aber egal, die Probefahrt zeigt, dass der Tacho wieder funktioniert. Da Jon auch keine Kabelbinder hat, er ist für einen Engländer Liebhaber extrem mager ausgestattet, ich glaube ich habe mehr Werkzeug dabei als er in seiner Garage, tape ich die Welle am Rahmen fest und nehme mir vor das später mit Kabelbindern zu ersetzen. Alles ist erledigt, bezahlt und ich bin gerade auf dem Sprung, da kommt Jon noch mit einer Dose Kettenspray, Geschenk des Hauses, klasse unseres ist eh gerade leer. Eine Riesendose aber was soll´s einem geschenkten Gaul....... . Manu hat im Motel etwas relaxed und sich etwas Zeit für sich gegönnt, das machen wir wahrscheinlich etwas zu selten. Nicht, dass wir ständig auf der Hatz wären, aber so richtig bewusst rumlümmeln und einfach nichts tun, das war bisher eher selten der Fall. Bevor wir uns heute Abend mit Sven und Mandy zum Barbecue treffen wollen wir uns noch einen Eindruck von Christchurch und den Erdbeben Schäden des vergangenen Jahres verschaffen. Mit den Motorrädern machen wir uns auf den Weg Richtung Innenstadt, jedoch fangen die Absperrungen früher an als wir dachten und nachdem wir einmal drumherum gefahren sind stellen wir die Motorräder ab und gehen einfach zu Fuss. Die Strassen weissen schon viele Beschädigunen auf und man muss gut auf Schlaglöcher achten, die sind allerdings in nicht Erdbeben geschädigten Gebieten oft nicht seltener. Vielleicht ist die Lochtiefe hier noch etwas ausgeprägter. Wenn man durch die Absperrungen schaut erscheint einem die Innenstadt wie eine moderne Geisterstadt und man fragt sich wie lange das dauern wird, bis Christchurch wieder zu einer normalen Stadt wird oder ob das überhaupt wieder jemals der Fall sein wird. In den Vororten ist davon kaum etwas zu spüren aber die Innenstadt wirkt wirklich bedrückend. Aber die Christchurcher haben einen immensen Durchhaltewillen und so wird improvisiert was das Zeug hält. Eine Einkaufsmall mit Boutiquen und anderen Geschäften wurde aus Containern aufgebaut und die Kaffeewagen habe ich ja auch schon angesprochen. Die werden das schon schaffen.

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Ein Blick auf die Uhr holt uns in unsere Gegenwart zurück und sagt uns, dass wir fast unser Date verpennt hätten. Ich will anrufen, habe aber das falsche Handy dabei und damit Svens Nummer nicht greifbar. Wenn man sich schon dumm anstellt kann man froh sein wenn es sich durch Geld beheben lässt. Ich rufe also in Deutschland an und besorge mir seine Nummer um ihm zu sagen, dass wir etwas „late“ sind und lasse mir noch einmal den Weg erklären. Wir finden das Haus der Beiden sehr schnell und so hält sich unsere Verspätung etwas in Grenzen. Mit Barbecue wird es eh nichts, da da Wetter kein wirkliches Grillwetter ist. Wir klingeln einmal, nichts, ein zweites Mal, etwas warten, nichts, jetzt kommt eine Nachbarin von schräg drüben und meint, dass die beiden jungen Leute auf jeden Fall zu Hause wären, sie hätten den jungen Mann den Müll rausbringen sehen. Nachdem wir später hören, dass es mit der Connection der Beiden zu eben dieser Nachbarin nicht zum Besten steht fragen wir uns warum sie uns überhaupt darauf hingewiesen hat. Wie Steuerfahnder oder Headhunter sehen wir ja nun wirklich nicht aus, vielleicht haben wir ja einfach mal einen freundlichen Moment erwischt. Der Abend ist richtig schön und angenehm, Sven hat sich scheinbar schon sehr gut eingelebt und die Beiden strahlen eine richtige Zufriedenheit aus. Als wir so gemütlich am Essen und bei einem guten Rose Weinschorle sind spüre ich plötzlich etwas Hartes im Mund und schaffe es gerade nicht drauf zu beissen. Ich kann es ja nicht fassen, eine meiner Kronen hat sich sauber vom restlichen Zahn gelöst. Jetzt heisst es ruhig bleiben, was mir bei Zahnthemen immer schwer fällt. Mandy ist zuerst etwas geschockt, dass IHRE Steaks das verursacht haben, ich beruhige sie jedoch damit, dass die Steaks wirklich optimal getroffen und zart sind und das wohl nur eine Frage der Zeit gewesen wäre und das Teil hätte sich sogar bei Haferbrei gelöst. Eigentlch kann ich froh sein, dass es mir hier passiert ist. Zum einen weiss Mandy einen guten Zahnarzt zum anderen ist heute Donnerstag, so dass ich noch die Chance habe morgen gleich einen Termin zu bekommen. Mandy warnt uns noch vor den leichten Macken des Arztes und gibt uns die Adresse und Telefonnummer. Er sammelt Uhren und sagt in jedem zweiten Wort „et cetera“ . Na wenn das alles ist, soll es mir recht sein. Die Zeit verrinnt wie im Flug und es ist schon nach 23:00 als wir wieder ins Hotel zurückfahren.

 

Freitag 23.03.2012

Ich wache auf und denke als erstes an meine Krone in der Zip-Lock Tüte. Hoffentlich geht das gut heute und er muss das Ding einfach wieder drauf zementieren. Ich rufe gar nicht erst an, wir fahren direkt dort hin, fertig bepackt so dass wir direkt danach weiterfahren können. Und es klappt, ich bekomme einen Termin um 13:30, jetzt bin ich etwas relaxter, so dass ich mir erst einmal die Wände mit den vielen verrückten Uhren betrachten kann. Ich glaube ich müsste schon Drogen nehmen um manche davon zu kaufen, geschweige denn sie an die Wand zu hängen und zu betrachten. Aber es weckt auch Interesse auf den Menschen der diese Dinger sammelt. Und so sehe ich gespannt meinem Termin auf dem Behandlungsstuhl entgegen. Wir gehen noch einkaufen, der Supermarkt ist direkt daneben und einen Kaffee trinken dann ist es schon soweit und ich muss rüber laufen in die Praxis während Manu noch am letzten Rest des Kaffees schlürft. Ich hatte auch noch etwas gegessen weil man ja nicht weiss wie lange danach man nichts mehr bekommt und dann auf der Café Toilette noch die Zähne geputzt. Dazu hatte man mir beim Zahnarzt freundlicherweise eine Zahnbürste die schon „vorgeladen“ war mitgegeben. Ich sitze auf der Bank hinter der grossen Fensterscheibe und die Sonne scheint mir warm auf den Rücken. Ich habe noch etwas Zeit mir weiter die Uhren zu betrachten. Man kann da schon eine Weile mit zubringen und entdeckt immer wieder neue verrückte Details. Dann kommt Andrew wie er sich vorstellt auf mich zu und bittet mich ins Behandlungszimmer. Er ist ein lockerer Typ und erzählt wie ein Wasserfall, ohne jedoch die vielen „et ceteras“ zu benutzen. Nach 10 Minuten kann ich eh nur noch zuhören, wie das eben so ist auf diesem Stuhl, den Kopf nach hinten gelegt und den Mund voll mit Wattebäuschen und allen möglichen Instrumenten. Das Thema ist wirklich schnell erledigt, die Krone wird gestrahlt, die Zementreste entfernt und wieder aufgeklebt. Na da bin ich aber froh, ich kann Menschen besser leiden wenn sie mir nicht weh tun und so verabschieden wir uns herzlich mit einem Bild und einer Rechnung die gar nicht mal soo teuer ist. Der ADAC wird’s wohl bezahlen müssen.

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Für uns geht es los Richtung Lewis Pass. Es ist nun doch schon etwas später und wir kommen nur noch bis Hamner Springs, ein Ort gebaut um die warmen Heilquellen dort. Wir buchen uns im Youth Hostel ein und es ist seit langem das erste Mal, dass es keine Unterstellmöglichkeit für die Bikes gibt, sie müssen vor der Herberge auf dem Parkplatz bleiben. Motels mit Unterstellmöglichkeit waren dort einfach zu teuer und so decke ich die Beiden mit der Unterlegplane für unser Zelt ab und sichere sie mit Wäscheleine und grossen Holzscheiten. Die Unterkunft ist recht ruhig und um Hamner Springs kann man auch den einen oder anderen Walk machen. Der Wetterbericht zeigt verdammt viel Regen in Richtung Reefton und der Buller Gorge. Genau das wären aber nun unsere nächsten Ziele. Hier in Hamner Springs soll es morgen noch schön sein und übermorgen nicht gleich regnen. So entscheiden wir uns zwei Nächte zu bleiben. Wir sind früh dran und wir gehen schon einmal ins Ort und checken die Einkaufsmöglichkeiten und Cafés bzw. kaufen auch gleich fürs Abendessen ein. Manu studiert am Abend noch die Wanderkarten und sucht uns den richtigen Track für den morgigen Tag aus.

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Samstag 24.03.2012

Wir starten relativ spät zu unserem Walk, der Beschreibung nach ist er nicht die grösste Herausforderung. Ca. 10km das sollte locker in 3-4 Stunden inklusive aller Fotostops und Essenspausen machbar sein. Die Gegend durch die wir wandern ist eine Mischung zwischen Schwarzwald und Pfälzerwald und die Walks laufen oft zusammen mit Mountain Bike Tracks. Als ob das nicht schon problematisch genug wäre, die Wege sind oft steil und schmal und ich möchte mir gar nicht vorstellen wenn so ein Downhiller hier heruntergeschossen kommt und wir gerade nach oben keuchen, kommen während einer kleinen Pause bewi der wir auf einer Holzbank am Wegrand sitzen 6 Motocrossmaschinen durchs Gebüsch gefahren und der erste landet gerade 40cm neben meinem Knie. Die Jungs sind wohl „versehentlich“ etwas vom Weg abgekommen. Ich bin Motorrädern gegenüber extrem tolerant aber das geht selbst mir etwas zu weit. Der Erste kann gerade noch seine Kollegen vor den zwei Wanderern warnen die da gemütlich die Beine in „Ihre“ Fahrbahn strecken. Den Vollvisierhelm auf und die offene Akrapovic im Ohr kann ich ihm nur per Zeichensprache klarmachen, dass sie sich vom Acker scheren sollen. Ich hab jetzt schon ´nen Riesenhals. Die Jungs schaun, dass sie weiterkommen aber sicher nicht weil ich mich etwas aufrege sondern um noch mehr Spass zu haben. Egal, Hauptsache sie sind weg. Wir hören sie noch den ganzen Rest vom Nachmittag und das ist wirklich nervig. Na ja, da die Gegend eh recht unspektakulär ist hält uns nicht mehr viel hier. Morgen ist Abfahrt, das ist sicher.

 

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Sonntag 25.03.2012

Ich mache mir mein erstes Frühstück und setze mich auf den kleinen Balkon neben unserem Zimmer. Das wird mir dann aber doch etwas kühl, vor allem wird mein Müsli so schnell kalt. Ich bin dennoch begeistert, sieht so aus als hätten wir einen tollen Start in den Tag vor uns. Wir wissen allerdings auch ziemlich sicher, dass hinter den ersten Bergketten der Regen wartet. Das Regenradar des Met-service lässt dabei keine Zweifel offen. Solange das Wetter jedoch noch so gut ist, sehen wir es nicht ein mit Regenklamotten durch die Gegend zu fahren. Vor dem Fahrspass steht allerdings noch tanken an, bis nach Murchison wird unser Tank nicht mehr ganz reichen. Ich rechne immer noch damit über Reefton und die Buller Gorge zu fahren. Selbst Reefton wird knapp und da wir das nun schon das eine oder andere Mal durchexerziert haben tanken wir vorsichtshalber ein paar Liter so dass es sicher bis Murchison reicht. Warum so sparsam? Weil der Sprit in dieser Bergregion sauteuer ist. Kaum stehen wir an der Tanke fährt ein Club mit klassischen japanischen Motorrädern ein. Eine 750 four ist nun nichts so Besonderes aber die Suzuki GT750, bei uns als Wasserbüffel bekannt, ein wassergekühlter Zweitakter und die Suzuki mit Wankelmotor und futuristischen Armaturen sieht man in Deutschland nur noch extrem selten. Wir kommennicht wirklich ins Gespräch, es bleibt beim Hallo und gute Fahrt, für mehr ist eine alte Harley und so eine Suzuki doch zu weit voneinander entfernt.

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Nach ca. 40km verdunkelt sich der Himmel und wir schmeissen uns in die Regenklamotten. Nach weiteren 10km kommt was kommen muss es fängt an zu regnen, zuerst nur leicht aber die Tropfen werden mehr und vor allem grösser. An der Kreuzung an der wir uns entscheiden müssen nach Reefton oder auf kürzestem Weg nach Murchison zu fahren regnet es in Strömen. Dort steht ein Kaffee mit weit überdachten Eingangsbereich. Der ist eigentlich dazu gedacht, dass sich die Gäste auch raus setzen können, darauf kann ich jetzt leider keine Rücksicht nehmen. Ich steuere die Harley direkt unter das Dach und stelle sie dort ab.Manu folgt mir auf dem Fuss und positioniert die Triumph direkt daneben.

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Niemand kommt auf die Idee uns wieder wegzujagen und so sitzen wir kurz darauf in dem Café, was mehr so eine Mischung aus Diner und Schnellfress ist. Nicht wirklich gemütlich aber trocken. Draussen stehen noch zwei Harley Davidson Sportster, eine Superglide und eine Suzuki. Die beiden Mädels die auf den Sportstern unterwegs sind kommen von der Ostküste, sind ebenfalls bei bestem Wetter gestartet und trauern jetzt der Sonne und den warmen Temperaturen dort nach. Hier ist es jetzt neben dem Regen auch ziemlich kühl geworden also richtig ungemütlich. Die beiden mit Superglide und Suzuki sitzen im Nebenraum und wir grüssen uns nur kurz beim rausgehen. Ein Biker kommt gerade an. Er kommt von der Westküste und ist wie er sagt die gesamte Zeit im Regen gefahren. Die Buller Gorge wäre bei Regen aufgrund von Baustellen auch keine empfehlenswerte Strecke. So ist die Entscheidung gefallen, wir haben auch in Europa schöne Schluchten zum Durchfahren, wir fahren direkt nach Murchison. Der Regen hat sogar aufgehört und in Fahrtrichtung sieht es gar nicht so schlecht aus. Zu früh gefreut, es fängt immer wieder an zu pieseln. In Murchison tanken wir voll um erst einmal wieder unter einem Dach zu stehen. Nach dem Tanken lassen wir die Bikes noch an der Zapfsäule stehen und gehen rüber ins Lazy Cow Backpackers um nach Zimmer und Garage zu fragen. Das Backpacker erweist sich als super gemütliche familiäre Unterkunft. Der Betreiber hat sogar einen tollen Unterstellplatz in seiner Garage. Zu der geht es steil nach unten, wie wir dort wieder herauskommen schaue ich mir später an. Jetzt stehen die beiden Ladies erst einmal wohl behütet in einer trockenen Unterkunft, die unserer in nichts nachsteht. Wir werden in der guten Stube (Küche und Esszimmer) mit einem Stück Karottenkuchen begrüsst. Draussen geht gerade mal wieder ein Regenschauer runter und wir sind froh hier untergekommen zu sein. Ich hatte mich schon auf das Hotel gegenüber eingestellt. Wenn man in Neuseeland von einem Hotel spricht ist damit meistens ein Hotel/Pub gemeint. Die Zimmer haben grösstenteils kein eigenes Bad, sind dafür recht preiswert und weil man vom Tea, wie die Kiwis ihr Abendessen nennen, über die Bar direkt aufs Zimmer stolpern kann sind sie die erste Wahl für viele Biker auf Tour. Wir haben hier zwar auch kein eigenes Bad, dafür haben wir es viel gemütlicher und haben eine Küche zur Verfügung um uns morgens ein Frühstück und vor allem einen guten Kaffee aus unserer kleinen italienischen Espressomaschine zu machen. Fürs Abendessen haben wir allerdings nichts dabei, Lasagne um 18:30 steht im Hostel auf einer Kreidetafel. Man muss sich dafür anmelden und wir überlegen noch ob die Lasagne für mich funktionieren könnte aber die Wirtin beruhigt mich, das Hackfleisch wäre sehr mager, sie würde sich nur Gedanken über den Käse machen. Den kann man herunterkratzen sage ich und wir bestellen eine Portion. Da Manu noch nach Pommes ist trabe ich kurz bevor die Lasagen aufgetischt wird rüber zum Hotel und hole eine Portion. Somit ist das Abendessen perfekt. Nein noch nicht ganz, der Wirt hat sogar noch einen ganz annehmbaren Hauswein, Manu nimmt den roten und ich einen Weissen. JETZT ist das Abendessen perfekt. Danach haben wir noch einige interessante Gespräche mit den anderen Gästen. Darunter ein Mann mit seiner Tochter, Neuseeländer, die zusammen eine grosse Fahhradtour gemacht haben. Er hat eine geraume Zeit im Kraichtal gelebt und spricht noch recht gut deutsch. Er macht ein paar Spässe über Harley Fahrer und meint ich wäre ja nun weit entfernt vom typischen Harley Fahrer, der gross, schwer und tätowiert wäre. Na entgegne ich schnell, da kannst Du mal froh sein, für die Spässe von vorhin hätte Dich der typische HD Fahrer von der Bank gehauen das wär dir dann sicher auch nicht recht, oder. Damit ist das Thema erledigt.

Montag 26.03.2012

Wir machen uns ganz gemütlich fertig, räumen das Zimmer und setzen uns dann noch ins Esszimmer um zu frühstücken. Wir haben´s heute nicht weit, wir wollen zu Des Molloy nach Pohara. Des ist Motorradreisender sein letzter ganz grosser Trip führte 2005 zusammen mit Dick Huurdemonn von Peking nach Arnheim. Er hat darüber ein Buch geschrieben und Steve sein Sohn begleitete die Beiden als Kameramann und so gibt es auch einen Film über diesen Trip. Nun wäre es schon ein Buch wert wenn zwei so alte Haudegen, Des war zu dieser Zeit etwa Mitte Sechzig und Dick schon 72 Jahre alt mit zwei Motorrädern so eine Reise unternehmen. Der Knüller ist allerdings mit welchen Motorrädern die Beiden unterwegs waren. Des auf seiner „Penelope“ einer alten einzylindrischen englischen Panther Baujahr 1967 und Dick auf einer Einzylinder Norton ebenfalls aus den frühen Sechzigern. Dagegen erscheint unser Trip natürlich wie ein Kindergeburtstag bei Mc D.. Ist ja auch eigentlich so. Wir waren nur in weitestgehend hoch zivilisierten Gegenden unterwegs, weitestgehend, für manche Gebiete in Australien galt das nicht immer und Neuseeland, na ja ist immerhin bei weitem nicht so entwickelt wie Deutschland. Was die Kiwis gerne als laid-back bezeichnen ist manchmal doch ganz schön rückständig. Von Murchison führt eine wunderschöne Strasse nach Motueka wo wir unsere erste grössere Rast machen und vor allem einkaufen, da wir nicht sicher sind wie gross Takaka der Ort vor Pohara ist. Es gibt sogar eine european Bakery, die allerdings schon recht ausverkauft ist. Einen Laib knuspriges Sauerteig-Weissbrot bekommen wir noch und das ist schon gut mal wieder etwas anderes als knatschigen Toast zu haben. Ich möchte mir noch einen kurzen Haarschnitt mit Bartrasur verpassen lassen und gerade als ich über die Strasse zum Barbershop gehe, erlischt dort das „Open“ in der Scheibe. Na komm, die paar Dollar könnt ihr doch noch mitnehmen. Als ich den Laden betrete ist zunächst keiner zu sehen aber der Boden ist noch nicht gefegt, gute Voraussetzung denke ich, da geht doch noch was. Weit gefehlt, die Dame kommt um die Ecke und erklärt mir, dass sie um 17:00 schliessen würden. Ich schaue auf die Uhr, 10 vor fünf, na 10 Minuten braucht man ja nicht um einmal mit dem Rasierer über alles zu gehen. Nö, ich möchte doch bitte morgen wieder kommen. Kiwis halt, was soll ich sagen. Also wird nichts aus der Rasur. Ich sehe mal wieder zum Fürchten aus. Wir starten auf die letzten 50km, kein Problem denke ich, die Strasse sieht auf der Karte harmlos aus. Weit gefehlt, für die 50km brauchen wir mehr als eine Stunde. Die Strasse hat kaum eine Gerade, dafür Kurven ohne Ende, eine enger wie die andere. Und so wird es ziemlich spät bis wir in Pohara ankommen. 

Steph und Des begrüssen uns herzlich und zeigen uns die Räumlichkeiten inklusive der Garage für die Motorräder. In dieser Garage stehen schon einige andere alte Bikes. Penelope, die alte Panther, Bessie eine noch ältere BSA die schon von Amerika bis nach Usuhaia gefahren wurde und ein BMW R69 S mit der sie Quer durch die Vereinigten Staaten getourt sind. Die Motorräder sind keine schön restaurierten Oldtimer, sie werden noch regelmässig gefahren und haben eine absolut authentische Patina angesetzt. Ein paar Kicks und die alte Bessie tuckert vor sich hin, phantastisch.

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Manu ist inzwischen schon in der Küche und sorgt für unser Abendessen. Die Motorräder sind versorgt und nach dem Abendessen sitzen wir noch etwas mit Doris, Des und Steph zusammen. Doris ist eine deutsche Reisende die schon seit Juni letzten Jahres unterwegs ist. Sie war zuvor IT-Managerin einer grossen deutschen Firma und hat uns einiges zu erzählen, das wieso, weshalb, warum. Sie hat Ihren Job allerdings zunächst einmal komplett an den Nagel gehängt. Eines bleibt uns tief im Gedächtnis: Nach einem halben Jahr so sagt sie, war sie noch nicht bereit zurückzukehren, nun nach fast einem Jahr ist es soweit, dass sie wieder nach Hause „kann“. Interessant, hat sich bei uns doch noch relativ wenig in der Hinsicht neuer Einsichten und Ideen getan. Vielleicht hätten wir die Tour doch etwas länger anlegen sollen, auch wir freuen uns zwar auf einige Dinge und Menschen zu Hause aber so richtig bereit nach Deutschland zurückzugehen sind wir eigentlich noch nicht. Des möchte mit uns morgen zu einem interessanten Freund von ihm fahren, mit dem Motorrad natürlich, klasse, da freuen wir uns drauf. Wie wir so im „Wohnzimmer sitzen bringt er mir noch einige seiner Motorradreisebücher damit ich etwas zum Lesen habe. Die meisten sind von Motorradreisenden aus längst vergangenen Zeiten. Unheimlich beeindruckend welche Reisen noch vor dem zweiten Weltkrieg mit dem Motorrad unternommen wurden. Diesen Reisenden, Männern wie auch einer Frau gehört mein tiefster Respekt. Das waren Abenteuer, was wir heute dagegen machen ist nur wenig spektakulärer als ein gebuchter Neckermann Urlaub. Vielleicht etwas überzogen, aber das waren die Empfindungen beim Lesen in diesen Büchern.

 

Dienstag 27.03.2012

Nach dem Frühstück packen wir die Motorräder und gehen mit Des auf eine kleine Rundfahrt. Er will uns ein nettes Restaurant zeigen und einem Freund, der aus Deutschland stammt vorstellen. Sein Alltags-Motorrad ist die R69S, Alltagsmotorrad? Da kommen so manchem Liebhaber die Tränen aber für Des ist das ganz normal. Was ist ein Motorrad wert wenn man es nicht nutzt? Ich kann mich dieser Sichtweise nur anschliessen, mit einem Ausstellungsstück könnte auch ich wenig anfangen.

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Wir fahren zunächst zu seinem Freund der auch ein Fan alter Autos und Motorräder ist. Sein Geschmack ist jedoch noch weitaus individueller. Er hat einen Narren an alten Velocette Motorrädern gefressen oder vielleicht sollte man diese Vehikel eher Roller nennen? Michael lebt seit vielen Jahren hier in Neuseeland hat kürzlich sein Haus untervermietet und geht nun für 6 Monate auf die Cook Islands um auf die Katze von Freunden aufzupassen während diese unterwegs sind. Hört sich verrückt an, oder? Oder cool? Auf jeden Fall nicht gewöhnlich und so ist auch das Haus Michaels kein gewöhnliches Haus. Er hat vor ein paar Jahren noch auf der anderen Seite des Bergs in einem selbst gebauten Haus aus Strohballen gelebt. Dort auf dem Bergrücken war es allerdings immer extremen Winden ausgesetzt und so ist er hierher zu einem geschützteren Platz gezogen. Allerdings ist dieses Haus nicht wirklich fertig. Was allerdings fertig ist, ist eine Aussichtsplattform auf der es immer sonnig ist (vorausgesetzt die Sonne scheint) und so ist es auch heute. Wir sitzen oben, trinken einen Heidelbeersaft und essen Rosinenbrot und Michael erzählt uns von seinem bevorstehenden Trip auf die Cook Inseln und wir berichten was uns schon so alles auf unserem Trip passiert ist. Es herrscht super entspannte Stimmung.

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Dann bläst Des zum Aufbruch, er muss am Nachmittag wieder zu Hause sein ausserdem ist es Zeit zum Mittagessen. Wir verabschieden uns von Michael und fahren ins Mussel Inn, eine urige Kneipe mit gutem Essen und selbst gebrauten Bieren. Interessante Varianten mit Manuka Honig oder das sogenannte Paddington ein englisches Rezept und Des absoluter Favorit. Beim essen klingelt das Telefon und ein Interessent für die Vermietung eines Teils der Gebäude steht bei ihm zu Hause vor der Tür, klar es ist auch schon nach 14:00. Des fährt schon mal voraus, nicht ohne sich zu versichern, dass wir auch wieder nach The Nock finden. Zuvor vereinbaren wir noch ein gemeinsames Abendessen bei dem jeder etwas beiträgt. Also fahren wir nach Takaka um noch etwas Gutes einzukaufen. Dort fährt gerade Michael mit seiner Velocette vorbei zum Postamt, es ist schon der Hammer, auch er bewegt diesen uralten Klassiker tagtäglich in die Stadt zum Einkaufen, auf die Post oder einfach nur zu einem Kaffee unter Freuden. Wir gehen in die deutsche Bäckerei und kaufen ein tolles Vollkornbrot und haben ja noch unsere Blackball Hirsch-Salami ein echtes Highlight für einen solchen Abend. Im Bottle Shop noch einen guten Wein mitgenommen, so ist unser Anteil am Dinner perfekt. Als wir zu den Motorrädern zurückkommen sprechen uns 3 Biker an die ebenfalls auf Tour sind. Bei solch einem Small Talk mit dem „Woher-Wohin-Warum“ geht immer schnell eine halbe Stunde drauf aber es ist immer interessant auch die Stories der anderen zu hören. Die Jubngs sind cool drauf und vielleicht sehen wir uns ja wieder, Reisende in Neuseeland laufen sich immer wieder über den Weg. Der Abend in The Nook wird klasse. Es ist noch ein weiteres Ehepaar, Tony und Ronda aus Wellington, auf zwei Motorrädern angekommen und siehe da, wir haben uns damals im Roadhouse an der Kreuzung nach Murchison getroffen, an dem Tag an dem es so geschüttet hat. Wie schon einmal gesagt kreuzen sich die Wege vieler Reisender auf Neuseeland immer mal wieder. Tony entspringt einer Art Motorraddynastie in Neuseeland. Seine ganze Familie fährt Motorrad und ist unter Bikern hier recht bekannt. Wir haben natürlich alle viel zu erzählen und vor allem viel zu lachen. Steph und ich diskutieren das für und wider von Ensuite Badezimmern. Und ihr Argument, dass man interessante Menschen in Gemeinschaftsbad trifft kontere ich damit, dass man die gleichen Typen auch in der Gemeinschaftsküche treffen kann und in beiden Einrichtungen kristallisieren sich normal die unangenehmen Zeitgenossen schnell heraus. Es wird recht spät bis wir ins Bett kommen.

 

Mittwoch 28.03.2012

Abschied steht wieder einmal an. Dieses Mal fällt es richtig schwer. Des und Steph sind tolle Gastgeber und sie sind vor allem interessante und liebenswürdige Menschen, wir könnten uns sicher noch einiges erzählen und könnten noch vieles diskutieren. Das Problem ist unsere Zeit verstreicht hier in Neuseeland und trotz, dass uns die Menschen wichtiger sind als die Strassen wollen wir doch noch ein bisschen was sehen von diesem Land. Wir lassen uns Zeit beim Packen, machen noch ein paar schöne Bilder, tauschen die Kontaktdaten aus und ich lasse mir noch ein Buch von Des signieren. Der Plan ist in Wellington auch Dick Huurdemonn, seinen Freund und damaligen Begleiter zu besuchen und auch ihn unterschreiben zu lassen. Wir haben ein Zimmer im Farewells Garden gebucht, einem Backpacker mit angeschlossenem Campingplatz und sogar einem Apartment. Das sieht im Internet irgendwie etwas verwohnt aus und so entschliessen wir uns für die günstigere Variante des Zimmers mit Bad. Wo das alles liegt? Ganz oben an der nördlichsten Spitze der Südinsel am Farewell Spit. Dies ist eine schmale Landzunge die wie eine Sichel ca. 25km ins Meer ragt. Der ungewöhnlichen Form dieser Landzunge schreibt man es zu, dass jährlich immer wieder Wale dort stranden. Dann kommt es jedes Mal zu grossen und dramatischen Rettungsaktionen, die nicht immer erfolgreich verlaufen. Jedes Jahr kommen Wale dabei um. Zunächst geht es jedoch nach Collingwood, bei Des haben wir die Werbung eines Kaffee-Caravans mit einem Biker gesehen, der noch auf dem Motorrad sitzend seinen Kaffee gereicht bekommt. Das hätten wir auch mal gerne so, also auf zu „Lady Luck“ so der Name des „Etablissements“. Typisch für uns, als wir dort ankommen ist der Laden geschlossen. Die Lady hat nur 4 Tage die Woche geöffnet. Wir treffen jedoch die 3 Jungs wieder, die uns schon in Takaka angesprochen haben. Wir halten noch ein bisschen Small Talk, sie sind schon wieder in Richtung Südosten unterwegs heisst Richtung Nelson. Farewell Spit haben sie schnell abgehakt und planen jetzt wieder den Rückweg auf die Nordinsel. Sie kommen von Hamilton und gibt uns noch seine Karte, damit wir uns melden können wenn wir durch Hamilton kommen. Wir sitzen noch etwas am Tisch als sich zwei junge Typen zu uns an den Tisch setzen. Karlsruher Nummernschild, Mann habt ihr die Dinger tatsächlich mitgebracht? Der Dialekt ist klar Kurpfälzisch. Und tatsächlich, der eine der Beiden Dominik wohnt in Mannheim (normalerweise) und arbeitet beim Winzer Schneider, dessen Weine (vor allem den Black Print oder den X) auch wir schätzen. Er wird ein halbes Jahr bei einem Winzer hier arbeiten und dadurch neue Erfahrungen sammeln. Wir brechen nun auch auf, denn durch den doch sehr späten Start sind wir trotz der kurzen Distanz recht spät dran. Nach Collingwood führt die Strasse direkt am Meer entlang bis nach Farewell Spit. Die Anzahl der Schlaglöcher nimmt allerdings stark zu je weiter man nach oben kommt. Man ist hier schon sehr abgelegen, Einkaufsmöglichkeiten gibt es keine, der nächste General Store ist in Collingwood und hat allerdings auch nur eine geringste Auswahl an Dingen für den allernötigsten täglichen Bedarf. Wenn man tatsächlich etwas braucht muss man zurück nach Takaka. Die Communal Kitchen ist extrem basic und nur mit dem nötigsten ausgestattet. Der Gaskocher ist von anno dazumal und hat so grosse Löcher, dass die Töpfe und Pfannen unten völlig verrust sind.

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Donnerstag 29.03.2012

Wie immer soll es morgens natürlich einen Kaffee geben aber das Gitter über dem Gasherd ist so weit, dass das Herdkännchen durchfallen würde, da ist guter Rat teuer. Oder auch nicht. Die Bratpfanne muss als Adapter herhalten damit wird auch das Herdkännchen nicht rusig. Da es heute Abend Kartoffel mit Schinken, Schafskäse und Ei geben soll. Möchten wir noch Eier kaufen gehen. Eier ist das Einzigste was es nebenan direkt vom Bauer zu kaufen gibt. Wir wollen gerade los da treffen wir vor dem Camp auf Tony und Ronda, die mit Ihren Freunden einen Ausflug nach hier oben machen. Sie wissen, dass das Café am Farewell Spit eigentlich um 3 Uhr schliesst und da schon 5 vor Drei ist, entscheiden wir uns vor dem Eierkauf noch mit Ihnen einen Kaffee trinken zu gehen. Da muss man uns nun nicht wirklich überreden. Die 6 fahren schon einmal vor um den Wirt zu überreden seine Öffnungszeiten noch einmal zu überdenken. Wir laufen.

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Den Boss des Café´s musste man nicht lange überreden, vor uns ist noch eine ganze Wandertruppe eingetroffen und dieses Geschäft lässt sich selbst ein Kiwi-Wirt nicht entgehen. Wir kommen etwas mit ihm ins Gespräch und reden darüber, dass wir morgen den Coastal Walk machen wollen. Da der Startpunkt des Walks ca. 5km über eine recht grobe unbefestigte Strasse entfernt ist meint er wir sollten mal seinen Koch ansprechen, der würde uns sicher fahren. Dan, der Koch erklärt sich auch sofort bereit uns für „eine Handvoll Dollar“ dorthin zu fahren. Eier bräuchten wir auch nicht mehr kaufen zu gehen, er hätte welche da, eben von diesem Bauer und weil wir gerade im Geschäft sind nimmt er uns auch noch mit zurück zu unserer Unterkunft. Dan war früher Project Manager und hatte die Nase voll von dem Stress den solch ein Job mit sich bringt. Er fühlte sich ausgebrannt und anstatt eine Kur wegen Burn-out zu beantragen (gibt es natürlich in NZ nicht) hat er den Job geschmissen und wohnt jetzt in einer winzigen Hütte auf dem Nachbargelände auf dem noch ein grösseres Haus steht für welches er den Housekeeper macht. Dazu arbeitet er in der Küche des Cafés, pflanzt Tomaten und Kartoffeln an und macht ein Fernstudium darüber wie sich die Märkte und bestimmte Aktien verhalten um daraus Schlüsse auf die weitere Entwicklung zu ziehen. Na ja denke ich, wenn man das studieren könnte gäbe es wohl noch mehr Millionäre. Wir vereinbaren morgen 8:30 zum Walk aufzubrechen und gehen zum Abendessen über.

 

Freitag 30.03.2012

Das Frühstück fällt heute etwas kürzer aus, da wir 8:30 ja schon fertig sein müssen. Der Walk ist weitaus interessanter als wir dachten. Um zwei kleine Seen herum und über Weideland führt er an den Strand und da wir doch recht früh dran sind sind wir die Einzigen dort. Spuren deuten zwar auf einen noch früheren Besucher hin aber von dem ist weit und breit nichts zu sehen. Der Starnd bietet schon schöne Ausblicke auf die vorgelagerten Felsen aber der Knüller sind einige Pools zwischen den Felsen in denen sich Babyrobben vergnügen. Die Kids spielen recht unbekümmert, ein kleiner Feigling ist zwar dabei der recht schnell das Weite sucht, wird aber von seinen Spielkameraden schnell überzeugt wieder zurückzukommen. Um vom Strand wieder runterzukommen müssen wir dann allerdings durch einen Fluss waten, zu tief für die Treckingschuhe und so heisst es Schuhe aus und durch. Manu schimpft wie ein Rohrspatz weil das Wasser saukalt ist und sie dann mit sandigen Füssen zurück in die Schuhe muss. Ja, ja die Wildnis...

P1030439.jpgDer Pfad führt weiter entlang der Steilküste vorwiegend über Schafsweiden. Dieser Walk ist weitaus anstrengender als wir dachten. Das ständige steile Auf und Ab auf den Kliffs strengt unheimlich an und so sind wir ganz schön ausgepowert als wir nach 6 Stunden beim Café ankommen. Mit dieser Leistung so ist Manu der Meinung hat sie sich das letzte Stück Schokoladenkuchen hinter der Vitrine verdient. Die Füsse tun deswegen am nächsten Tag aber nicht weniger weh.

