Overblog
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
19. April 2012 4 19 /04 /April /2012 12:53

Mittwoch 21.03.2012

Für uns geht es wieder weiter heute. Über den Arthurs Pass soll es nach Christchurch gehen. Um den stark befahrenen und mit Baustellen gespickten Highway 6 zu meiden fahren wir auf kleinen Nebenstrassen vorbei an der stillgelegten Brunner Mine und dem Lake Brunner Richtung Pass. Wir passieren einige Minendenkmäler, die alle an vergangene Minenunglücke erinnern. Mann, das waren nicht wenige. Wie schon gesagt, die Westküste und vor allem dieser mittlere Teil sind eng mit dem Kohleabbau verbunden. Der Arhtur´s Pass selbst ist extrem unspektakulär. Man kann ihn nicht mit einem der bekannten Alpenpässe vergleichen. Es gibt keine Serpentinenanfahrt, kein Ausblick, nur ein flacher Übergang mit einer kleinen Ansammlung an Häusern, teils Unterkünfte teils Cafés oder beides. Die Bilder, die man immer in den Prospekten sieht kommen danach. Mit einem Seitenblick erkenne ich das Bild, das immer meine Vorstellungen des Passes prägte. Da muss ich natürlich anhalten und mal wieder ein Bild machen.

Norden-der-Sudinsle-1742.jpg  P1030263.jpg

Wir kommen flott voran und erreichen Christchurch relativ frühzeitig wenn man bedenkt, dass wir erst um 12:00 weggefahren sind. Ausser ein paar Fotostops und einem längeren Halt für Kaffee und Essen gab es keine Unterbrechungen. Wir steuern zunächst mal die Adresse von Jon Miller an. Jon betreibt einen Handel mit Ersatzteilen vorwiegend für Triumph Motorräder, die alten klassischen natürlich. Viele der Teile werden hier in Neuseeland gemacht. Neben diesen speziellen Teilen vertreibt er auch Reifen für die alten Ladies und das ist der Grund warum wir ihn besuchen. Ich habe schon von Greymouth aus im Internet nach einem Hinterreifen für Manu´s Triumph gesucht als mir Harry empfohlen hatte Jon Miller zu kontaktieren. Der Hinterreifen der in der Garage von Harry steht ist von ihm. Ich hatte mir ja schon überlegt einfach den zu nehmen war mir jedoch nicht sicher aufgrund der anderen Grösse ob der denn nicht zu breit wird. Harry besorgt die Adresse und Telefonnummer von Jon über einen seiner Arbeitskollegen und die Sache ist geritzt. Der Reifen wird bei Jon bereitstehen wenn wir in Christchurch eintreffen so die Zusicherung. Nun wollen wir sehen ob dem auch so ist. Michael ein Arbeitskollege, mittlerweile guter Freund und erfahrener Triumph Kenner hat mir bestätigt, dass der Reifen teilweise zur Erstausrüstung gehörte. Jon ist zu Hause und wir vereinbaren den Reifenwechsel für morgen 9:30. Für uns heisst es jetzt eine Unterkunft in der Nähe zu finden. Das erweist sich als nicht ganz einfach, Jon hatte das schon angedeutet, da aufgrund der Erbeben Schäden und deren Beseitigung viele Organisationen in der Stadt sind die die Hotels und Motels belegen. Auch wurden einige betroffenen Personen aus ihren Häusern in diese Unterkünfte umgesiedelt und so fahren wir zunächst einmal an vielen “No Vacancy“ Schildern vorbei. Wir wollen versuchen in einem der Hostels aus unserem Stefan-Loose Reiseführer unterzukommen und rufen eins nach dem anderen an, nur um uns überall Absagen zu holen. Nur noch Dorm Zimmer, kein Platz für die Motorräder etc. Wir fahren zurück zu dem einen Motel das noch ein „Vacancy“ aushängen hatte aber auch das hat sich erledigt. Als wäre das nicht schon besch... genug fängt es nun auch noch an zu regnen. Daneben ist noch ein Motel, mein Gott sieht das luxuriös aus. Die haben natürlich nur noch ein Zimmer und das ist das grosse Appartement, was auch sonst. Egal, es ist nah bei Jon, so sollte es morgen früh regnen ist das nicht ganz so schlimm und wir haben in letzter Zeit sehr sparsam gelebt was unsere Unterkünfte anging. Die Motorräder haben zwar keinen gesondert gesicherten Parkplatz aber überdacht. Nach dem Abendessen gehen wir immer mal wieder kurz vor die Balkontür, es nieselt fein aber recht ergiebig. Shit, aber es kommt nicht ganz überraschend nur etwas früh, die Wettervorhersage hatte den regen erst morgen angekündigt. Ich rufe noch Sven Dossinger an und wir verabreden uns für morgen Abend zum Barbecue. Sven kommt aus Rheinhausen, lebt und arbeitet derzeit allerdings in Christchurch. Er ist der Bruder von Petra und Annette die ich wesentlich besser kenne.

