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27. April 2012 5 27 /04 /April /2012 23:15

Freitag 30.03.2012

Normalerweise ist nach einem solchen Walk immer ein Relaxtag geplant, nicht heute. Warum nicht? Passt einfach nicht in den Plan, in welchen Plan, wir haben doch keinen. Das ist nicht mehr ganz so richtig. Nachdem unsere Zeit in Neuseeland nun langsam zu Ende geht, bleibt es nicht aus, dass man bestimmte Dinge doch noch gerne sehen oder machen würde und man dann doch ein bisschen planen muss. Wir machen uns also wieder auf den Weg Richtung Picton von wo aus die Fähre zurück nach Wellington auf die Nordinsel geht. Doch zunächst soll es heute nur bis nach Nelson gehen. Kein wirklich grosser Sprung aber wir haben noch gut die Strecke zwischen Motueka und Takaka im Kopf auf der man kaum über einen Schnitt von 25km pro Stunde kommt. Ausserdem wollen wir noch bei British Spares, dem Ersatzteillieferant für alte englische Motorräder in Neuseeland, vorbeifahren. Tim einer der Chefs wartet dort schon auf uns, Des hat ihn schon einmal vorab informiert. Nach Motueka führt die Strecke durch eine unspektakulär schöne Landschaft. Als wir Birtish Spares erreichen ist es schon nach 14:00. Tim macht uns erst einmal einen Tee bzw. Manu einen Kaffee und wir sitzen in den Privaträumen im 2. Stock des Industriegebäudes. Nachdem sie noch einige Lagerangelegenheiten geklärt hat setzt sich auch Doris, die Frau des deutschen Teilhabers an British Spares zu uns und wir haben eine schöne Unterhaltung, vornehmlich natürlich über die Tour, die Motorräder, das Geschäft mit den englischen Ersatzteilen und die Händlerstruktur in Neuseeland. Um das Industriegelände befinden sich Weinberge, die zum Grundstück gehören. British Spares ist nicht selbst im Weingeschäft, verkauft jedoch die Trauben inkl. das Ernten natürlich an andere Weingüter der Gegend. Der Plan ist jedoch eine „British Spares“ Abfüllung zu kreieren, die dann an besondere Kunden geliefert werden kann. Wir haben sein Versprechen, dass wir mit auf der Liste stehen. Es ist schon fast 4:00 Nachnittag als wir uns wieder auf den Weg Richtung Nelson machen. Dort ist es mal wieder gar nicht so leicht eine preiswerte und dennoch akzeptable Unterkunft zu finden. Die Hostels sind grösstenteils ausgebucht. Klar, das hatten wir ganz vergessen, es ist ja die Ulyssus Rally in der Stadt. Wir hatten gedacht, dass die Damen und Herren im gesetzteren Alter eher in guten Motels übernachten. In einer Kurve noch etwas ausserhalb des Ortskerns fällt mir an einer Lodge ein Motorradschild auf. Klasse denk ich, wenn die auf Biker eingestellt sind haben sie sicherlich auch eine Garage. Könnte sein, dass sie eine haben aber soweit komme ich gar nicht. Das Vacancy Schild bezieht sich auf drei Dormbetten die noch frei sind. Ne, ein Schlafsaal, bei allem Sparen, das ist nichts für uns. Der Mann an der Rezeption sagt mir gleich, dass wir relativ schlechte Karten hätten noch ein freies Bett zu finden aber er würde für uns in einer Lodge anrufen, die vielleicht noch etwas haben könnte. Ist auch nicht weit von der Stadtmitte entfernt. Gesagt getan und siehe da, die haben noch ein Zimmer frei, sogar mit Bad. Wir schwingen uns wieder auf die Motorräder und fahren dorthin. Die Fernlodge, Hotel, Hostel und Restaurant, alles unter einem Dach. Während ich drinnen die Verfügbarkeit noch einmal absichere und mir das Zimmer anschaue wird Manu draussen mal wieder auf die Triumph angesprochen. Die Kiwis können es meistens gar nicht glauben wie lange Sie damit nun schon unterwegs ist. Der Mann der sie angesprochen hat stellt sich als der „Museumsdirektor“ so seine Karte, des Museums eines reichen Texaners heraus der ein Faible für alte vorwiegend englische Motorräder hat. Wir hatten von diesem Vogel schon gehört, er hat grosse Flächen Land aufgekauft und dort ausser dem Museum eine Art Trailstrecke angelegt wo sehr spezielle Kundschaft oder Freunde mit englischen Klassikern auch mal Offroad trainieren können. Er organisiert unter anderem Touren mit reichen amerikanischen Freunden, die dann mit einer alten Brough Superior oder einer alten BSA vorwiegend über die Südinsel brettern. Sicher ein sehr exklusives Vergnügen. Das Museum ist auch noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich soll aber noch werden. Der „Direktor“ kümmert sich natürlich auch um die Wartung der Bikes. Sein Kumpel kommt noch auf dem Fahrrad um die Ecke, die beiden wollen einen heben und haben die Autos zu Hause gelassen. Wir überlegen noch, das Zimmer ist klein, ohne jede Ablagemöglichkeit und direkt neben dem Aufgang. Die Motorräder könnten wir auf den Hotelparkplatz stellen, der allerdings in keiner Art gesichert ist, ausser dass Licht brennt. Das zieht noch nicht so richtig, allerdings wird es auch immer später. Wir tätigen noch einen Verzweiflungsanruf in einem recht guten Motel, haben aber auch entschieden, wenn die nichts haben nehmen wir das Zimmer. Die Speisekarte hört sich auch gut an. Das Motel hat tatsächlich nichts frei und ich handle einen Abstellplatz für die Motorräder im Biergarten heraus. Nun ist klar, wir bleiben. Die Beiden sitzen drinnen schon beim zweiten Bier und wir gesellen uns dazu. Das Essen ist gut und wir unterhalten uns prima, lachen viel und können Andrew sogar etwas bei seiner Ersatzteilsuche für seine alte BMW helfen. Er trinkt Guiness, das passt, das kann ich auch gut trinken und so wird es recht spät bis wir aufs Zimmer kommen. Für die nächste Nacht hat er uns schon ein Zimmer bei sich zu Hause angeboten. Mal sehen was der Tag morgen bringt, zunächst werden wir mal auf den berühmten Samstags Markt gehen, Des, Steph und auch Tim haben uns den dringend empfohlen zu besuchen.