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11. April 2012 3 11 /04 /April /2012 13:14

Freitag 09.03.2012

Um 10 Uhr starten wir Richtung Norden und Milford Sound. Die Strasse, ist ein absoluter Hit. Weites Grasland begrenzt durch die Bergketten des Fjordland National Parks auf der einen und der Takitimu Mountains auf der anderen Seite wechseln sich ab mit bewaldeten Abschnitten die direkt durch die Gebirge führen mit tollen Aussichtspunkten und jeder Menge Stops an Sehenswürdigkeiten. Wir sind speziell auf die Mirror Lakes gespannt. Aufgrund ihrer Lage sollen sie eine absolut ruhige Oberfläche haben in der sich die Bergketten spiegeln. Doch ein einzelnes kleines Entchen macht das alles zunichte. Fröhlich paddelt es kreuz und quer über den See und zieht eine Heckwelle hinter sich her die die Wasseroberfläche ständig kräuselt. Na Hauptsache die Kleine hat ihren Spass. So mancher Touri möchte wohl am liebsten seine Kamera mit einem Gewehr tauschen. Hilft nix, wir fahren weiter, auf dem Weg liegen einige Baustellen, die äusserst unangenehm zu befahren sind. Frisch geteerte Strassen mit viel Split drauf machen das Fahren zur Schlingerpartie und man kommt nicht wirklich schnell voran, zusammen mit Foto- und Essensstops zieht das den Geschwindigkeitsschnitt auf unter 40km/h herunter und so wird es schon wieder etwas knapp. Der Tunnel vor dem uns alle gewarnt hatten ist halb so wild, addiert aber durch die dortige Wartezeit (er wird immer nur in einer Richtung durchfahren) auch wieder einige Minuten obendrauf. Hätten sie in den Tunnel zwanzig Lampen mehr eingebaut wäre er völlig unproblematisch, so sieht man zugegebenermassen manche tiefen Schlaglöcher zu spät oder gar nicht. Die Fahrbahnoberfläche ist jedoch nicht so schlimm wie oft beschrieben. Ende vom Lied ist, dass wir absolut pünktlich auf unser Boot kommen und zur Rundfahrt starten. Der Milford Sound ist schon beeindruckend und wir haben grosses Glück mit dem Wetter die Sonne scheint von einem nahezu blauen Himmel. Der Sound kann dafür seine volle Show nicht abspielen. Bei oder kurz nach Regen kommen noch weitaus mehr Wasserfälle von den Felsen. Zugegeben das sieht bestimmt toll aus, aber die Strecke möchte ich nicht im Regen mit dem Motorrad fahren. Auf der Rückfahrt haben wir etwas mehr Zeit vor allem zu Beginn die grandiosen und beeindruckenden massiven Felsformationen zu bewundern, Wahnsinn wenn sich so eine Wand aus purem Fels direkt vor einem mehrere hundert Meter in die Höhe zieht. Da kommt man sich so unglaublich winzig vor.

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Samstag 10.03.2012

Wir wollen noch einen Tag hier bleiben um zu sehen ob wir nicht doch noch einen schönen Walk machen können. Für unser gemeinsames Frühstück habe ich mir heute etwas besonderes ausgedacht . Während Manu noch schläft richte ich schon einmal ein paar Brote, die Muffins von Theresa, die kleine Kaffeemaschine muss erst noch einmal für Manu´s ersten Morgenkaffee herhalten dann wird auch sie verpackt zusammen mit der Milch, unserem MSR Gaskocher und der Gaskartusche. Gleich gegenüber der Lodge startet ein kleiner Walk zum Lake Misteltoe. Die Wegbeschreibung sagt es ist ein kleiner leichter Walk und gut um am Seeufer ein gutes Glas Wein mit Freunden zu geniessen. Das bringt mich auf die Idee, dass wo man Wein trinken kann man auch sicherlich gut frühstücken kann. Manu ist sofort Feuer und Flamme für die Idee und erklärt sich einverstanden heute nur einen Kaffee im Bett zu trinken. Wir packen die Sachen zusammen und starten. Der Weg ist wirklich sehr leicht zu begehen und der See mit dem schönen Picknick Platz liegt schon nach den ersten paar hundert Metern vor uns. Gott sei dank, da wir den Kocher noch nie ausprobiert haben ist uns nicht aufgefallen, dass man zum Entzünden Streichhölzer oder ein Feuerzeug benötigt. Wir sind das von unserem alten kleinen Kartuschenaufsatz nicht gewohnt, der hatte einen komfortablen Piezozünder. Es bleibt mir nichts anderes übrig als zur Lodge zurückzulaufen um ein Feuerzeug zu holen. Wir haben genug dabei aber aufgrund der Fliegerei keines in einem unserer Rucksäcke. Jetzt kanns´ aber losgehen. Das Frühstück schmeckt hier in dieser schönen Umgebung nochmal so gut. Cookies von Theresa und Sandwiches mit Feta und Schinken, Kiri, die lachende Kuh (der Käse aus Frankreich) in der Low-Fat Version und ein paar Tomaten. Mehr braucht es für uns nicht für ein tolles Frühstück. Natürlich den guten Kaffee aus von Strictly Coffee aus Dunedin nicht zu vergessen. Nachdem wir fertig sind und unseren Kram wieder eingepackt haben gehen wir den Walk bis zum Ende bzw. bis er auf die Strasse trifft, auf der Strasse zurücklaufen, das sagt uns nicht wirklich zu also laufen wir den Weg einfach wieder zurück. Der Weg führt durch einen schönen Steineibenwald und bietet immer wieder mal einen schönen Ausblick über den kleinen Misteltoe See mit den dahinter liegenden Bergen. Hin und zurück sind das keine 45 Minuten und so stehen wir gegen 13:00 wieder in unserer Lodge, für das Frühstück brauchen wir immer etwas länger. Da wir länger bleiben als zunächst geplant müssen wir noch einmal in die Stadt nach Te Anau um fürs Abendessen einzukaufen ausserdem wollen wir noch im Sandfly Café vorbeischauen und für Daryl einen Gruß ausrichten. Das trifft sich ganz gut, da die dort einen sehr guten Kaffee und vor allem eine tolle Veggie-Frittata eine Arte Gemüsetorte haben. Nach dem Einkaufen geht es auf schnellsten Weg wieder „nach Hause“ in die Lodge, der Himmel wird immer dunkler. Wir parken die Motorräder wieder in dem Shed wie die Kiwis so einen Carport nennen. Kaum stehen wir in der Küche und beginnen mit der Vorbereitung fürs Abendessen schlagen die ersten grossen Tropfen an die Fensterscheiben, gutes Timing.

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Sonntag 11.03.2012

Es ist ringsum grau in grau und wir lassen uns zunächst einmal Zeit zu frühstücken und da es danach immer noch regnet entscheiden wir einfach einen echten Relax-Tag einzulegen. Wir verlängern bei Tania um einen weiteren Tag und schreiben Tagebuch, trinken Tee und Kaffee und reden etwas darüber wie es wohl sein wird wenn wir wieder zurückkommen. Am Nachmittag lernen wir Mary aus Washington DC kennen, sie wird morgen auf den Milford Track starten. Eine 4-tägige Wanderung durch das Gebiet des Milford Sound und eine der genialsten Mehrtages-Wanderungen die man überhaupt machen kann, so hört man. Bei der Fahrt durch den Milford Sound und wenn man die Bilder des Tracks sieht kann man sich schon vorstellen, dass dies nicht übertrieben ist. Uns würde dieser Track auch reizen, man muss ihn jedoch ca. 8 Monate zuvor buchen und das konnten und wollten wir nicht. Uns so früh festzulegen wann wir wo sein müssten würde unserer Reisephilosophie völlig widersprechen. Mary ist eine sehr reiselustige und aufgeschlossene Ostküsten Amerikanerin. Sie arbeitet als Kostencontroller für das Government und befasst sich in erster Linie mit Projekten aus dem Militärbereich. Wir haben einen sehr vergnügten Abend und freuen uns morgen wieder on-the road zu sein.

 

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Montag 12.03.2012

Wir liegen gut in der Zeit, nach Arrowtown unserem heutigen Ziel sind es eh nur ca. 200km. Das Wetter ist erste Sahne, Sonnenschein mit ein paar Wolken, der Regen soll erst heute Nachmittag wieder kommen. Wir haben die Motorräder gepackt und fragen Mary ob sie denn noch ein Bild von uns auf den Motorrädern machen würde. Klar, keine Frage, ist sie doch auch eine begeisterte Hobbyfotografin . Sie schnappt sich ihre Nikon und folgt mir zu den Bikes. Nachdem die Bilder gemacht sind starten wir die Motorräder, viel mehr, wir wollen die Motorräder starten. Die Harley ballert schon im Standgas vor sich hin aber die Triumph gibt bei Manu´s Tritten auf den Kickstarter keinen Mucks von sich. Die Tanks sind ziemlich leergefahren wie ich am Samstag beim Zurückfahren feststellen musste. Ich hatte bei der Kalkulation der Restmenge die ersten 30km zur Lodge vernachlässigt aber daran kann es beim besten Willen nicht liegen, das Fluten der Vergaser funktioniert, da müsste sie zumindestens Husten. Ich trete selbst mal durch und es ist klar, da kommt überhaupt nichts. Also zunächst einmal die Zündkerzen raus und nach dem Zündfunken geschaut. Nichts. Na jetzt wird’s interessant. Mal sehen was die Batterie sagt, 5,4V das reicht natürlich nicht. Alle Verbindungen waren fest. Ich überlege fieberhaft wie man den Fehler am schnellsten eingrenzen könnte. Ich erinnere mich hinter unserer Küche einen Verschlag gesehen zu haben in dem eine grössere Batterie an einem Ladegerät hing. Ich frge Tania ob ich denn diese Batterie zum Testen haben könnte. Es ist die Alarmanlage für das Feuermeldesystem und doch stimmt sie sofort zu, bittet mich nur die Batterie wieder anzuschliessen. Ich schleppe das Teil über den Hof zu den Motorrädern, löse den Pluspol der Triumph Batterie und schliesse die Monsterbatterie an. Nach zwei Tritten läuft das alte Mädchen wieder und lädt die Batterie auch sauber bis 14,4V. Na das System arbeitet, nicht noch einmal ein Lichtmaschnen-GAU. Jetzt geht es also darum so schnell wie möglich eine neue Batterie zu finden. Ich rufe zunächst den Service an, der in der Lodge einen Flyer ausliegen hat, dass er bei jedem Anruf für läpppische 120$ vorbeikommt. Er hat keine Motorradbatterien verweist mich aber an einen Motorradverleih, der aber auch keine Battterien auf Lager hat. Die Putzfrau der Lodge empfiehlt mir einen Auto Elektrik Workshop, das hört sich gut an. Er hört sich mein Problem an, fragt noch das eine oder andere , stellt dann aber fest, dass ich wirklich schon alles geprüft habe. Eine Batterie der Grösse die ich ihm beschreibe hat er nicht, allerdings eine deutlich kleinere. Ist mir egal, die nehm ich damit kommen wir wenigstens nach Arrowtown und können in Queenstown eventuell eine grössere bekommen . Mary bietet an mich mit dem Auto ins Ort zu fahren, sie hat noch etwas Zeit bis zum Start ihres Walks. Ich zögere noch, was wenn irgendetwas schief geht und sie kriegt ihr Boot nicht. Na, was soll auf 28km schief gehen und es ist immer noch ein ganz gutes Zeitpolster vorhanden also fahren wir los. Die alte Batterie nehme ich mal vorsichtshalber mit. Als ich die auf den Ladentisch stelle ist der Chef etwas erstaunt, die hat er da. Die Dimensionen weichen zwar von meinen Angaben ab aber als er sie daneben stellt ist es tatsächlich genau die Batterie die wir brauchen. Der Tag wird gut. Die Batterie würde natürlich mehr kosten als die 40$ die er vorher genannt hatte. Das ist mir sch.. egal, ich lächle und sage ihm dass ich gar keine andere Wahl habe, er schaut nach dem Preis 109$, ob ich sie denn tatsächlich wollte. Füll das Ding bitte auf und mach die Rechnung fertig wir haben nicht so wahnsinnig viel Zeit. Bei der Rückfahrt nehmen wir noch einen deutschen Tramper mit, so hat Mary ihre guten Taten für die nächsten Wochen vollbracht. Vor unserer Abfahrt an der Lodge habe ich Tania gebeten Manu noch einen Kaffee zu machen und rauszubringen, nun bestelle ich gleich noch einen mit Muffin für Mary, den hat sie sich mehr als verdient.Während die beiden im Café sitzen baue ich die Batterie ein und den Gepäckträger wieder drauf. Jetzt kann es endgültig losgehen, ich kann es noch gar nicht glauben wie gut das gelaufen ist. Noch einmal eine herzliche Verabschiedung von Mary und wir sind tatsächlich on the road again. Da wir jetzt aber eh schon spät dran sind und tanken müssen wir ja auch noch, gibt es im Sandfly Café noch einen Kaffee und eine Veggie Fritata. An der Tanke telefoniere ich mit Bains B&B um ein Zimmer zu reservieren. Das Zimmer ist frei und somit für uns reserviert, ebenfalls ein Unterstellplatz für die Motorräder. Da das Wetter hier im Süden recht unbeständig ist legen wir hier immer viel Wert darauf, dass die beiden Ladies im Trockenen stehen. Die Strasse nach Arrowtown führt durch eine grandiose Landschaft , besonders das letzte Stück entlang des Lake Wakatipu ist ein Knaller. Rechts die Ausläufer der Remarkables und links der See einfach nur grandios. Man könnte alle paar Meter anhalten und ein Foto machen aber dann kämen wir nie in Arrowtown an. Also nur ein paar wenige Fotostops wir sind ja nicht gerade früh dran. Als wir über den Feldweg zu Bains Homestead fahren bin ich mir nicht mehr so sicher ob das wirklich das richtige für uns ist. Es ist doch ein ganz schönes Stück weg vom historischen Ortskern. Ann Bain eine sehr resolute ältere Dame zeigt uns das Zimmer und macht uns mit den Gegebenheiten vertraut. Das Zimmer ist sehr schön und hell mit grossen Fenstern und einem schönen Balkon, die Bikes stehen bei einem alten Austin von 1923, einem extrem raren Modell, ehemals im Besitz des Erzbischofs von Christchurch, in der Garage. Meine Zweifel bleiben bestehen aber Manu gefällts und so bleiben wir. Da es schon kurz vor sieben ist fahren wir noch vor dem Abladen in die Stadt nd suchen uns ein Restaurant, die Wahl fällt auf das New Orleans Hotel, die Essen hören sich gut an, die Preise sind ok und man hat kostenloses Internet. Bevor wir zurückfahren schauen wir noch kurz im Bottleshop vorbei um eine Flasche Wein für den Abend zu bunkern. Als wir dann zu den Motorrädern kommen ist schon stockdunkel und auf dem Parkplatz brennt keinen Lampe, unerfreulicherweise ist das bei der Triumph genauso. Das gibt es doch nicht, Manu ist den ganzen Tag ohne Licht gefahren um die Batterie weiter aufzuladen und nun streng nach Murphy´s Law brennt in der stockdunklen Nacht die Birne des Frontscheinwerfers durch. Zu erwähnen wäre noch, dass Manu den Tankrucksack in dem sich die Stirnlampe befindet schon in unserer Unterkunft zurückgelassen hat. Na Gott sei Dank ist eine Ersatzbirne in meinen Alukoffern. Es ist ein ganz schönes Gefummel, vor allem weil diese englische Sch.. lampe sich nicht schliessen lassen will. Nach einer ganzen Weile haben wir es geschafft, ich war schon nah dran das Ding abzureissen und über den Fluss zu kicken. Jetzt nichts wie nach Hause, für heute habe ich echt genug geschraubt und schrauben macht müde, ich hab jetzt Bock aufs Bett. Im Zimmer liegen ein frisch gebackener Leib Brot, Tomaten aus dem Gemüsegarten der Bains, Cookies aus Cornflakes, Weet-a-bix und im Kühlschrank stehen ein ganzer Liter Milch, Butter, Marmelade, Marmite und noch einiges mehr wir sind also super versorgt.

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Dienstag 13.03.2012

Der Tag startet mit einem Frühstück zusammen mit unseren Wirtsleuten , Eier, Schinken, Tomaten und alles was man sonst so braucht für ein wirklich gelungenes Frühstück. Das präpariert uns optimal für den Walk den wir heute vorhaben. Der Big Hill Walk wird’s wohl nicht werden, dazu sind wir zu spät dran aber den 7km langen Sawpitt Gully Walk, den müssten wir schaffen. Wenn dann noch Zeit ist könnten wir ja noch den Millenium Walk absolvieren, der unter anderem an einem Drehort für die Film Trilogie Herr der Ringe vorbeiführt. Da wir in jedem Fall am Arrow River entlang laufen bietet uns Barry seinen Klappspaten und eine alte Goldwäscher Pfanne an. Schliesslich war der Arrow River der am stärksten goldhaltige Fluss Neuseelands und der letzte grosse Nugget wurde 2006 mit einem Gewicht von mehreren hundert Gramm gefunden. Na , das lass ich mir nicht zweimal sagen, ich nehme das Angebot an und wir marschieren los. Manu ist nur am Lachen, wie ich so mit dem Spaten und der Pfanne durch die Gegend laufe. Als es jedoch darum geht auch mal den Spaten zu tragen und ich anmerke, dass nur wer sich an der Last beteiligt auch an dem Gold beteiligt werden kann greift sie plötzlich zu. Irgendwie ist ihr dann doch nicht ganz so wohl dabei ganz aussen vor zu sein. Ich könnte ja doch etwas Glück haben. Kurz gesagt , uns fehlt wahrscheinlich die entsprechende Geduld, in der Pfanne glitzert jeder Stein aber wenn man sie herausholt sind es ordinäre Kiesel. Das geht ca. 30 Minuten so dann geben wir schon wieder auf. Wir nehmen lieber den Sawpitt Gully Walk in Angriff. Den Spaten und die Pfanne verstecken wir hinter einem Baum das ist noch richtig schweres Goldgräbergerät und nicht die Plastikpfannen die man überall kaufen kann. Der Pfad folgt lange Zeit dem Verlauf des Flusses, an Gold schürfen ist allerdings nicht mehr zu denken, wir befinden uns meistens ca. 10 - 30 Meter über dem Fluss. Das eröffnet natürlich jede Menge tolle Ausblicke durch die Schlucht und über die umgebende Berglandschaft. Die Berge sind weitestgehend mit niedrigen Büschen und gelbem Gras bedeckt, das gibt den samtigen Eindruck den man immer wieder auf Bildern von Neuseeland sieht. Andere Tramper haben scheints den ein oder anderen Weg für sich gefunden und so ist immer mal wieder die Frage wo es denn eigentlich lang geht. Mit einer Beschilderung sind sie hier äusserst sparsam. Nach einigen Metern finden wir allerdings immer wieder den richtigen Weg. Von einer alten Goldsucher Hütte stehen nur noch Fragmente der Aussenmauern, der Kamin im Haus ist aber noch soweit erhalten, dass man erkennen kann wie er mal ausgesehen hat. Solche Ruinen sind auf der Südinsel (im Süden und Westen) recht häufig auf Walks anzutreffen. Sie werden dann oft als „historical sites“ angekündigt, was meistens recht übertrieben ist. Wir kommen zum Abzweig zum Gipfelweg, kurz komm ich noch einmal ins rechnen ob es doch noch reichen könnte aber das wäre nicht wirklich vernünftig. Wir laufen weiter Richtung Arrowtown und ab jetzt geht es steil bergab. Es kommen uns immer wieder Jogger entgegen, die Kiwis können sich echt quälen, diese Strecke zu joggen ist wirklich Hardcore. Fehlt nur noch, dass uns einer in Flip Flops entgegen kommt. In der Ortschaft angekommen gönnen wir uns erst einmal noch einen Kaffee und essen etwas in einer netten kleinen Hütte die zum Café umgebaut wurde. Dabei schauen wir uns noch einmal den Millenium Walk auf dem Plan an und entscheiden, dass diese 4km am Fluss entlang noch drin wären. Gesagt getan nehmen wir diesen Walk noch in Angriff. Die Strecke führt nun in entgegengesetzter Richtung direkt am Fluss entlang und passiert unter anderem einen Drehort aus „Herr der Ringe“. Diese Drehorte werden normalerweise extrem gut vermarktet, man kann sie oft nur mit geführten Offroad Touren erreichen oder muss Eintritt bezahlen wie in Hobbiton, wo man für 60$ pro Nase durch die heruntergekommenen Kulissen gefahren wird. Der hier ist wohl etwas zu unspektakulär als dass man etwas verlangen könnte. Es handelt sich um die Szene wo die schöne Arwen den kleinen Hobbit mit den blauen Augen (wie kann man nur immer so weinerlich gucken wie der) rettet und mit ihm davonreitet. Fans wissen wohl welche Szene das ist. Zeitmässig haben wir uns da etwas viel vorgenommen, da wir noch zum Thai wollen um unser Abendessen mitzunehmen. Der Weg wäre optimal für das morgendliche Training, immer schön sanft auf und ab, für uns artet er jetzt zu einem Nachmittagslauf aus. Manu läuft voraus zum Thai um das essen zu bestellen und ich muss noch einmal an unseren erfolglosen Goldschürfplatz zurück um die Schaufel und die Wanne zu holen. Als wir zurückkommen werden wir von unseren Wirtsleuten zu einem Drink eingeladen, ist wohl so ihre Tradition. Barry lädt uns ein, verschwindet dann und Ann kredenzt uns dann einen Tee. Wir müssen das allerdings auf nach dem Essen verschieben, sonst verrutscht uns das wieder. Nach dem Essen plaudern wir also noch ein bisschen mit Ann und ziehen uns dann wieder höflich zurück. Nicht ohne noch den DvD „The world fastest Indian“ mit Anthony Hopkins mitzunehmen, den Barry uns angeboten hatte. Wir wollen ihn auf zweimal schauen aber das war nur ein frommer Vorsatz, wenn man diesen Film anschaut, dann bis zum Ende.

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Mittwoch 14.03.2012

Eigentlich sollte heute Abfahrtstag sein, der Plan war früh nach Glenorchy hoch zu fahren und bei der Rückfahrt über Arrowtown hinaus min. bis Wanaka zu kommen. Der Plan war..... Da es gerade so schön kuschelig ist und der Tag schön zu werden verspricht bleiben wir noch eine weitere Nacht und nehmen uns etwas mehr Zeit um nach Glenorchy zu fahren. Die Fahrt führt am See entlang mit schönen Aussichtspunkten von denen man den ganzen See überblicken kann. Vor einem dieser Aussichtspunkte steht ein Warnschild das vor starken Seitenwinden warnt. Na ja denke ich und steuere den Lockout an, da haut mir eine Böe fast den Lenker aus der Hand. Wow, ich habe noch selten solch einen Wind erlebt (zuletzt in Kaikoura bei unserer Kap Umrundung). Die Harley wird auf dem Seitenständer hin und her geschaukelt und das hat schon etwas zu heissen, schliesslich wiegt das Teil mit dem Gepäck locker 400kg. Glenorchy selbst ist ein kleines Kaff und das war´s. Man kann dort 4WD Touren zu den Filmschauplätzen von „Herr der Ringe“ buchen. Die Strecke ist unbefestigt und sehr rau. 2 Mädels hatten uns schon vorgewarnt, sie hatten sich an ihrem Camper dort den ersten Platten geholt. Na das muss ich hier oben nun wirklich nicht haben. Nach einer Kaffeepause kehren wir wieder um und fahren zurück. Irgendwie habe ich in letzter Zeit so das Gefühl, mein Lenker bewegt sich etwas, es geht nur ein bisschen über die Flexibilität die ein so hoher Lenker immer hat hinaus aber ich spüre es. Auf den ersten Blick ist nichts zu erkennen also geht es weiter. Es lässt mir keine Ruhe und beim nächsten Stop sehe ich es, so ein shit, der Riser (Halter an dem der Lenker befestigt ist) ist nahezu rundum gerissen. Weiterfahren wäre sehr gefährlich. Dreimal durchatmen und noch einmal genau hingeschaut. Der Riser ist tatsächlich rundum den Schraubenkopf der grossen Befestigungsschraube gerissen. Wenn man allerdings vom Panic Mode in den „Überleg-mal-in-aller-Ruhe Mode“ umschaltet kommt man drauf, dass der Sechskantkopf der Schraube das ganze Gebilde recht gut stabilisiert und zusammenhält solange der Riserrest auf der Schraube bleibt. Da fällt mir der grosse Monster-Kabelbinder ein, den ich eingepackt habe. Ganz tief im Koffer vergraben finde ich ihn und fixiere damit den Lenker und den Riser auf der Gabelbrücke. Nun heisst es ganz vorsichtig nach Hause fahren. So ein Kabelbinder hält eine Menge aus aber der hohe Lenker erzeugt auch eine hohe Belastung. Nach ein paar Kilometern wächst das Vertrauen in die Lösung und wir fahren noch über Frankton um im dortigen Supermarkt noch etwas für´s Abendessen einzukaufen. Wir werden vor dem Essen natürlich zum Tee und zur kleinen Plauderrunde eingeladen.

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Donnerstag 15.03.2012

Es regnet in Strömen. Irgendwie hatte ich schon gestern morgen das Gefühl wir hätten fahren sollen. Ich habe schon früh mit Harley Speed and Customs in der Nähe von Wellington telefoniert und siehe da, er hat ein Paar gebrauchte Riser vor Ort liegen, die er direkt rausschicken kann, morgen wären sie in Arrowtown. Man ist hier zwar weit weg von den Standard Versorgungswegen aber die Nähe von Queenstown wirkt sich extrem vorteilhaft aus, es gibt eine „Luftbrücke“ von der die gesamte Gegend profitiert. Wir wollen aber nicht noch eine Nacht hierbleiben und so lasse ich die Riser nach Greymouth zu Harry und Rebecca schicken. Das sind die Beiden, die wir im Hotel in Geraldine kennengelernt haben. Sie warten schon auf uns, es wird allerdings noch etwas dauern bis wir dorthin kommen. Von hier aus sind das lockere 500km. Ich habe meine Lösung über Nacht noch einmal durchdacht und bin überzeugt, die 500km gut fahren zu können wenn ich noch ein paar Kabelbinder bekomme. Barry hat noch einen grossen weissen Industriebinder gefunden aber das reicht mir noch nicht. Ann telefoniert mit Ihrem Haus-und-Hof Schrauber, der hat fast alle Grössen verfügbar und so fährt mich Ann zu ihm. Mit 5 weiteren dicken schwarzen Kabelbindern kommen wir wieder zurück. Drei davon zieren kurze Zeit später den Lenker und die Gabelbrücke. Jetzt können wir starten aber draussen giesst es immer noch. „Ergiebiger Regen“ nennt man das bei uns, „patchy rain“ nennt man es hier. Ann fährt in die Stadt zu einem Patchwork-Club und wir packen die restlichen Sachen zusammen. Dann sitzen wir zusammen mit Barry im Wohnzimmer und warten bis der Regen zumindest weniger wird. Und siehe da, gegen 12:00 werden die Regenpausen immer länger und um 12:30 hört der Regen auf. Darauf haben wir schon gar nicht mehr gehofft, wir schieben die Motorräder aus der Garage, verabschieden uns und fahren los. Es geht über Wanaka Richtung Westküste. Auf der Strecke zwischen Arrowtown und Wanaka sollten zwei Sehenswürdigkeiten liegen, zum einen das historische Cadrona Hotel, gut für einen Pausenstop und der Bra-Fence. Was das ist? Ein Zaun an dem eine Unmenge an Bh´s hängen. Der Pausenstop im Cadrona Hotel beschränkt sich auf einen Kaffee und einen Brownie für Manu. Mit dem alten Auto ergibt es jedoch auch ein gutes Fotomotiv. Den Bra-Fence haben wir nicht gefunden vielleicht waren wir doch auf der falschen Strasse oder der Landbesitzer hat im Rahmen der Wirtschaftskrise die Bh´s verkauft. Man kann ja bekanntlich mit allem Geld machen. Weiter geht es vorbei am Lake Hawea und am Lake Wanaka. Der letzte zivilisierte Stop für die nächsten 120km ist dann Makarora, Mobilfunk Netzabdeckung gibt es dort allerdings schon nicht mehr. Ab dann geht es durch die Wildnis. Ein faszinierender Landschaftswechsel von den samtigen weiten Bergen des zentralen Otago in die mit Regenwäldern überzogenen Bergen der Westküste. Das Wetter ist jetzt wieder recht durchwachsen, produziert dadurch allerdings genau die Atmosphäre die zu diese Gegend passt. Ein strahlend blauer Himmel und die Landschaft wäre nicht halb so beeindruckend. Wir sind so beeindruckt, dass wir sehr oft anhalten, kleine Walks zu Wasserfällen machen oder einfach nur staunen un Fotos machen. So verlieren wie völlig die Zeit aus den Augen, das Licht ist schon seit langer Zeit unverändert da kaum ein Sonneneinfluss durch die tiefhängenden Wolken kommt. Als wir bei den Roaring Billys auf die Uhr schauen ist es schon kurz vor sieben und es sind immer noch über 30km nach Haast. 30Km sind bei uns ein Katzensprung, hier aber bei einer engen kurvenreichen und feuchten Strasse heisst das noch sicher 45 Minuten Fahrt. Bevor wir zu den Falls gehen packen wir also erst einmal das Abendessen aus. Am Parkplatz steht ein Holztisch mit Bänken, ideal für eine solche Rast. Als wir in Haast ankommen ist es stockdunkel. Manu mag das Fahren im Dunkeln überhaupt nicht aber heute war es irgendwie in Ordnung, es hat sich gelohnt sich die Zeit zu nehmen. Wir halten beim ersten Hostel, Zimmer sind noch frei aber auf die Frage ob er ein „under-cover parking“ hätte antwortet der Wirt, na die Motorräder werden ja wohl nicht aus Zucker sein. Nein aber die alte Harley und die alte Triumph mögen es gerne behütet und vor Regen geschützt. Alte Harley, alte Triumph?! Das wäre natürlich etwas anderes meint er und schon stehen die beiden Ladies jeweils in einem kleinen Geräteschuppen hinter dem Haus. Na also, geht doch. Das Hostel ist sehr angenehm, sauber mit klasse Betten. Passt alles.

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Freitag 16.03.2012

An der Westküste entlang geht die Fahrt zu den beiden Gletschern Fox und Franz-Josef. Direkt nach Haast geht es über die Haast River Bridge, die längste einspurige Brücke des Landes. Auf ihr gibt es zwei Haltebuchten damit sich treffende Fahrzeuge einander ausweichen können. Neuseeland hat unzählige solcher einspuriger Brücken und hatte ich dafür zu Anfangs nur Kopfschütteln übrig, muss ich heute feststellen, dass man über die grosse Anzahl sicher einiges an Baukosten gespart hat. Ich glaube ich habe es schon einmal geschrieben, nach meinem Gefühl muss ich bei vielen oder gar den meisten Brücken die Vorfahrt lassen. Seltsam denke ich, sehe aber auch hier und da im Rückspiegel, dass die Kiwis einfach auf beiden Seiten ein Schild Vorfahrt gewähren aufgestellt haben, man geht auf Nummer sicher. Am Ship Creek machen wir einen netten kleinen Walk, den Mataketake Dune Lake Walk. Der Name beschreibt den kompletten Weg, er führt über einen blendend weissen Strand mit viel Treibholz durch die Dünen zu einem kleinen See dahinter und durch ein kleines Stück verwilderten Regenwald zurück. Es sind nur ca. 2km aber solche Wanderungen sind immer wieder eine willkommene Abwechslung zum Fahren. Nach 30km Küste biegt die Strasse ab ins Landesinnere und in die dichten Regenwälder der Westküste. Man kann beim Fahren nur wenige Meter in den Wald schauen, er ist völlig zugewuchert. Ich hätte jetzt gerne einen Kaffee und schwupps sehe ich ein Gebäude mitten in diesem Dschungel welches riesengross Cafe auf dem Dach stehen hat. Ich setzte den Blinker und schaue in den Rückspiegel ob Manu hinter mir ist. Ist sie, mit einem Arm wedelnd bedeutet sie mir weiterzufahren. Na was ist denn das frage ich mich. Egal wird wohl schon seinen Grund haben. Vielleicht kommt noch etwas Besseres denke ich. Aber, es kommt nichts mehr. Beim nächsten Stop erklärt sie mir, dass dieses Cafe im Reiseführer vermerkt ist als grosser Bus Stop und Abzocke. Na wenn das schon ein Reiseführer listet dann war es wohl gut weiterzufahren bevor ich mich hätte aufregen müssen. Es dauert dann nicht mehr allzu lange und die ersten Hinweise auf den Fox Glacier erscheinen am Wegrand. Rundflüge mit Helikopter und Flugzeug, Ice-Landing, Fallschirmspringen, die Touristikbranche schöpft hier alle Mittel aus um aus den beiden Eiszungen Geld zu machen. Der Plan ist sich zuerst den Fox Glacier anzuschauen, die Zeit müsste heute noch reichen und dann zum Franz-Josef weiterzufahren und dort zu übernachten. Wie so oft kommt es anders. Wir fahren eine unbefestigte Strasse ca. 4km hoch zum Gletscher Aussichtpunkt, der ist nicht sonderlich aufregend, wobei einige Australier neben uns stehen und völlig aus dem Häusschen sind. Um einen noch besseren Blick auf den Gletscher zu bekommen laufen wir den Chalet Lookout Walk. Der geht über Stock und Stein über zwei Gebirgsflüsse von denen einer recht easy ist und der andere (eigentlich auch) aber reicht um eine Frau aus Neuseeland dazu zubringen ihren Mann alleine weiterlaufen zu lassen. Die Wanderung hat sich in jedem Fall gelohnt. Der Ausblick ist JETZT grossartig. Eine holländische Familie kommt im Laufschritt auf die Aussichtsplattform und überholt uns beim Rückweg in gleichem Tempo. Ich frag mich was man von dieser tollen Landschaft und vor allem von diesem vor Leben und nur so strotzenden Wald mitkriegt wenn man da so durchrennt. Das wäre als wenn ich mit einem dieser japanischen Superbikes mit 140 über diese Strassen fegen würde. Wir sind nun doch etwas später dran und beim Fox-Glacier gibt es noch den Lake Matheson eines der 101-Must-Do für Kiwis. In dem See sollen sich bei gutem Wetter die umliegenden Berge und vor allem der Mount Cook spiegeln. Wir sehen tolle Bilder und entscheiden uns hier eine Unterkunft zu suchen und morgen vor der Weiterfahrt noch zu dem See zu gehen. Der Wirt besorgt uns beim Nachbarn einen komfortablen Unterstellplatz in einer Garage, der Preis stimmt und ein Restaurant ist auch dabei. Wir gehen zwar zuerst noch ins Ort, wo ein toller etwas derber Saloon sein soll, entscheiden uns dann aber doch für unsere Herberge, da der Saloon teuer ist, nicht wirklich etwas anbietet was uns anmacht und auch nicht sonderlich derb aussieht. Das Essen bei uns hört sich sehr gut an, eine Lammhaxe mit Kartoffelbrei und Gemüse, dazu bestellen wir noch eine Schüssel mit Kartoffelschnitzen (Wedges). Nach dem Essen wollen wir uns gerade auf unser Zimmer zurückziehen als uns in der Bar der Wirt anhält. Ob wir noch einen Drink mit ihm und seinen Kumpels nehmen würden? Kann man ja kaum nein sagen und so kommen wir zu unserem ersten Jägermeister in Neuseeland. Der Hund des Hauses steht so lange an der Bar (mit den Vorderpfoten auf der Bar) bis er ein Glas Bier bekommt. Nachdem er das geschlabbert hat ist es ok. Er versucht es zwar noch einmal aber der Wirt bleibt nun hart. Es sind viele Ferienarbeiter dort angestellt, einige davon aus Deutschland und so wird es doch wieder später als gedacht.