Donnerstag 22.03.2012

Aufwachen. Es regnet. Frühstück No.1. Es regnet. Kaffee im Bett. Es regnet. Frühstück No.2 Es regnet. Na gut dann soll´s wohl so sein. Ich ziehe die Regenklamotten über und mache mich auf den Weg zu Jon, es sind ja nur 6 Blocks die Strasse hoch. Manu bleibt im Zimmer und kann sich mal etwas Zeit für sich nehmen. Beim Reifenwechsel daneben stehen wäre wirklich Zeitverschwendung. Kaum schiebe ich die Triumph unter dem Dach hervor hört es auch schon auf zu regnen. Na das nenne ich mal eine schöne Aufmerksamkeit vom alten Petrus. Bei Jon angekommen gibt es erst einmal einen Tee auf der Veranda, Jon raucht noch eine Zigarette dann wollen wir anfangen. Aber zunächst kommt da noch ein Kunde dazwischen, der seine überarbeitete Norton Sitzbank abholen möchte. Er ist mit seiner Frau unterwegs und Jon stellt mich vor und erzählt ihm, dass wir mit den beiden Oldies in Down Under unterwegs sind. Als wir auf die Strecke zu sprechen kommen stellt sich heraus, dass seine Frau im Ruddy Nugget Café in Ross arbeitet und in dem Haus um die Kurve mit den vielen Nummernschildern und Motorradteilen wohnt. S ist immer wieder überraschend, wie sich die Wege mancher Menschen auf diesem Trip mit den unsrigen kreuzen. Es ist geradezu unglaublich und wir fragen uns oft, was uns das oder ob uns das etwas sagen soll. Als die Beiden wieder weg sind machen Jon und ich uns an die Arbeit. Das Rad ist schnell ausgebaut aber der Reifen will ums Verr... nicht von der Felge. Egal was wir probieren, der Metzeler Enduro2 ein toller Allround Reifen für dieses Motorrad hält auf der Felge wie festgeklebt. Die Entscheidung fällt schnell, Jon ruft den örtlichen Triumph Händler an, der sich bereit erklärt den Reifen zu wechseln. Noch bevor wir losfahren können kommt noch Phil vorbei, auch ein Kunde von Jon auf einer 650 Tiger Scrambler, er holt ein paar Kleinteile ab und liefert etwas ab. In seinem Workshop hätte er auch noch einen Sicherungssplint den wir für die Bremsstange der Hinterradbremse brauchen. Als er weg ist fahren wir gleich los und die Jungs von Triumph erledigen den Job in 10 Minuten, Geld wollen sie dafür keins, also wollen wir zum nächsten Liquor Store fahren und ein paar Bier holen, das internationale Zahlungsmittel. Da dies ein Industriegebiet ist und auch Jon keinen Liquor Store in der Nähe kennt, fahren wir bei einem Freund von Jon vorbei, der in einer Garage um die Ecke Planen näht und auch die Norton-Sitzbank erneuert hat. Der Mann, schlohweisse Haare und Bart strahlt eine ungeheuere Ruhe aus. Es vergehen einige Sekunden nachdem wir die Garage betreten haben bis er langsam den Kopf von der Arbeit hebt, lächelt und das Gespräch aufnimmt. Klar weiss er wo wir das Bier bekommen, ebenfalls um die Ecke. Wir reden noch ein paar Takte und fahren dann zum Bier kaufen. Ich bewundere Menschen, die so in sich ruhen und trotzdem solch eine Aktivität ausstrahlen. Das Bier kommt richtig gut an, ich habe natürlich ein Deutsches gekauft, nun brauchen wir noch Öl für die alte Trumphi. Wir parken vor einer Werkshalle, die sich gegenüber dem Autostore befindet in dem Jon sein Öl kauft. Bevor wir in den Ölshop reingehen möchte mir Jon noch eine kleine Sammlung alter Brit-Bikes zeigen. In der Werkhalle befindet sich eine kleine Werkstatt. Ich traue meinen Augen nicht, darin