 

Samstag 31.03.2012

Der Tag startet schön sonnig. Ich habe die Motorräder schon um halb neun vom Biergarten auf den Parkplatz geschoben, das war die Abmachung. Nach meinem ersten Frühstück packen wir die Bikes und lassen sie auf dem Parkplatz stehen, Laptop und dicke Kamera können wir bei unserer Barfrau von gestern Abend lassen. Erstaunlich, sie ist schon wieder auf den Beinen. Das zweite Frühstück wollen wir auf dem Markt zu uns nehmen. Dorthin können wir locker laufen und kommen dabei an einem deutschen Wurstladen vorbei. Nelson ist recht fest in deutscher Hand. Auch auf dem Markt gibt es einen Bratwurst Stand mit Sauerkraut, Fleischkäse etc. Um diesen Stand hört man fast nur deutsche Stimmen. Das Publikum dort ist bunt gemischt und auffällig freakig unterwegs. Es gibt Stände mit tollem Schafskäse, mehrere Brotstände mit Broten die den Namen auch verdienen und dann natürlich auch Tand, Jade-Schmuck und einiges andere. Zugegebenermassen einer der besten Märkte die wir in Neuseeland schon gesehen haben wenn nicht der Beste. Auch Tony und Ronda laufen uns wieder über den Weg, sie sind auf dem Ulyssus Treffen und haben auch einen Abstecher auf den Markt gemacht. Man hat eh das Gefühl, dass das Treffen hierher verlagert wurde. Überall laufen Motorradfahrer mit Ulyssus T-Shirts, Jacken oder Baseball-Caps herum, sie sind kaum zu übersehen. Am Rande des Marktplatz kommen wir noch bei einem Barber vorbei, das erinnert mich daran, dass wieder einmal eine Rasur fällig wäre, eine rundum Rasur sogar, heisst Kopf und Bart. Ich hab´s mal wieder viel zu lange anstehen lassen. Als mich die Friseurin sieht entscheidet sie sogar noch ein bisschen länger zu machen. Nein Spass beiseite, eigentlich sollte der Laden schon seit 30 Minuten geschlossen sein aber der Andrang ist noch riesig und so macht sie einfach weiter nachdem der Chef schon gegangen ist.