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Samstag 17.03.2012

Die beste Chance das Spiegelbild im See zu sehen hat man früh morgen. Das klappt bei uns natürlich nicht und so ist der See eben ein See, umgeben von Regenwald aber nur ein See eben. Das Wetter ist bewölkt und der Wind kräuselt den See, damit spiegelt sich rein gar nix. Macht nichts, im nahegelegenen Café bekommen wir ein gutes Frühstück und fahren dann weiter um Franz-Josef Gletscher. Der ist etwas beeindruckender als der Fox Gletscher und man kann sich nun besser vorstellen wohin die Eistouren führen und wo diese Werbefotos entstehen. Man kann Eisspalten erkennen und bis in den Bereich mit schönem sauberen Eis schauen. Der Fox Gletscher sah recht dreckig-weiss aus, zumindest in dem Teil in den man durch die Aussichtspunkte Einsicht hatte. Wir wollen eine solche Eistour trotzdem nicht machen. Wenn hat man uns gesagt lohnt sich nur eine Ganztagestour und selbst bei der Tour ist man nur lange im Eis wenn man bei der schnellenTruppe ist. Die mittlere Gruppe war entäuscht und die Langsame fand es als einen etwas überteuerten Spaziergang, so das Feedback der deutschen Ferienarbeiterin in unserer letzten Unterkunft. Wir nehmen die Wanderung zum Gletschertor in Angriff, das wird für heute eh schon viel, da wir ja heute Abend in Greymouth sein wollen. Es ist St. Patricks Day und da wollen wir natürlich mit dabei sein. Die Wanderung führt kurz durch den Regenwald und dann lange Zeit durch ein weites steiniges Flussbett umgeben von bewaldeten Bergen von denen einige Wasserfälle herunter rauschen. Die Wanderung endet abrupt an den Absperrungen der Forstbehörde. Ab hier soll man nicht mehr ohne Führer weitergehen. Ich denke es ist reine Geldmacherei, durch den frühen Stop sollen die Leute wohl animiert werden eine Tour zu buchen. Keine Frage, alleine auf das Eis gehen ist sicherlich eine gefährliche Sache aber das Eis ist noch weit weg von den Absperrungen. So überwinde ich die Absperrung, damit ich zumindest noch ein ordentliches Bild vom Gletscher bekomme...und es hat gar nicht wehgetan. Kurz vor der Abfahrt rufen wir noch Harry und Rebecca an um Ihnen zu sagen, dass wir wohl etwas später ankommen. Ist kein Problem für die Beiden, wir treffen uns dann im Pub. Sobald wir in Greymouth ankommen sollen wir noch einmal durchrufen um zu sehen in welchem sie gelandet sind. Nun lassen wir es etwas laufen, die Fotostops begrenzen wir auf das Nötigste haben aber noch einen Essenstop vor uns. Ausserdem brauchen wir noch einmal Sprit. Die erste kleine Tankstelle in Whataroa lassen wir links liegen, der nächste Ort ist Harihari und gross genug eingezeichnet, dass er sicher eine Tankstelle hat. In Harihari schauen wir allerdings in die Röhre, er hat zwar zwei Zapfsäulen aber der General Store der diese betreibt ist geschlossen. Nun wird mir doch etwas mulmig und ich beginne zu rechnen ob der Sprit bis Hokitika reichen könnte. Ne, das wird er sicher nicht. Na ja, es gibt noch Ross, der Ort ist allerdings auch nicht grösser eingezeichnet als Harihari, und es ist Samstag Nachmittag, wir werden sehen. In Ross gibt es wieder einen Generalstore mit zwei Zapfsäulen aber dieses Mal haben wir Glück er ist geöffnet. Der Sprit ist sündhaft teuer und so tanken wir nur soviel, dass wir sicher nach Greymouth kommen. Daneben bietet sich das Ruddy Nugget Café als Kaffee und Essensstop an. Der Besitzer des Ruddy Nugget ist begeistert von den beiden Bikes und macht Fotos für seine Pinnwand. Nachdem wir bestellt haben trete ich vor das Café und es kommt mal wieder so ein ganz eigentümliches Gefühl in mir hoch. Das kleine Kaff, nur aus einer Strasse bestehend, der Farmer von nebenan, der über die Strasse geht und einen kurzen Small Talk mit dem Kneipenbesitzer hält, die tiefstehende Sonne und die Ruhe die über dem Ort liegt ergeben eine Atmosphäre, in der ich einfach den Rest vom Tag vor diesem Café in einem Stuhl sitzen könnte und sie einfach auf mich einwirken lassen könnte. Die Ruhe dieser Ortschaft überträgt sich vollkommen auf mich. Die beiden Motorräder vor dem Café, es dürften keine anderen sein, Manu mir gegenüber, es passt einfach alles zusammen. Heh, aufwachen, wir müssen weiter. St. Patrick wartet in Greymouth. Die anderen sind schon lange im Pub und wir machen uns jetzt auch auf den Weg dahin. Gleich um die Kurve fällt mir noch einmal ein Haus ins Auge mit einer Unmenge an Nummernschildern an der Umzäunung und selbst an der Hauswand, amerikanische Flaggen und andere Motorrad Memorabilia. Das sieht ja hart aus denke ich noch, wenn wir etwas mehr Zeit hätten würde ich dort noch einmal anklopfen wie damals in Tasmanien und sehen wer denn da so freakig unterwegs ist. Heute geht das leider nicht. Kaum haben wir Greymouth erreicht, kommen uns schon die ersten Oldtimer entgegen. An diesem Wochenende ist eine Classic Cars Rally in Greymouth. Stoppen nach dem ersten Pub und rufen Harry an. Könnte ja sein, die sitzen schon da drin. Ist aber nicht so, Harry erklärt uns den Weg durch die Stadt zu ihrem Stamm-Pub. Die Stadt ist sehr übersichtlich und Harry steht schon draussen um uns einzuweisen. Geparkt wird auf dem Gehweg direkt vor der Kneipe. Drinnen spielt schon eine Zwei-Mann Band mit akustischen Gitarren und wir bestellen erst einmal ein Guinness. Grosses Hallo und Begrüssung, Bex die Frau von Harry und Ian, der Kumpel dem die Harleys gehören sind auch da. Wir werden auch gleich noch dem Wirt und der Bedienung vorgestellt und sind dann in die Stammmannschaft aufgenommen. Die beiden Musiker sind richtig gut und der Abend verspricht gut zu werden. Wir brauchen jetzt aber erst einmal etwas zu essen. Neben der Kneipe ist ein recht schickes Restaurant, wo wir allerdings an der Bar auf einen freien Tisch hätten warten müssen. Das passt nicht in unser Timing, es ist schon sieben Uhr und irgendwie sind wir beide der Meinung passt das heute nicht zu diesem Abend und auch nicht zum ganzen Tag. Also gehen wir in einen neu eröffneten Burger Imbiss in dem es laut Bex klasse Burger geben soll. Das ist dann auch so, wir nehmen einen Burger mit Hirschhackfleisch und roter Beete drauf, lecker und die Fritten sind auch klasse. Ein junger Mann der an der Theke sitzt stellt sich als Mitbesitzer des Ladens heraus, er ist Deutscher, seit 2 Jahren in Neuseeland und auch der Chef eines Adventure Unternehmens für Kayak, Mountain Bike Touren und ähnliches. Nicht schlecht, ich schätze ihn so auf max. Mitte 30. Studiert hat er in Karlsruhe und so kennt er sich auch in unserer Umgebung bestens aus. Nach einem kleinen Small Talk mit ihm kehren wir wieder in den Pub zurück. Dort sind mittlerweile der Schlagzeuger und der Bassist der Band eingetroffen, die Musik wird jetzt etwas lauter, das Publikum wird schriller, St. Patrick´s Day scheint hier echt abgefahren zu sein. Die Barfrau schreibt jedem von uns mit irgendeinem grünen Zeugs nette Dinge in den Bierschaum, das geht von „Das ist für Dich Darling“ bis „Hau das Zeugs weg Alter“. Es wird ein Abend, so gut wie er sich schon angekündigt hat. Die Motorräder haben wir schon zu Harry&Bex nach Hause gefahren und können jetzt locker mal einen drauf machen.

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Sonntag 18.03.2012

Das wird ein ruhiger Sonntag. Es war recht spät gestern und wir sind alle vier noch ein bisschen groggy. Während Manu noch schlummert fahren Harry und ich ein bisschen mit seinem V8 Pickup durch die Gegend. Ziel ist das Haus eines etwas exzentrischen Sammlers alter Motorräder und Autos. Als Tor zu seiner Einfahrt hat er zwei alte Jaguar Autos getreu dem Vorbild der Route 66 mit der Schnauze in der Erde vergraben. Zu Beginn so erzählt Harry waren die Karossen noch fast neuwertig, heute sehen sie schon etwas verrottet aus und irgendwann zeugt dann vielleicht nur noch ein Rostfleck im Boden von der vergangenen Pracht. Als wir zurückkommen ist Manu auch schon wach und ich mache erst einmal für alle Kaffee aus unserer kleinen Espresso Kanne. Es ist schon seltsam, der Kaffee schmeckt beiden richtig gut, man sieht es daran, dass es nicht bei einem bleibt aber sie kommen nicht auf die Idee sich auch so eine Kaffeemaschine zuzulegen. Der Plunger, dieses grässliche Durchdrück-Glas geht schneller und tut´s scheinbar auch. Manu und ich frühstücken, Harry hat das schon zur Zeit meines ersten Frühstücks erledigt und Bex braucht vor 12:00 nichts ausser Kaffee. Danach schaue ich mir erst einmal die Riser an, die Harley Speed and Custom aus der Nähe von Wellington zu Harry geschickt haben. Na so richtig begeistert bin ich nicht. Die Teile sind gebraucht und weisen schon ein paar Spuren auf, die ich nicht eindeutig zuordnen kann. Sind das Anrisse oder nur Kanten aus dem Gusswerkzeug. Auch Harry ist sich nicht sicher. Da schauen wir doch einfach noch bei Ian vorbei und fragen ihn um seine Meinung. Manu fährt wiederum eine Runde Sightseeing mit Bex in ihrem MG. Ian ist gerade schwer am Renovieren seines Hauses und auch er ist sich nicht sicher. Nach einem Tee machen wir uns wieder aus dem Staub, allerdings mit Ian´s neu erstandenem alten Ford Mustang. Den Pickup lassen wir bei ihm stehen. Die Kiste ist Auto pur, rattert, klappert und hört sich an als schlürfe er im Standgas schon zwanzig Liter weg, macht er vielleicht auch. Es macht trotzdem Spass mit so einer alten Karre durch die Gegend zu cruisen. Bex ist eine phantastische Köchin und sieht nicht ein warum wir essen gehen sollten. Das Abendessen kann es dann auch mit jedem Restaurant das wir bisher in NZ besucht haben aufnehmen. Ihr Vater war sehr lange in Führungspositionen in der Weinbranche und so sind wir auch damit optimal versorgt. Kurz vor dem Abendessen stösst noch Brooke, die Tochter von Bex aus erster Ehe dazu. Sie verabschiedet sich jedoch recht bald danach in ihr Zimmer und ins Bett. Das Wochenende bei einer Freundin war sicher recht anstrengend. Harry hat Nachtschicht und wird kurz vor 22:00 abgeholt. So sitzen nur wir drei noch lange zusammen, schauen uns Bilder von uns zu Hause an.

 

Montag 19.03.2012

Wir haben mit Bex vereinbart, dass wir Brooke zur Arbeit fahren. Da sie erst um 9:30 dort sein muss ist das auch für uns noch recht relaxt. Wir bringen danach die Riser weg um sie abfräsen zu lassen und gehen dann frühstücken. Ich habe entschieden, dass die Teile zumindest den restlichen Teil der Reise überstehen werden. Nach einem Telefonat mit Kimble ist klar, ich brauch die Teile nicht einmal zu bezahlen, die Jungs sehen das als Support unserer Reise an. Klasse, ich hätte dennoch lieber ein paar neue gehabt. Die Engineering Firma zu der mich Harry empfiehlt ist riesengross aber was in dieser grossen Halle an Equipment so rumsteht sieht schon recht antiquiert aus. Na ja, das hat nichts zu sagen, auch mit alten Maschinen kann man präzise arbeiten. In einer Stunde könne ich sie wieder holen meint der Mann an der Maschine. Das passt wunderbar mit dem Frühstück zusammen. Bevor wir sie wieder abholen fahren wir noch einkaufen und holen eine Geburtstagstorte für Bex. Sie hat morgen Geburtstag und wir wollen sie damit überraschen. Beim Einkaufen überlege ich noch, ob ich ein Zwölfer Karton Bier für die Riser mitnehmen soll, entscheide mich dann aber doch dafür die Teile erst einmal abzuholen und zu sehen wie sie geworden sind und wie das mit der Bezahlung funktioniert. Wie das funktioniert sagt mir der Mann an der Theke, 60$, gut, dass ich kein Bier geholt habe. Die Torte bringen wir gleich nach Hause und verstecken sie im Kühlschrank, draussen in der Werkstatt, dann starten wir noch einmal um Brooke wieder abzuholen. Zusammen mit ihr fahren wir noch nach Blackball. Ein kleines Minenkaff, das vor allem zwei Attraktionen hat, eine Salamifabrik und das „Formerly the Blackball Hilton“ ein historisches Hotel aus den Anfängen dieses Ortes das zu Ehren des ehemaligen Minenverwalters von „Dominion“ in „Hilton“ umbenannt wurde. Das ging so lange gut, bis die grosse amerikanische Hotelkette Wind davon bekam und gerichtlich eine Namensänderung durchsetzte. Wie Kiwis so sind griff man zur einfachsten Lösung. Wir decken uns zunächst im Laden der Salamifabrik mit Hirschsalami, Biersticks und Chorizo ein und gehen dann noch auf ein Bier ins „Formerly the Blackball Hilton“. Man kann dort unmöglich einen Tee oder Kaffee trinken, das passt nicht. Die Chorizo ist als Geburtstagsgeschenk für Bex gedacht, sie liebt diese Wurst. Auf dem Rückweg schauen wir noch in der Brunner Mine vorbei. Eine alte Mine von der nur noch ein paar Ruinen stehen. Beeindruckend ist das Memorial das dort für einige Minenunglücke steht, das letzte 2010 bei dem 24 Kumpels ums Leben kamen und man die Körper bis heute nicht geborgen hat, da es einfach zu gefährlich und aufwendig wäre. Der Job ist auch heute noch sehr gefährlich, da gibt es nichts zu diskutieren. Nach all dem Sightseeing möchte ich jetzt noch kurz bei dem Motorrad-Mechaniker vorbeifahren der nach Harrys Meinung besonders viele Reifen vorrätig hat. Mein Vorderreifen ist doch schon recht stark und vor allem einseitig abgefahren. Tatsächlich hat der genau den 21“ Dunlop Reifen den ich bisher gefahren habe dort liegen. Jetzt gibt es nicht mehr viel zu überlegen, dieser Reifen war für mich bestimmt. Ich reservier ihn für morgen. Als wir zurückkommen wartet Bex schon auf uns, sie möchte noch an den Strand fahren und mit uns auf Greenstone Suche gehen. Am Strand angekommen suchen wir alle drei intensiv nach dem „grünen Gold“, wir finden auch jede Menge grüne Steine aber keiner erweist sich als wirklicher Greenstone. Man testet das am besten wenn man mit ihm über die fettgsten Stellen seines Gesichts fährt. Hört sich seltsam an, ist aber so. Echter Greenstone absorbiert das Fett und wird dunkel glänzend. Bex findet zumindest einen Serpentine, eine Art Vorstufe des Greenstone. Greenstone muss gefunden werden wollen so glauben die Maori und wenn er einem dann gefunden hat, darf man ihn noch nicht einmal behalten. Man muss ihn einem Menschen weiterschenken den man sehr schätzt oder liebt. Natürlich steht es einem frei aus den gefundenen Stein etwas zu veredeln oder veredeln zu lassen. Dazu gibt es Maori Symbole mit verschiedensten Bedeutungen wie z.B. der doppelt verschlungene Knoten der für ewige Verbindung steht, einem der beliebtesten Symbole.

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Dienstag 20.03.2012

Heute ist Bex´s grosser Tag. Sie ist nicht der Typ, der Geburtstag feiert, also geht sie ganz normal zur Arbeit und wir starten etwas später nach Pnakaiki zu den Pancake Rocks. Zuvor fahren wir noch Brooke zur Arbeit und bringen mein Vorderrad zum Reifen wechseln. Kaum 5km aus Greymouth raus, fällt mir dann der niedrige Füllstand des Tanks auf. Na ja, nach Punakaiki reicht es allemal und aufgrund der Darstellung im Strassenatlas gehe ich davon aus, dass wir dort NATÜRLICH Sprit bekommen. Der geehrte Leser kann sich denken was kommt. Punakaiki ist ein Touristenspot. Vielmehr als die Pancake Rocks gibt es dort nicht. Ein Café ein Visitor Center aber weit und breit keine Tankstelle. Eines ist klar, bis zurück nach Greymouth reicht der Sprit auf keinen Fall. Erst mal cool bleien und einen Kaffee trinken. Die Bedienung ist nicht sehr hilfreich, auf die Frage ob es denn hier irgendwo die Möglichkeit gäbe Benzin zu bekommen kommt die Antwort: Nein...keine Tankstelle und auch die Anwohner hätten keine Benzinkannister. Das kann ich ja nun gar nicht glauben. Wir trinken den Kaffee aus und gehen erst einmal rüber zum Visitor Center. Diese Leute sind meistens eher darauf eingestellt einem in einer solchen Lage weiterzuhelfen. Und tatsächlich, die freundliche ältere Dame hinter der Theke weiss wo sie anrufen muss. Ob 5 Liter für 20$ ok wären? Was sollen wir sagen, wir haben keine andere Option. Das wäre doch auch seltsam gewesen, wo alle Motelbesitzer hier einen fahrbaren Rasenmäher besitzen. Egal, Jetzt könen wir uns in aller Ruhe die Felsen anschauen und die sind wirklich beeindruckend. Der Wind und das Wasser haben den weichen Felsen das Aussehen übereinander geschichteter Pfannkuchen gegeben und sogenannte Blowholes blasen bei Flut und richtigem Wellengang dicke Wasser oder Wasserdampf-Fontänen in die Luft. Die Felsformationen sind beeindruckender als Vieles was wir schon auf der Südinsel gesehen haben. Es ist faszinierend den Wellen zuzuschauen wie sie immer wieder mit gewaltiger Kraft gegen die Felsen anrennen und man kann sich gut vorstellen, dass in einigen Jahrzehnten diese Küstenlinie wieder ganz anders ausschauen wird. Auch von den 12 Aposteln an der Great Ocean Road in Australien stehen heute kaum mehr 10. Nach unserer Rückkehr nach Greymouth holen wir zunächst mein Rad ab und fahren dann zu Harry und Bex nach Hause. Bex ist schon da und ich gehe direkt in die Garage um die Geburtstagstorte vorzubereiten. Sie ist sichtlich gerührt, trotz dass sie nicht der Typ für eine Geburtstagsfeier ist, freut sie sich doch, dass sich alle etwas haben einfallen lassen. Anschliessend gehen wir zur Feier des Tages in die Stadt in ein Restaurant zum Abendessen.  

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1. April 2012 7 01 /04 /April /2012 11:59

Dienstag 28.02.2012

Heute soll es auf die Südinsel gehen. Da wir die Nachmittags-Fähre gebucht haben, ist genug Zeit unsere Sieben Sachen zusammenzupacken und die Motorräder vom Hotel zu holen. Ich möchte noch vereinbaren, dass wir die Motorräder bei unserer Rückkehr wieder einstellen können aber die Hotelbesitzerin eröffnet mir, dass sie das Hotel verkauft hätten und sie nicht wüsste ob der neue Besitzer dies erlauben würrde. Schade aber auch, der Platz war sehr gut, trocken, recht sicher und gerade um die Ecke von Barrys Haus. Bei John im Café hole ich noch zwei Portionen gemahlenen Kaffee, eine für uns und eine als kleines Dankeschön für Barry und Belinda. Dazu noch einen Kaffee zum Trinken, Tschüss John, bis in ein paar Wochen. Da Barry und Belinda arbeiten müssen, Louis in der Schule ist, ist nur noch Georgina da als wir das Haus verlassen. Von Barry und Belinda haben wir uns schon am frühen Morgen verabschiedet. War eine kleine Verabschiedung, da wir sicher sind uns in ein paar Wochen wieder zu sehen. Wir sind schon um 13:00 an der Fähre die aber erst um 14:00 abfährt. So nach und nach treffen noch eine Indian Scout, eine Evolution Harley und ein V8 Trike ein. Das war es aber dann auch schon an Motorrädern, so weit man das V8 Ungetüm als Motorrad bezeichnen kann. Wir haben einen kurzen Small Talk mit dem Indian Fahrer, der auf dem Weg zu einer Indian Rally in Dunedin ist und mit dem Trike Fahrer. Der Harley Fahrer ist so cool, dass er mit gar niemandem zu reden braucht, ist mir auch recht, dieses Syndrom findet man bei vielen dieser Typen. Kommt man dann doch einmal mit einem ins Gespräch werden sie plötzlich redselig. Die Überfahrt dauert nur 3 Stunden, Manu bekämpft die Anflüge von Seekrankheit mit Wedges und wir haben noch einmal ein kurzes Gespräch mit den Beiden V8 Trikern. Er ist Direktor einer Firma die sich mit Holz beschäftigt und war schon desöfteren in Deutschland. Das Trike hat er in USA gekauft, hat dort einen schönen Urlaub damit verbunden und es dann nach Neuseeland liefern lassen. Es sieht mächtig aus und obwohl er beteuert, dass es ganz gut um die Kurve geht möchte ich eine Tour wie die unsere nicht mit diesem Teil fahren. Der schönste Teil der Überfahrt ist die Einfahrt in den Marlborough Sound. Die Einfahrt in den Sound ist sehr eng und auf beiden Seiten ziehen die Felsen vorbei. Um ein gutes Foto zu erhaschen springe ich von Backbord nach Steuerbord und weiss gar nicht wo ich zuerst sein soll. Im Sound ist es dann erstaunlich ruhig. Die enge Einfahrt und die umgebenden Berge schützen diesen Bereich sehr effektiv vor der rauen See und den stürmischen Winden. Vorbei gleiten immer wieder Höfe mit Anlegestegen die scheinbar nur über den Wasserweg mit der Aussenwelt verbunden zu sein scheinen. Ob da noch eine unsichtbare Strasse im Hintergrund ist? Keine Ahnung. In Picton angekommen schauen wir uns gleich nach unserer Unterkunft um. Picton hat eine Menge Unterkunftsmöglichkeiten aber wegen unserer späten Ankunft hatten wir ein Backpacker telefonisch gebucht. Der Betreiber meinte wir könnten die Motorräder im Courtyard abstellen und nebenan wäre ein holländischer Bäcker der selbst grosser Harley Fan wäre. Habe zwar noch nie gehört, dass Holländer für Ihre guten backwaren bekannt wären aber eine Unterstellmöglichkeit für die Bikes sticht immer. Das Haus ist gleich um die Ecke und die Bäckerei erkennt man daran, dass der Name im Bar&Shield Logo von HD geschrieben ist. Die Unterstellmöglichkeit gefällt mir allerdings nicht, das ist einfach „vorm Haus“. Als ich noch einmal nachfrage meint der Hauswirt ich könnte sie überall hinstellen wo ich einen Platz fände. Das muss man mir nicht zweimal sagen. Ich finde einen Platz, schön überdacht zwar kann jetzt keiner mehr durchlaufen aber egal, auf dem Rasen ausserhalb ist genügend Platz. Um keine Zeit zu verlieren gehen wir gleich zum Abendessen in ein vom Loose Reiseführer empfohlenes Lokal. Der Reiseführer hat sich bisher für Australien wie Neuseeland toll bewährt. Die Bedienung ist nicht besonders auf Zack, sie ist aus Schweden und ein Ferienarbeiter, ok verziehen. Sie fragt uns wie uns das Brot mit dem Olivenöl schmeckt und wir sagen ihr ehrlich, dass wir uns unter homebaked bread etwas anderes vorgestellt hätten. Ja sagt sie verständnisvoll sie wäre aus Schweden auch anderes Brot gewöhnt. Ich meinerseits denke: aber Pumpernickel und Knäckebrot kann man auch schlecht ins Olivenöl tunken. Nachdem wir wieder zu Hause sind gibt es noch einen Kettenservice und einen Lampenwechsel mit der Stirnlampe auf dem Kopf. Schon bei der Ankunft in Wellington mussten wir feststellen, dass das Fahrlicht der Harley den Geist aufgegeben hatte. Ich hatte aber einfach keine Muße das Teil im Hotel zu wechseln. Als es ans Zähneputzen geht gibt es noch eine kleine Überraschung, die sanitären Anlagen sind Unisex. Mich stört es nicht sonderlich aber es ist in jedem Fall ungewöhnlich. Ausserdem ist es scheisse kalt dort, Heizlüfter Fehlanzeige, muss man sich die Zähne eben so schnell putzen, dass einem warm wird.

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Mittwoch 29.02.2012

Im Backpackers sind überwiegend junge Leute eingemietet, die als Ferienarbeiter unterwegs sind. Das heisst, dass sie früh aufstehen um zur Arbeit zu gehen. Dementsprechend laut geht es schon vor 5 Uhr zu. Den Vogel schiesst aber der Junge ab, der kurz nach 5 an jeder Tür klopft weil er den Fahrer des Auto finden muss das vor seinem Auto steht. Ich frage ihn ob er schon einmal auf die Uhr geschaut hat und schlage ihm die Tür vor der Nase zu. Später denke ich, dass einem das vielleicht auch hätte passieren können. Allerdings stelle ich mein Auto nicht tief in die Einfahrt wenn ich als Erster raus muss.

Nach einem guten Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Süden. Die Küste entlang wollen wir nach Kaikoura und endlich einmal eine Walbeobachtungstour buchen. Wir wollten das schon bei der letzten Australientour machen, dann in Südafrika aber nie konnten wir uns wirklich dazu durchringen. Zum einen ist das immer schweineteuer zum anderen muss Manu mit der Seekrankheit kämpfen. Aber hier wollen wir es jetzt einmal probieren. Manu ist gestählt von 2x Tasmanien und 1x Nord-zu Südinsel, diesmal soll es sein....denken wir. Wir finden eine Lodge, die uns unsere Motorräder in die Garage stellt und haben ein schönes Zimmer. Der Knüller ist allerdings, dass man in 5 Minuten durch einen Hinterausgang über die Bahngleise direkt zur Walbeobachtungsstation kommt. Wir haben die zweite Tour des Tages um 7:45 gebucht. Ideal weil die erste Tour erst noch die Wale finden muss und die zweite Tour dann schneller am Ziel ist und mehr Zeit für die Wale bleibt.

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Donnerstag 01.03.2012

Ich wache um 5:00 auf und mir fällt schlagartig ein, dass ich den Wecker im Handy zwar auf 6:00 gestellt hatte, jedoch nach deutscher Zeit. Ich nehme meine Tablette und angle mir das Handy um es unter der Bettdecke einzuschalten und den Alarm dementsprechend auf den Vortag 18:00 zu stellen. Manu ist auch schon wach und fragt mich verschlafen ob wir denn schon aufstehen müssen und ob der Wal schon bläst (Spass). Eigentlich sollten wir den Alarm jetzt gar nicht mehr brauchen, schlafen aber dennoch noch einmal ein und sind ganz überrascht als es dann klingelt. Draussen regnet es in Strömen und es geht ein böiger starker Wind. Na ob da das Walbeobachtungsboot überhaupt rausfährt ist fraglich. Es ist noch dunkel draussen, ich frühstücke noch kurz und Manu nimmt den ersten Instantkaffee im Bett. Frühstücken möchte sie nicht wegen der potentiellen Kotzerei auf dem Schiff. Ich habe im Internet gelesen, dass man eine Segelcrew vorher nur noch Bananen isst, die würden rauf genauso schmecken wie runter. Wegen dem Binden von Magensäure hätte man auch keine solche Schmerzen beim Übergeben, Manu ist´s egal, sie will keine Bananen zum Frühstück. Wir richten unseren Kram zusammen, packen uns in die Regenklamotten und starten. Unser Hostel hat einen kleinen Hinterausgang, eine Wellblechtür in einem Wellblechzaun, diese führt auf die dahinter vorbeiführenden Zuggleise. Nach dem Überqueren der Gleise steht man schon direkt auf dem Gelände des Walbeobachtungszentrums. Nachdem wir das Gebäude betreten haben wird schnell klar, heute morgen wird kein Schiff rausfahren. Wir buchen um auf die letzte Tour um 4:00 damit wir noch dabei sein können sollte sich das Meer noch etwas beruhigen.

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Tja, was machen wir nun mit dem angebrochenen Tag, zuerst im anhängenden Café mal einen Kaffee trinken und ein Rosinenbrötchen essen. Zur Diskussion stehen ein absoluter Faulenzer-, Tagebuchschreiber- und im-Internet-Rumhänger- Tag oder eine Wanderung rund um die Halbinsel von Kaikoura. Die sieht schon toll aus, das Foto ist allerdings bei eitel Sonnenschein aufgenommen, wir entscheiden uns trotzdem für die Wanderung, wir sind ja wirklich gut ausgestattet. Der Wind bläst uns kräftig entgegen und wir spazieren zunächst an der Esplanade entlang Richtung erstem Kap. Dort soll es eine Seehund Kolonie geben, das erste Highlight. Es bieten sich auf dem Weg dorthin schon tolle Ausblicke entlang der Bucht und die Berge hinter Kaikoura. Ständig wechselnde Bewölkung taucht die Bucht und die Berge immer wieder in ein anderes Licht. Wenn sich die Wellen bei Hereinrollen von der offenen See überschlagen ziehen sie wegen des Windes einen langen Schleierschwanz aus Gischt hinter sich her. Das alles zusammen ist weitaus spektakulärer als ein Spaziergang bei blauem Himmel. Beim Kap angekommen sehen wir keine Seehunde, so laufe ich auf dem Laufsteg um eine Schilfgruppe herum und höre gerade noch ein recht ungehaltenes Brüllen direkt neben mir. Ich falle vor Schreck fast vom Laufsteg, direkt neben dem Steg sitzt ein grosser Seehund der sich beim Kratzen und Strecken gestört gefühlt hat. Wahrscheinlich ist er genauso erschrocken wie ich. Weiter geht es auf einem sehr steilen und schmalen Pfad um die Halbinsel mit tollen Ausblicken auf ein tief unten liegendes, wild brausendes Meer. Der Wind weht so stark über die Klippen und von unten herauf, dass man manchmal richtiggehend an den Hügel an dem der Pfad entlangläuft gedrückt wird. Es ist ein echter Kampf mit den Naturgewalten. Wenn der Weg um einen Hügel führt muss man auch aufpassen nicht über die Klippenkante geweht zu werden aber es macht auch viel Spass dagegen anzugehen. Nach den Klippen geht der Weg ohne Vorwarnung über in einen lockeren Pfälzerwald-Wanderweg durch einen kleinen Wald. Kaum zu glauben, dass sie noch ein paar Bäume haben stehen lassen bzw. nachgepflanzt haben. Zurück in der Stadt merkt man erst wie anstrengend es war gegen den Wind anzugehen und wie angenehm es ist nun so locker durch die Strassen zu schlendern. Was wir auch merken ist wie schön es ist so früh unterwegs zu sein. Es ist gerade mal 13:00 und wir haben schon richtig viel erlebt und können uns nun faul auf der Veranda eines Cafés räkeln und unseren Kaffee geniessen. Gegen 14:00 schauen wir noch einmal bei den Whale-Watchers (nicht verwechseln mit den Weight-Watchers) vorbei aber alle Waltouren sind für heute abgesagt. So ein Ärger, nun haben wir uns mal entschieden das Geld zu investieren und Manus Seekrankheit zu riskieren und nun macht uns das Wetter einen solchen Strich durch die Rechnung. Vielleicht soll es einfach nicht sein. Vielleicht sollte man die Wale generell mehr in Ruhe lassen. Durch uns werden sie auf jeden Fall auch dieses Mal nicht gestresst. Auf dem Weg vom Supermarkt sehen wir einige Royal Enfield Motorräder vorbeifahren, als wir dann auf dem Rückweg an der Tankstelle neben unserer Lodge muss ich schon mal fragen ob denn hier irgendwo ein Oldtimer Event abläuft. Der Fahrer nimmt den Helm ab und zum Vorschein kommt Faye, eine Frau in den Fünfzigern. Wir kommen natürlich ins Gespräch. Sie fährt schon sehr lange Motorrad und hat lange Rennen auf klassischen Motorrädern bestritten. Die RE hat sie sich zugelegt weil sie zu viele Speeding Tickets gesammelt hat und nun einen Gang herunter schalten muss. Sie möchte sich unsere Motorräder anschauen und kommt noch mit in die Lodge. Von unserem Trip ist sie begeistert und lädt uns ein, doch auf der Royal Enfield Rally vorbeizuschauen, die morgen in Ashley Gorge statt findet. Prinzipiell könnte das auf dem Weg liegen wenn wir Christchurch grossräumig umfahren. Es wäre insoweit interessant, da die Strassen die dorthin führen im Motorrad Atlas empfohlen werden. Wir wollen mal schauen, wann wir morgen loskommen, es sind zwar nur 60 km Umweg aber damit ist es ja nicht getan, ein bisschen möchte man sich dort ja auch umschauen. Nach einem gemeinsamen Foto verabschieden wir uns und Manu und ich nehmen uns vor in jedem Fall zu versuchen auf der Rally vorbeizuschauen.

Manuela geht zum Kochen über und ich präpariere die Motorräder speziell die Triumph für die Regenfahrt die wir für morgen erwarten. Heisst ich klemme zwei aus Johnny Walker-Cola Dosen geschnittene Abschirmungen über die offenen K&N Luftfilter um sie etwas vor eindringendem Wasser zu schützen. Kettenspannen, -fetten und Öl auffüllen dann ist auch schon Abendessen angesagt.