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Nach der Rasur nehmen wir den Queen Charlotte Drive in Angriff. Eine enge kurvige Strasse die auf dem kürzesten Weg nach Picton führt. Sie bietet tolle Ausblicke über den Sound aber man ist gut beraten wenn man die Strasse im Auge behält, mit der Qualität der Fahrbahnoberfläche steht es mal wieder nicht zum Besten. Gut, dass wir unsere Backpacker Unterkunft schon von Nelson aus vorgebucht haben. Nachdem wir in Havelock, einem kleinen aber mittlerweile recht belebten Küstenort berühmt für seine Grünlippenmiesmuscheln eine Pause gemacht haben, wird es wie immer spät. Das wird mittlerweile zur Gewohnheit aber die Strassen die wir in letzter Zeit unter die Räder genommen haben waren ziemlich unberechenbar und wir sind natürlich auch spät aus Nelson weggekommen. Zwischen Havelock und Picton zeigt die Strasse noch einmal richtig was sie drauf hat, enge Serpentinen die sich nach unten schrauben Wellbleche in den Kurven und immer mal wieder ein Pothole das die Federn bis zum Anschlag zusammendrückt. Hier wäre die GS in Ihrem Element aber ich habe schon geraume Zeit meinen Frieden mit der Wahl unserer Motorräder gemacht und möchte die alte Harley auf dieser Tour nicht mehr missen. Nach dem grausligen Zimmer in der Fernlodge möchten wir mal wieder eine ruhige Nacht haben, daher haben wir im Tombstone Backpacker das einzigste Apartment gebucht. Das Backpacker hat seinen Namen nicht von irgendwoher, es liegt direkt neben dem Friedhof, die Betreiber zelebrieren diese Lage mit dem Namen, einer Tür in der Form eines Sargdeckels und dem Spruch „Ruhe sanft im Tombstone Backpacker“. Das Apartment ist klasse, eine tolle Aussicht über Picton und den Fährhafen durch doppelverglaste Fenster, eine echte Seltenheit in Kiwiland und dadurch auch sehr ruhig trotz der exponierten Lage. Wir gehen einkaufen, damit wir die tolle Küche richtig nutzen können und kochen uns ein schönes Abendessen.

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Sonntag 01.04.2012

Heute ist Sonntag und da wir nach unserem harten Walk oben in Puponga keinen Relaxtag eingelegt hatten, wird der heute nachgeholt. Manu schläft erst einmal richtig aus dann frühstücken wir zusammen und gammeln noch ein bisschen herum und gehen am Nachmittag auf einen kleinen Walk zu einer etwas abgelegenen kleinen Bucht. Das ist so inspirierend und das Wetter auf der Nordinsel so wenig motivierend, dass wir beschliessen noch eine Nacht dranzuhängen und am Montag einen Ganztages Walk auf dem Queen Charlotte Track zu buchen. Buchen muss man weil man ein Boot braucht, welches einem morgens zum Startpunkt weit draussen im Marlborough Sound fährt und abends am Endpunkt wieder abholt. Auf dem Weg durch den Hafen sehen wir ein Schild das für frischen Fisch direkt vom Boot wirbt. Wow das wäre doch was für heute Abend. Als wir von unserem Walk zurückkommen steuern wir als Erstes das Fischerboot an auf dem eine junge Frau die Fische anbietet. Hoffentlich ist noch etwas da, schliesslich ist es schon 4:00 aber die Sorge war unbegründet, die Eisboxen sind noch recht gut gefüllt und sie angelt einen nach dem anderen heraus, erklärt uns was für eine Art es ist und wie er schmeckt. Die grösste Herausforderung ist einen zu finden, der eine annehmbare Grösse hat, meistens sind es ganz schöne Brummer die sie da rauszieht, die würden uns drei Tage lang reichen. Letztendlich finden wir jedoch einen schönen Butterfisch den sie uns mit ein paar Handgriffen filetiert. Wenn man sie so beobachtet sieht man, dass sie sicher auf einem solchen Fischerboot aufgewachsen ist. Wir freuen uns schon aufs Abendessen, das wird heute ein rechter Festschmaus.Dazu muss natürlich noch ein guter Chardonnay her.