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Freitag 02.03.2012

Der Morgen startet unerwartet schön. Die Strasse ist noch ruhig und die Luft klar und nicht einmal so kalt wie erwartet. Auf den Bergen liegt ganz schön viel Schnee, der lag definitiv noch nicht als wir angekommen sind. Der Herbst hat begonnen, offiziell gestern und wir müssen uns schon desöfteren auf kalte und regnerische Tage einstellen aber heute scheint zunächst einmal ein schöner frühherbstlicher Tag vor uns zu liegen. Wir haben schnell gepackt und starten in Richtung Ashely Gorge, die Entscheidung dort vorbeizuschauen war gestern Abend schon durch. Das nächste planmässige Ziel ist Dunedin, wo Wayne und Sharon, die beiden die wir in Tasmanien getroffen hatten, auf uns warten. Es ist allerdings klar, dass wir Dunedin heute nicht mehr erreichen, wir werden sehen wo wir enden. In Amberley kurz vor dem Abzweig weg von der grossen Nationalstrasse treffen wir noch einmal drei Royal Enfield Fahrer. Sie stoppen und nach einem kurzen Benzin Talk vereinbaren wir gemeinsam nach Ashley Gorge zu fahren. Da wir jedoch noch auftanken müssen wollen die Drei an einer Brücke kurz vor Rangiora auf uns warten. Sie sind nur mit einer der kostenlosen Touristikkarten unterwegs, neuseeländisch laid back eben. Ashely Gorge ist auf der noch nicht einmal eingezeichnet. Nach dem Tanken lassen wir es ein bisschen laufen um sie einzuholen, treffen sie jedoch bis Ashley Gorge nicht mehr, sehen allerdings auch keine grosse Brücke. An dem Campingplatz angekommen habe ich Zeit unsere etailkarte mal etwas genauer anzuschauen und stelle fest , dass es tatsächlich einen Fluss gibt der kurz vor Rangiora verläuft, jedoch die längere und im Motorcycle Atlas nicht empfohlenen Route kreuzt. Na hoffentlich warten die dort nicht allzu lange auf uns. Hier auf dem Platz ist es noch sehr ruhig. Die Betreiber sind keine wirklich guten Geschäftsleute, auf die Frage ob es denn hier einen Kaffee gäbe, Kaltgetränke, Eis etc. ist ja auch verfügbar, schüttelt die Dame nur den Kopf. Ich hätte einen Instantkaffee aufgegossen und die „Behr wär gschält gwese“. No, das ist eben Neuseeland. Den Kaffee bzw. Tee bekommen wir dann vom Organisator der Rally, sehr einfach organisiert und sehr klein. Alles in allem werden 23 Royal Enfields erwartet. Die Jungs sind alle sehr aufgeschlossen und beeindruckt von unserem Trip mit den beiden alten Ladys. Wir haben wirklich unterhaltsame 2 Stunden, allein, Faye taucht nicht auf. Einige dort kennen sie, einige haben schon Fotos von ihr gesehen, sie aber noch nicht persönlich getroffen. Nach manchen Bemerkungen zu schliessen ist sie wirklich flott unterwegs gewesen und selbst mit der RE, sagen manche, wäre sie verhältnismässig schnell unterwegs. Nach zwei Stunden müssen wir dann aber los, sonst kommen wir selbst morgen nicht nach Dunedin. Nach einer herzlichen Verabschiedung und zwei Einladungen die noch auf unserem Weg liegen fahren wir über Oxford Richtung Timaru. Dort haben wir telefonisch eine Unterkunft in einer Lodge mit Garage gebucht. Leider waren nur noch Doppelzimmer ohne eigenes Bad frei aber eine sichere Garage schlägt alles. Die Besitzerin ist mit Clarkie einem Triumph Enthusiasten zusammen. Bertie, einer der RE Fahrer kennt ihn sehr gut und wohnt auch in Timaru und sagt wir sollen ihm ausrichten „Berti empfiehlt uns“. Er ist sicher, dass wir damit noch eine Sonderbehandlung erfahren. Bertie hat schon die Oldtimer Rally Peking-London mitgemacht und wird sie dieses Jahr ein zweites Mal mitfahren. Er wird als Mechaniker mitgenommen und muss rein gar nichts dafür bezahlen. Cool, er muss zum einen gut sein aber auch die richtigen Beziehungen haben. Aber nun zurück auf die Strasse. Am Abzweig in Oxford sehe ich in entgegengesetzter Richtung einen Motorradfahrer kommen, denke aber das reicht locker für uns beide. Tut es auch aber der Motorradfahrer holt auf und fährt neben uns. Es ist Faye. Na so eine Überraschung. Wir halten natürlich und stehen noch einmal fast eine dreiviertel Stunde zusammen und erzählen über dies und das. Es tut ihr sehr leid, dass sie so spät kommt und es würde sie wirklich freuen wenn wir es schaffen würden noch einmal bei Ihr zuhause vorbeizuschauen. Es liegt nicht mehr auf unserem Weg aber ich würde niemals nie sagen, wir haben gelernt, dass eh alles anders kommt als man denkt. Es wird immer später und der Himmel wird auch eher dunkler, so beeilen wir uns etwas weiter Richtung Timaru zu kommen. Gegen 7:00 fahren wir in Geraldine ein, ein kleines gemütliches Landstädtchen mit ein paar wenigen Cafés und Restaurants. Da es aber Zeit fürs Abendessen ist fragen wir einen Einheimischen der gerade die Triumph bewundert, wo es denn das beste Essen gibt. Er empfiehlt uns das Hotel vor dem wir gerade stehen, da es das beste Preis-Leistungsverhältnis hätte. Das hört sich doch gut an also parken wir die Motorräder davor und schauen mal rein. Tisch für 2 Personen, gar kein Problem, der Laden ist nicht unbedingt überfüllt , wird aber doch ganz gut von Einheimischen besucht. Die Speisekarte liest sich ganz gut und so bestellen wir Hirschbraten mit Kartoffelbrei sowie eine Extra Portion Kartoffelspalten mit Quark und Sweet Chilli Sosse. Bevor das Essen kommt spricht uns ein Mann vom Nachbartisch an. Er ist Touristenführer, Tourorganisator und Busfahrer und sucht Kontakte nach Deutschland die dort seine Bustouren verkaufen können. Na da sind wir eher die Falschen, trotzdem wird es ein unterhaltsames Gespräch. Er wohnt eigentlich in Dunedin, ist aber morgen hier mit seinem Caddillac für eine Hochzeitstour gebucht. Er macht uns auch auf die Motorradfahrer in der Bar aufmerksam, die wollten morgen auf die grosse Rally nach Waimate. Grosse Rally? Das hört sich doch ganz gut an und so entschliessen wir uns nach dem essen noch kurz in die Bar zu schauen. Die Biker, zwei Männer und eine Frau haben hier für die Nacht ein Zimmer gebucht und wollen morgen tatsächlich auf Neuseelands wohl grösstes Motorradtreffen nach Waimate. Sie finden es toll, dass das Hotel einen Garagenplatz für die Bikes hat. Hmmh, wir waren schon am Überlegen, ob wir nicht einfach hier bleiben könnten, draussen wird es eh immer ungemütlicher. Als ich kurz die Karte aus dem Tankrucksack hole fängt es an zu regnen. Die Sache ist klar, wenn die Hotelbesitzerin in Timaru kein Problem damit hat werden wir hier bleiben. Allerdings ist kein Garagenplatz mehr frei. Die Motorräder sollen jedoch in den angeschlossenen Hof kommen und mit einer Plane abgedeckt werden. Ein Telefonanruf in Timaru und das Hotel dort gibt grünes Licht. Wunderbar, und jetzt zeig mir doch noch einmal die Garage. Diese ist tatsächlich schon gut besetzt mit allen möglichen Motorrädern, die Drei sind mit einer 750er Flathead von 1940 und einem Gespann angetrieben von einer 1200er Flattie von 1947 unterwegs. Daneben stehen jedoch noch 3 weitere Motorräder darin. Aber Platz ist dennoch, das sehe ich auf den ersten Blick. Geh mal rein und lass mich machen, überall stecken die Schlüssel. In kürzester Zeit haben wir Platz für zwei weitere Motorräder geschaffen, na also, geht doch. Jetzt ist der Abend perfekt, wir sitzen noch eine Weile in der Bar mit Ian, Harry und Rebecca zusammen und erzählen über unseren Trip und hören uns an, was es mit der Rally auf sich hat. Viel zu spät kommen wir ins Bett.

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Samstag 3.03.2012

Ich hab mein erstes Frühstück im Bett, einfachheitshalber bereite ich es heute mal kalt zu. Auch Manu muss heute Abstriche an Ihrem Morgenkaffee hinnehmen. Seit langem gibt es mal wieder Instantkaffee, eine Kochgelegenheit ist hier nicht vorhanden. Danach gehe ich runter ins Hotel und kann dort die Küche benutzen um mir die Spaghetti vom Donnerstag aufzuwärmen und in meine Warmhaltebox zu füllen. Die anderen Drei sind schon mit dem Frühstück fertig, sie wollen noch ins Technikmuseum der Stadt. Ne, Museum ist für uns nicht, stattdessen setzen wir uns ins gegenüberliegende Café und frühstücken mit einem richtigen Kaffee und Eiern mit Schinken. Gestärkt machen dann auch wir uns auf den Weg, nahezu zeitgleich mit Ian, Harry und Bex. Ian fährt mit der 750er zurück an die Westküste während Harry und Bex auf das Treffen fahren. Wir wollen da wenigstens vorbeischauen und vereinbaren uns noch einmal dort zutreffen. Eine Einladung nach Greymouth an die Westlüste der Südinsel haben wir schon. Auf dem Weg nach Waimate kreuzen sich unsere Wege noch das eine oder andere Mal, wir hätten eigentlich auch zusammenfahren können. Wir schauen noch in Timaru beim Yamaha Händler vorbei weil wir gerade bei der Fahrt von Ashley Gorge nach Geraldine wieder schmerzhaft erfahren mussten, dass unsere Sommerhandschuhe nun doch etwas zu durchlässig für diese Jahreszeit hier sind. Wir haben allerdings wieder einmal kein Glück, Handschuhe kaufen ist nicht einfach, da sie schon richtig gut passen müssen wenn das Fahren damit Spass machen soll. Einzig die Auswahl ist nicht schwer, meistens sind nur ein max. 2 Fabrikate auf Lager und davon oft nicht alle Grössen. In Waimate angekommen wird erst einmal getankt, die Motorräder und dann uns, Super Premium und Kaffee Latte, gross. Wir sitzen in einem wirklich schönen Café in der Hauptstrasse hinter einer grossen bis zum Boden reichenden Fensterscheibe. Wäre der ideale Platz um all die Motorräder vorbeiflanieren zu sehen, wenn, ja wenn da nicht irgendjemand die Idee gehabt hätte einen dicken blauen Streifen genau in Augenhöhe entlang der Scheibe zu ziehen. Wie kann man so doof sein. Wir verlassen nach dem zugegebenermassen sehr guten Kaffee den Laden wieder einfach weil man nichts sieht. Draussen treffen wir Harry&Bex wieder, die Beiden warten noch in der Hauptstrasse auf Freunde die bald ankommen müssten. Da wir jedoch nur auf der Durchreise sind nutzen wir die Zeit und fahren schon einmal Richtung Festgelände. Am Eingang wird natürlich nach den Tickets gefragt und natürlich haben wir keine. Wir wollen auch nicht 70$ für 2 Stunden gucken bezahlen also handeln wir aus 90$ Pfand zu hinterlassen und 80$ wieder zu bekommen wenn wir das Gelände rechtzeitig verlassen. Ich finds ein bisschen kleinlich, sollte auf einem Motorradtreffen in Deutschland jemand mit einem neuseeländischen Nummernschild auftauchen müsste der bei mir eh keinen Eintritt bezahlen aber was soll´s 10$ sind ok und wir sind drin. Das Treffen ist in etwa wie bei uns vor 20 Jahren oder war ich einfach schon so lange auf keinem mehr und habe noch gar nicht gemerkt, dass sich auch bei uns nichts verändert hat? Auf der grossen Wiese sind viele Zelte aufgebaut und manche haben abenteuerliche Konstruktionen von Öfen teils kombiniert mit Heisswasser Boiler und daneben grosse Holzhaufen dabei. Die Stimmung ist sehr laid-back wie sich die Neuseeländer gerne auch selbst bezeichnen. Manchmal geht das Laid-back Gefühl allerdings so weit, dass man es auch als „Leck-mich-am-Arsch“ bezeichnen könnte und das kann dann für den durchschnittlichen Mitteleuropäer schon ganz schön nervig werden. Wer früh genug da war oder vielleicht kann mann die auch buchen konnte für sein Bike einen Platz unter der Überdachung eines Viehstalls bekommen. Teils sind es einzelen Boxen in der nur das Motorrad steht, teils sind es Boxen in denen das ganze Zelt aufgebaut ist. Die Neuseeländer sind Fans von mächtigen V8-Trikes. Es sind auffallend viele auf dem Platz, von Ratte über Racetrike mit Ferrari-Heck bis zum chromblitzenden Showtrike ist alles vertreten. Backpatches heisst in Neuseeland vorwiegend One Percenter Motorradclubs und Gangs dürfen auf dem Platz nicht getragen werden. Überhaupt ist die neuseeländische Motorradclubszene sehr seltsam und wird von Behörden aber auch von Aussenstehenden noch weitaus argwöhnischer betrachtet als in Deutschland. Dafür sind dann in Deutschland die behördlichen Überwachungen scheinbar weitaus strikter. Eine Bikeshow in der Platzmitte weckt mein Interesse. Ich gehe mal durch und sehe auf den ersten Blick, da wäre was für unsere beiden Ladies zu holen. Bei den „Best British“ stehen nur seriennahe Triumph der jüngeren Baujahre, die interessanteren stehen unter „more than 40 years“ oder „Best classic“ und unter den „Best Americans“ stehen stinknormale HD´s die alle eine Aftermarket Auspuffanlage installiert haben und das war´s. Ein richtiger Chopper mit langer Upside-Down Gabel steht unter „Best Custom“. Doch zum einen kann ich Manu nicht wirklich für meine Idee begeistern zum anderen ist die Preisverleihung dann, wenn wir uns schon auf den Weg machen müssen. Na dann lassen wir den Preis eben einem Kiwi, einer der Preise wäre ein freier Eintritt im nächsten Jahr gewesen, den hätten wir dann an Harry & Bex weitergegeben.

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Da es schon echt spät ist und wir wir doch noch etwas mit dem Gedanken spielen über Nacht hier zu bleiben (wo auch immer) rufe ich mal bei Wayne in Dunedin durch ob es überhaupt ok ist wenn wir so spät aufkreuzen. Für ihn ist das allerdings schon ausgemachte Sache und er hat alles für unsere Ankunft heute Abend gerichtet, Abendessen ist auch schon in Vorbereitung und so starten wir letztlich doch so gegen 16:30 Richtung Dunedin. Jetzt ist ein bisschen Gas geben angesagt, doch das ist leichter gesagt als getan. Kaum aus der Stadt müssen wir wieder schwer gegen den heftig blasenden Südwind ankämpfen. Manchmal wenn es mal wieder besonders stürmt schreie ich in den Helm „hah, ist das alles was Du drauf hast?“ ich glaube Manu fände es nicht so gut wenn sie wüsste, dass ich Jupiter (oder auch Zeus) den Gott der Winde auch noch herausfordere. Nach einer Weile machen wir eine kurze Pause zum Essen und eine weitere um meine Tablette zu nehmen. Wir kombinieren die Pause mit einem Stop bei den Moeraki Boulders, kugelrunden Steinmurmeln die verstreut am Strand liegen. Es liegen allerdings fast nur noch die grossen Exemplare da weil die kleineren von den Touristen schon alle mitgenommen wurden. Schade, aber so ist der Mensch. Wie diese Murmeln enstanden sind ist nicht wirklich geklärt, es ist ein Phänomen, das es nirgendwo anders gibt, wer hatte da wohl die Finger im Spiel? Der alte Herr da oben oder die Touristikbehörde?

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Wir stellen beide fest, dass man sich an alles gewöhnen kann, selbst an so einen Gegenwind und so geht es weiter bis wir die Stadtgrenze von Dunedin erreichen. Immer auf dem Motorway durch Dunedin Richtung Invercargil wir wohnen im Süden von Dunedin klingt mir Wayne noch im Ohr. Nun teilt sich der Motorway aber in Dunedin South und Invercargil, die Entscheidung fällt für Invercargil, anhalten und überlegen ist nicht. Nach ein paar weiteren Kilometern auf dem Motorway kommen mir Zweifel ob wir richtig sind und ich fahre die nächste Abfahrt ab um mir die Karte mit den Vororten von Dunedin anzuschauen. Klasse wir waren richtig, sind nur eine Abfahrt zu früh abgefahren, also zurück auf den Motorway. In dem Moment hält ein Pickup neben uns. Der Mann am Steuer beugt sich heraus, tätowierte Arme, Harley-Baseballmütze auf und Harley Shirt an: „Hey mate where ya going to?“ Ich sage ihm, dass wir eigentlich wissen wo wir hinwollen nämlich nach Fairfield und müssen jetzt nur zurück auf den Highway. „Hey, mate, you don´t have to go to the fucking highway, head on fucking right and at the fucking pub turn right you see the bridge? Drive through the fucking bridge and left and you are fucking there.“ Ich kann nicht genau sagen, ob ich die „fuckings“ alle richtig gesetzt habe, die Anzahl müsste in jedem Fall stimmen und die Beschreibung war nicht schlecht, 10 Minuten später fahren wir in Fairfield ein. Kurzer Anruf bei Wayne und weitere 3 Minuten später stehen wir in seiner Einfahrt. Er hat die Motorräder schon kommen hören und das Garagentor geöffnet, so dass wir Bikes direkt dort abstellen können. 19:30, schon wieder ein bisschen spät zum Essen aber auch das passt, nach einer herzlichen Begrüssung und noch bevor wir abladen sitzen wir schon am Tisch und stossen mit dem ersten Wein auf das gute Essen an.

 

Sonntag 04.03.2012

Es wurde spät gestern Abend und so läuft der Tag etwas ruhiger und gemächlicher an. Wayne, Sharon, ihre Tochter mit Familie sind naturgemäss etwas früher wach als ich (mit naturgemäss meine ich den Kleinen, gerade mal ein knappes Jahr alt) und damit noch weitaus früher als Manu. Kurz nach Mittag starten wir zu einer Rundfahrt um Dunedin, die Beiden wollen uns ihre Heimatstadt und die drumherum liegenden Sehenswürdigkeiten zeigen, komfortablerweise im Auto. Das erste Ziel ist eine spektakulär steile Strasse, die Baldwin Street ausgewiesen als die steilste Strasse der Welt. Die Anwohner haben sich schon Sofas und Ohrensessel auf die Veranda gestellt um die Touris hochschnaufen und kollapsen zu sehen. Auch Wayne hat ganz schön zu kämpfen aber wir schaffen es alle bis nach ganz oben. Auf halber Höhe werden wir von einem Mitfünfziger überholt der zum dritten Mal heute nach oben joggt. Im Verlauf des Tages lassen Wayne und Sharon kein Highlight aus. Wir haben alles gesehen was in unserem Loose-Reiseführer gelistet ist. Das ganze als geführte Tour, kaum zu bezahlen und trotzdem ganz umsonst. Dafür laden wir sie zum Abendessen im Irish Pup ein, wir haben Lammleber mit Kartoffelbrei, mal was ganz anderes. Als Hintergrundmusik läuft irgendein alter amerikanischer Schlager, als dann ein amerikanisches weihnachtslied folgt bitten wir die Bedienung ob sie denn nichts irisches auflegen könnte, auch wenn es ihr schon zu den Ohren rauskommt. Sie kommt zwar aus Wales und nicht aus Irland kriegt das aber hin. Als wir wieder zuhause sind schauen wir uns noch den Film über Jon Britten, den genialen Konstrukteur des Britton Motorrades an. Er war ein sehr beeindruckender Mann, schade, dass so ein Typ mit 48 dann an Krebs stirbt, ich hätte ihn gerne einmal kennengelernt. Er ist schon so etwas wie ein Idol für viele Neuseeländer die technikinteressiert sind. Viele der Techniken die er verwendet hat werden heute in modernsten Motorrädern wie z.B. den grossen BMW Vierzylindern verbaut. In Paeroa auf den Strassenrennen haben wir Kevin Grant kennengelernt, er hat einen Rennstall in dem unter anderem Andrew Strout mit der Britton fährt, allerdings nur noch Showläufe, das Motorrad ist zu wertvoll um es in einem Infight in die Ecke zu schmeissen.

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Montag 5.03.2012

Für Wayne und Sharon ist heute ein ganz normaler Arbeitstag und so sind sie früh weg. Ich schaue mir noch den Easy Rider Film während meines ersten Frühstücks an und hole mir so neue Motivation für die Weiterreise. Nicht dass man zum Reisen soviel Motivation bräuchte aber mit so ein paar Szenen und Songs des Films im Kopf macht es eben noch mehr Spass und in manchen Situationen hilft es auch Ruhe zu bewahren auch ohne Joint. Wir machen uns danach in aller Ruhe stadtfein und fahren mit dem Bus in die Stadt. 1.Ziel sind die Motorradhändler, das sind auch in einer Stadt wie Dunedin eine recht überschaubare Menge. Yamaha an der einen Ecke und eine Kombination aus Harley-Davidson, KTM, Triumph und Suzuki an der anderen. Aber siehe da, wir finden neue Handschuhe, ich natürlich die äusserst Günstigen, Manu eher die vom anderen Ende der Skala. Nicht ganz, die richtig guten für 250$ haben keinem von uns Beiden gepasst. Die nächste Prio ist mein Haarschnitt und vor allem die Rasur, ich sehe jetzt schon aus wie ein Waldschrat, wenn ich mich an eine Strassenecke setzen würde würden bestimmt ein paar Leute was in meinen Hut schmeissen. Auf dem Weg ins Stadtzentrum kommen wir an einem Friseurladen im richtig alten Stil vorbei. Friseur und Tabakladen in einem und gerade mal vielleicht 10m2 gross. Rundum Rasur ohne Aufsatz 15$, na da schlage ich doch zu, falsch zu machen gibt es da nichts. Denke ich. Im Reiseführer steht etwas über ein Café mit dem besten Kaffee der Stadt, da müssen wir natürlich hin um die billige Rasur zu feiern. Der Kaffee ist wirklich grandios, das Essensangebot allerdings für mich etwas enttäuschend. Als wir kurze Zeit später in einem High-Class Schnellfress sitzen, das gute vegetarische Restaurant hat schon wieder geschlossen, fällt Manu auf, dass man auch beim Clipper-cut Fehler machen kann. Unterm Kinn hat er doch glatt einen ganzen Streifen stehen lassen und hätte ich gewusst, was allein so ein Streifen an Act bedeutet wenn die Haare mal so lang sind wäre ich sicher noch einmal vorbeigegangen und hätte das korrigieren lassen. Gerade als wir aus dem Bistro auf die Strasse treten kommen Wayne und Sharon mit dem Auto um die Ecke, na das ist ja mal ein Zufall, das Handy hatte ich in dem Laden wegen der lauten Hip Hop Musik nicht gehört und dadurch den Anruf von Wayne verpasst. Nun hatten sich die Beiden gedacht, wir könnten eigentlich nur im Octagon, dem Café, Kneipen und Restaurant-Viertel von Dunedin sein und haben uns auf Anhieb gefunden. Der Abend endet mit einem Barbecue und einem guten Wein.

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Dienstag 6.03.2012

Fahrtag nach Invercargill. Nach einer herzlichen Verabschiedung und besten Wünschen für unsere weitere Reise starten Wayne und Sharon wieder in ihren Arbeitsalltag. Wayne hat uns in Invercargill eine Übernachtung organisiert. Daryl ein Triumph Enthusiast hat sofort angeboten bei ihm ein paar Tage zu verbringen als er gehört hat mit welchen Motorrädern wir unterwegs sind. Wayne hat noch die Anfahrtsskizze aus Google Maps sowie alle Telefonnummern ausgedruckt und sie uns auf den Tisch gelegt. Nach Invercargill sind es nur ca. 220km, aber die Fahrt führt über eine interessante Strasse mit vielen Aussichtspunkten und so kann man ruhig mit 5-6 Stunden für diese Strecke rechnen. So wahnsinnig viel Zeit mit dem Packen sollten wir uns also nicht lassen. Um 12:00 sind wir dann auf der Strasse das sollte komfortabel reichen. Sollte. Die Strasse ist recht angenehm zu fahren und so geht es zu Beginn flott voran nur unterbrochen durch den einen oder anderen Fotostop. Hinter Balclutha biegen wir auf eine kleine Seitenstrasse ein, um am Meer entlang nach Nugget Point einem Leuchtturm mit Seelöwen Kolonie zu fahren. 8km vor Nugget Point fängt dann eine relativ grobe unbefestigte Piste an, aber was tut man nicht alles um einmal Seelöwen und nicht nur die üblichen Robben, zu sehen. Einen entgegenkommenden Campervan frage ich dann doch einmal ob dort denn auch Seelöwen zu sehen wären. Nein Seelöwen wären dort nicht, ein Leuchtturm und ein schöner Ausblick von den Klippen. Na dafür fahren wir die Piste nicht, wir drehen um und fahren zurück auf die Teerstrasse und weiter Richtung Invercargill. Die nächste Ortschaft auf dem Weg ist Owaka unser nächster Kaffee und Snack Stop. Gegenüber dem schönen Café ist eine Tankstelle mit Reparaturwerkstatt. Da könnte ich doch noch mein Getriebeöl kontrollieren, das hätte ich normalerweise bei unserer Ankunft in Dunedin tun sollen, aber die zeitlichen Umstände damals hatte ich ja schon beschrieben. Das Motorrad muss dazu warm sein so die eindringliche Mahnung von Stefan vom Big Twin Laden besser etwas zu wenig als etwas zuviel Öl, sonst könnte es den undichten Simmering ganz rausdrücken. Also marschiere ich rüber und frage die Jungs dort nach den Schlüsseln die ich benötige, dann muss ich nicht mein Werkzeug auspacken. Kein Problem, kriegen wir. Als der Chef der Werkstatt vorbeikommt grummelt er etwas von „er würde mir mal ein richtiges Motorrad zeigen“. Na da hab ich ja drauf gewartet denke ich, dass mir so ein Landei ein richtiges Motorrad zeigt. Was soll denn das sein, irgendein japanisches Superbike oder etwas ähnliches? Als wir fertig sind bin ich natürlich dennoch neugierig und betrete gespannt aber eher gelangweilt wirkend die Werkstatt. So cool wie der kann ich schon lange. In einem Nebenraum ist er gerade dabei eine Kette mit der Flex zu kürzen. Daneben steht eine echte Schönheit, eine tiefblaue Indian Scout aus den 30-ern, wow das ist natürlich ein Hammer. Wir kommen ins Gespräch wo wir denn hinwollen etc. Invercargill zu Burt Munro, das eröffnet nun ein ganz neues Gespräch. Der Mann heisst Perry und ist der, der die beiden Indians für den Film „The World Fastest Indian“ mit Anthony Hopkins aufgebaut hat. (Die deutsche Version heisst völlig blödsinnig „Mit Herz und Hand“, so ein Sch..., das hört sich ja an wie eine Fortsetzung von Sissi der Kaiserin) Perry ist Augenscheinlich recht verbittert darüber, dass sein Name nirgends auftaucht und alle Beschreibungen nur den Mann nennen, der für die beiden Versionen mit Ducatimotor und Verkleidung verantwortlich zeichnete. Ich kann nun nicht viel über diese Umstände sagen aber alles was er uns dann zeigt untermauert seine Erläuterungen. Bilder, Motorenteile unter anderem die Zylinderköpfe für die er ein Patent besitzt, ein Maschinenpark für alle möglichen Motorenarbeiten, wer hätte das hinter dieser kleinen Tankstelle vermutet. Ich bin mal wieder völlig platt wo wir da wieder einmal durch puren Zufall reingelaufen sind.

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Unnötig zu erwähnen, dass dabei viel Zeit draufgegangen ist und als wir weiterfahren ist mir klar, es wird wieder eng werden. Ich versuche bei Daryl anzurufen habe jedoch keine Netzabdeckung auf dem gesamten Küstenabschnitt. Kein Wunder wir sind ja nun wirklich fast am Ende der eisfreien Welt angekommen und da ist alles etwas ursprünglicher. Die fett eingezeichneten Ortschaften bestehen teilweise nur aus ein paar versprengten Häusern. In Fortrose einem dieser Ortschaften ca. 45km vor Invercargill gibt es glücklicherweise noch ein Restaurant mit angeschlossener Touristeninformation, diese besteht aus einem Wandbrett mit allen möglichen Flyern und einem zu Beginn etwas mürrischen Wirt. Von hier aus rufe ich Daryl vom Festnetz aus an, freundlicherweise lässt mich der, im tiefen Innern wohl doch nicht so mürrische, Wirt für 50 Cent bei ihm telefonieren. Daryl und Theresa sitzen schon bei ein paar Drinks und warten auf uns. Alles klar, wir beeilen uns. Da wir die Regenklamotten schon beim letzten Halt übergezogen hatten, sind wir gewappnet als der Regen einsetzt. 30Km vor Invercargill wird er stärker und wir sind ganz schön geduscht bis wir ankommen. Die Bikes bekommen einen echten Grandhotel Platz in einer riesigen Garage zusammen mit einem alten Muscle Car und einigen anderen Triumph Motorrädern. Jetzt begrüssen wir uns erst einmal und stellen uns vor. Drinnen bereitet Theresa schon das Abendessen und einen Begrüssungsdrink vor, ein Chardonnay aus der Marlborough Region, trocken aber säurearm und süffig. Der Empfang ist grandios, das Essen wie auf mich zugeschnitten, gegrilltes Huhn mit Kartoffeln und gedünstetes Gemüse. Während des Essens treffen noch zwei weitere Freunde der beiden ein und wir haben noch einen langen recht vergnügten Abend.

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Mittwoch 07.03.2012

Etwas was uns immer wieder beeindruckt, ist wie easy die Ozeanier, Australier wie Neuseeländer mit Gästen umgehen, Gästen die sie gerade mal einen Tag lang kennen. Wir gehen arbeiten, hier ist der Schlüssel, fühlt Euch wie zuhause, wir sehen uns heute Abend. Sagen´s und sind weg. Wir machen uns nach dem Frühstück auf dem Weg nach Bluff, einer der ältesten Siedlungen der Südinsel und der nahezu südlichste Punkt Neuseelands der auf einer geteerten Strasse zu erreichen ist. Der südlichste (über Teerstrasse) überhaupt ist Curio Bay wo wir gestern kleine Delphine ganz nah am Strand haben beobachten können. Hier steht ein Wegweiser der unter anderem den Südpol ca. 4500km entfernt ausweist. Soviel ist das nicht mehr und der kalte Wind erinnert einem immer wieder mal daran. Bluff selbst ist ein alter Walfängerort weit draussen auf einer windumtosten Halbinsel und so sehen auch die Häuser und viele der Einwohner aus. Es ist immer noch ein kleiner Industriehafen der aber sicher schon bessere Zeiten gesehen hat. Alte Hallen verfallene Bootsschuppen auf kleinen Inseln in der Bucht all das ergibt zusammen eine ganz interessante Atmosphäre--bei Sonnenschein--bei schlechtem Wetter schlägt es sicher in eine gewisse Trostlosigkeit um. Wir essen in einem Restaurant mit Blick auf den bekannten Wegweiser und das Meer und machen uns danach wieder auf den Rückweg. Der Mount Bluff wäre noch zu besteigen gewesen, wir ziehen es allerdings vor Burt Munro´s Indian Special noch einen Besuch abzustatten.

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Die steht interessanterweise nicht wie zu vermuten in einem Museum, dort steht zwar auch eine Replika, sondern in einem Hardware Store (so etwas wie ein Eisenwarenladen mit Werkzeug etc.). Mr. Hayes der Besitzer (ich weiss nicht die wievielte Generation den Laden heute hat) hat das Motorrad noch von Burt selbst gekauft und das ist bei weitem nicht alles was er gekauft hat. In dem Laden stehen noch viele andere interessante Motorräder aus allen möglichen Epochen zwischen all den Farbtöpfen, Werkzeugen und anderen Geräten. So wird einem beim Einkaufen nie langweilig, ist doch eine klasse Idee. Das war aber noch nicht alles was Invercargill zum Thema Burt Munro zu bieten hat. Als nächstes statten wir dem Museum einen Besuch ab in dem es eine Sonderausstellung zum Thema Burt Munro gibt. Ich bin auch noch auf der Suche nach einem Aufkleber für die Aluminium Kisten und Manu´s Seitendeckel welcher ausweist, dass wir nun auch am südlichen Ende Neuseelands waren. Einen Aufkleber von Cape Reinga, dem nördlichen Zipfel haben wir ja schon. Ideal wäre ein Aufkleber des Wegweisers in Bluff, den gibt es aber nur als Kühlschrankmagnet und so geben wir uns mit einem Aufkleber von Burt und Invercargill zufrieden.

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Nach dem Museum noch bei der Bronzefigur von Burt vorbeigeschaut und ein Foto gemacht dann wird es höchste Zeit für den Rückweg, Abendessen soll es heute schon um 5 Uhr geben da Theresa noch zu einem indischen Kochkurs muss. Den will sie nicht verpassen da es der erste Abend des Kurses ist. Sie hat für heute Abend eine komplette Lachseite im Backofen dazu gibt es Backofenkartoffel und Salat mit Schafskäse. Nach dem Essen zischt sie ab zu ihrem Kurs und wir fahren mit Daryl noch auf eine spezielle motorradlastige Sightseeing Tour. Der Speedway Track, eine Strassenrennstrecke und ein zweiter Autospeedway Track auf dem noch ein paar Freaks ihre Runden drehen gehören für Daryl zum „Have to be seen“ in Invercargill ausserdem fahren wir auf den Strand auf dem Burt einige seiner nationalen Rekorde aufgestellt hat und auf dem noch heute einmal im Jahr eine Rennveranstaltung stattfindet.

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Das war ein toller Tagesabschluss ich hätte gar nicht erwartet heute so viel von Invercargill zu sehen aber eines fehlt noch in unserer Burt Munro Sammlung, ein Besuch seiner Grabstätte. Übertrieben? Nein, wenn man sich schon den ganzen Sermon angeschaut hat ist es eine Frage des Respekts auch bei ihm persönlich vorbeizuschauen. Nach der Rückkehr von unserer Tour bitten wir Daryl uns für einige Besorgungen noch am Supermarkt an der Ecke abzusetzen, auf dem Rückweg zum Haus gehen wir dann noch über den St.Johns Friedhof in der Hoffnung das Grab dort zu finden. In einem Buch Waynes war der Grabstein abgebildet jedoch ohne einen Hinweis auf den Friedhof. Da der St.John Friedhof gerade um die Ecke von Burt´s Grundstück in der Bainfield St. liegt lag es nahe, dass er dort begraben läge. Da es jedoch schon recht dunkel ist und der Friedhof sehr alt und doch nicht so klein als anfangs gedacht, geben wir auf und wollen es morgen vor der Abfahrt versuchen. Als wir zurückkommen wartet schon Theresa auf uns. Wie immer extrem gut gelaunt berichtet sie uns über den Kochkurs und die vielen Gewürze die man dabei so alles braucht. Darüber ist schnell wieder eine Flasche Wein geleert und die Uhr zeigt Mitternacht. Zeit ins Bett zu springen, morgen geht es weiter.

 

Donnerstag 08.03.2012

Ich habe heute morgen noch einmal eines von Daryl´s Büchern über Munro gewälzt und die Zeitungsausschnitte zu seinem Tod gefunden. Dort ist der Eastern Cemetery als Friedhof benannt. Na also, dann steht ja einem Besuch nichts mehr im Wege. Gesagt, getan nach einer wieder einmal sehr herzlichen Verabschiedung und mehrmaligen Erinnerungen, dass wir immer ein Bett haben wenn wir noch einmal nach Invercargill kommen wollen oder es uns noch einmal anders überlegen und eine weitere Nacht bleiben wollen fahren wir Richtung Stadtmitte und Friedhof. Auf den Friedhof kann man mit dem Motorrad bis fast vors Grab fahren. Ich bin sicher das gefällt dem alten Munro wenn er es noch einmal so richtig knattern hört. Das Grab ist auf einen Infoblatt vermerkt und am Wegrand steht noch einmal ein kleiner Wegweiser, so ist es kein Problem es zu finden. Nach einer kleinen Gedenkminute und ein paar Bildern fahren wir wieder. Zu Ehren Burt´s starte auch ich die Harley mit dem Kickstarter, Manu bleibt eh nichts anderes übrig.