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Montag 02.04.2012

Früh aufstehen ist angesagt, unser Schiff läuft um 8:00 aus und wir sollen 10 Minuten früher dort sein. Freundlicherweise fährt uns unser Hostel Wirt an den Hafen. Zum Abschied gibt er uns seine Telefonnummer und bietet an, uns auch wieder abzuholen. Na so weit ist das nicht sagen wir, das laufen wir. Er lächelt milde und meint, das würden sie alle sagen und bis jetzt hätten noch alle angerufen weil sie so müde waren und so wird es uns auch ergehen. Damit ist das schon gelaufen, wir werden uns definitiv nicht abholen lassen, das wäre ja gelacht, milde belächeln lassen wir uns nicht. Wir sind fast eine Stunde mit dem Boot unterwegs und ich werfe immer mal wieder einen Seitenblick auf Manu, normalerweise ist sie nicht sonderlich seefest aber sie hält sich gut. Ich habe gelesen, dass Seekrankheit im Alter nachlässt, na wenigstens ein Vorteil könnte das Älterwerden haben. Der erste Teil des Weges hat es in sich, über 200 Meter Höhe machen auf den ersten Km das ist für uns Biker schon ganz schön anstrengend. Man ist nicht wirklich trainiert, wenn man den ganzen Tag auf dem Moped sitzt. Danach geht es runter auf Meeresspiegel und noch einmal auf die gleiche Höhe, dann verläuft der Weg in lockerem Auf und Ab runter zum Endpunkt. Alles in allem 14 km, damit hat man sich am Endpunkt einen Kaffee und einen Karottenkuchen verdient meint Manu und prompt steht da natürlich eine Lodge, die genau das anbietet. Weibliche Intuition, oder stand´s im Prospekt?

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Wir müssen doch eine ganze Weile auf unseren Rücktransport warten und vertreiben uns die Zeit indem wir noch ein bisschen auf dem Track weiterlaufen. Unser Schiff ist, was uns so nicht bewusst war gleichzeitig das Postschiff. Am Morgen war das nicht zu bemerken aber jetzt auf der Rückfahrt fährt der Kapitän alle möglichen Ansiedelungen an, ein Camp für schwererziehbare Kinder, die man nach hier draussen ausgesiedelt hat oder eine Lodge und eine Farm. Das Postschiff ist die schnellste Möglichkeit denen die Post vorbeizubringen. Die Kontaktpersonen warten schon auf dem Steg und so geht es flott, benötigt aber dennoch seine Zeit, bis alle angefahren sind. Meistens steht noch ein Hund mit auf dem Steg und auch für den gibt es immer ein Leckerli damit er dem Postboten gnädig gestimmt ist. Ich habe das Gefühl wir hätten eine Cruise gebucht. Irgendwann kommen wir dann aber doch wieder in unseren Hafen und wir gehen noch beim Supermarkt vorbei und dann zum Hostel. Na, so schwer war das nicht, dazu muss man kein Auto bewegen, schon gar nicht einen grossen Van der sich schon beim Starten einen ordentlichen Schluck genehmigt. Das war nun heute der Abschied von der Südinsel, morgen wird es auf die Fähre nach Wellington gehen. Es macht uns etwas traurig, es ist wie ein kleiner Abschluss auf dem Weg zurück nach Hause, die Zeit rast und der verbleibende Rest ist nur noch ein knapper 3 Wochen Urlaub.