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Gerade als wir die Grabreihe verlassen stottert die Harley, sh.. das Benzin ist alle. Ich hatte gestern schon auf dem Rückweg von Bluff auf Reserve geschaltet, mich jedoch darauf verlassen, dass wir tanken können bevor wir die Stadt verlassen. Auf dem Friedhof mit leerem Tank stehen bleiben, das darf ja wohl nicht wahr sein. Eigentlich hätte doch irgendein Fan einen Kanister Benzin an Burt´s Grab stellen können, damit es ihm da oben nie ausgeht aber so weit denkt hier keiner. Ich schaukle das Bike etwas hin und her und fahre noch in eine Sackgasse, schaffe es jedoch noch runter vom Friedhof und bis zur nächsten Tankstelle. Dort gehen 19,6 Liter in den Tank, ausgewiesen ist er mit ca. 19,8, na das war doch gar nicht sooo knapp!? Wir fahren nun auf der Southern Scenic Route raus aus der Stadt Richtung Riverton, auch so ein „historisches Städtchen“, nichts besonderes aber unser nächster Stop zur Essensaufnahme. Entlang dieser Strasse findet man einige Bäume die klar zeigen woher der Wind weht. Sie sind teilweise extrem vom Wind in eine Richtung geformt das geht bis zu völlig waagrecht kurz über dem Boden wachsenden Stämmen und ganzen Baumgruppen die sich in Windrichtung neigen. Wir wollten eigentlich in Manapouri übernachten und uns mit Lebensmitteln für ein paar Tage in einer Selbstversorger Unterkunft einzudecken. Als wir in Manapouri ankommen ist klar, das funktioniert nicht. Ein General Store mit wirklich nur dem Essentiellen was man so zum Überleben braucht aber was MAN so braucht ist für uns nicht wirklich brauchbar. Der nächste Supermarkt ist in Te Anau, dann fahren wir eben dorthin. Te Anau ist extrem touristisch, hat dafür aber zwei Supermärkte und einige Cafés und Restaurants und vor allem ein Visitor Center. Dort buchen wir die Fjordland Nature Park Lodge, die Nachfrage des Visitor Centres ergab, Zimmer mit Bad verfügbar, Überdachter Abstellplatz für die Motorräder verfügbar WiFi verfügbar und das ganze für 75$ die Nacht, da gibt es nichts zu überlegen. Die Lodge ist 28km näher am Milford Sound das ist auch nicht uninteressant, schliesslich sind es dann immer noch 91km ein Weg und wir wollen dort oben an einer Bootstour durch den Milford Sound teilnehmen. Das heisst hochfahren und alle empfehlen mindestens 2,5 Stunden für die 120km von Te Anau aus, die Tour machen und wieder herunterfahren. Wo andere 2,5 Stunden brauchen rechne ich für uns immer 3 – 3,5 Stunden und die Erfahrung zeigt, dass ich damit nicht allzu falsch liege. Wir kaufen also zuerst noch ein, gehen mal wieder zum Chinesen essen, das haben wir schon lange nicht mehr gemacht und fahren dann recht spät los zur Lodge. Wir kommen gerade so zum Übergang zwischen Dämmerung und Dunkelheit in der Lodge an. Die Besitzerin begrüsst uns sehr freundlich und führt uns durch die Räumlichkeiten bezahlt haben wir die ersten beiden Nächte ja schon im Visitor Centre. Alles einfach aber sauber und für uns absolut ausreichend. Die Unterstellmöglichkeit für die Bikes ist ein auf zwei Seiten geschlossener Carport also auch ok. Einzig das Internet ist etwas unzufrieden stellend, 10$ für eine Stunde da es über Satellit geht, der Preis für die Wildnis um einen herum. Ausser uns ist nur noch ein weiteres Paar in der Unterkunft, das ist wiederum recht angenehm und es ist sehr ruhig. Nach all den Tagen bei verschiedenen Gastgebern ist es gut mal wieder etwas für sich zu sein.

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1. April 2012 7 01 /04 /April /2012 09:44

Seit wir in Neuseeland ankamen gab es verschiedenste Gründe, warum wir mit dem Tagebuch ins Hintertreffen kamen und einmal hinterher ist es schwierig das wieder aufzuholen. Da es schwierig ist schiebt man es immer weiter raus, was es natürlich nicht besser macht. Kurz gesagt, wir werden die Ereignisse vorerst nicht veröffentlichen, die meisten interessiert das eh nicht mehr. Wir wollen jetzt also einigermassen aktuell wieder einsetzen.

Was in Tasmanien, danach in Melbourne und in den ersten Wochen auf Neuseeland so alles passiert ist könnt Ihr jedoch sehr einfach erfahren. Es gehört nur ein klein bisschen Mut dazu. Entweder Ihr kommt bei uns auf einen Kaffee oder ein Glas Wein vorbei oder Ihr ladet uns zu Euch zu selbigem ein. Auch zu einem Frühstück oder Abendessen würden wir nicht nein sagen.

Lasst Euch überraschen von Possums auf den Motorrädern, der wilden Westküste Tasmaniens, Roberts erster Flussdurchfahrt (der Länge nach), dem tollen Ritt über den Ninety-Mile Beach, der keiner ist, Strassenrennen durch die Stadt und vieles mehr. Warum wir plötzlich F650 GS fahren und was es mit chinesischen Hühnerfüssen, heisser Marshmellow-Schokolade und Fritz Wieners auf sich hat.

Um Euch darauf etwas Lust zu machen setzen wir zumindest ein paar Bilder ins Netz

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4. März 2012 7 04 /03 /März /2012 21:26

Freitag 13.01.2012

Wir wollen heute den eigentlichen Grund unseres Besuches in St. Helens erkunden. Die „Bay of Fires“. Eine Bucht die besonders schön bei Sonnenaufgang sein soll. Die Bay of Fires hat viele felsige Abschnitte und diese Felsen sind wiederum mit roten Flechten bedeckt, die, wenn sie morgens von der Sonne bestrahlt werden, besonders schön leuchten sollen. Unnötig zu erwähnen, dass wir an diesem Morgen nicht vor Sonnenaufgang aus dem Bett kommen. Wir fahren also zunächst einfach so zur Mittagszeit über Binalong Bay dorthin um uns das Ganze erst einmal bei normalem Tageslicht anzuschauen. Na ja, die Australier haben ein Faible Wahnsinns tolle Namen für bestimmte Dinge zu finden die extrem hohe Erwartungen generieren. Sieht man diese Dinge dann sind sie schön aber selten so spektakulär wie ihr Name vermuten lässt. Kurz gesagt, die Bay ist sehr schön aber die Felsen sind etwas spärlich um ein echtes Spektakel zu bieten. Kommt noch dazu, dass heute morgen sehr bedeckter Himmel war, heisst, wir haben denke ich nichts verpasst. Ich werde schauen ob ich es morgen früh schaffe. Wir streunen noch etwas herum, machen noch einige Fotos und fahren dann auf einem anderen Weg nach St.Helens zurück. Dort gehen wir einen Kaffee trinken und dann zum Einkaufen.Heute Abend soll es Fisch geben. Es gibt einen kleinen Laden der Fischer in dem wir uns morgens vor der Abfahrt schon einen Fisch und ein paar Prawns reserviert hatten, den holen wir jetzt ab, zuvor noch im Bottle Shop vorbei und eine Flasche Wein gekauft damit ist der Abend gesichert. Als wir gerade bei der Vorbereitung sind kommt der Gast vorbei, der das Passwort geknackt hat. Er war den ganzen Tag beim Fischen und als er nach Hause kam hat ihm seine Frau eröffnet, dass sie gerne Essen gehen wollte. So hat er einen schönen Fisch in einer Tüte und fragt ob wir den denn haben möchten. Klar, warum nicht, dann reicht das Essen auch noch für eine Portion für morgen. Aber...frage ich etwas vorsichtig, ist der denn schon ausgenommen und geputzt? Klar meint er und sogar filettiert, na dann, überedet. Wir essen diesen Fisch am Abend zuerst, dabei stellt sich heraus, dass er irgendwie voller Sand ist. Keine Ahnung woher das kommt. Vielleicht können uns die Fischer unter den Lesern das erklären, die Filets haben wir je extra noch einmal abgewaschen. Kann so ein Fisch Sand im Fleisch haben? Am Abend hält noch ein Auto und der Fahrer spricht uns mit einem uns wohl bekannten Dialekt an. Siehe da, die Familie Lehmann aus dem Kraichtal. Die Tochter Ines arbeitet in Sydney als Deutschlehrerin und die Eltern sind zu Besuch. Ein netter Small Talk und natürlich ein Foto und unsere Wege trennen sich wieder. Nette Familie und für Ines ist dieser Job weitaus interessanter las irgendwo in einem Referat zu landen. 

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Samstag 14.01.2012

Ich schaffe es fast vor Sonnenaufgang in der Bay zu sein. Aber eben nur fast, ich habe mich schon ganz schön quälen müssen und bin dann 15 Minuten nach Sonnenaufgang dort. Immerhin sind es mindestens 12km zu fahren. Wie erwartet, so spektakulär ist es nicht aber so früh und völlig alleine am Strand hat schon etwas. Ich kann ein paar ganz nette Fotos machen und geniesse die Stille. Das reicht ja auch, ich fahre wieder zurück und mache mir erst einmal mein Frühstück und gleichzeitig den Kaffee für Manu denn schliesslich fahren wir heute ja weiter. Elephant Pass mit dem berühmten Pfannkuchen Haus, Bicheno und sein Motorradmuseum und Freycinet National Park mit der Wineglass Bay, das sind die Highlights von heute, wo wir übernachten steht nicht fest, wir werden sehen wie weit wir kommen. Der Elephant Pass ist ein Gewürm von einer Strasse, dazwischen befindet sich das Restaurant. Der Wirt ist Ducati-Fan und bekannt für seine guten Pfannkuchen. Vor dem Restaurant spricht uns wieder ein Ehepaar an und siehe da es sind wieder die Beiden aus Dunedin. Dieses Mal dauert der Small Talk etwas länger und endet in einer Einladung nach Dunedin.

Weiter geht es nun über Bicheno nach Frecynet, wir wollen dort den Walk zur Wineglass Bay bzw. zum Aussichtspunkt zu machen. Dieser soll 40 Minuten dauern das passt ganz gut. Die Angaben der Australier sind allerdings immer sehr optimistisch und beinhalten keine Pausen. Begrüsst werden wir am Eingang des Parkplatzes von einem Wallaby, das neben der Schranke sitzt. Ich muss zweimal hinschauen ob das denn nun auch echt ist, denn selbst der Harley Sound scheint es nicht zu stören. Die Jacke unterm Arm und die Motorradhosen an, nehmen wir den „kurzen“ Walk in Angriff. Ein Lookout von dem man die gesamte Wineglas Bay überblicken kann, mit ein bisschen nachdenken hätte man darauf kommen können, dass dieser Weg kein flacher sein kann und so ist es dann auch, es geht recht steil bergauf. Unnötig zu erwähnen, dass uns verdammt heiß ist und wir tierisch schwitzen. Die schweren Jacken unterm Arm machen das ganze nicht einfacher. Der Ausblick ist schön, ich wär´dann aber lieber noch etwas weiter nach oben gestiegen um diese Vogelperspektive zu haben die man immer wieder von dieser Bucht sieht, aber ein Helikopterflug ist entschieden zu teuer, darauf müssen wir verzichten. Nachdem wir wieder unter ankommen werden wir von einem Paar angesprochen, ob wir denn mit zwei Motorrädern unterwegs wären, was wir natürlich bejahen. Ob wir denn Ove kennen würden? Ove aus Melbourne, natürlich kennen wir den. Ja, Ove wäre ein Freund von ihnen und hätte ihnen aufgetragen nach zwei Motorrädern mit deutschen Kennzeichen und deren Fahrern Auschau zu halten wenn sie nach Tasmanien fahren würden. Sie sind jetzt hin und weg, dass sie Ove´s Auftrag erfüllt hätten und Ove wäre sicherlich völlig aus dem Häuschen, er müsse ihn schnellstmöglich anrufen. Der war dann allerdings überhaupt nicht aus dem Häuschen sondern hatte sich nur gewundert, dass es so lange gedauert hat bis wir uns getroffen haben, typisch Ove. Wir schwingen uns immer noch schwitzend auf die Motorräder und kommen noch über Swansea hinaus bis Tribuanna. Wir stoppen am Caravan Park da dieser als erstes auf dem Weg durch das Dorf liegt. Sie haben dort auch Zimmer und so schlagen wir natürlich sofort zu, es ist eh schon recht spät. Die Chefin des Parks meldet uns auch sofort im Hotel Pub zum Abendessen an und so fahren wir noch vor dem Abladen zum Hafen um zu Abend zu essen. Die Motorräder können wir danach mal wieder in den Vorgarten direkt vor unsere Zimmertür schieben. So lieben wir das.

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Sonntag 15.01.2012

Der Sonntag fängt nicht gut für mich an, wo zur Hölle kommt dieser grosse Ölfleck unter der Harley her? Sh... Getriebeöl, kann wohl nur die Hauptwelle sein. Ist aber schon seltsam so von 0 auf 100. Na ja, erst mal frühstücken gehen. Ein Österreicher soll gegenüber ein Café haben. Wir haben die Speisekarte schon an der Rezeption gesehen und ich freue mich schon seit gestern auf ein Pan Bagnat. Was das ist? Eine französische Spezialität, meines Wissens sogar eine südfranzösische, wir werden dadurch immer an unsere Lieblingsstadt Nizza erinnert. Ach so was es denn nun ist, ja ein grosses rundes Brötchen mit viel Salat, Eiern, Thunfisch, Tomaten, Oliven und Olivenöl, hört sich viel an, ist es auch. Eine Maulsperre ist ein nicht unbekanntes Syndrom wenn man so richtig kräftig reinbeissen will, anschliessend läuft einem dann das Olivenöl über die Hände aber das macht nichts, nach einem Pan Bagnat hat man seidenweiche Haut auf den Handrücken. Also marschieren wir rüber und bestellen Cappu und Pan Bagnat. Es kommt nicht ganz an das südfranzösische ran aber wenn man so manch andere australische Spezialität berücksichtigt schmeckt es immer noch göttlich, der Cappu ist auch gut und so vergesse ich schon fast den Ölfleck. Fast, denn so etwas vergisst man natürlich nie so ganz, vor allem weil er nach dem Frühstück natürlich immer noch da ist oder sogar noch grösser geworden ist. Zu machen ist da erst einmal nichts, wir fahren weiter Richtung Hobart, haben wir doch heute eine Verabredung in dem historischen Städtchen Richmond mit dem Vintage Britisch Bike Club von Hobart. Richmond wird im Reiseführer als schöner kleiner historischer Ort beschrieben dessen Hauptattraktionen ein altes Gefängnis und die älteste noch von Sträflingen erbaute Brücke Australiens sind. Wir haben solche touristischen Ankündigungen mittlerweile einzuschätzen gelernt und fahren ganz entspannt nach Richmond. Der Ort präsentiert sich tatsächlich als echter Touristenmagnet. Den British Vintage Bike Club finden wir dennoch auf Anhieb, Manu nötigt denen dort allen Respekt ab, so eine Sonntagsfahrt auf den Oldtimern ist eine Sache, eine 6-monatige Tour mit mehr als 16.000 Kilometern eine ganz andere und dass eine Frau ihnen das vormacht mit einer nahezu 40 Jahre alten nur mit Kickstarter versehenen Bonnie beeindruckt sie schwer. Nach einigen interessanten Gesprächen und einigen Kaffees fahren die Jungs mit ihren Frauen wieder zurück nach Hobart. Wir bleiben noch etwas um uns Richmond anzusehen wenn wir schon da sind. Ein Gefängnis muss man sich nicht unbedingt von innen ansehen wenn man nicht dazu verdonnert wird, die Brücke ist eine gemauerte Brücke wie sie in Frankreich zu Hunderten stehen. Aber diese ist von Sträflingen erbaut worden sagt der Australier, darauf kann ich nur antworten, Brücken dieser Art (aber viel älter) sind bei uns von Leibeigenen erbaut worden, wo liegt der Unterschied? Die Sträflinge waren oftmals nicht mehr kriminell als dass sie ein Laib Brot gestohlen hatten. Na, wir wollen uns ja eh mehr auf die Menschen konzentrieren die wir so auf der Strasse treffen und da spricht uns gerade wieder so ein interessantes Exemplar an. David von Bike Ambulance, einer Firma oder sollte man sagen seiner Firma für das Aufsammeln von liegengebliebenen Motorrädern. Ob er bei uns ein potentielles Geschäft gewittert hat oder es pures Interesse ist was den Ausschlag gibt uns anzusprechen ist nicht ganz klar. Fakt ist, es entwickelt sich eine sehr angenehme und interessante Unterhaltung. Wir essen noch zusammen etwas und reden darüber wie man hier so seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, das kann bis zum Sammeln von leeren Bierdosen und Flaschen gehen. Wir kennen das ja von so manch einer Fussgängerzone oder Bahnhof, David experimentiert damit um zu sehen ob er damit die Reisekosten zu seiner Familie nach Adelaide, South Australia bestreiten kann, denn nur dort kann man die Dinger gegen einen Refund wieder abgeben. David muss sich wieder auf den Weg machen, wir auch, wir brauchen ja noch eine Unterkunft in Hobart. Da meldet sich Philip, er hat mit dem Youth Hostel in seiner Strasse telefoniert, die hätten noch Doppelzimmer frei. Na das passt doch prima, zum einen wollten wir heute etwas Preiswerteres haben, zum anderen wollen wir eh mit Philip essen gehen. Phil ist ein sehr interessanter Mensch. Er wohnt alleine in einem alten grossen Haus mit einer noch grösseren Garage dahinter. Diese beherbergt ein paar wahre Schätze. Einen Jaguar MK3, einen Rolls Royce, das gleiche Modell noch einmal als Bentley , alle drei top restauriert, eine Jaguar Baustelle aus den 20zigern, Cabrio natürlich und noch einige andere Fragmente seltenster Fahrzeuge. Einen Fiat, den er selbst auf Rechtslenker umgebaut, zwei schöne restaurierte Motorräder der Marken Triumph und Ariel sowie eine unrestaurierte Ariel Square Four. Nun könnte man meinen, der Mann muss ja sehr wohlhabend sein, ist er aber nicht. Wie bei vielen anderen auch in Deutschland haben die Anlagen zur Rentensicherung unter der Finanzkrise schwer gelitten aber er bringt es nicht fertig eines seiner Schätzchen zu verkaufen. Als Alltagsauto fährt er einen alten Mercedes Kombi natürlich auch in einem sehr gut erhaltenem Zustand. Wir nehmen also zunächst einmal einen Drink bei ihm zuhause und gehen dann in ein malaysisches BYO Restaurant. BYO heisst man bringt seinen eigenen Wein mit und muss nur eine sogenannte corkage (Korkengeld) bezahlen. Wieder zurück in unserer Strasse verabreden wir uns für morgen um zu Simon zu fahren und den kleinen Triumph Service machen zu lassen. Philip will uns auf seinem Scooter begleiten. Nicht ganz stilecht aber was soll´s.

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Montag 16.01.2012

Gefrühstückt wird in der Küche des Youth Hostels. Das ist immer ganz interessant weil man mit anderen Reisenden ins Gespräch kommt. Die Youth Hostels haben im Gegensatz zu ihrem Namen den Vorteil, dass man hier auch Reisende mittleren und selbst höheren Alters trifft, wohingegen die reinen Backpacker Hostels sehr stark vom jüngeren Publikum frequentiert werden. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Backpacker immer noch einmal einen Tick billiger und die Bestimmungen bzw. die Führung etwas lockerer sind. Nach dem Frühstück lassen wir die Motorräder einfach die Einfahrt hinunterrollen und stehen schon bei Philip vorm Haus. Praktisch, die alten Ladies mögen es eh nicht so im kalten Zustand gestartet wieder gestoppt und wieder gestartet zu werden. Philip ist allerdings auch schon fertig und so können wir direkt durchstarten. Simon wohnt etwas ausserhalb von Hobart in den Bergen. Heisst wir müssen zunächst durch ganz Hobart und kommen dann auf eine kleine, kurvige und holprige Strasse die kurz vor seinem Haus sogar in ein unbefestigtes Stück übergeht. Damit wir das Haus auch finden, von Hausnummern am Eingang etc. halten die Australier nicht allzu viel, hat er seine Triumph in der Einfahrt positioniert. Mal schnell ist natürlich nicht bei den Aussies, zuerst gibt es mal einen Kaffee und ein bisschen Small Talk, ich werde schon etwas nervös weil ich das Öl natürlich am liebsten im richtig heissen Zustand ablassen möchte aber da das Motorrad in der Sonne steht und der Tag sehr heiss wird haben wir ja doch noch etwas Zeit. Wir stehen oben im Wohnzimmer von wo aus man direkt auf die Veranda kommt. Von dort hat man eine fantastische Aussicht auf Hobart. Im Wohnzimmer steht Simons neueste Errungenschaft. Eine alte Triumph Bj. 1913. Das macht sicher nicht jede „Frau des Hauses“ mit, da jedoch auch Simon schon länger alleine lebt muss er diese Diskussion nicht führen. Philip verabschiedet sich wieder und eiert etwas mit dem Scooter über den Sandweg zurück. Offroad ist seine Sache nicht wie er uns schon am Übergang vom Asphalt auf den Sand zu verstehen gegeben hat. Wir gehen nun endgültig an den Service. Der fällt dann wesentlich geringer aus als ich mir vorgestellt habe. Die Ventile hört sich Simon an und meint, dass hier keine Aktion nötig wäre, Primäröl ablassen wäre umständlich, da man den kompletten Deckel lösen müsste um wirklich den Dreck rauszubekommen und für den Ölfilter finden wir keinen passenden Schlüssel. Wir malträtieren ihn noch kräftig mit einem weniger geeigneten Werkzeug lassen aber davon ab, da wir ihn nicht zerstören wollen. Er ist allerdings schon so malträtiert, dass Simon noch einmal mit der Lupe untersucht, ob er denn nicht wirklich schon ein Loch hat. Nach dem Service entscheiden Manu und ich uns noch für eine kleine Rundfahrt nach Dover und am Meer entlang zurück. Dort hat Peter ein weiteres Mitglied des Clubs eine Lachsfarm. Er kann zwar selbst nicht vor Ort sein, instruiert jedoch sein Team uns die Farm zu zeigen und die Lachsaufzucht zu erklären. Um die Lachsnetze herum tummeln sich einige Seelöwen, für die es natürlich das Paradies wäre, in ein solches Netz hineinzukommen. Das wäre für die Züchter allerdings ein GAU also haben sie sehr gut vorgesorgt, dass genau dies nicht passiert. Starke Netze unter Wasser und ein Zaun über Wasser schotten die Lachse sehr effektiv ab. Nach der Führung werden wir noch mit Lachs in verschiedenen Varianten versorgt und verabschieden uns wieder Richtung Hobart. Wir haben eine Verabredung mit Philip und Simon zum Abendessen.

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Dienstag 17.01.2012

Das Ziel heisst heute Port Arthur, Philip will uns wieder mit dem Roller begleiten. Ich hab da so meine Bedenken, wir sind zwar nicht wirklich schnell unterwegs aber wenn der Roller mal in die Nähe des Harley Luftfilters kommt könnte es ihn einsaugen und rückstandslos verbrennen. Ne, Spass, aber der Scooter lässt an Steigungen noch mehr nach als meine Harley. Wir können es ihm aber kaum abschlagen. Wir frühstücken gemütlich, verlängern zum zweiten Mal unser Zimmer und werden mal wieder dementsprechend spät fertig. Port Arthur sah auf der Karte so nah aus. Philip kommt um 10:00 bei uns vorbei, hat aber schon gefrühstückt und Kaffee getrunken. Es ist dann auch schon 12:00 bis wir wegkommen. Phil hat so seine Bedenken, dass wir das heute schaffen können, vor allem weil wir heute mal im YH kochen wollen um wenigstens einmal die Küche zu nutzen. Mit einer kurzen Pause kommen wir bis zu den Sehenswürdigkeiten Blowhole, Devils Kitchen und Cathedral Arch. Auf dem Blowhole Parkplatz steht ein Verkaufswagen der Fish & Chips aber auch Eiscreme mit frischen Beeren und Beerenpüree anbietet. Wow, Zucker hin oder her, da kann ich nicht widerstehen. Die Beeren darauf sind so gesund, die werden´s schon wieder richten. Beeren mit Vanilleeiscreme ist zwar gut, mein Favorit ist allerdings Schokoladeneis. Phil bestellt, da er darauf besteht diese Runde zu übernehmen. Beeren mit Schokoladeneis gibt es nicht heisst die lapidare Auskunft. Ahh, gibt es kein Schokoladeneis? Doch aber nicht mit Beeren. Häh, jetzt bin ich wieder angefixt. Ich möchte aber Beeren mit Schokoladeneis. Das ist dann aber teurer, versteh ich zwar nicht aber sag mal wieviel. Das weiss die Verkäuferin nun nicht so recht. Phil geht in Vorlage, ob denn 2 Dollar ok wären? Da springt sie natürlich drauf, ja das ist für sie ok aber für mich nicht. 2 Dollar extra wegen des Schokoladeneis ich sag ihr, dass das eine reine Abzocke ist und es dafür 1 Dollar mehr auch tut. Auch das ist für sie ok. Hier ging´s natürlich nicht um den Dollar aber ganz sicher um´s Prinzip zum einen mag ich es gar nicht wenn mir jemand vorschreiben will die Beeren mit Vanille- anstatt mit Schokolade zu essen, zum anderen macht es mir immer wieder Spass solche Dinge auszuhebeln. Die Felsformationen sind sehr beeindruckend, vor allem der Arch und die Felsküste bei Devils Kitchen, ein Felseinschnitt in dem es sicher hoch hergeht wenn stürmische See herrscht. Bei der ein oder anderen grösseren Welle kann man sich gut vorstellen wie es hier dann aussieht. Während der Rückfahrt fahre ich kurzzeitig hinter Manuela und mir fällt auf, dass ihr Rüklicht so seltsam flackert. Na denke ich bleib mal noch eine zeitlang hinter ihr und beobachte das. Im gleichen Moment kommt mir auch schon der klare Teil des Rücklichtes zur Nummernschildbeleuchtung entgegen. Ich stoppe unseren Tross schnellstmöglich bevor noch mehr passiert, finde dafür aber die verlorene Scheibe nicht mehr, dazu hätte ich sofort anhalten müssen. Na ja das ist wohl das kleinere Übel. Einer der Gummihalter des Nummernschildträgers ist gerissen, der zweite macht es auch nicht mehr lange. In so einem Fall helfen immer Kabelbinder und Klebeband, damit ist die Weiterfahrt und sogar die Funktionsfähigkeit gesichert. Dafür wird jetzt der Himmel immer trüber, ca. 30km vor Hobart kommt dann eine rabenschwarze Wolkenfront auf uns zu. Da ich etwas zurück bin um Bilder zu machen muss ich etwas Gas geben um aufzuholen, denke jedoch bei der letzten Bildersession es kann nicht schaden den Tankrucksack mit der Kamera vorm Regen zu schützen. Kurz nachdem ich wieder gestartet bin treffen mich die ersten Regentropfen, gross aber noch verhalten. Minuten später geht es dann los, ein richtig deftiger Gewitterregen gepaart mit einem kräftigen Seitenwind. Weiter vorn sehe ich Manuela und Phil stehen. Manu zieht sich die Regenklamotten an. Ich bin schon so nass, dass ich keinen Sinn mehr darin sehe die Jacke jetzt anzuziehen und sobald Manu so weit ist fahren wir weiter bis zu einer Tankstelle an der wir uns unterstellen können. Das Wasser steht waagrecht in der Luft. An der Tankstelle können wir zum Glück unter der Überdachung und hinter einem Wohnmobil warten bis das Schlimmste vorbei ist. Nach einer Viertelstunde können wir weiter. Das Wetter ist jetzt wieder richtig freundlich, wir aber trotzdem ziemlich durchnässt. Der Fahrtwind trocknet die Motorradanzüge zumindest von aussen und als wir im Youth Hostel ankommen sind sie schon wieder zum grossen Teil trocken. Dennoch verteilen wir die Kleider über das ganze Zimmer um auch noch die unteren Lagen zu trocknen. Die Spaghetti zum Abendessen schmecken wie immer klasse, ich kann Spaghetti ohne Probleme mehrere Tage hintereinander essen ohne dass ich zuviel davon bekomme. Praktisch, ist es doch ein Essen was man immer auch auf Vorrat kochen und sehr gut in unserem Warmhaltebehälter mitnehmen kann. Sind sie mal nicht mehr so warm macht das auch nichts, in jungen Jahren haben wir Ravioli direkt aus der Dose gegessen ohne sie überhaupt warm zu machen. Ja, ja so war das früher (Gähn, jetzt kommen die alten Geschichten). Nein ich will jetzt hier nicht weiter ausholen, wir gehen jetzt ins Bett.

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Mittwoch 18.01.2012

Am Montag war die Triumph an der Reihe heute will ich mal sehen ob ich genauer definieren kann wo das Öl aus dem Getriebe der Harley kommt. Wir besorgen einen starken Entfetter und reinigen den kompletten Bereich um die Getriebeausgangswelle in einem Waschpark. Eine recht langwierige Aktion, da das Kettenfett recht hartnäckig ist. Nach der Reinigung fahre ich noch ein paar Runden um den Block um dann bei Richardson der HD Filiale in Hobart vorbeizuschauen. Auf der Hebebühne ist allerdings auch nicht vielmehr zu erkennen. Klar ist, dass das Öl aus dem Getriebe und nicht aus dem Primär kommt. Das ist eindeutig am Geruch zu erkennen. So ist auch die Wahrscheinlichkeit gering, dass es mit der Reparatur der Lichtmaschine in eindeutigem Zusammenhang steht. Wir vereinbaren einen Termin in Launceston und ich will es über die nächsten Tage beobachten ob es sich weiter verändert, heisst schlimmer wird, aufhören tut es von alleine sicher nicht. Obwohl, würde sich die Harley etwas von der Triumph abschauen, wüsste sie wie das geht, die tropft plötzlich nicht mehr. Alle Öle sind allerdings in ausreichendem Mass aufgefüllt, seltsam, das muss man nicht verstehen. Na klasse, der Tag ist fast vorbei und wir sind nicht wirklich weiter. Na ja erst mal einen Cappu trinken. Wir finden eine Rösterei die verschiedene Kaffees offen verkaufen. The Tasmian Roasters. Die Bedienung hinter der Theke kennt allerdings noch nicht einmal den Unterschied zwischen Kaffeebohnen und Espresso Bohnen, das hatten wir doch schon mal, mit dem Unterschied, dass das hier ein absolutes Fachgeschäft für Kaffee sein sollte. Ausser ein paar Tees verkaufen die gar nichts anderes. Egal, nebenan ist ein Café in dem der Kaffee getrunken also getestet werden kann. Das nutzen wir natürlich aus, kennen wir das doch von unserer Lieblingsquelle für Kaffee, der „Bohne“ in Speyer, in der man jeden Kaffee der verkauft wird auch dort trinken kann. Ganz so toll ist das Angebot hier natürlich nicht. Es gibt genau eine Kaffeesorte zum testen, egal der schmeckt ganz gut ist für mich recht verträglich, also kaufen wir von genau diesem, gemahlen für das kleine italienische Espressokännchen, das wir von Philip bekommen hatten. Wir sind mit Anissa von der Horizons Unlimited Community verabredet. Was heisst verabredet, wir treffen uns bei Ihr zu Hause weil sie uns freundlicherweise eingeladen hat bei Ihnen zu übernachten. Wir kommen etwas später als gedacht an, daher ist sie schon wieder mit dem Hund unterwegs, klar der braucht ja auch seinen Abendspaziergang. Spaziergang ist gut, Anissa geht mit ihm joggen. Wir finden das Haus recht gut, es ist gerade mal 4km weg vom Youth Hostel. Die Einfahrt ist allerdings furchterregend steil. Wenn Du einmal in der Schräge bist heisst es durchrollen bis in die Garage, irgendwelche Aktionen dazwischen bergen ein hohes Risiko die Fuhre irgendwie umzuschmeissen. Ich will mir noch gar nicht vorstellen wie wir da wieder hochfahren, vor allem aus der Garage raus und gleich steil um die Ecke, na das kann lustig werden. Aber wie sagt Anissa, reine Kopfsache. Die Begrüssung ist herzlich und da es nun schon etwas später ist fängt sie gleich mit dem Abendessen an. Etwas später kommt auch Carsten von der Arbeit nach Hause. Es wird ein schöner kennenlern Abend, der sich für Anissa ungewöhnlich weit in die Nacht hinein zieht. Klar, sie ist morgens sehr früh auf um vor der Arbeit noch eine Runde mit Manu, nein nicht mit meiner Manu, der Hund heisst auch so, zu drehen und wenn man im Job fit sein will braucht man eben seinen Schlaf. Das ist sicherlich etwas was wir uns für die Zukunft in Deutschland auch angewöhnen sollten.

 

Donnerstag 19.01.2012

Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bei Anissa und Carsten bleiben, haben uns dann aber entschlossen, natürlich in Abstimmung mit den Beiden, dass wir noch eine Nacht dranhängen. Die Innenstadt von Hobart haben wir uns bisher kaum angesehen und so soll es ein relaxter Stadtbummel-Tag werden. Wir fahren gemeinsam auf der Harley in die Stadt, es macht wirklich kein Sinn mit zwei Motorrädern da rein zu fahren und Manu geniesst es mal wieder eine Runde als Beifahrer zu drehen, Stadtfahrten sind eh nicht so ihr Ding. Am Salamanca Platz parken wir das Motorrad und laufen zunächst einmal am Hafen entlang Richtung Stadtmitte. Es gibt einige schöne Kolonialbauten und viele Parks, in denen die Angestellten der umliegenden Firmen gerne ihre MIttagspause verbringen. Hobart ist eine sehr motorradfreundliche Stadt. Überall sieht man für Motorräder reservierte kostenlose Parkplätze. Das find ich klasse. In der Fussgängerzone wollen wir uns erst eimal einen Cappu und ein Stück Kuchen gönnen. Mann, der versunkene Apfelkuchen mit dunklem Teig, Rosinen und Nüssen sieht vielleicht klasse aus. Glutenfrei, na ja, brauchen wir nicht, sollte aber auch kein Hindernis sein. Manu ist schon draussen um uns einen schönen Platz zu reservieren, das Café sieht schön und gemütlich aus, viel Holz, sehr harmonisch. Mit der Harmonie ist es allerdings vorbei als die Bedienung die Rechnung bringt. 14,50$, ich sage ihr, dass ich kein Miteigentümer des Cafés werden möchte und auch keine Stunde mit ihr buchen wollte sondern nur das Stück Kuchen und den Kaffee bezahlen möchte. Ja meint sie, ich hätte mir eben den teuersten Kuchen ausgesucht. Das Stück ist noch nicht einmal sonderlich gross, eher klein und der Geschmack, brutal süss. Wow, das war ein Schuss in den Ofen. In Zukunft, immer erst nach dem Preis fragen. Damit sind wir kuriert was die Innenstadt angeht, wir schlendern raus zum Battery Point, einem alten Stadtteil direkt am Wasser. Dort stehen noch viele der alten Walfänger Häuser und trotz der Ferienzeit ist es sehr ruhig hier, kaum Touristen, wie nahezu überall auf Tasmanien. Die Insel scheint weniger frequentiert zu sein als gedacht. Nur die Ostküste war recht gut besucht aber auch nicht wirklich überfüllt.

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Ich navigiere uns anhand der Karte im Tankrucksack durch Hobart und wieder erweist sich die breite Touratech-Kartentasche als äusserst hilfreich. Speziell bei Karten mit kleinen Massstäben ist jeder Zentimeter Kartenbreite hilfreich um nicht so oft umfalten zu müssen. In unserem Fall passt der Hobartstadtplan genau rein und wir haben immer die gesamte Übersicht. Wir wollen noch etwas für die Fahrt morgen und einen Wein für heue Abend einkaufen. Wir haben mit Anissa und Carsten ein Abendessen beim BYO Inder vereinbart. Als wir gerade den Coles Supermarkt auf der rechten Seite sehen fällt mir auf, dass wir schon fast bei dem Harley Shop sind den uns der Boss des Waschparks in dem wir die Harley entfettet hatten. Da kann ich nicht widerstehen und mache Manu ein Zeichen mir einfach mal zu folgen. Sie kann sich wohl schon denken wo ich hin will. Der weitere Weg zum Shop ist wirklich einfach und nicht mehr weit. Der Verkaufsraum macht schon einen sehr guten Eindruck und ich erkundige mich erst einmal nach Getriebeöl. Sie haben nur das Multiuse-Öl von HD das ich schon im Primärantrieb habe. Da ich jedoch bis jetzt noch sehr gut unterscheiden kann wo das Öl unter dem Motorrad herkommt möchte ich reines Getriebeöl. Das riecht ganz anders als das Formule+ das man ebenso im Getriebe verwenden kann. Kann man schon, ich frage mich nur warum der Big Twin Laden und auch Richardson in Launceston eben auch nur das reine Getriebeöl fürs Getriebe verwenden. Jetzt schaltet sich der Chef ein und ich erklär ihm das Ganze noch einmal, dem kann er folgen. Er lädt uns ein einen Blick in die Werkstatt und den dahinter liegenden Werkraum zu werfen. Wir betreten eine sehr aufgeräumte und saubere Werkstatt, einige Hebebühnen auf denen Motorräder zum Service oder zur Reparatur stehen. Seine Customprojekte sehen wir dann in dem dahinter liegenden Raum. Von dort geht in einen ganz besonderen Raum. Shaun, so heisst er, ist hierauf ganz besonders stolz, ein Leistungsprüfstand mit starken Ventilatoren zur Kühlung der Motoren während des Testlaufs. Das macht alles schon einen sehr professionellen Eindruck. Es wird schon wieder etwas knapp aber wir kommen doch noch rechtzeitig um uns in aller Ruhe umzuziehen und dann mit Anissa in die Stadt zu fahren. Die Fahrt eröffnet uns noch einmal wirklich ein paar schöne Aussichten auf die Stadt. Vor allem fahren wir Strassen hinunter die so steil sind, dass man sich gar nicht vorstellen mag was wäre wenn es hier mal Frost gäbe. Das Abendessen ist klasse und nicht so ölig wie oft in indischen Restaurants. Danach gibt’s noch ein Glas Wein zu Hause und dann geht’s ins Bett. Anissa hat etwas Schlaf nachzuholen und wir wollen morgen früh raus. Ziel ist dann der Mt. Field Nationalpark in dem es ein paar sehr schöne Wasserfälle zu erwandern gibt und danach haben wir die Hoffnung noch bis Derwent Bridge und dem Lake St. Clair Nationalpark zu kommen.