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Dienstag 03.04.2012

Die Fähre müssen wir nicht buchen, da alle Ulyssus Jungs die Insel mittlerweile verlassen haben ist die Lage wieder sehr entspannt. Nach dem Frühstück schnappe ich mir ein Fahrrad und fahre runter zur Fähre um nach denTickets zu schauen. Die Dame dort am Check-in meint ich könnte die Tickets direkt bei Ihr kaufen wenn wir mit den Motorrädern ankommen. Prima, dann müssen wir nicht noch einmal an den etwas weiter weg gelegenen Ticketschalter. Ich radle wieder zurück und wir packen in aller Ruhe die Motorräder, machen noch ein paar Bilder und sitzen noch etwas im Lounge-Küchenbereich des Hostels bis es Zeit ist zur Fähre hinunter zu fahren. Das Wetter ist trüb aber noch trocken. Das war ja Wettermässig wieder eine Punktlandung. Auf der Fähre treffen wir Liam und Chris die gerade von der Ducati Rally in Hamner Springs kommen. Die Beiden sind gut drauf und wir haben eine gute Unterhaltung während der Überfahrt. Liam ist in der Motorradbranche tätig und engagiert sich derzeit sehr stark für Elektromotorräder, ist natürlich ein gutes Thema für mich, da ich zuletzt die Entwicklung der EV Steckverbinder geleitet habe und daher gut im Thema stehe.

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In Wellington verlässt uns das Wetterglück. Als wir von der Fähre fahren fängt es gerade an zu regnen und steigert sich schnell zu einem ergiebigen Landregen. Wir steuern zunächst einmal das Motel an, das uns beim ersten Wellington Aufenthalt eine Unterstellmöglichkeit gewährte. Der Besitzer war gerade dabei das gesamte Anwesen zu verkaufen und konnte uns daher nicht zu sichern ob der nächste Besitzer uns das auch gewähren würde. Ich bin jedoch guter Dinge, da wir die Motorräder auf einem Platz stehen hatten, der eigentlich kein echter Autoparkplatz war sondern eher eine winklige Fläche die sich durch die Autoparkplätze so ergeben hat. Der neue Besitzer ist freundlich aber skeptisch und tatsächlich hat er auf dieser Fläche sein eigenes Auto, ein Cabriolet, geparkt. Wir finden dennoch einen Fläche auf der ich versuchen möchte die Mopeds irgendwie unterzubringen. Die Lage ist einfach toll so gerade um die Ecke von Barry´s Haus, überdacht und nicht einsehbar von der Strasse. Als der Hotelbesitzer die Motorräder sieht überlegt er es sich doch noch einmal anders, schaut in die Buchungen und stellt uns einen gesamten Autoparkplatz zur Verfügung, max. 2 Tage. Das ist ok für uns, wir bedanken uns herzlich und fahren erst einmal zu Barry um das Gepäck abzuladen. Danach werden die Motorräder unten geparkt und mit dem grossen ABUS-Kettenschloss gesichert. Das Teil wiegt 5kg aber ich bin froh, dass wir es dabei haben, man hat doch immer ein gutes Gefühl wenn dieser Schliesszylinder einrastet. Um das Abendessen kümmern wir uns bzw, der Chinese von nebenan.

Mittwoch 04.04.2012

Es regnet. Daher nutzen wir den Tag, ich schreibe Tagebuch und kümmere mich um Angebote für die Verschiffung unserer Motorräder, das wird ja nun so langsam Zeit. Wir trinken noch einen Kaffee unten bei John in seinem kleinen Eck-Café und Manu wäscht noch einmal unsere gesamte Wäsche durch. Zwischendurch bringen wir dem Hotelier als Dankeschön noch eine Flasche Wein vorbei. Und es regnet immer noch. Ich telefoniere mit Dick Huurdemon, den wir eigentlich heute hätten besuchen wollen und verschiebe den Besuch auf morgen, da wir ja mit den Motorrädern bei ihm vorbeischauen möchten. Dick ist der Freund und damalige Begleiter von Des Molloy auf dem Trip mit den alten englischen Motorräder von Peking nach Arnheim. Ich möchte unbedingt auch seine Unterschrift in meiner Ausgabe vom „Last Hurrah“.