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21. Februar 2012 2 21 /02 /Februar /2012 07:51

Samstag 7.01.2012

Wir starten früh mit Ove, beginnen aber zunächst mit einem Frühstück in einem Café um die Ecke. Klasse Cappuccinos, ein Klasse Walnuss/Rosinen Brot und Eier mit Schinken, damit haben wir eine gute Basis für die Suche nach dem Ladegerät. Ove fährt uns nach dem Frühstück zur Motorradmeile in der City von Melbourne. Yamaha, Honda, Harley und Triumph, Kawasaki, Ducati und KTM es fehlt eigentlich keine Marke, doch, BMW die sind irgendwo anders untergebracht. Wahrscheinlich in irgendeinem Autohaus, das scheint hier in Australien die BMW Linie zu sein. Jeder hat natürlich solch einen Lader aber bei Triumph finde ich das Ladegerät, das genau zur Schnittstelle am Motorrad passt. Ich bin happy und wir fahren direkt zurück um es anzuschliessen. Wir haben heute noch einen wichtigen Termin, wir wollen uns mit Ivan von Bikes Abroad treffen. Er soll unsere Motorräder von Australien (Melbourne) nach Neuseeland (Auckland) schicken. Sein Angebot ist teuerer als wir das nach früheren Internet Recherchen erwartet hatten aber es ist aktuell kaum billiger zu kriegen. Er möchte uns die Kisten zeigen, die er uns bauen würde. Es sind Standard Kisten die nur mit den Klötzen für die Fixierung der Räder auf das entsprechende Motorrad angepasst werden. Heisst wir würden direkt in sein Warehouse fahren und die Motorräder würden dort versandt fertig gemacht werden. Das hört sich natürlich gut an. Wir treffen Ivan und seinen Geschäftspartner in der Spedition, beide sind mit dem Motorrad da, Ivan mit einer neuen Triumph Tiger 800 und sein Kompagnon mit einer BMW R1200R. Wir werden sehr freundlich und mit einem Kaffee bei einem lockeren Small Talk begrüsst. Dann geht’s ans Eingemachte. Wir schauen uns die Boxen an und reden über die Dinge die bei unserer Ankunft schiefgelaufen sind. Die Beiden versichern uns, dass Ihre Partner darauf eingestellt sind Motorradreisende zu bedienen. Die Boxen machen einen sehr robusten Eindruck und können dann für den Weitertransport nach Deutschland weiterverwendet werden. Der Eindruck ist sehr gut, die Entscheidung für diesen Anbieter ist eigentlich durch. Zufrieden fahren wir zurück zu Ove. Wir sind mit ihm und seinem Kumpel Jeff und dessen beiden Kids zum Barbecue verabredet. Der Abend wird sehr entspannt und als wir wieder zurück fahren sind wir echt schlafreif. Vorm ins Bett gehen habe ich noch eine Diskussion mit Stefan vom Big Twin Laden, bei der sich herausstellt, dass ich einen speziellen Abzieher für die spezielle BDL-Kupplung die wir kurz vor der Abreise als Abstellmaßnahme für das Kupplungsrattern eingebaut hatten benötige. Klasse das habe ich gerade noch gebraucht. Erwin, ein Kunde der schon vor dem gleichen Problem stand schickt mir die Skizze des Abziehers den er sich dafür gebaut hatte. Die Skizze erreicht mich am Samstag Abend. Da ist erst einmal nichts mehr zu machen. Die Fähre nach Tasmanien verlässt Melbourne morgen (Sonntag) Abend um 21:00. Na ja, die Batterie ist kräftig am Laden und hat für die Fahrt quer durch Melbourne und zurück, immerhin ca. 66km kaum in der Spannung nachgelassen. Ohne Licht und mit Starten per Kickstarter müssen locker 300 km drin sein. Das reicht bis zu einer Lösungsfindung zur Abstellung des Problems. Also jetzt aber ab ins Bett.

Sonntag 8.01.2012

Heute ist mal wieder Abfahrtstag. Es ist 8:30 und es klopft vorne am Garagentor. Es ist William Graus mit seiner Frau Kathy ein weiteres HU Mitglied. Gemeinsam wollen wir frühstücken gehen. Es regnet, zunächst leicht, dann immer stärker. Während wir draussen neben dem Kaffee in der kleinen Seitenstrasse sitzen steigert sich der leichte Morgenschauer zu einem ergiebigen Landregen. Da wir noch packen müssen beenden wir den Caféaufenthalt und gehen zurück zu Spaceworks. Wir verabschieden uns und vereinbaren am 26. von der Fähre direkt zu William und Kathy zu kommen. Beim Packen erzählen wir immer wieder mal mit Ove und kommen auf das Thema, dass wir eventuell Manuelas BMW verkaufen und dafür eine alte Zweiventiler R80 G/S kaufen möchten. Wir zeigen Ove ein Bild Ihrer 650er und er fällt fast vom Hocker. Aufgeregt sucht er die Niederschrift seiner Ziele, die er vor ca. 8 Monaten festgehalten hat. Ein Ziel heisst: „Ich kaufe eine Gelbe 650er BMW GS in Europa um damit zu touren.“ Waaahnsinn. Gebongt, Ove will das Teil kaufen sobald wir uns entscheiden sie abzustossen. Es wird langsam Zeit uns auf den Weg zur Fähre zu machen, wir wollen so rechtzeitig losfahren, dass sollte noch etwas technisches mit dem Motorrad dazwischen kommen wir immer noch genügend Zeit zu reagieren hätten. Wir sind dann auch schön zeitig unterwegs und Ove lotst uns durch die halbe Stadt, da er uns von Süden her am Meer entlang zur Anlegestelle der Spirit of Tasmania führen will. War sehr nett gemeint, artet aber mit den beiden Oldies in pure Arbeit aus, grüne Welle oder so etwas kennen die hier nicht. Nach einer Weile haben wir es dennoch geschafft und sind trotz allem Verkehr und roter Ampeln noch extrem früh dran. Zunächst checken wir die Lage, heisst wo müssen wir uns anstellen, wann geht’s los etc. Da die Spirit noch gar nicht da ist haben wir genügend Zeit uns erst einmal einen Cappuccino zu holen und dann essen zu gehen. Kaum haben wir den Cappu getrunken erscheint die Spirit am Horizont. Nun haben wir immer noch eine Stunde Zeit bis die Spirit alle Fahrzeuge ausgespuckt hat und mit dem erneuten Laden beginnen kann. Das Restaurant in dem wir essen liegt direkt an der Anlegestelle, wir möchten nichts dem Zufall überlassen. Danach müssen auch wir uns anstellen. Die erste Rampe können wir noch hinauffahren, dann steht die Autoschlange. Weiter vorne sehe ich die nächste Rampe, die Harley da raufschieben ist ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen während ich noch überlege wie man diese Situation am besten entschärfen könnte (man erinnere sich, dass die Harley aufgrund der immer noch nicht funktionierenden Lichtmaschine nur auf Batterie fährt und Prio 1 ist vom Schiff auch wieder herunterzukommen) sehe ich einen Durchbruch in der Stahlwand der es ermöglichen würde direkt vors Schiff zu fahren, na das wäre doch gelacht wenn wir das nicht hinkriegen würden. Ich schlendere hinüber und erkläre der dortigen Hafenangestellten die Situation, sie schaut mich an und denkt wohl, „ne, den kann ich den Koloss nicht den ganzen Weg schieben lassen“ wir dürfen also durch den Durchbruch schieben und stehen somit fast ganz vorne in der Schlange. Wir machen uns noch etwas breit, fragen dreimal nach der Bedeutung der einzelnen Papiere die wir bekommen haben, bis der Weg vorne bis zum Schiff frei ist, nun haben wir alles kapiert, kicken die Motorräder an und fahren durch bis aufs Schiff und dort direkt auf den Platz auf dem die Bikes verzurrt werden. Na das hat ja klasse geklappt. 1. Gang rein, Benzinhähne geschlossen und es kann nach oben in unsere „Ocan Recliner“ gehen. Klasse wir haben sogar einen Fensterplatz, den kriege ich ohne weitere Diskussionen. Wenn Manu etwas nicht braucht, dann ist es der Blick auf den schwankenden Horizont und das aufgewühlte Meer. Wir sind echt gespannt wie wir mit dem Seegang zurechtkommen. Da das Schiff eine dicke Verspätung hat und erst kurz vor 10 Uhr ablegt sind wir schon fast schlafreif. Die Fahrt geht eh erst einmal durch die Bucht von Melbourne und damit durch sehr ruhiges Gewässer. Bis wir in die raue Bass Strait einfahren befindet sich Manu schon im Halbschlaf. Ich schreibe noch etwas Tagebuch und lege mich dann auch ab.

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Montag 9.01.2012

Die Nacht vergeht recht schnell und als wir durch die Ansage im Lautsprecher aufwachen sind wir schon fast in Devonport. Wir bereuen schon fast die Heimfahrt als Tagesfahrt gebucht zu haben, es ist doch recht angenehm die Überfahrt so im Schlaf hinter sich zu bringen. Deck 5 ist dran die Fahrzeuge vom Schiff zu fahren, das ist unser Deck, klasse das geht ja ruckzuck...dachten wir. Zwischen uns und der Insel steht nun nur noch die Quarantine, eine Kontrolle als würden wir in Russland einreisen, ob die das nicht etwas übertreiben mit ihren Massnahmen zur Vermeidung der Verbreitung von Krankheiten und Schädlingen. Die „Einreise“ dauert eine geschlagene halbe Stunde. Motorradfahrer werden nicht wirklich kontrolliert, sie glauben uns, dass frisches Obst und Gemüse oder Nüsse und nach was weiss ich nach was die noch alles suchen, auf unseren Motorrädern eh kein Platz hat. Es ist noch früher Morgen und wir suchen als erstes eine Frühstücksgelegenheit. Beim ersten Café halten wir an und gönnen uns ein gutes Sandwich und einen Rosinentoast zum Cappuccino. Ich habe bei der Anfahrt zum Café in einer Seitenstrasse „Demons Driveline“ gesehen, ein Harley Customizer der mir eventuell auch die Lichtmaschine tauschen könnte. Der Laden ist geschlossen, sicher aufgrund der frühen Morgenstunde oder aufgrund der Drogenrazzia die bei ihm stattgefunden hat wie ich im Internet lesen konnte. Da auch keinerlei Öffnungszeiten ausgewiesen sind fahren wir weiter Richtung Launceston, dort bei Richardson dem HD Offiziellen haben wir ja einen Termin eingebucht, schauen wir mal was die Jungs für einen Eindruck machen. Die Fahrt wollen wir aber auch nutzen, eine der empfohlenen Strassen des Australian Motorcycle Atlas unter die Räder zu nehmen. Die Strasse führt über verschiedene Nebenstrassen und dann entlang des Tamar Flusses, schöne Ausblicke und ein nettes Café, alles in allem einen ganz nette Strecke, hat aber jede Menge Zeit gebraucht. Als wir in Launceston ankommen nehmen wir zuerst einmal Kontakt mit Stuart King auf. Er ist Mitglied der Horizons Unlimited Community Tasmania und hat uns eingeladen einige Tage bei ihm zu wohnen. Stuart wohnt mitten in der City und hat dennoch einen schönen Hinterhof in dem man die Motorräder parken kann. Nach dem ersten kennenlernen fahren wir noch zu Richardson wegen der Harley. Der Laden ist riesig mit angeschlossenem Museum und Restaurant. Ich vereinbare einen Termin und bestelle die benötigten Teile. Die würde ich so oder so benötigen, ob ich den Termintatsächlich wahrnehmen werde will ich mir noch überlegen. Es wird drei Tage dauern bis der Lichtmaschinenstator da ist da kann ich ja noch einmal darüber schlafen. Stuart kennt ein paar Leute die eventuell Druckluftschrauber haben könnten, ob sie jedoch die richtigen Aufsätze hätten und woher wir den Abzieher bekommen könnten ist fraglich. Wir kochen erst einmal alle zusammen Spaghetti, alle zusammen heisst Stuart seinen beiden Kids und wir. Nach dem Essen müssen die Kids ins Bett und wir sitzen nch eine Weile zusammen und lernen uns noch besser kennen.

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Dienstag 10.01.2012

Stuart ist schon früh auf den Beinen, klar er muss arbeiten und nimmt die Kids mit, mittags werden sie dann von der Mutter abgeholt. Ah, hatte ich vergessen zu sagen, Stuart lebt zur Zeit getrennt. Ich glaube 90% der Australier die wir kennen leben getrennt, sind geschieden (min. das erste Mal) oder sind in einer zweiten Beziehung. Nach meinem ersten Frühstück mache ich Manuelas obligatorischen Kaffee, diesmal nicht Instant sondern aus der kleinen Saecco von Stuart, heisst einen richtigen Espresso Macchiato. Stuart und die Kids sind extrem leise und rücksichtsvoll so etwas haben wir noch selten erlebt. Nachdem nun auch Manu fit ist und wir unser Frühstück hinter uns haben gehen wir zunächst einmal in die Stadt um noch einen Cappuccino zu trinken und ein paar Dinge einzukaufen, dann starten wir zu einer kleinen Rundfahrt mit den Motorrädern durch die Gegend um Launceston. Es gibt hier unter anderem eine Art Weinstrasse an der die ganzen Weingüter liegen und einige andere schöne Sträßchen. Als wir gerade Launceston verlassen und auf dem Highway Gas geben können höre ich hinter mir ein dumpfes Geräusch und ein Hupen, als ich mich umdrehe sehe ich meinen rechten Kofferdeckel weit hinten auf der Strasse liegen. Shiiit, ich mache eine Notbremsung auf dem Seitenstreifen aber Manu hat schon früher reagiert, kein Wunder, ist Ihr das Teil doch geradewegs entgegen gekommen. Sie ist schon am zurücklaufen und mir bleibt nur zu beten, dass kein Road-Train den Deckel überrollt. Manu läuft zur Hochform auf und absolviert den Sprint in Bestzeit, klar sie will sich mein Theater nicht anhören wenn das Teil zerstört ist. Glücklicherweise hat der Deckel nur zwei grobe Abschürfungen und eine Eindellung, diese beeinflusst allerdings unglücklicherweise direkt die Dichtgeometrie und so muss ich erst einmal am Strassenrand den Hammer und mein Leatherman bemühen. Nach kurzer Bearbeitung lässt er sich wenigstens wieder aufsetzen und schliessen, die Feinarbeit muss ich später erledigen. Wir setzen unsere Fahrt fort werden jedoch schon in Lillydale wieder gestoppt, eine Umleitung wegen eines schweren Unfalles, die gesamte Strasse ist gesperrt. Der Polizist will uns fast bis Launceston zurückschicken, Manu hat jedoch einen Abzweig kurz vor dem Ort gesehen den wir nutzen könnten. Wir kommen tatsächlich auf die Umgehung wenn auch langsam wegen des schlechten Strassenzustandes. Wir wollen noch einen Wein kaufen und besuchen das Weingut Bay of Fires, das Probieren können wir uns schon fast sparen, keine der Flaschen ist unter 35$ zu haben. Na, und schmecken tut er gar nicht so gut also geht es weiter, das Wetter sieht eh recht bescheiden aus und so entscheiden wir uns auf dem kürzeren Weg zurückzufahren. Zum Abendessen gibt es Lasagne von einem schnellen aber nicht unbedingt schlechtem italienischen Take-away, für Manu gibt es noch ein Tiramisu zum Nachtisch.

 

Mittwoch 11.01.2012

Heute ist der Tag an dem ich die Harley bei Richardson abgeben muss. Ich möchte vorher noch einmal mit dem Mechaniker selbst reden der die Reparatur durchführen wird. Dave arbeitet seid 20 Jahren dort und ist der Mann für die Shovelheads. Nach einem Tech-Small-Talk mit den ganzen Eigenheiten die bei meinem Bike zu beachten sind habe ich das Gefühl, dass meine Shovel bei Dave in guten Händen ist. Stu geht arbeiten und wir machen uns auf den Weg die Catarac Gorge zu erkunden, die Sehenswürdigkeit in Launceston für Naturliebhaber. Vorher muss natürlich noch ein Cappu sein, ausserdem wollen wir noch Kaffee für Stu´s kleine Saecco kaufen. Er kauft seinen Kaffee normalerweise in der Coffee-Republic, also entscheiden wir uns den Cappu dort zu trinken und gleich den Kaffee mitzunehmen. Der Laden ist winzig, dies scheint jedoch so gewollt , vor jedem dieser Cafés, es handelt sich um eine sehr kleine private Kette, steht ein alter abgewrackter Vespa-Roller. Heisst die Eigentümer pflegen einen etwas spleenigen Stil, nicht schlecht wie ich finde. Das Interieur ist ebenso spleenig, hat aber was, vor allem wegen der Enge in dem „Treppenhaus“ in das sie die Kaffeemaschine, eine Röstmaschine und die Theke gequetscht haben. Als wir nach dem Kaffee so Richtung der Schlucht schlendern kommen wir noch am „Wursthaus“ vorbei. Unsere Speisekarte in Australien ist nicht allzu abwechslungsreich und so müssen wir natürlich unbedingt hier hineinschnuppern. Sieht schon klasse aus was es dort so gibt, Fleischkäse und Rinderzunge in Aspik da müssen wir nach der Wanderung unbedingt vorbei und uns für´s nächste Frühstück eindecken.

Es ist klasse, dass man direkt aus der Stadt in die Schlucht einsteigen kann. Wir entscheiden uns für den steilen und schwereren Weg zu Beginn und den „Ladies-Way“ für den Rückweg. Der Hinweg führt durch dichten Wald, über ein paar Felsen und ein paar lichtere Abschnitte vorwiegend nach oben. Es sieht richtig wild aus, umso grösser ist der Schock als wir vor einer Freizeitanlage mit Schwimmbad und Sessellift (um auf die andere Seite der Schlucht zu kommen) stehen. Grosser Carpark etc. wir hätten die Beschreibung des Walks etwas besser lesen sollen. Egal wir gehen den Walk noch weiter Richtung des Wasserkraftwerkes am Ende der Schlucht, drehen aber vorher um weil es sonst zu spät für´s Wursthaus wird. Der Rückweg ist tatsächlich ein Spaziergang und so sind wir sogar früher zurück als gedacht. Ich schaue immer wieder auf die Uhr, da auch Matt von Richardsons anrufen wollte sobald das Motorrad fertig wäre. Ich werde etwas nervös, da es nun schon 15:30 ist und ich das Bike um 9:00 abgegeben habe. Kaum gedacht, klingelt das Handy, Matt ist dran und teilt mir mit, dass ich das Motorrad holen könnte. Klasse, ich rufe gleich Stu an damit er mich nach seinem Feierabend abholt und zu Richardson fährt. Die Rechnung fällt recht moderat ein, trotz eines Missverständnisses und eines daraus resultierenden Motorölwechsels, für die Reparatur und den Wechsel haben die Jungs gerade mal 3,5 Stunden gebraucht. Zufrieden fahre ich zurück. Heute Abend wollen wir Alan in Archors Manor besuchen. Ein HU Mitglied der eine Bar hat in die man mit dem Motorrad hineinfahren kann. Da müssen wir natürlich mal vorbei. Wir fahren allerdings mit dem Auto da es schwer nach Regen aussieht. Wir starten so gegen 18:00 und da wir keine Ahnung haben was uns erwartet haben wir als Plan B den Irish Pub in der Tasche. Archers Manor erweist sich als recht grosses Anwesen mit angeschlossenem Motel und richtigem Restaurant und sieht so gar nicht nach Bar zum Hineinfahren aus. Als wir das Restaurant betreten fragen wir etwas befremdet, ob es denn hier eine Bar gäbe. Klar, die Treppe runter und links erklärt uns die freundliche Bedienung. Auf der Treppe begrüsst uns dann auch schon Alan und führt uns in eine Umgebung die wir hier am wenigsten erwartet hätten. Eine dunkle Bar voll mit skurrilen Accessoires und Memorabilia zum Thema Motorsport und Motorrädern. Nun sehen wir auch den Eingang durch den man in die Bar hineinfahren kann und es stehen auch schon zwei Motorräder vor der Theke, eine Suzuki Katana, auch bei uns schon ein Youngtimer und ein Gerippe einer Honda Bol´d Or an der scheinbar gearbeitet wird. Na das ist ja eine tolle Umgebung um etwas Benzin zu quatschen. Hinten in der Ecke steht ein voll funktionsfähiger Nascar Rennwagen, den Alan selbst gefahren hat. Bei alldem Staunen dürfen wir jedoch das Essen nicht vergessen. Plan B war eh schon längst verworfen worden als wir das Restaurant gesehen hatten, was jedoch einen recht gehobenen Eindruck machte. Alan beruhigt uns jedoch, natürlich können wir bei ihm bestellen und natürlich auch hier unten in der für uns doch deutlich interessanteren Atmosphäre essen. Wir haben viel Spass und ein lockeres Gespräch über dies und das. Es wird recht spät und da Stu morgen arbeiten muss blasen wir so gegen 23:00 zum Aufbruch. Im Auto sind wir uns alle einig, der Abend war klasse und Stu war sicher nicht das letzte Mal dort.

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Donnerstag 12.01.2012

Verabschiedung ist mal wieder angesagt. Eigentlich wollten wir noch ein paar Bilder mit Lola und Tulli den beiden Kids von Stu machen aber Melissa seine Ex-Frau hat für heute andere Pläne. Wir versprechen alles zu versuchen noch einmal vorbeizukommen bevor wir Tasmanien verlassen. Stu hätte gerne ein paar Bilder mit uns und den Kids weil er ihnen ermöglichen will in der Schule über die Besucher aus Deutschland zu berichten. Und was ist so ein Bericht schon ohne Bilder. Da wir davon ausgehen, dass wir relativ bald in St. Helen unserem nächsten Ziel sind lassen wir uns etwas Zeit, frühstücken, packen zusammen und wollen noch einmal kurz bei Richardson für ein Foto mit der Crew und der Chefin vorbeischauen. Als wir das alles absolviert haben und gerade vom Parkplatz starten wollen spricht uns ein Ehepaar an. Das Übliche woher wohin, die beiden wohnen in Dunedin, Neuseeland. Sie sind begeistert, dass wir auch ihre Heimat besuchen möchten, noch ein kurzer Small Talk, und das war´s. Wir starten endgültig. Die Fahrt führt über Scottsdale und die Strasse ist extrem kurvig, der Schnitt sinkt auf ca.30km/h (inkl. Pausen). Es ist eine wunderschöne Umgebung aber man muss sich Zeit nehmen und das tun wir auch. So kommen wir recht spät in St. Helens an, macht ja nichts, da wir das Zimmer schon vorab reserviert haben. Das „Zimmer“ sieht auf den ersten Blick sehr altmodisch aus, erweist sich jedoch als recht praktisch da das Schlafzimmer vom Wohnraum getrennt ist. So kann ich mir morgens mein erstes Frühstück machen ohne Manu zu stören. Sie kann dann weiterschlafen bis der Kaffee fertig ist. Ein weiteres wichtiges Merkmal einer guten Unterkunft ist das Badezimmer speziell die Dusche und auch da kann das altmodische Apartement punkten, die Dusche ist einwandfrei. Jetzt kommt die letzte Hürde für ein „Gut bis Sehr gut“ in der Bewertung, das ist das Internet. Sollte eigentlich Wireless verfügbar sein, ist es aber nicht. Der Besitzer des Motels hat den Code vergessen. Ein anderer Gast des Motels kommt im Verlauf des Abends darauf, keine Ahnung wie er das gemacht hat, denn der Besitzer wusste es auch nicht. Fakt ist, das Passwort war der Vorname und das Geburtsjahr seiner Frau tja, ganz schön peinlich für den guten Mann. Da wir aber seine Frau nie zu Gesicht bekommen haben konnten wir auch nichts verraten und ihm blieb vielleicht ein grosses Theater erspart.

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30. Januar 2012 1 30 /01 /Januar /2012 01:08

Freitag 30.12.2011

Der Morgen verläuft wie gewohnt und zum Mittagessen bringt Lynn einen Salat und ein gegrilltes Huhn vorbei. Wir haben uns die Zeit mit Tagebuch schreiben und Internet Recherchen zum Thema Motorradtransport nach Neuseeland vertrieben. Ich war noch einige Zeit bei Neil im Workshop wo er an seinem neuen Custom Projekt arbeitet. Der Zeitplan ist eng, das Projekt, natürlich eine Generator-Shovel soll auf der Sydney Motorshow Ende März ausgestellt werden. Er hat noch viel Ideen zu verwirklichen und sicherlich einige wieder zu verwerfen und neu zu überdenken, so ist das nun mal bei solchen Projekten. Gegen Nachmittag fahren wir mit Neils Auto in die Stadt. Ein Kaffee, ein Besuch im Autoladen wegen Öl und Ölfilter für die Triumph sowie, ganz wichtig, ein Frisörtermin, stehen auf dem Plan. Nach dem der erste gestylte Frisörsalon 35$ für einen sogenannten Clipper-cut (alles auf eine Länge von 2mm bringen) möchte, bin ich dankbar, dass wir noch den kleinen Frisörladen um die Ecke finden, hier werden 15$ aufgerufen, das hört sich doch deutlich freundlicher an. Die Ölsuche endet allerdings erfolglos. Wir treffen Lynn im Pub, Neil ist noch nicht da, er wollte mit dem Motorrad kommen. Nach dem ersten Altbier höre ich draussen die Harley kommen. Verschwitzt und leicht genervt erscheint Neil in der Tür. Er wollte noch tanken und musste dann an der Tanke , gerade über der Strasse, ca. 30 Mal kicken bis die Shovel anspringen wollte. Peinlich, hatte er mir doch kurz zuvor erklärt wie das ist mit dem guten Ankicken wenn alles sauber eingestellt ist. Die Beiden fahren kurze Zeit später zurück auf die Farm, wir möchten im Pub noch zu Abend essen, sonst wird das wieder reichlich spät. Bei Neils Abfahrt höre ich wie die Shovel sofort anspringt, ich kann mir sein strahlendes Gesicht vorstellen, der Abend ist für ihn gerettet.

Samstag 31.12.2011

Heute ist Silvester. Es ist warm aber nicht heiß wie gewöhnlich zu dieser Jahreszeit. Neil arbeitet in der Werkstatt und wir diskutieren so über die eine oder andere Designvariante. Manuela ist am Tagebuch schreiben. Der Tag verrinnt und wir müssen uns so langsam fein machen für die grosse Silvesterparty. Bei Manu und mir heisst das eigentlich nur duschen. Das Abendessen machen wir uns noch zu Hause dann geht es los. Der Abend startet im Pub vor allem für Manu sehr langweilig. Die Gruppe ist mehr oder weniger die gleiche wie die auf der Gartenparty zwei Tage vorher. Die Frauen sitzen alle um einen Tisch und es geht um den besten Conditioner bzw. Haarfärbemittel etc. Manu kommt herüber an die Bar, da das nun wirklich nicht ihre Themen sind. Das kann ja ein vergnüglicher Abend werden. Ich habe gerade mein zweites Bier bekommen als die gesamte Gruppe aufbrechen will zum Bowling Club. Bowling Club, gäähn das hört sich ja aufregend an. Ich sehe, dass auch Neil nicht riesig begeistert ist. Er hat vor dem Hotel den Bassisten der Band getroffen, ein sehr guter Freund von ihm. Das erste Lied das sie spielen sagt er an als spezielle Begrüssung der deutschen Freunde die hier mit ihnen Silvester feiern. Pink Floyd „The Wall“. Lynn kennt keine Gnade, sie will jetzt zum Bowling Club, also strecken wir die Waffen, wir können es noch etwas hinauszögern, da ich ein kaltes Bier bei bestem Willen nicht so schnell trinken kann aber es hilft nix wir gehen so 15 Minuten später rüber zum Bowling Club. Als wir dort ankommen trauen wir unseren Augen kaum, viele sind verkleidet wie auf einem Faschingsball, Polizist und CIA Agent scheint der grosse Renner zu sein. Ich kann´s nicht glauben, dass ich da rein soll. Na komm, Augen zu und durch denken wir, unterzeichnen die Clubmitgliedschaft für diesen Abend und „stürzen“ uns in die Party. Hey, die Musik ist gar nicht so schlecht um nicht zu sagen richtig gut, AC/DC, Alice Cooper, die Stones und so weiter. Unterhalten kann man sich auch und natürlich sind unsere Tour und die Motorräder immer wieder willkommenes Thema. Der Abend nimmt nun richtig Fahrt auf. Mit Bier bin ich allerdings bedient, auch das englische, drucklos gezapfte tut mir auf die Dauer nicht gut also wechsle ich zum Weißweinschorle, mangels Mineralwasser eben mit stillem Wasser, ist eh besser für mich. Die Gruppe taut nun richtig auf keiner und keine will nun noch über Conditioner reden, die Mädels tanzen und ich sag dem DJ, dass man den alten Alice im Magen spüren muss also dreht er etwas weiter auf. Das neue Jahr kommt dann doch sehr plötzlich. Geknallt wird dort überhaupt nicht, wahrscheinlich ist das Trinken schon so teuer, dass man das Geld nicht für Raketen etc. ausgeben möchte. Manu und mir fällt nun rückblickend auch auf, dass wir in keinem Supermarkt auch nur einen Knaller gesehen hatten. Es reicht anscheinend das Feuerwerk in Sydney oder Melbourne im Fernsehen anzuschauen. Das ist uns sehr sympathisch, sehen wir doch die Knallerei in Deutschland als reine Geldverschwendung und Umweltverschmutzung. Nachdem wir uns alle ein frohes neues Jahr gewünscht haben kommt Bewegung in die Gruppe, dass wir nun so langsam wieder zum Aufbruch blasen. Wir gehen zurück in den Pub, die Band hat sich warmgespielt und rockt jetzt richtig ab. Es wird viel getanzt und gelacht, zugegebenermaßen ist das Unterhalten hier deutlich schwieriger. So gegen 3 Uhr brechen die ersten der Gruppe auf und auch wir versuchen ein Taxi zu bekommen. Was in Deutschland zu dieser Stunde kaum möglich ist, ist hier ein Kinderspiel. So gegen 4:00 sind wir dann auch zu Hause. Der Abend war Klasse. Wir haben wieder einmal das neue Jahr in einem anderen Land begonnen und neue Erfahrungen gemacht und es war toll.

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Sonntag 1.1.2012

Heute ist ganz klar Relaxing angesagt. Das Frühstück gibt es erst recht spät. Manu und ich machen noch einmal ein kalifornisches Frühstück, dieses Mal allerdings die Sparversion, da wir keine Avocado mehr haben. Danach mache ich mich an die Vorbereitungen zur morgigen Abfahrt. Ölstände checken, Ketten ölen und spannen und einfach mal so die Schraubverbindungen und Gepäckträger auf Festigkeit und Risse prüfen. Alles i.O., so möchte man das immer haben.

Montag 2.1.2012

Abfahrtstag, Wir sind NUR 15 Minuten zu spät, Eigentlich wollten wir eine andere Strasse nach Süden nehmen um nicht zweimal die gleiche Strecke zu fahren. Wir erinnern uns jedoch an Pat Blundell, die nette alte Dame die uns Cookies gekauft und uns zum Tee eingeladen hatte wann immer wir wieder durch Harden kommen würden. Da unser Motto heisst „die Menschen die wir treffen sind wichtiger als die Strassen wie wir fahren“ entscheiden wir uns bei Pat vorbeizuschauen und die Einladung anzunehmen. Natürlich rufen wir vor der Abfahrt an um uns anzukündigen. Sie freut sich riesig, hatte eigentlich gedacht wir hätten sie als etwas schrullige alte Frau schon wieder vergessen. Bei Pat werden wir mit einer ganzen Platte Sandwiches und einer weiteren Platte Kuchen begrüsst. Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile und man merkt, dass ihr das sehr gut tut nachdem ihr Mann vor einigen Monaten gestorben ist. Manu ist die erste, die auf die Toilette muss, als sie zurückkommt fragt sie Pat ob sie denn solch ein grosser Clint Eastwood Fan ist, dass auf der Toilette „einige“ Bilder von ihm hängen. Das muss ich mir natürlich anschauen, die Toilette einer ca. 75.jährigen alten Dame voll mit Clinti Bildern, das ist ja klasse. Als ich in die Toilette komme trifft mich fast der Schlag, ich muss unbedingt die Kamera holen. Das ist schon ganz schön schräg. Die Toilette von oben bis unten rosa gestrichen und Clinti´s Kopf in Überlebensgrösse auf der Tür, die Augen wie immer leicht zusammen gekniffen beobachtet er mich beim Pinkeln. Das muss ich dokumentieren, also schnell fertigmachen, die Kamera holen und ein paar Bilder machen. Nach etwa 1,5 Stunden müssen wir uns wieder verabschieden. Pat dachte, dass wir noch etwas länger bleiben könnten aber unser Tagesziel Batemans Bay ist immerhin noch ca. 300km entfernt.

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Es geht zunächst weiter über sanft hügeliges Land bis wir Richtung Braidwood kommen. Nun wird es so langsam bergiger. Die Strecke von Braidwood nach Batemans Bay ist dann der Knaller. Es geht wie auf einer Achterbahn durch einen teilweise undurchdringlich scheinenden Regenwald mit riesigen Farnen und alten Bäumen. Batemans Bay ist dann wieder ein reines Touristenort an der Küste. Da nahezu überall das Schild „No Vacancy“ prangt fahren wir weiter bis Moruya. Dort sieht es allerdings auch kaum anders aus. Ausserhalb des Ortes finden wir allerdings ein sehr nettes und sauberes Motel, checken ein und fahren ohne abzupacken direkt zum Abendessen. Das Hotel am Ortseingang direkt am Wasser ist sehr überlaufen und so versuchen wir es bei einem kleinen italienischen Restaurant. Bisher haben wir die Pizzen >20$ boykottiert, heute aber hat Manu einfach mal Lust auf Pizza um nicht immer Pasta zu essen und so essen wir zum ersten, zurückblickend aber sicher auch zum letzten Mal eine Pizza für 22$ und einen winzigen Salat für 7,50$ . Nachdem sich der Wirt nach dem Desert erkundigt frage ich ihn, ob wir denn damit endgültig Mitbesitzer der Pizzeria wären worauf sich eine halb Spass halb Ernst gemeinte Diskussion über die Pizzapreise in Australien ergibt. Er geht davon aus, dass eine Pizza in Italien 13€ kostet und dass der Euro 2 Dollar wären, das hiesse er wäre doch billiger als die italienischen Kollegen. Ich muss ihn da allerdings etwas korrigieren, da man für einen Euro nur noch ca. 1,23$ bekommt liegt er mit seinen Preisen doch weit über dem europäischen Schnitt, das kann er nun gar nicht glauben aber was soll´s es reicht noch für einen Espresso und das war´s.

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Dienstag 3.1.2012

Wir brauchen heute mal wieder etwas länger um abfahrtsbereit zu sein. So kommen wir erst um 11:00 weg und müssen auch gleich am Ortseingang noch tanken. An der Tanke kommen wir mit Beatle ins Gespräch, er fährt seine HD FXR Evo auch schon seit 17 Jahren. Wir brauchen immer noch Öl für die Trumpi (wie die Aussies die Triumph nennen) und Beatle bringt uns zu einem kleinen Motorradshop in einer Sackgasse der SAE 50 Öl für Nasskupplungen geeignet und sogar einen Ölfilter hat. Vortags bei der Einfahrt in unser nettes Hotels hatte die Werkzeugtasche auf einem Bump aufgesetzt. Als ich heute genauer hinschaue, sehe ich, dass ein Riemen halb durchgerissen der andere stark beschädigt ist. Shit, wäre nicht ungefährlich die Werkzeugtasche zu verlieren und darüber zu fahren. Beatle empfiehlt uns einen Ledermacher in Tilba Tilba. Ist ein totales Touristennest schön fast schon etwas kitschig und eine Menge Besucher dort aber der Lederschneider ist klasse. Er klebt die Handschuhe von Manuela und setzt mir zwei neue Riemen auf die Tasche und macht mir noch 2 Riemen um die Tasche höher zu fixieren. Tolle Sache, jetzt setzt nichts mehr auf. Die Fahrt geht weiter Richtung Bega, der Käsehauptstadt Australiens. Bevor wir jedoch die Stadt erreichen fahren wir ohne Vorwarnung in eine Baustelle die mitten in einer Kurve startet. Auf der Strasse liegt eine Menge Rollsplitt, das Schild kommt dann 50 Meter später (nach der Kurve). Entscheidende Meter, da kann man schon auf der Schnauze liegen, den Strassenarbeiter der das Schild aufgestellt hat sollte man zumindest teeren, genug Material wäre ja vorhanden. Dazu müsste man ihn ja nur über die Strasse rollen, denn diese ist für einige Kilometer überzogen mit einer Schicht aus flüssigem Teeröl und Split. Die Umgebung sieht ansonsten aus wie Allgäu light, passend zur Käsestadt in der es sogar ein „Australian Cheese Trainings Center“ gibt, keine Ahnung was man dort so trainiert. Aufgrund der Aufenthalte in Moruya und Tilba Tilba kommen wir nur noch bis Merimbula. Das Wetter wird immer schlechter also nehmen wir das letzte Zimmer des Hotels am Ortsausgang. Alles andere ist ausgebucht. Bei 130$ die Nacht kann man keinen Toaster auf dem Zimmer erwarten, meint der Hotelier aber wir könnten gerne den Barbecue Grill zum toasten nutzen. Na gut, da der gerade gegenüber des Zimmers auf dem Rasen steht und überdacht ist nutzen wir eben den.

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Mittwoch 4.1.2012

Start in Merimbula bei immer noch schlechtem Wetter aber es bleibt weitestgehend trocken. Die Fahrt führt über schöne Strecken teilweise durch dichten Regenwald. Der schönste Streckenabschnitt bringt mich fast zumVerzweifeln. Es gibt keine Haltebucht auf unserer Seite und die Strassenseite zu wechseln wäre bei diesen engen und aufeinanderfolgenden Kurven ziemlich leichtsinnig. Es ist zum verrückt werden keine Möglichkeit für ein paar gute Bilder. Na ja, dann geniessen wir eben nur, auch gut. In Genoa wollen wir entscheiden ob wir nach Mallakoota hinunter ans Meer fahren und dort übernachten wollen. Das Kaff besteht aus höchstens 10 Häusern hat aber ein Café Berlin. Die ausgediente Zapfsäule macht zu Beginn einen schönen nostalgischen Eindruck, eine ältere Frau sitzt mit einem grossen Hund auf der Veranda und eine Katze mit grausigem Augenkrebs sitzt auf einem Stuhl. Sieht alles doch ziemlich verwahrlost aus. Egal ein Kaffee geht immer bei Manu. Wir betreten den Café Raum und die Alte folgt uns, da sie mit dem Hund (nicht gerade sanft) deutsch gesprochen hat, frage ich auf Deutsch ob dies Kaffee- oder Espressobohnen wären. Die Antwort kommt prompt. Das wäre doch wohl egal, Kaffee ist Kaffee, das wäre doch wohl typisch Deutsch.. weiter kommt Sie nicht. Ich bin der Meinung, dass ich mir so etwas nicht anhören muss. Der restliche Wortwechsel ist nichts für das Tagebuch und wir verlassen die Bude wieder. Nostalgisch ist nun nichts mehr. Jetzt ist es nur noch verwahrlost und heruntergekommen. Wir gehen rüber zum Hotel Pub und bestellen zweimal Tee, ist auch nicht der Knaller. Warum könnt Ihr nicht einfach zwei Dosen Bier trinken wie mein Lieblingskunde hier an der Bar, scheint das Gesicht der Frau sagen zu wollen. Der Junge der da sitzt hat scheinbar schon länger Feierabend (es ist 15:00) denn die erste Dose steht schon leer vor ihm und die zweite ist im Anmarsch. Nach dem Tee ist die Entscheidung durch, wir ziehen draussen die Regenklamotten über denn es sieht nun schon bedenklich nach Regen aus und fahren weiter. Kurze Zeit später kommen wir nach Cann River. Auch ein kleines Kaff aber mit guter Infrastruktur. Hier holen wir den Cappu nach. Danach nehmen wir den Tourist Drive am Meer entlang über Conran Richtung Marlo. Marlo ist ziemlich ausgebucht und es ist nichts Vernünftiges zu finden. Wir fahren also weiter nach Orbost, dort sieht es wesentlich freundlicher aus. Irgendwie ist uns heute nicht nach einer einfachst Unterkunft und so fahren wir ein ordentliches Motel an. Da wir noch früh dran sind gehen wir vor dem Abendessen zum Einkaufen. Wir entscheiden 2 Nächte zu bleiben und kaufen ein paar Dinge die für uns ein gutes Frühstück ausmachen. Dazu gehören Avocado, Lachsforelle und Antipasti. Das Abendessen nehmen wir im Motelrestaurant zu uns, hört sich auf der Karte gut an ist dann aber etwas fad, macht aber nichts wir freuen uns schon auf unser tolles Frühstück am nächsten Morgen.

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Donnerstag 5.01.2012

Mit dem Zimmer haben wir mal wieder das grosse Los gezogen, es liegt direkt neben der Waschküche und Punkt 7:30 legen die Waschmaschinen los. Ich stolpere noch etwas schlaftrunken zur Rezeption vor und frage den Mitarbeiter (Baywatch-Verschnitt) ob sie damit nicht ein bisschen später anfangen können. Hmmh, schlecht dann werden sie mit der Wäsche nicht fertig aber morgen früh würden sie versuchen um 7:45 anzufangen meint er. Lass mal stecken morgen früh ist Abfahrt und wir müssen eh früher raus. Die Chefin des Hauses bemüht sich dann aber uns irgendwie zu helfen, bietet uns ein anderes Zimmer an. Wir lehnen dankend ab, haben wir doch in diesem Zimmer ,was ein Familienzimmer ist, eine richtige kleine Küche zur Verfügung und wie gesagt, wir müssen früh raus da wir es morgen bis Melbourne schaffen und dort nicht allzu spät eintrudeln wollen. Das Frühstück ist klasse, wenn man es selbst anrichtet gibt es seltenst unangenehme Überraschungen. Das Einzige was fehlt ist....was wohl, ein guter Cappuccino. Den genehmigen wir uns etwas später in einem der Cafés im Ort und noch dazu einen Segafredo, kaum zu glauben, ist dies doch mein Lieblingskaffee unter den normal Käuflichen. Wir schlendern noch etwas durch die kleine Stadt, bestellen im Pub ein Essen zum Mitnehmen und schauen uns in der Zwischenzeit eine kleine aber interessant aussehende Kirche an. Leider nur von aussen. Wie auch bei uns in Deutschland scheinen die meisten Kirchen ausserhalb der Messezeiten verschlossen zu sein. Als wir zum Pub zurückkommen kommt ein Triumph Gespann auf den Parkplatz gegenüber gefahren. Als der Fahrer den Helm abnimmt kommt eine rüstige ältere Dame in den Sechzigern zum Vorschein. Na das ist ja eine Überraschung, so ein Motorrad sieht man schon nicht alle Tage, dass eine zierliche ältere Dame so ein Teil fährt ist aber noch ungewöhnlicher. Die Erklärung gibt sie uns gleich darauf. Als Fahrerin eines Postie-Bikes wurde sie sehr schwer angefahren, so dass sie zum einen Ihren Job nicht mehr ausüben kann zum anderen kein normales Motorrad mehr bewegen kann. Bevor sie jedoch gar kein Motorrad mehr fahren kann hat sie sich das Gespann bauen lassen uns ist so wieder mit dem Ulysses Club unterwegs. Der Vorteil an dem Teil ist die riesengrosse Handtasche die sie jetzt immer dabei hat wenn sie mit ihrer Triumph unterwegs ist. Julianne ihre Freundin die mittlerweile dazugekommen ist fährt ebenfalls eine Triumph Bonneville allerdings ohne Seitenwagen. Wir reden hier natürlich von Motorrädern der neuen Triumph Ära. Vor Manu und ihrer 73er Bonnie haben sie grössten Respekt, mit so einem alten Motorrad würden sie diese Reise nicht wagen. Das Abendessen besteht heute aus den exklusiven Reste des Frühstücks.

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Freitag 6.01.2012

Frühstück gibt es heute im Café mit dem guten Segafredo Espresso. Dort treffen wir auch auf eine Gruppe die mit alten gepimpten amerikanischen Strassenkreuzern unterwegs sind. Auf Philip Island ist am Wochenende eine Custom Cars and Bikes Show, das hört sich ja interessant an, da könnten wir von Melbourne aus auch noch vorbeischauen. Aber das Tagesziel für heute heisst Melbourne auf mehr oder weniger direktem Weg. Ove Gehrmann ein Horizons Unlimited Mitglied erwartet uns schon und auch bei William Graus einem zweiten HU Mitglied wollen wir noch vorbeischauen. William wohnt in Mentone also mehr oder weniger auf dem Weg, so in etwa. Zunächst geht es über Lakes Esperance nach Bairnsdale. Lakes Esperance ist eine extrem touristisch geprägte Kleinstadt direkt am Meer bietet aber einige schöne Ausblicke westlich des Stadtrandes man kann von dort einen sehr grossen Bereich des Küstenstreifens überblicken. Vorgelagerte Inseln und Halbinseln die bis auf einen schmalen Strandstreifen völlig zugewachsen sind und ein optimales Revier für alle möglichen Seevögel bieten.

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Nach Bairnsdale wird die Fahrt recht unspektakulär und führt über eine breite, sehr stark befahrene Strasse. Das kann so nicht bleiben. Während der Fahrt schaue ich immer wieder auf die Karte vor mir in der Kartentasche des Tankrucksacks. Ich habe mir vor der Reise noch in einer Crash Aktion die Touratech Kartentasche auf den Held Tankrucksack aufnähen lassen. Der Vorteil ist die deutlich breitere Sichtfläche. Endlich habe ich einen Abzweig gefunden den wir nehmen können. Die Strasse erweist sich als wahrer Glücksgriff. Schmal ohne jeglichen Verkehr, recht guter Belag und führt durch schöne Blumenwiesen und Felder. Sie endet leider schon nach 14 Kilometern und mündet in der Strasse C106 nach Sale. macht aber nichts, auch die C106 ist eine Strasse 3. Ordnung und ebenfalls ganz relaxed zu fahren. Da wir uns nicht unter Druck setzen wollen wählen wir in Sale wieder die A1, soll heissen eben diese grosse langweilige Strasse die wir gerade so erfolgreich umfahren haben. In den Pausen telefonieren wir mit Ove und William von der Horizons Community. Beide haben uns angeboten einige Tage bei Ihnen zu übernachten. Aufgrund der Nähe zum Lagerhaus von Bikes Abroad, dem Transportunternehmen das unsere Motorräder nach Neuseeland und vielleicht sogar nach Deutschland bringen soll, entscheiden wir uns zunächst das Angebot von Ove anzunehmen. Wir verabreden uns mit ihm an einer Tankstelle, die 5 Minuten von seinem „Büro“ weg ist. In diesem „Büro“ werden wir die nächsten 2 Nächte bleiben. Das „Büro“ ist ein Industriegebäude mit einer tollen riesigen Garage mit Computerarbeitsplatz (war ein ehemaliger Möbelfertigungsbereich) und einem Ausstellungsraum mit angeschlossenem Bürobereich. Der Ausstellungsraum dient der Präsentation der speziellen raumsparenden Möbel der Firma Spaceworks. Eines dieser Möbelstücke ist ein Wandbett, das Ove selbst aufgebaut hat unsere Schlafstätte für die nächsten beiden Nächte. Ove hatte uns schon im voraus versichert, dass das „Möbelhaus“ nicht geöffnet hätte und, dass der Ausstellungsraum kein Schaufenster hätte in dem wir morgen früh aufwachen würden. Wir könnten keine bessere Unterkunft finden. Aber zurück zur Tankstelle, dort gabelt uns Ove mit seinem Mercedes Lieferwagen auf. Plan ist, dass er voraus fährt und wir ihm folgen. Soweit der Plan, Manu kickt die Triumph und ich drücke den E-Starter der Harley aber nichts passiert. Shit, die Batterie scheint am Ende oder der Starter hat irgend einen Schaden. Nun heisst es auch für mich ankicken. Da es schnell gehen muss mache ich kein grosses Aufheben und starte die Shovel mit dem Kickstarter und sie springt auch nach dem 3. Kick an. Bei Spaceworks angekommen widme ich mich sofort nach der Besichtigung diesem Problem. Da ich systematisch vorgehen möchte fange ich unten bei der Lichtmaschine an. Schon die erste Messung zeigt den Supergau. Die Lichtmaschine hat einen Schluss auf das Motorgehäuse. So eine Sch... hätte es nicht einfach der Regler oder die Batterie sein können. Ich bin den Rest des Abends nicht mehr so recht bei der Sache. Wir gehen in ein nettes kleines Thai Restaurant mit BYO ich zische also noch einmal ab und besorge eine Flasche Wein, immer in Gedanken bei der Lösung des Lichtmaschinen Problems. Als wir zurückkommen fange ich erst einmal an zu telefonieren. In erster Linie mit den beiden Stefans vom Big Twin Laden. Was, Schrauber-Stefan mir sagt macht die Lage noch etwas brisanter, die Kupplung, die wir kurz vor Abfahrt noch eingebaut hatten lässt sich nicht durch den Standard HD-Kupplungsabzieher von der Hauptwelle lösen. Jetzt fängt die Sache an interessant zu werden. Wir gehen erst einmal ins Bett. Morgen wollen wir auf die Suche nach einem Batterieladegerät gehen. Mit der Batterie sollten ohne Licht und E-Starter einige Kilometer am Stück machbar sein. Die Custom Show in Philip Island ist für uns erst einmal gestorben.  

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5. Januar 2012 4 05 /01 /Januar /2012 12:27

Freitag 16.12.2011

Der Tag beginnt sehr relaxed, ich stehe wie immer so gegen 7:30 auf um mir mein erstes Frühstück zu machen. Manuela hat eine Verabredung im Pup mit Lynn und Sheila einer Kolleginnen. Die Beiden treffen sich immer Freitags zum Lunch dort und haben Manu flugs integriert. Manu fährt natürlich mit dem Motorrad in die Stadt und die beiden Frauen sind beeindruckt. Wir verbringen den Rest des Tages mit Small (Tech) Talk, Tagebuch schreiben, schauen uns ein bisschen auf dem Hof um und sind noch einmal in Forbes zum Einkaufen. Neil zaubert einen tollen Lammeintopf zum Abendessen, das Fleisch dazu kommt natürlich von der Farm. Hier auf dem Land wird noch sehr viel in Naturalien gehandelt. Zweimal im Jahr werden für Freunde und Familie Lämmer geschlachtet. Neil versorgt dann einige seiner Bekannten (viele auch Farmer) mit Lammfleisch und braucht sich daher übers Jahr nie Tomaten, Gurken, Pfirsiche, Eier und ähnliches kaufen. Er wird mit so ziemlich allem versorgt was drumherum angebaut wird. Ich hab natürlich schon einmal gefragt warum er denn nicht selbst ein paar Hühner hat, die Begründung ist einfach. Es gibt eh hier und da mal eine der hochgiftigen Brown Snakes auf der Farm aber wenn man Hühner hat würden diese deutlich häufiger auftreten da sie die Eier lieben. Na da sind wir aber froh, dass die Eier aus dem Kühlschrank kommen, auch wir sind nicht scharf drauf diesen posierlichen Tierchen über den Weg zu laufen. Obwohl ich schon ganz gerne eine sehen würde. Solange man sie nicht ärgert bzw. in die Enge treibt oder versehentlich auf sie tritt greifen sie keinen Menschen an, im Gegenteil sagt Neil normalerweise suchen sie das Weite wenn sie die Schritte auf der Erde spüren. Ein gewisses Risiko bleibt jedoch bestehen und keiner in Australien (besonders mit Kindern) will dieses eingehen.

Samstag 17.12.2012

Heute tun wir exakt das was man eben so macht an einem Samstag, zunächst einmal Motorrad putzen. Neil hat natürlich alles Notwendige zur Hand vom Hochdruckreiniger bis zu verschiedensten Poliermitteln. In einer Gemeinschaftsaktion erledigen wir das in Windeseile und haben noch jede Menge Spass dabei. Ich will bei der Harley noch einen Ölwechsel machen, dazu muss das Motorrad noch gut warmgefahren werden. Ich schlage vor nach Forbes zu fahren und einen Cappuccino zu trinken. Manu will ein bisschen Tagebuch schreiben und zieht es vor auf der Farm zu bleiben. Wir setzen uns auf die Motorräder und fahren los. Als wir nach der unbefestigten Zufahrt die Strasse erreichen bleibt Neil noch einmal stehen und schlägt vor den Plan zu ändern und zu seinem Stamm-Pub zu fahren, klar warum nicht, meinetwegen auch das. Wir biegen also in die Gegenrichtung zu Forbes auf die Strasse ein. Als wir im „Fat Lamb“, so der Name des Pubs ankommen stehen dort schon 3 Harleys und es sitzen einige von Neils Kumpels und Bekannten davor. Es folgt ein tiefenentspannter Samstag Nachmittag mit ein paar Drinks viel Gequatsche und Gelächter. Ich habe echt Schwierigkeiten der Unterhaltung zu folgen. Ein extremer Dialekt, schnelles Sprechen und zwischen spätestens 3 Wörter „Fucking“ eingefügt macht das Verstehen nahezu unmöglich. Nach der zweiten Order erinnere ich Neil daran dass wir noch das Öl wechseln wollen, später dann nur noch daran, dass wir es zumindest noch ablassen müssen so lange es noch warm ist. Das kriegen wir dann auch noch gerade so hin. Nachdem wir uns verabschiedet haben fahren wir flott über die Hauptstrasse zurück. Der Samstag Nachmittag hätte nicht besser sein können. Das Öl ist abgelassen und wir sitzen in Forbes im Pub und essen zu Abend. Lynn ist dazu gestossen und wir sitzen später auf der Farm noch eine ganze Weile zusammen und diskutieren unter anderem darüber ob Neil seine Traumtour (mit der eigenen Harley) besser in Kalifornien oder in Deutschland macht. Diese steht immerhin im Juni 2012 an. Ich möchte ihn ja gerne zu Deutschland überreden, weiss aber nicht ob das wirklich eine gute Idee wäre, da unser Wetter ja bekanntlich deutlich unbeständiger als in Kalifornien ist. Nicht umsonst heisst der Song „It never rains in Southern California“, von Süddeutschland kann man das nicht gerade behaupten.

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Sonntag 18.12.2012

Heute sind Manuela und ich für das Frühstück zuständig. Es gibt, passend zur Diskussion von gestern Abend „Kalifornisches Frühstück“. Dazu werden Paprika leicht angedünstet, Rührei dazugegeben und Avocadostreifen, Tomatenwürfel und Schafskäse daruntergerührt. Das Ganze muss vom Herd bevor die Eier wirklich durchgebraten sind. Lynn muss am Nachmittag arbeiten und kann daher nicht allzu lange sitzen bleiben. Das ist allerdings eh nicht so die australische Art. Nachdemich den Ölwechsel abgeschlossen habe machen wir eine Tour über das gesamte Farmgelände. Am späteren Nachmittag holt Neil seine beiden Mädels und wir haben ein gemeinsames Abendessen. Pasta und ein Dessert á la Neil. Das war der Hammer, wir möchten das Rezept hier nicht verraten, werden es aber sicherlich einige Male auf unseren Geburtstagen oder ähnlichen Anlässen mit dem Namen Old Chiffer Peaches kredenzen, wir sind absolut sicher, dass das auch bei uns in Deutschland noch so gut schmeckt.

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Montag 19.12.2011

Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück. Zu Arbeiten gibt es heute nichts weil es in der Nacht zu stark und zu lange geregnet hat und die unbefestigten Wege zu stark beschädigt werden würden. Heu machen geht nach so einer Nacht ja auch gar nicht. Lynn bringt das Lunch vorbei und Neil bringt danach die Kids wieder zurück zur Mutter. Wir relaxen noch ein wenig, schreiben Tagebuch und fahren später mit Neil nach Forbes. Während er noch ein paar Dinge auf der Bank und der Post erledigt genehmigen wir uns mal wieder einen schönen Cappuccino und treffen uns später im IGA (Supermarkt). Montag ist der Tag an dem Lynette im Pub arbeitet und wir wollen sie dort besuchen, ist natürlich nicht ganz selbstlos ohne ein paar Bier kann man den Pub nicht mehr verlassen ohne seinen Ruf zu riskieren. Ich habe festgestellt, dass auch Altbier so einigermassen funktioniert, mehr als zwei (kleine) müssen es aber nicht sein. Als wir nach Hause kommen öle ich noch schnell die Luftfilter und montiere sie, morgen ist ja Abfahrt. Wir lernen auch noch Neils Eltern kennen, Neils Mutter erledigt den ganzen Papierkram der Farm uns sein Vater mäht ihm mal den Rasen oder unterstützt ihn mit anderen kleinen Arbeiten. Die Beiden haben ein eigenes Haus auf der Farm. Ausser diesen beiden Häusern gibt es noch ein Drittes in dem Neils Arbeiter wohnt. Dieses ist jedoch quasi am anderen Ende der Farm. Den Abend beschliessen wir mit Rotwein und Neil mit Jim Beam/Cola im Workshop bei den Motorrädern. Wir machen eine schöne Fotosession und philosophieren noch über dies und jenes. Ist einfach klasse in dieser Atmosphäre. Es riecht nach Metall, Öl und Benzin, so wie eben nur alte Motorräder riechen können. Ein wirklich würdiger letzter Abend.

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Dienstag 20.12.2011

Heute geht es wieder auf die Strasse Richtung Coonabarabran. Um nicht nur über den Highway (was hier allerdings eine normale Landstrasse ist) suchen wir uns eine Strecke über ein paar kleine Nebenstrassen aus und planen eine Übernachtung in Wellington ein. Neils Vater ist gerade beim Rasenmähen und warnt uns bei der Verabschiedung vor Wellington, viel Kriminalität dort, viele Arbeitslose, Aboriginies und Ausländer. Macht uns zu denken, da wir allerdings ja auch Ausländer sind schauen wir mal wie´s wird. Die Aboriginies haben sehr oft Alkoholprobleme und werden daher in den Städten oft als Problem gesehen. Woher sie diese Alkoholprobleme haben will dann wieder keiner mehr wissen. Es geht zunächst über die kleinen Strassen nach Parkes und weiter auf einer Strasse die auf unserer 2005er Karte noch als Dirt Road gekennzeichnet war, laut Neil jedoch mittlerweile komplett geteert und in gutem Zustand ist. Die wenigen Dörfer an der Strasse bestehen meistens nur aus ein paar wenigen Häusern, viele verlassen, die Läden vernagelt. Irgendwie muss der Landstrich schon bessere Tage gesehen haben.

Wellington ist tatsächlich ein nicht sehr anziehender Ort aber nach den Beschreibungen hätte es schlimmer kommen können. Wir fahren zunächst eine Runde durch den Ort um uns einen Überblick zu verschaffen und steuern dann die Touristen Information an. Die Lady dort schaut uns an, die Motorräder und auf meine Bemerkung hin, dass wir eine Unterkunft suchen wo man die Bikes wegschliessen kann verweist sie uns an das Hotel auf der anderen Strassenseite. Das sieht nun mal nicht so wahnsinnig einladend aus aber man sieht direkt daneben ein grosses Stahltor. Dahinter ein Hof, na dann lass uns das mal anschauen. Das Hotel wird von einer Frau geführt und scheinbar noch nicht sehr lange. Zimmer wären noch frei, kein Problem. Aber wir haben ja schon so einiges erlebt also wollen wir das Zimmer erst einmal sehen. DIE Boss instruiert eine andere Frau uns das Zimmer zu zeigen. Beim ersten Anlauf zeigt sie uns das falsche Zimmer, grässlich, das 2. Zimmer sieht dann ganz annehmbar aus. Nicht wirklich toll aber für die eine Nacht ok,wichtig ist Bad und Toilette auf dem Zimmer. Für 70$ ist das ok, Micro, Wasserkocher , Kaffee included. Zu Abend essen wir in einem dieser Clubs (in diesem Fall so ein „Alte Kameraden“ Club der Army) in denen man für diesen Abend Clubmitglied wird und einen entsprechenden Clubausweis bekommt. Wir gehen danach noch etwas durch die Strassen um zu sehen wo es morgen die besten Frühstückgelegenheiten gibt. Das sieht so schlecht nicht aus. Es gibt ein sogenanntes „Cactus-Café“ das gleichzeitig eine „ Kunstgalerie“ ist. Öffnet aber erst um 10:00. Da Manu vor Abfahrt noch duschen möchte ist das das perfekte Timing, wir werden eh nicht früher fertig sein.

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Mittwoch 22.12.2011

Den ersten Kaffee gibt es für Manu aus der Tüte (Instant), dafür wie immer ans Bett. Der zweite ist dann ein Echter nach der Dusche, ich war inzwischen bei der Bakery und habe einen Monster-Cappu bekommen. Als wir unsere Sachen gepackt haben machen wir uns sofort auf den Weg zum Cactus Café. Das Gebäude in dem sich das Cactus Café befindet wurde ca. 1850 als Kirche gebaut, 1930 in eine Schule mit Kindergarten und 1998 in das Café mit Kunstgalerie umgewandelt. Es ist im Stil der spanischen Missionen gebaut und verströmt eine tolle Atmosphäre.

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Danach geht es weiter Richtung den Warrumbungles, dem Naturpark bei Coona. Es geht wieder über kleinste Nebenstrassen, die in diesem Fall besser sind als so manche Landstrasse mittlerer Kategorie. Bei Mendooran kommen wir wieder auf eine etwas grössere Strasse doch nun brauen sich am Horizont schon etwas dunklere Wolken zusammen. Mann, wir werden doch nicht noch nass werden bevor wir Coona erreichen? 15Km vor der Stadt fällt die Antwort vom Himmel. Es ist das erste Mal, dass wir in Australien beim Fahren nass werden, 15km und es spritzt mehr als dass es regnet, sollen wir da unsere Regenklamotten rausholen? Ne, komm das wird vielleicht sogar wieder aufhören, derzeit steuern wir auf einen deutlich helleren Wolkenabschnitt zu. Weit gefehlt, es gibt einfach Dinge die immer gleich ablaufen, das Überziehen von Regenklamotten gehört dazu, manchmal zieht man sie bei den ersten Anzeichen über und brütet dann im tropischen Innenklima vor sich hin ohne, dass ein Tropfen Regen fällt, zieht man sie nicht über fängt es natürlich richtig an. Und so kommt´s auch dieses Mal. 5Km vor Coona werden wir noch einmal kräftig geduscht. Egal bei der Einfahrt in die Stadt scheint noch einmal die Sonne und lässt den Asphalt dampfen. Wir sind sehr früh dran also stellen wir die Motorräder gegenüber des Treffpunktes im 45° Winkel geparkt an den Strassenrand. Kaum sind wir 100 Meter weg von den Mopeds öffnet der Himmel wieder seine Schleusen. Es ist in Australien ganz angenehm, dass der Gehweg entlang den Geschäften zum grössten Teil überdacht ist und so schauen wir uns in Ruhe die Sturzbäche an die die Strasse entlang schiessen. Wir sitzen noch etwas in einem Café und schauen uns danach noch im Ort um. Um halb fünf laufen wir schon einmal Richtung Treffpunkt und siehe da, Norm kommt auch gerade an. Grosse Begrüssung und sogleich geht es raus auf die Farm. Ausgerechnet die Strasse zur Farm ist eine der Übleren, zwei „Flooding Areas“ und eine „neu gebaute“ Brücke machen das ganze nicht besser. Mir fällt auf, das sich der Fluss schon fast auf Höhe der Strasse befindet. Noch ein paar solcher Regengüsse und wir haben die erste Flussdurchfahrt wenn wir in die Stadt wollen. Auf der Farm werden wir auch von Kristin der deutschen Frau von Norman begrüsst. Kristin, ganze 16 Jahre jünger als Norman arbeitet im Teleskop als Spezialistin für Lichtwellenleiter und über Weihnachten in der Nachtschicht als Controller. Zum Abendessen gibt es Spaghetti mit einer tollen Tomaten-Gemüsesosse und Thunfisch. Schmeckt klasse, geht schnell und Manu weiss, dass ich Spaghetti jeden Tag essen könnte.

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Donnerstag der 22.12.2011

Manu muss erst mal richtig ausschlafen, sie schläft hier nachts extrem wenig. Die Frösche veranstalten des Nachts ein Wahnsinns Quackkonzert vor allem da es verschiedene Arten sind und jede ihre ganz eigene Art der Unterhaltung pflegt. Einer davon ist besonders störend, er lässt immer nur einen lauten „Blob“ und das so im 15 sec Takt. Das kann einem schon auf die Nerven gehen, da man sich in der kurzen Zeit auch nicht daran gewöhnen kann. Der Morgen startet mit einem gemeinsamen Frühstück. Draussen regnet es in Strömen. Wir wollen heute die Piliga-Pottery besuchen. Die Überlegung ist ob wir mit dem Auto oder mit den Motorrädern dorthin fahren. Ein Blick in den Himmel und die Beschreibung der Strassenverhältnisse (recht ruppige Offroad Strasse) lassen die Entscheidung zugunsten des Auto ausgehen. Als wir vom Highway abbiegen zeigt sich, dass die Strasse im einigermassen trockenen Zustand schon eine echte GS-Strasse ist. Die Pottery wird von Maria einer deutschen Auswanderin geführt. Neben der Töpferei gibt es noch eine Schmiede, ein Café mit sehr gutem Cappuccino, hausgemachtem Kuchen und toll aussehenden (und riechenden) Pizzen sowie eine Zimmervermietung. Diese befindet sich in einem alten Schulhaus und sieht schon von aussen sehr interessant aus. Während wir noch im überdachten Aussenbereich beim Kaffee sitzen geht gerade wieder ein starker Regenguss nieder. Er überschwemmt in kürzester Zeit den gesamten Aussenbereich und macht es schon schwer von der Töpferei in die Schmiede und wieder ins Café zu gehen. Nachdem wir uns alles angeschaut haben geht es wieder zurück. Die Strasse ist nun noch heftiger und wir sind wirklich froh im Auto zu sitzen. Zurück in Coona entschliessen wir uns zuerst in den Pub zum Abendessen und dann zum Einkaufen zu gehen. Im Pub gibt es eine Verlosung der örtlichen Feuerwehr, verlost werden verschiedene Fleischplatten mit Frischfleisch (seltsame aber nützliche Preise) gestiftet vom örtlichen Metzger. Wir kaufen jeweils Lose für 5 Dollar und Norm hat schon bei der ersten Runde das Glück eine solche Fleischplatte zu gewinnen. Damit ist das Essen im Pub schon bezahlt (nein, das geht natürlich auf unsere Rechnung), klasse Sache. Nach dem Essen geht es in den Supermarkt um noch alle benötigten Zutaten für die Vorspeise bzw. die Snacks fürs Christmas Dinner einzukaufen. Im Pub liegt noch die Fleischplatte also müssen wir da noch einmal vorbei. Um 21:40 sind wir dann wieder zu Hause, geschafft, das war ein langer Tag, dementsprechend müde hängt sich Norm vor den Fernseher und wir uns vor den Rechner. Das geht natürlich nicht allzu lange und wir beenden den Tag und gehen ins Bett.

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Freitag 23.12.2012

Wir bummeln heute ein bisschen, starten mit einem langen Frühstück auf der Veranda, waschen Wäsche, schreiben Tagebuch und ich philosophiere mit Norm welches die sinnvollsten Verbesserungen an einer R 80G/S der ersten GS überhaupt sind und welche eher Verschlimmbesserungen sind. Norman hat auf seiner alten G/S ca. 450.000km drauf. Er hat sie mit 100K gekauft und die restlichen 350K selbst auf allen Strecken Australiens gefahren. Er hat einige Ansichten, die ich so nicht teile muss allerdings gestehen, dass die Argumente mit den Kilometern, dem Birdsville Track, Odnadatta Track und eben fast jeder Offroad Strecke ausgenommen die Canning Stock Route schon sehr schwer zu widerlegen sind. Also höre ich aufmerksam zu und versuche das für mich wichtige zu extrahieren. Zum Abendessen gibt es heute Chili con carne á la Norm. Er hat extra für mich extrem mageres Hackfleisch (Heart Smart) besorgt. Zwiebeln werden sehr stark angebraten und verkocht, den Paprika kann ich separieren und die Bohnen hatte ich schon einmal einigermassen gut vertragen. Also steht dem Lieblingsgericht von Norman nichts mehr im Wege. Er legt in der Küche los und wir können uns entspannt auf der Veranda zurücklehnen und Vögel fotografieren. An die Futterplätze auf der Veranda kommen verschiedenste Vögel, Zaunkönige, Rosellas, eine weitere Papageienart die ich nicht mehr benennen kann, australische Tauben, Meg Pies, und sogar grosse weisse Kakadus mit gut 80cm Spannweite. Überhaupt ist der Vogelreichtum auf der Farm immens. Auf der Farm lebt auch „Butch“ der Butcher Bird. Heisst so weil er nur Fleisch frisst. Butch wird regelmässig hinter dem Haus gefüttert. Er hat dort seinen Teller und sieht ganz traurig aus wenn da mal nichts drin ist. Daher ist im Kühlschrank auch eine Tupperware mit der Beschriftung „Butch“, da ist dann immer etwas bevorratet falls es mal keine Essensreste gibt. Das Chili war klasse, davor ein Guinness, der Abend hätte besser kaum sein können.

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Samstag 24.12.2011

Heute haben wir Hochzeitstag. Da mir das gestern Abend noch siedend heiß eingefallen ist, konnte ich noch eine gute Flasche Sekt aus Kristins Vorrat kaltstellen und habe alles gerichtet, um Manu einen Espresso-Kaffee (durch den Filter, aber frisch gemahlen, der beste blaue Lavazza Espresso und per Hand aufgegossen) ans Bett zu bringen. Damit fange ich also mal nach meinem Frühstück an. Hochzeitstag heisst auch, dass ich Manu an diesem Tag etwas länger schlafen lasse. Ich kann mir also Zeit lassen, checke noch ein paar Emails und lese noch ein bisschen in einem Buch über Spinnen, Schlangen und Echsen in Australien. Interessant, was es in den Gegenden die wir durchfahren so alles gibt und gut wenn man zumindest eine Idee davon hat wie die lieben Tierchen so aussehen und was man von ihnen zu erwarten hat. Irgendwann ist es dann allerdings Zeit zum Aufstehen, auch am Hochzeitstag. Der Kaffee ist fertig, der Sekt prickelt im Glas, das heisst aber noch lange nicht, dass Manu freudestrahlend aus dem Bett springt. Sie muss erst mal zu sich kommen bevor sie das Alles so richtig geniessen kann. Nach dem ersten Kaffee und zwei Schluck Sekt geht es dann aber schon viel besser. Der Tag kann beginnen. Wir fahren mit Norman in die Stadt zu seinem „Stammtisch“ vor dem Kaffee in der Hauptstrasse. Die beiden Flooding areas auf der Strasse ins Ort sind tatsächlich leicht überflutet. Wir kommen ins Ort wo schon wieder ein tierischer Verkehr herrscht. Der Ort hat ca. 4000 Einwohner, besteht also nur aus der Hauptstrasse (mit breitem Mittelstreifen) und ein paar Nebenstrassen. Durch diese Hauptstrasse fahren an einem Wochentag bis zu 300 grosse Trucks teils mit einem aber viele auch mit zwei Aufliegern. Heute ist Samstag, da ist es etwas besser. Wir treffen beim Stammtisch einen alten Bekannten aus 2005 wieder, Peter, ehemaliger Polizist in Canberra, nun in Frührente weil er sich mit einigen Drogendealern und den involvierten korrupten Polizisten angelegt hat. Er fährt heute als Nebenverdienst einen Milchwagen, hat aber Donnerstag und Freitag frei. Es sitzt eine bunte Mischung von Leuten um den Tisch die alle eines gemeinsam haben, die Liebe zum Motorrad. Als wir schon sitzen kommt Hugh dazu, ein Zahnarzt wie sich herausstellt. Na das trifft sich ja prima, mein Zahnproblem ist noch immer nicht gelöst. Er lacht, klar im Januar hat er die Praxis wieder offen aber auch schon jede Menge Termine. Ob ich ihm denn mal das Röntgenbild schicken könnte um seinen Meinung zu hören frage ich. Klar das könnte ich schon tun und er gibt mir seine Email Adresse. So gegen 13:00 verlassen Manu und ich den Stammtisch, schliesslich ist unser Hochzeitstag und wir wollen noch etwas unter uns sein. Es ist eh Zeit für´s Mittagessen und so gehen wir rüber zum Hotel um zu sehen was es dort so als heutiges Lunch Special gibt. Als wir nach dem Essen auf die Strasse treten ist diese wie leergefegt. Samstag Nachmittag ist die Stadt kaum wieder zu erkennen, selbst die Frequenz der Lkw´s hat deutlich nachgelassen und unsere Motorräder stehen einsam an der Hauptstrasse. Bevor wir auf die Farm zurückkehren müssen wir noch einkaufen gehen, wir sind heute abend fürs Abendessen zuständig, es soll Karotten/Kartoffelbrei und Rindfleisch in brauner Sosse geben.