Donnerstag 05.04.2012

Das Wetter passt heute wieder sehr gut zu einem Abfahrtstag, die Sonne scheint und der Regen ist Schnee von gestern. Wir verabschieden uns schon früh am Morgen von den Conroy´s da Barry und Belinda natürlich arbeiten müssen. Da wir heute aber eh nur bis Palmerston North fahren wollen, lassen wir uns Zeit für die Abreise. Bevor wir Wellington verlassen steht noch der Besuch bei Dick Huurdemonn auf dem Plan. Der wohnt eigentlich gerade übern Berg im Stadtteil Melrose, dort allerdings an einer Strasse die sicherlich mit der steilsten Strasse der Welt mithalten kann dazu jedoch mit einer sauberen, von Wellblech durchzogenen Haarnadelkurve aufwartet. Mit der beladenen Harley und dem hohen sogenannten Apehanger Lenker doch eine nicht zu unterschätzende Herausforderung darstellt. Dick ist ein bemerkenswerter Mann, der mit seinen heute immerhin 78 Jahren immer noch mit seiner alten Norton Gespann Bj 54 unterwegs ist. Er ist ein cleverer Ingenieur der gute und durchdachte Ideen und Lösungen auch in die Realität umsetzen kann. Die Gabel an seiner Norton ist selbstentwickelt und ist eine Konstruktion die praktisch eine gezogene Schwinge darstellt. In der Garage steht noch ein Studebaker, der springt nach einigen ersten Umdrehungen an und brabbelt ruhig vor sich hin. Alles bei ihm zeugt von seiner technischen Versiertheit. Wir reden bei einem Tee über seine Sicht dieses extremen Trips und wie es danach so für ihn gelaufen ist. Er erzählt uns über einen Freund aus Deutschland, der wie sich herausstellt bei uns in der Nähe wohnt und so nehmen wir gerne die Adresse mit und den Auftrag dem Freund viele Grüße auszurichten.

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Irgendwann müssen wir dann endgültig starten und verabschieden uns schweren Herzens von Dick, mit dem wir uns sicher noch lange hätten unterhalten können ohne, dass es uns langweilig geworden wäre.

Wir schauen auf kürzestem Wege aus der Stadt heraus- und auf die Küstenstrasse Richtung Palmerston North zu kommen. 30 Km nördlich von Wellington verlassen wir die Strasse noch einmal um uns bei Harley Speed&Custom für die schnelle und kostenlose Zusendung der Lenkerhalterung zu bedanken. Die Jungs freuen sich uns noch einmal zu sehen und schütteln nur den Kopf als sie sehen, dass der Lenker immer noch mit 5 Kabelbindern fixiert ist. Meine Argumente des funktionierenden Systems wollen sie nicht wirklich folgen, ihnen wäre das zu heiß. Als Ingenieur denke ich aber beurteilen zu können ob ich damit ein Risiko eingehe und hätte ich darüber Zweifel hätte ich die Riser schon ausgetauscht. In der Mongolei hätte ich auch keine neuen Riser, daher interessiert es mich wie weit ich mit der Konstruktion kommen kann.

Alles in allem sind wir dieses Mal verdammt spät dran. In Palmerston wollten wir uns mit Fay unserer Bekannten vom Royal Enfield Club treffen. Dazwischen waren wir schon so weit direkt zu Ihr nach Dannevirke zu fahren um bei ihr zu übernachten, jetzt müssen wir wieder mit ihr telefonieren und das Treffen doch nach Palmerston verlegen. Das hätten wir mal besser nicht gemacht, doch dazu später mehr. Gerade als wir wieder starten wollen fällt mir auf, dass der Ölkühler der Triumph seltsam weit hunten hängt. Das sieht nicht gut aus, er hängt nur noch an den Ölleitungen, die Halterung war doch etwas zu schwach für die hochfrequenten Vibrationen des Paralleltwins. Gut dass wir noch ein paar Kabelbinder dabei haben. Die sind der moderne „No.8 wire“ den die Neuseelaänder gerne beschwören. Ein Draht der bei Zäunen auf den Weiden verwendet wird und dazu herhält alles Mögliche und Unmögliche zu fixieren. Die Kabelbinder machen ihren Job tadellos, der Ölkühler sitzt fest in seiner alten Halterung.

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Nun kann es weiter gehen. An einer Tankstelle mit Werkstatt nehmen wir gleich noch einmal 4 grosse Binder mit man kann ja nie wissen. Als wir in Palmerston ankommen ist es schon stockdunkel. Am Ortseingang höre ich ein seltsames rasselndes Geräusch. Ich versuche es zu lokalisieren aber da ist es schon wieder weg. Könnte Gravel auf der Strasse gewesen sein, das irgendwo ans Schutzblech geprasselt ist. Sage ich mir, irgendwie klang es anders. Aber aus den Ohren aus dem Sinn. Wir finden ein schönes Motel das recht preisgünstig ist und rufen Fay an um ihr die Adresse durchzugeben. Sie und ihr Freund Tony sind schon unterwegs und kurz vor Palmerston, na dann steht ja einem gemeinsamen Abendessen nichts mehr im Weg. Nachdem sie uns abgeholt haben gehen wir einen guten „Roast-of-the-day“ essen und anschliessend in eine Bar mit guter Livemusik. Fay ist früher Classic Rennen auf dem Motorrad gefahren und ganz aus dem Häuschen als sie hört, dass wir bei Dick waren. Er hat, solange er noch bei British Spares gearbeitet hatte, ihr Rennmotorrad getunt und gewartet, interessanterweise eine Ducati. Die Welt ist so klein.

 

Freitag 06.04.2012

Wir fühlen uns beide ziemlich sch... Der Kopf schmerzt, die Nase läuft, das sieht nicht gut aus. Wir verlängern noch eine Nacht in dem „Nest“ und suchen uns erst einmal eine Apotheke, die am Karfreitag geöffnet hat. Dort decken wir uns mit ein paar Erkältungsmittel ein, die wir in Deutschland sicher nie nehmen würden und nehmen ein heisses Bad im Motel. Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass das Zimmer ein Spa-Bath mit Blubber Wanne hat, das ist natürlich eher für ein Sektfrühstück gedacht aber taugt auch als Erkältungsbad.

 

Samstag 7.04.2012

Bevor wir heute Palmerston North verlassen um nach New Plymouth zu fahren cruisen wir noch etwas durch die Stadt, zusammen mit jeder Menge Fahrzeuge der 50er und 60ziger Jahre. Heute ist hier ein Festival das dieser Ära huldigt. Toll an der Ampel neben einem 54er Chevi Pick Up zu stehen und im Rückspiegel einen 62er Holden und einen 68er Käfer zu sehen. Man fühlt sich echt in der Zeit zurückversetzt. Manche der Einwohner sind ebenfalls im Look dieser wilden Jahre aufgebrezelt. Mehrere alte Doppeldecker Busse fahren die Besucher zu den verschiedenen Events, die über das Stadtgebiet verteilt sind. Uns interessiert vor allem die Car&Bike-Show. Kulanterweise lässt man uns einen kostenlosen Blick in die heilige Halle werfen. Was dort so rumsteht erfreut das Herz jedes Oldtimer Enthusiasten. Aus Europa sind nur drei Fahrzeuge vertreten, 2 VW Käfer und man höre und staune ein 500er Fiat. Roy Orbison, Elvis Presley und die Rolling Stones untermalen die Ausstellung mit ihrer Musik und man hat American Graffiti und James Dean in seinem Porsche vor Augen. Rechts von der Bühne ein lebensgrosser Elvis Presley, der leger auf einem Barhocker fläzt und links eine alte Wurlitzer Jukebox machen richtig Lust noch bis heute Abend zu bleiben aber das passt leider nicht mehr in den Zeitplan. Wir sind in New Plymouth mit Lew vom Royal Enfield Owners Club verabredet also geht es nach einem Neuzeitkaffee wieder auf die Strasse Richtung Nordwesten und Richtung Mount Taranaki.