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Sonntag 25.12.2011

Norman und ich schneiden nach dem Frühstück einen Weihnachtsbaum. Da Norm das eher lästig ist, es für Kristin aber wichtig ist einen zu haben und ich weiss wie so ein Baum aussehen sollte zumindest in etwa muss ich etwas korrigierend eingreifen als er einen Baum auswählt der ca. 35cm hoch ist und 3-4 zersauste Zweige hat. Wir reden hier eh nicht über eine Nordmann Tanne sondern über irgend ein australisches Gehölz welches deutlich dünner ist als irgendeine Tanne, Fichte oder Kiefer bei uns. Wir haben nun also einen Baum den Manu und ich etwas schmücken mit dem was so da ist. Wir vermeiden die türkisen Kugeln und Zapfen, das wird uns doch zu grell mit Lila, silber und weiss. Sieht ganz ordentlich aus wie ich meine und einem deutschen Weihnachtsbaum zumindest ähnlich. Um 14:30 kommen Normans Tochter Seryna mit Familie und dem gesamten Abendessen im Auto. Nahezu zeitgleich schlägt Kristin mit dem Astronomen auf. Das Christmas Dinner findet in einem internationalen Rahmen statt. Norm, Seryna und Familie, Gerhard aus Australien, Wir aus Deutschland, Ned aus Baltimore USA, Mehmet aus der Türkei, Michelle aus Südafrika, John aus England und Eve Austauschschülerin aus Thailand. Es war ein sehr unterhaltsamer Abend aber um 19:00 müssen Kristin und die Astronomen wieder zurück zum Teleskop zur Nachtschicht. Wir anderen bleiben noch eine Weile sitzen, räumen danach noch auf, dann ist auch dieser Tag gelaufen. Ich gehe noch kurz in die Mails und habe eine Nachricht von Hugh dem Zahnarzt: „Be happy to see you on Tuesday“

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Montag 26.12.2011

Heute steht eine Besichtigung des Teleskopes auf dem Plan. Zuvor gibt es Mittagessen (Reste) bei Serena und Dave. Sie haben auch ein schönes Haus mit viel Holzboden und offenen Kaminen, alles schön alt aber eine brandneue moderne Küche. Wir nehmen Luke den Sohn der Beiden und Eve mit auf die Besichtigungstour. Luke kennt das alles natürlich schon aber für Eve ist es ebenso neu wie für uns. Die fahrt führt zunächst durch den Warrumbungle National Park und Norm drückt kräftig auf´s Gas weil wir grenzwertig spät dran sind. In der Kantine treffen wir Kris und die Tour geht los, es ist total neblig und wolkenverhangen um das Teleskop und so sind die Aussichten einen tollen Ausblick von der oben umlaufenden Plattform zu bekommen nahezu null. Wir schauen uns also in aller Ruhe die Innereien dieses Riesenteleskopes an und Kris kann uns sehr genau die Funktionsweise erklären. Kris fährt das Teleskop in verschiedene Positionen und es ist sehr eindrucksvoll wie sich dieses Monstrum und das Gebäude drumherum bewegen lassen. Als wir nach draussen auf die Plattform treten ist die Aussicht wider Erwarten gigantisch. Die Wolken haben sich nahezu komplett verzogen und bilden nun dramatische und ständig wechselnde Bilder der Bergketten um uns herum. Sie wälzen sich über Bergrücken, werden von Gipfeln gespaltet und bilden sich immer wieder um. Das ist viel besser als einfach ein strahlend blauer Himmel. Noch kurz zu einem Lookout hochgelaufen der noch den kleinen Bereich sichtbar macht der von der Plattform nicht einsehbar war dann geht es zurück nach Coona. Wir stoppen beim Chinesen um uns ein Abendessen mitzunehmen, liefern die beiden Kids ab und fahren zurück auf die Farm. Was dann folgt ist schon Routine, Abendessen, Guinness, Veranda und ab ins Bett.

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Dienstag 27.12.2011

es ist immer noch Feiertag. Manu und ich wollen heute den ersten Walk in Angriff nehmen. Allerdings steht dazwischen noch der Zahnarztbesuch an. Manu und ich fahren mit dem Auto in die Stadt, Norm fährt mit dem Motorrad schon voraus und wir treffen uns am Café. Ich muss vor der Tortur noch einen Cappuccino und ein Sandwich haben, wer weiss wann ich das nächste Mal etwas zu Essen kriege. Hugh hatte mir ja nicht gesagt was er meint was getan werden müsse, ist natürlich auch schwer einfach so nach der Beurteilung des Fotos. Da die Zahnärztin in Bendigo von Zahnziehen etc gesprochen hatte mache ich mich auf diese Horrorszenario gefasst. Um 12:00 verabschieden wir uns und gehen zur Praxis um die Ecke. Hugh erwartet uns schon und los geht’s. Am Ende sind beide Zähne noch drin und die Füllungen erneuert. Da der Tag nun schon fortgeschritten ist kann es nur noch ein kurzer Walk werden. Wir wählen den Fans Horizons Walk, das sind „nur“ 2km hin und 2 zurück. Das sollte nur zur Einstimmung dienen. Was wir überlesen haben sind die jeweils 1000 Stufen. Diese haben einen so ungünstigen Abstand, dass der „kleine“ Walk zur Tortur wird. Ein Waran den wir aus nächster Nähe beobachten können reisst die ganze Sache raus. Toll, und er läuft relativ unbeeindruckt im Wald neben dem Weg vor uns her und dann quer darüber um dann langsam im tieferen Gebüsch zu verschwinden natürlich nicht ohne vorher fotowirksam noch einmal umzuschauen. Damit ist der Tag gerettet, die Kängurus zählen nicht mehr als Attraktion. Dennoch sind wir ziemlich „Wadenplatt“ als wir wieder am Auto sind. Der Tag endet mit dem obligatorischen Guinness auf der Veranda (Manu bevorzugt Rotwein). Wir sitzen draussen bis lange nach Sonnenuntergang und lauschen der immensen Geräuschkulisse die so eine Umgebung nachts bietet, schön auf der Veranda, manchmal etwas too much im Bett.

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Mittwoch 28.12.2011

Heute soll es nun der grosse Walk werden, der Grand High Top, hört sich schon gut an. Wir sind allerdings sehr spät dran, Manu hatte mal wieder eine sehr ungute Nacht also habe ich sie länger als abgesprochen schlafen lassen, geweckt durch den morgendlichen Kaffee am Bett ist sie nicht sonderlich begeistert, dass sie sich jetzt etwas beeilen soll also lassen wir es wie immer ruhig angehen, dann wird’s halt nur der Gould´s Circuit mit ca. 7km. Wir starten in die Walks die zunächst alle auf der gleichen Strecke liegen. Als wir zum Gould´s Abzweig kommen ist Manu der Meinung, dass wir den Grand High Top doch noch schaffen könnten. 13 km „moderate with steep sections“ na dann los. Der Weg hat es in sich. Zu Beginn easy, nicht mehr als eine leichte Pfälzerwald Wanderung legt er auf Mitte der Distanz zu den Gipfeln richtig los. Wird steiler, geht über Treppenstufen die Felswände empor und beinhaltet noch eine kurze Klettereinlage kurz vorm Gipfel. Wir sehen ein wildes Mufflon ( so eine Bergziege aber mit gewaltigen Hörnern) mehrere Kängurus und treffen einen Mann, der uns Steine zeigt, die wenn man sie aufbricht die Farbe enthalten mit denen die Aboriginies ihre Felsmalereien gestaltet haben. Auf dem Gipfel ist klar, dass sich jede Anstrengung hier hoch zu kommen gelohnt hat. Die Aussichten von verschiedenen Stellen sind gigantisch. Man kann auf einen hohen nur ca. 2m breiten Bergrücken hinauslaufen von dem man schon eine tolle Aussicht auf das sogenannte Breadknife hat, ein Bergrücken der hoch, extrem schmal und die Form des Wellenschliffs eines Brotmessers hat. Ganz oben hat man dann eine grandiose Rundumsicht. Zufrieden klettern wir wieder bergab ins Tal und dann zum Parkplatz. Wir fahren runter ins Ort, nehmen im Woolworth noch ein gegrilltes Huhn und Knoblauchbrot mit und fahren zurück auf die Farm. Unterwegs rufen wir Norm an, dass er den Ofen vorheizt. Heute bleibt das Guinness aus. Es ist schlichtweg keines mehr da, dafür haben wir unseren Standardwein mitgebracht.

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Donnerstag 29.12.2011

On the road again ist angesagt, zwar nur zurück nach Forbes aber egal zu lange an einem Ort ist nix für uns, es wird jetzt wieder Zeit mal ein paar Kilometer zu fahren. Natürlich wollen wir uns beim Café von allen verabschieden und fahren gemeinsam mit Norm ins Ort. Dementsprechend spät kommen wir weg. 12:30 ist Abfahrt, es geht über den Newell Highway nach Forbes. Eigentlich dachte ich der Highway wäre recht langweilig, wir müssen jedoch feststellen, dass dem auf keinen Fall so ist. Es ist eine Fahrt durch eine weite Landschaft mit Bergrücken am Horizont, viel Weideland aber auch Getreidefelder und einer sehr weiten Streuung von Farmgebäuden, Windradpumpen und Wasserlöchern. Nach einer herzlichen Begrüssung auf der Farm machen wir uns klar zum Stadtausflug, kurz in die leichten Klamotten gesprungen und los geht’s. Bei Lynn ist gerade so etwas wie eine Gartenparty im Gange. Wir werden kurz vorgestellt und sind integriert. Small Talk hier und da, ich werde unruhig, es ist schon nach 7:00 und weit und breit ist kein Essen in Sicht. Was bzw. wann es denn etwas zu essen gäbe frage ich mal vorsichtig. Selbstgemachte Pizza und ja sie denkt, dass Greg bald damit anfänge. Damit ist klar, dass das Essen für mich heute ausfällt. Die Pizza kommt dann auch so gegen 21:00.   

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26. Dezember 2011 1 26 /12 /Dezember /2011 01:31

Mittwoch 7.12.2011

Wieder einmal zusammenpacken. Wir wollen heute bei Neville Cooper von Coopers Automobiles seines Zeichens Subaru Händler in Hamilton vorbeischauen. Daryl hat ihn uns als einen extrem versierten Mechaniker für englische Motorräder empfohlen. Wir hatten uns gestern auch per Email bei ihm angekündigt und hatten auch sofort eine positive Rückmeldung seinerseits bekommen. Wir könnten natürlich vorbeischauen und er würde sich des zu langen Gaszuges annehmen. Vor der Abfahrt schauen wir noch im Café „The Whistling Cat“ vorbei. Mit den beiden Besitzerinnen hatten wir am Vorabend noch einen kurzen Small Talk weil ihr Café einfach toll eingerichtet ist. Sie hatten uns von ihrem Kaffee vorgeschwärmt und so etwas müssen wir als alte Kaffeeliebhaber natürlich überprüfen. Es ergibt sich noch ein sehr angeregtes Gespräch und so kommen wir mal wieder später als geplant weg. Macht nichts, es sind nur 156km also ein Katzensprung, wenn nicht... Auf dem Glenelg Highway geht es über Casterton und Coleraine wo wir noch einmal tanken Richtung Hamilton. Wir stoppen noch bei den Wunna Falls, die allerdings nicht allzuviel Wasser führen und so weit weg von der Darstellung auf den Werbetafeln an der Strasse sind. Ausser ein paar einzelnen Touristen treffen wir auf 3 Waldarbeiter. Ein kurzes „Hi, how´s it going“ und wir sind im Gespräch, woher, wohin und was sind das für Motorräder etc. etc. Einer der Jungs mit langen Dreadlocks kommt noch einmal zu uns rüber und bietet uns an bei ihm zu übernachten. „Come by if you need a shower, a meal or staying the night“, er schreibt uns noch seinen Namen und seine Telefonnummer auf ein Stück Papier was er aus der Tasche fischt und wir fahren weiter, wir waren jetzt auf Neville und die Triumph Aktion programmiert. Bei Coopers Automobiles angekommen werden wir von Faye, Nevilles Frau begrüsst. Die Geschäftszeit ist so gut wie vorüber und wir können beide Motorräder in die Werkstatthalle fahren. Bevor wir an der Triumph arbeiten trinken wir noch einen Tee und fahren zu Nevilles Haus um einige Gaszüge anderer englischer Bikes zu besorgen, wir wollen ja ausser der Kürzung des Gaszuges von Daryl auch noch einen Ersatzzug bauen. Bei Nevilles Haus angekommen öffnet er seine Unterstellhalle in der all diese Schätze stehen von denen uns schon Daryl erzählt hat. Eine ganze Sammlung alter und noch älterer Motorräder, vorwiegend BSA jedoch auch einige ganz ausgefallene Modelle wie ein Imperial, eine uralte australische Maschine mit 2 Zylinder JAP Motor von denen es nur noch einige wenige existierende Exemplare gibt. Es ist unglaublich was in dieser kleinen Halle alles unter sauberen Abdeckungen schlummert, von den Baustellen ganz zu schweigen. Nev hat alle Züge gefunden und wir fahren zurück zur Werkstatt die Triumph muss ja auch mal fertig werden. Der alte Gaszug wird fachmännisch gekürzt und aus den anderen Zugresten wird ein Ersatzzug gebaut, Neville ist wirklich Mechaniker alter Schule. Es ist schon spät als wir mit alldem fertig sind und Nev bietet uns an bei Ihnen zu übernachten. Das nehmen wir natürlich gerne an, allerdings nur wenn wir die beiden zum Abendessen einladen dürfen. Das geht in Ordnung und wir haben einen langen und sehr angenehmen Abend.

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Donnerstag 8.12.2011

Während des Frühstücks und der Diskussion darüber wie wir weiterfahren kommt uns wieder Julian der Waldarbeiter und eigentlich Schafsfarmer in den Sinn. Schafsfarmer mit Dreadlocks ist ja auch recht ungewöhnlich also entscheiden wir uns seine Einladung anzunehmen und nehmen uns vor ihn baldmöglichst anzurufen. Zu Hamiltons „Highlights“ zählen der botanische Garten und das Ansett Museum (Luftfahrt). Da wir noch mit Julian telefonieren wollen starten wir im botanischen Garten um etwas Ruhe dabei zu haben. Nun siehe da, einer der drei Waldarbeiter, eine junge Frau, arbeitet heute im botanischen Garten und da die drei als Team arbeiten treffen wir auch wieder auf Julian. Na klasse, da haben wir uns doch das anrufen gespart und irgendwie zeigt dies, dass es wohl so sein sollte. Wir verabreden, dass ich noch einmal mit der Karte vorbeikomme damit er mir zeigen kann wo die Farm liegt, Schafsfarmen liegen nun mal seltenst in der Stadt. Als wir zu den Motorrädern laufen esse ich noch eine Kleinigkeit und da passiert es. Mit einem leisen „Knack“ verabschiedet sich ein Teil meines linken oberen Weisheitszahns. Shit happens, das hätte ich nun wirklich nicht gebraucht. Neville ruft einige Zahnärzte in Hamilton an aber keiner kann uns einen Termin anbieten, alle ausgebucht. Das Sinnvollste ist wohl auf unserem weiteren Weg nach einem zu suchen aber morgen ist Freitag und damit startet das Wochenende also nicht sehr hilfreich.

Nev findet eine Zahnärztin in Bendigo, 300km von Hamilton und bekommt einen Termin morgen um 16:00. Das heisst, früh aufstehen wenn wir nicht gerade hektisch durch die Botanik rasen wollen.

Ich weiss es hört sich nach reichlich Zeit an aber mit ein paar Stops zum Essen, Tanken und Schauen ist die Zeit schnell aufgebraucht. Mensch fast hätten wir vergessen mit der Karte noch bei Julian vorbeizuschauen. Ich greife mir den Motorcycle Atlas, mache mich auf den Weg und komm gerade noch rechtzeitig zu seinem Feierabend. Er zeigt mir auf der Karte den Weg und mahnt mich noch die letzten 5km wären eine recht grobe unbefestigte Strasse. Auweia, wenn die Aussies schon „recht grob“ sagen dann hat das etwas zu heissen. Er beruhigt mich auch nicht gerade mit dem Spruch „..but you will make it, you both are surely experienced riders“. Die befestigte Strasse ist schon nicht die Beste aber die unbefestigte ist dann schon etwas grenzwertig für die beiden Ladies. Speziell auch für die Harley, die doch recht beladen ist. Der Zustand des Weges wechselt desöfteren zwischen gut fahrbar, gröberem Schotter und weicheren Sandpassagen wobei die eigentliche Herausforderung die engen Kurven und die steilen Hügelauf- und abfahrten darstellen. Dazu kommt, dass es permanent nach Regen riecht und ich will mir noch gar nicht vorstellen wenn wir da morgen früh auf einer regendurchweichten Oberfläche wieder raus müssen.

Nach der Begrüssung setzen wir uns mit einem Bier auf die Veranda und bewundern die schöne Aussicht. Gegen 18:30 kommt auch Julians Frau Agnes aus der Stadt zurück. Beide arbeiten neben der Farm in weiteren Jobs. Agnes hat auch die drei Mädels Ruby, Beth und Phoebe dabei. Es folgt ein gutes Abendessen und ein langer Abend auf der Veranda mit Blick über die einsame Hügellandschaft. Die Beiden haben einiges Wissen über die Kultur der Aboriginies in Ihrer Umgebung und auch deren Kräuteranwendungen. Ag bringt einige Zweige eines Krauts gegen Mücken mit dem wir uns die Beine einreiben und siehe da wirkt besser als jedes Mückenmittel bei uns.

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Freitag 9.12.2011

Gegen 6:00 werden wir wach. Ag meinte sie würde uns so gegen 6:30 wecken aber das ist nicht nötig. Das Haus ist sehr offen und damit ist man geräuschtechnisch immer mitten im Geschehen. Wir machen uns auch schnellstmöglich startklar. Eine Katzenwäsche, ein kurzes Frühstück und noch ein paar Bilder mit der ganzen Familie dann müssen wir uns voneinander verabschieden. Es ist schon komisch, man lernt diese Menschen nur sehr kurz kennen aber die Verabschiedung kommt immer von Herzen. Durch die schnelle Einbindung hat man das Gefühl, dass man immer einen relativ tiefen Einblick in das Leben des Anderen bekommt auch wenn klar ist, dass es sich nur um einen kurzen Augenblick in dessen Leben handelt. Julian zieht als erster los, Ag folgt mit den Kindern ca. 30 Minuten später, dann sind wir allein im Haus. Wir beeilen uns natürlich, dass wir auch auf die Strasse kommen, haben wir doch noch die 5km Offroad vor uns. Um 8:30 sind wir dann auch unterwegs, klasse wir liegen ganz gut in der Zeit. Der Regen über Nacht war wohl nicht sehr ergiebig und heute morgen fallen nur einmal ganz kurz ein paar Tropfen, so dass die Strasse wieder einigermassen gut befahrbar ist. Auf der Teerstrasse geht es dann erst einmal zurück nach Hamilton und dann weiter vorbei an den Grampians durch Dunkeld Richtung Bendigo und Ballarat. Es geht also weiter durch das ehemalige Goldgräbergebiet. Bei Glenthompson müssen wir Richtung Ararat abbiegen. Zuvor wollen wir im dortigen Roadhouse noch etwas essen und einen Cappuccino trinken. Als wir danach gerade wieder starten wollen spricht uns ein Mann in Arbeitskleidung an. Total speckige ärmellose Jacke, verwaschene Jeans, die typischen australischen Arbeitsstiefel und ein sympatisches Grinsen auf dem Gesicht. Schafsfarmer sei er und wo wir denn so herkommen. Ob wir denn jemals gesehen hätten wie Schafe geschert werden? Natürlich nicht..aber der Zahnarzt...na ja, ein paar Minuten kann man ja investieren, wir liegen wirklich gut in der Zeit. Also folgen wir ihm zu seiner Farm, natürlich wieder ein kleines Stück offroad aber nur ein sehr kleines Stück. Im Stall sind 4 Mann am Scheren. 4 weitere sind damit beschäftigt die Wolle zu sortieren und wegzupacken. Leigh erklärt uns noch einiges über Wollqualitäten, Preise etc. Dann müssen wir wieder los. Es geht jetzt über Ararat und Avoca nach Bendigo. Keine spektakuläre aber recht schöne Strecke. Allerdings muss man sagen, dass Victoria die schlechtesten Strassen aller bisher durchquerten Bundesstaaten hat. Die Asphaltstrassen sind extrem heimtükisch, man sieht die Dellen nicht oder zu spät, da sie meistens keine Aufrisse aufweisen aber extrem tief sind und das ganze Motorrad bis zum harten Anschlag in die Federn drücken. Die Motorräder müssen hier so einiges wegstecken. Wir sind 10 Minuten vor 16:00 bei der Zahnärztin, Diagnose heisst: Weisheitszahn am besten ziehen, da durch Karies angegriffen und eh nicht wirklich nötig und ein weiterer Zahn weiter vorne müsste eine neue Füllung bekommen allerdings ist die Karies dort auch recht tief und es könnte zu einem Ausbruch kommen wonach man dann kronen müsste. Da muss ich erst einmal schlucken. Ich erkläre dem Team, dass ich keine Woche hierbleiben will und ich mich zunächst mit meinem Zahnarzt in Deutschland beraten möchte. 50$ fürs Röntgen und 50$ fürs Gespräch und ich bin wieder draussen mit der Zusage, dass man mir das Röntgenbild sofort schickt um es wiederum meinem Zahnarzt zu schicken.

Wir suchen uns zunächst einmal ein Motel, keine billige Angelegenheit in einer Stadt wie Bendigo da das Gold jetzt nicht mehr auf der Strasse liegt muss man es eben woanders her bekommen.

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Samstag 10.12.2011

Manuela möchte beim nächsten Stop wieder zwei Nächte bleiben um Wäsche zu waschen. Das Beste wäre wohl ein Caravan Park, da wir hier auch wieder selbst kochen können. Damit kann man eine Menge Geld sparen und vor allem etwas wirklich Gutes essen. Wir wählen Wangaratta als nächsten Stop. Das Wetter hört sich in der Vorhersage sehr unbeständig an und so sieht es auch aus. Das Glück ist auf unserer Seite, Regenschleier aus dichten Wolken rechts und links von uns und bei uns ist noch nicht einmal die Strasse nass. Wir fahren sauber zwischendurch. Die Strassen sind allerdings wieder recht besch.... Bei Glenrowan fahren wir vom Freeway ab, eigentlich nur um auf den Landstrassen noch eine Einkaufsmöglichkeit zu finden. Glenrowan stellt sich als das letzte Rückzugsgebiet von Ned Kelly heraus. Ned war ein Bushranger, sowas zwischen Robin Hood und Billy the Kid aber die Einahmen seiner Raubzüge hat er wohl schon mehrheitlich für sich behalten. Bei seinen Überfällen schützte er sich durch eine stählerne Rüstung am Oberkörper und einem ebensolchen Helm auf dem Kopf. Sieht schon schräg aus, hat ihm auch nicht so viel geholfen, im Alter von 26 Jahre wurde er im Gefängnis in Melbourne gehängt. Wangaratta ist eine Stadt mit tollen Einkaufsmöglichkeiten und schönen Cafés. Im Caravan Park bekommen wir eine Cabin mit Bad und WC, nicht wirklich günstig aber wenn man die Kochmöglichkeiten in Betracht zieht ist es doch um einiges billiger als ein Motel. Der Platz ist schön am Fluss gelegen mit einigen Bäumen und mit einer Fussgängerbrücke direkt in die Stadt.

Am Abend gibt es Spinat-Linguine mit Oliven, getrockneten Tomaten und einem guten Fisch. Für so etwas bezahlt man im Restaurant locker 33$ pro Person und wir haben noch soviel übrig, dass ich noch zwei mal davon essen kann. Wenn man soviel Geld spart ist das natürlich einen sehr guten Rotwein wert. Der hält allerdings nicht ganz so lange.

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Sonntag 11.12.2011

Heute lassen wir es sehr gemütlich angehen, ausschlafen, früstücken, Wäsche waschen und aufhängen und dann erst mal für ´nen Cappuccino in die Stadt den bekommen wir auch direkt über der Brücke und einen wirklich Guten. Wir haben den Laptop dabei da wir im McD noch ein bisschen Mailen, Blog laden und unseren Transport nach Neuseeland klären wollen. Es sind einige Shops geöffnet, die Supermärkte (auch Aldi macht sich mittlerweile in Down Under breit, nicht zu fassen) aber auch der australische Media-Markt Harvey-Norman oder sein Konkurrent Dick Smith. Leider sind einige der Cafés geschlossen, die haben Sonntag nur selten auf, verkehrte Welt. Am Abend wird wieder selbst gekocht und es gibt eine Flasche Coopers Pale Ale, einem Bier mit ähnlich geringer Kohlensäure wie Guinness und so für mich einigermassen trinkbar.

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Montag 12.12.2011

Eigentlich wollten wir heute fahren, ..eigentlich.., entscheiden dann aber doch noch eine Nacht zu bleiben. Manu hat sich noch einmal richtig ausgeschlafen und ich war schon mal in einem Café mit Internetzugang und habe unsere Mails gecheckt. Noch eine Monster-Mug Cappuccino Extra Shot to-take-away und es geht wieder zurück zu unserer Cabin. Habe eigentlich schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen, da ich doch schon einige Zeit weg bin. Hätte mir aber denken können, dass ausschlafen bei Manu einen gewissen Unendlichkeitsfaktor beinhaltet. Nun muss ich sie also wecken, da sonst der gute Cappuccino kalt wird. Der Rest des Tages wird wieder mehr oder weniger verbummelt. Ein bisschen Einkaufen noch einmal ins Café, dann ist es schon wieder Zeit sich Gedanken ums Abendessen zu machen.

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Dienstag 13.12.2011

Heute ist endgültig Abfahrtstag. Wir stehen früh auf um einigermassen früh wegzukommen. Mit duschen, frühstücken, Essen warmmachen für „on-the-road“ und spülen wird es trotzdem 9:15 bis wir loskommen. Es steht noch ein Kurzbesuch bei Touratech Australia auf dem Programm, wir haben das schon am Vortag vereinbart. Carboor die Ortschaft wo TT-AUS ansässig ist, ist wirklich „in-the-middle-of-nowhere“, danach kommen nur noch Gravelroads. Am Eingang empfängt uns nun Lauren, die wir schon angerufen hatten da wir die Location partout nicht gefunden hatten. Lauren arbeitet für TT AUS. Ihr Boss ist Robin, Chef verschiedener Firmen, zum einen TT AUS, Safari Tanks und einer Firma für Kajaks und Kanus die teilweise im gleichen Verfahren wir die Tanks hergestellt werden. Dabei handelt es sich um ein Rotationsgiessverfahren, was man sich vereinfacht wie das Giessen von Osterhasen oder besser zur Jahreszeit passend Weihnachtsmännern vorstellen kann. Klasse, das hätten wir nun ja nicht gedacht, dass wir eine so interessante Führung durch diese Firma bekommen. Nach fast zwei Stunden müssen wir los wenn wir noch unser Tagesziel Khancoban erreichen wollen. Es ist eine sehr schöne Strecke über den Murray Valley Highway mit vielen schönen Ausblicken ins Tal des Murray River und es geht flott voran. Wir kommen so zeitig in Khancoban an, dass wir uns noch zu einem Cappuccino, dem grössten auf der ganzen Reise verführen lassen. Wir kommen ins Gespräch mit einer der Oranisatorinnen eines von der Community initiierten Motorradtreffens. Das Treffen findet im März 2012 statt, schade wir hätten es gerne besucht. Natürlich wird es jetzt wieder sehr spät bis wir ein Abendessen in unserem Hotel bekommen. Wir sitzen danach noch etwas länger am Tisch und hören Musik aus der Jukebox. Die Jungs am Billiardtisch haben sie geladen. Teilweise nicht schlecht, teilweise gar nicht mein Fall. Ich schau mir so den Inhalt der Jukebox an und finde, dass da bedeutend mehr Potential drinsteckt. Alice Cooper, Whitesnake, Janis Joplin und.... Johnny Cash. Letzterer bringt die Jungs sogar zum Mitsingen. Danach heisst es noch Motorräder parken und dann ab auf´s Zimmer.

 

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Mittwoch 14.12.2011

Nach einem kurzen Frühstück auf dem Zimmer ziehen wir los und wollen in Thredbo ca. 70km entfernt ein zweites Mal frühstücken. Die Strasse ist im Australian Motorcycle Atlas beschrieben und das „a bit narrow“ ist sehr wörtlich zu nehmen. Sie geht wie eine Achterbahnfahrt durch den Nationalpark, teilweise in sehr schlechtem Zustand vor allem wenn es nach oben oder nach unten geht bzw. in Kehren fallen die Strassenränder steil ab und sind stark beschädigt. Da diese meistens im Schatten der Bäume liegen ist dies sehr schlecht zu erkennen und reduziert deutlich den Spassfaktor den diese Strasse bieten könnte. Dem Strassenzustand ist es auch zu verdanken, dass aus dem zweiten Frühstück schon eher ein frühes Mittagessen wird. Thredbo ist ein gesichtsloser Ort, ein typisches „Resort“, Häuser in modernen völlig unzusammenhängenden Stilrichtungen. Man sieht ihm einfach an, dass dies kein gewachsenes Dorf ist. Ein Guide möchte uns das Dorf noch so schmackhaft machen, dass wir doch wenigstens noch einen Tag bleiben sollten. Dass die Gebirgslandschaft um den Mt. Kosciuszko sehr beeindruckend wäre und wir so etwas in Europa noch nicht gesehen hätten. Zum einen glaube ich ihm das so nicht, zum anderen ist das Ort so reizlos und die Unterkünfte so teuer, dass es uns wirklich nicht reizt hier weitere Tage zu verbringen.

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Die Fahrt geht weiter über Jindabyne nach Adaminaby, wo wir noch einmal anhalten um einen Cappuccino zu bekommen. Nahezu alle Läden und Cafés im Ort sind geschlossen, es ist Mittwoch Nachmittag. Die Einzige Ausnahme macht wie immer das Hotel mit Pub. Wir kommen ins Gespräch mit einem anderen Gast, der nach uns die Bar betreten hat. Er fährt einen Cadillac Coupé aus den 60ern und warnt uns vor der Strecke entlang des Seeufers kurz vor Tumut, es wären dort sehr viele Kängurus unterwegs. Die werden aber erst kurz vor Sonnenuntergang aktiv, da wir dort deutlich früher vorbei sein sollten machen wir uns keine weiteren Gedanken darüber. Kaum kommen wir in die Nähe des Sees, zeigt es sich, dass diese Kängurus weitaus früher aktiv sind. Über die 30km verteilt sind es sicher Hunderte die links zwischen Strasse und Seeufer aber auch rechts der Strasse zu den Bergen hin auftauchen. Selbst in den Vorgärten der vereinzelt stehenden Häuser tummeln sich jede Menge dieser possierlichen Tiere. Beim Vorbeifahren nehmen die meisten Reißaus und dies auch von der Strasse weg. Aber das eine oder andere der Tiere wechselt auch noch einmal die Richtung und kreuzt plötzlich noch einmal die Strasse. Da ist wirklich höchste Vorsicht geboten. Als wir in Tumut ankommen bieten sich dort so einige Übernachtungsmöglichkeiten. Von Hotels über Motels und Caravan Parks ist alles dabei. Wir entscheiden uns mal wieder für eine etwas preiswertere Unterkunft und buchen ein Zimmer in dem Hotel in dem wir auch zu Abend essen. Die Motorräder bekommen einen kameraüberwachten Platz hinter dem Hotel und wir ein extrem einfaches Zimmer.

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Donnerstag 15.12.2011

7:30, ich möchte mir im Aufenthaltsraum (2x3m) gerade ein Müsli machen, da startet nebenan ein Monsterstaubsauger. Ich geh rüber ins Zimmer und frage die Putzfrau ob dies nicht noch etwas früh wäre für einen solchen Lärm, ja schon meint sie aber diese Zimmer müsse sie jetzt noch fertig machen. Ich sage ihr deutlich, dass ich davon nicht sehr begeistert bin, da Manu ja noch schläft. Na, sie ist mit dem Zimmer jetzt eh fertig und zieht ab. Ich mach mir mein Müsli und esse es draussen auf der Feuertreppe danach noch einen Kaffee aufbrühen und ich kann Manu aufwecken. Da Sie eh nur noch am schlummern war wie sie es nennt ist sie relativ schnell auf den Beinen, der Kaffee tut sein Übriges. Was natürlich auch hilft ist die Umgebung. Das Zimmer lädt nicht unbedingt dazu ein den Morgen im Bett zu verbringen und so stehen wir schon bald unten auf der Strasse, die Motorräder schon gepackt aber noch hinter dem Hotel geparkt und steuern die Bakery für ein kurzes Frühstück an. Danach heisst es auf nach Forbes und zu Neil. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen. Um ehrlich zu sein wir kennen uns nur von einem Abend im Hotel Pub aber so eine Nacht und die Liebe zu den alten Shovelheads ist mehr als manch andere in 3 Wochen Urlaub aufbauen können. Während der Fahrpausen versuchen wir desöfteren Neil zu erreichen aber sein Handy scheint keinen Empfang zu haben oder ist ausgeschaltet. Wir fahren einen kleinen Umweg über den Lachlan Valley Highway, die Gegend ist schön aber unspektakulär. Als wir in Forbes ankommen steuern wir zuerst einmal die Tankstelle an und entschliessen uns dann einfach mal zum alten Vandenberg Hotel zu fahren wo Neil und wir uns das erste Mal getroffen hatten. Und siehe da Neil, seine Freundin Lynn und seine beiden Mädels erwarten uns schon vor dem Hotel welch eine schöne Überraschung. Das alte Pub-Feeling ist schnell wieder da und wir unterhalten uns prächtig. Das Abendessen nehmen wir im Pub und danach geht es raus auf die Farm. Es ist stockdunkel und wir sind nicht gerade langsam unterwegs. In meiner Erinnerung war die Farm deutlich näher an der Stadt aber es sind doch 20km bis wir von der Hauptstrasse ab- und gleich darauf auf die unbefestigte Strasse zur Farm einbiegen. Es geht dann noch einmal ca. 800m durch die Pampa, über ein Viehgitter und über einen kleinen Bachlauf auf den „Hof“ würde man in Deutschland sagen. Unsere Bikes bekommen einen luxuriösen Unterstellplatz direkt im Workshop bei Neils Harleys.

Wir sitzen noch recht lange und erzählen über dies und das, Neil und ich natürlich so einiges über unser Lieblingsthema, die Motorräder. Gegen 24:00 ist Schluss, schliesslich ist morgen noch ein Arbeitstag. Für uns stehen nun einfach nur ein paar relaxte Tage auf der Farm auf dem Plan.  

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