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Einige Kilometer nach New Plymouth plötzlich wieder dieses Geräusch von vor zwei Tagen, verdammt, das hört sich sehr metallisch an aber irgendwie auch nach aussen und nicht nach irgendetwas im Motorinnern. Ich muss mich nicht lange fragen wo das nun genau herkommt, gerade stellt sich so ein weiches, schwammiges Gefühl am Hinterrad ein und schon ist auch Manu neben mir, schüttelt den Kopf und deutet mir anzuhalten. Ich rolle gerade am Strassenrand aus als die Luft völlig aus dem Hinterreifen entwichen ist. Na prima, das hat uns heute am Ostersamstag noch gefehlt. Zum Jammern haben wir allerdings keine Zeit, mit vereinten Kräften schieben wir den nun (gefühlt) tonnenschweren Koloss auf den weichen Grasstreifen damit uns nicht einer der vorbeirauschenden Lkw´s den Hintern abfährt. Ich bin schon am Auspacken des Wagenhebers und des Werkzeuges als hinter uns zwei Motorräder anhalten. Ah, das sind die Beiden die gerade in entgegengesetzter Richtung vorbeigefahren sind. Nett, dass auch hier die Hilfsbreitschaft unter Motorradfahrern so gross ist. Tyson und Sharon heissen die Beiden, sie sind nach New Plymouth unterwegs, mit den 50/60ern haben sie nicht soviel am Hut sie müssen einfach zum Einkaufen. Tyson zieht sofort seinen Repair Kit raus und meint wir sollten seinen benutzen damit wir unseren noch als Reserve haben, das ist schon eine sehr grosse Hilfsbereitschaft. Ich nutze den Tip Top Kit von uns, schliesslich sind 3 Gummistopfen vorhanden, nehme aber gerne 2 seiner Gaskartuschen. Auch mit 3 Kartuschen ist der Reifen noch nicht so wirklich fahrbar, als 180/70-16 hat er eben schon ein ganz ordentliches Volumen, aber ganz unten im Koffer liegt die Handpumpe die ich mir noch aus dem Touratech-Katalog geordert habe. Das geht dann besser als gedacht. Wir halten noch ein bisschen Small Talk am Strassenrand damit der Kleber im Pfropfen noch etwas vulkanisieren kann. Wir wünschen uns oft mehr Zeit um sie wie hier mit Menschen wie Tyson und Sharon verbringen zu können, ein Kaffee oder ein Bier wäre schon noch schön gewesen.

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An der nächsten Tankstelle füllen wir die Luft dann komplett auf und SMSen noch einmal mit Lew. Der nimmt die Verspätung gelassen und textet zurück „Ok, ich fahr Euch dann weiter entgegen und wir treffen uns in Patea anstatt Hawera zum Kaffee“. Das klappt dann auch problemlos, die Luft scheint zu halten. Lew hat zu unseren Ehren seine Edel-Royal Enfield aus dem Stall gezogen, eine 750er Twin. Bei uns kennt man die Enfield ja fast nur als die einzylindrische 500er Bullet die so auch heute noch in Indien gebaut wird oder auch als die Diesel-Version die es davon gibt. Mit der 750er kann man schon eine etwas flottere Gangart wählen und das ist ganz gut so, denn trotz unserer Verspätung durch den Reifen wollen wir den Coastal Highway rund um den Mt. Taranaki fahren, den grossen Vulkan nach dem die ganze Region benannt ist. Bei der Umrundung des Berges kann man sehr schön sehen wie schnell sich das Wetter an einem solchen Berg ändern kann. Während zu Beginn die gesamte Ostflanke in einer dicken Wolke verschwindet wird die Süd- und die Westseite noch völlig von der Sonne beschienen. Nachdem wir den Berg fast umrundet haben ist die Westseite nun wiederum in grauen Wolken und es scheint, dass zumindest die Ostseite wolkenfrei ist. Nach ein paar weiteren Stops kommen wir im Dunkeln in New Plymouth an und fahren direkt zu Lew. Während wir bei der Royal Enfield Rally mit den Worten „Come and stay at us“ nach New Plymouth eingeladen wurden hat uns Lew beim Kaffee in Patea locker gefragt wo wir denn heute Nacht bleiben werden. Keine Ahnung sage ich und denke es kommt jetzt das obligatorische „you can stay at us“ aber weit gefehlt, wir können ja von ihm aus telefonieren meint er. Na ja, en bisschen überrascht sind wir schon aber wir haben einige Adressen in unserem Lohse Reiseführer, die sind meistens ganz brauchbar. Meistens. Heute landen wir beim Youth Hostel weil die anderen Backpacker nur noch Dorm Betten zur Verfügung haben. 80$ für ein Zimmer 3mx2,3m mit Gemeinschaftsbad und direkt unter dem Holzbohlenboden der Küche. Die Wasserleitungen laufen neben meinem Ohr durch die Wand. Die Nacht wird dementsprechend „geruhsam“.

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Kommentare

Guido 02/23/2013 18:07

Hallo Robert,
ja ne, hat nicht lange gedauert. Bin jetzt bis hier hin gekommen und muss sagen, Du versetzt einen in Urlaubsstimmung.

Allerding hast Du eben so gut auch über das Essen erzählt, sodass ich fast am verhungern bin.

Bin schon gesannt auf den Rest.

Buon appetito,
ciao guido