stehen 8 top restaurierte Triumph Motorräder. DAS ist der Workshop des zweiten Kunden in dem wir auch den Splint finden. Die Werkshalle gehört einem Firmenbesitzer mit Faible für klassische Triumph. Der junge der bei Jon war ist nur für die Wartung dieser und noch einiger weiterer eingestellt worden, verrückt, oder? Es ist sonst keiner da also gehen wir rüber in den Ölshop und dann nichts wie nach Hause, das Rad wieder einbauen. In Christchurch stehen überall umgebaute kleine Wohnwägen in den Strassen, die die Cafés in der Innenstadt ersetzen sollen. Das trifft sich hervorragend, da Jon nur Instant Kaffee zu Hause hat und ich gerne noch einen guten Nachmittags-Latté hätte. Es ist echt praktisch, kurz anhalten, rausspringen Kaffee holen und weiterfahren. Fast wie ein Drive-thru. Das Einbauen des Rades gestaltet sich etwas kniffelig und Gott sei Dank kommt Phil noch einmal vorbei. Er kennt den entscheidenden Kniff, ich sag jetzt nicht wobei wir uns etwas ungeschickt angestellt haben. Vor kurzem hatte sich die Tachowelle noch einmal an der Monsterhupe der Triumph verhakt und seitdem funktioniert der Tacho nicht mehr. Da ich weiss, dass Manu grossen Wert darauf legt zu wissen wie schnell sie unterwegs ist bauen wir auch noch kurzerhand eine neue Tachowelle ein, dummerweise hat Jon nur die China-Version verfügbar aber egal, die Probefahrt zeigt, dass der Tacho wieder funktioniert. Da Jon auch keine Kabelbinder hat, er ist für einen Engländer Liebhaber extrem mager ausgestattet, ich glaube ich habe mehr Werkzeug dabei als er in seiner Garage, tape ich die Welle am Rahmen fest und nehme mir vor das später mit Kabelbindern zu ersetzen. Alles ist erledigt, bezahlt und ich bin gerade auf dem Sprung, da kommt Jon noch mit einer Dose Kettenspray, Geschenk des Hauses, klasse unseres ist eh gerade leer. Eine Riesendose aber was soll´s einem geschenkten Gaul....... . Manu hat im Motel etwas relaxed und sich etwas Zeit für sich gegönnt, das machen wir wahrscheinlich etwas zu selten. Nicht, dass wir ständig auf der Hatz wären, aber so richtig bewusst rumlümmeln und einfach nichts tun, das war bisher eher selten der Fall. Bevor wir uns heute Abend mit Sven und Mandy zum Barbecue treffen wollen wir uns noch einen Eindruck von Christchurch und den Erdbeben Schäden des vergangenen Jahres verschaffen. Mit den Motorrädern machen wir uns auf den Weg Richtung Innenstadt, jedoch fangen die Absperrungen früher an als wir dachten und nachdem wir einmal drumherum gefahren sind stellen wir die Motorräder ab und gehen einfach zu Fuss. Die Strassen weissen schon viele Beschädigunen auf und man muss gut auf Schlaglöcher achten, die sind allerdings in nicht Erdbeben geschädigten Gebieten oft nicht seltener. Vielleicht ist die Lochtiefe hier noch etwas ausgeprägter. Wenn man durch die Absperrungen schaut erscheint einem die Innenstadt wie eine moderne Geisterstadt und man fragt sich wie lange das dauern wird, bis Christchurch wieder zu einer normalen Stadt wird oder ob das überhaupt wieder jemals der Fall sein wird. In den Vororten ist davon kaum etwas zu spüren aber die Innenstadt wirkt wirklich bedrückend. Aber die Christchurcher haben einen immensen Durchhaltewillen und so wird improvisiert was das Zeug hält. Eine Einkaufsmall mit Boutiquen und anderen Geschäften wurde aus Containern aufgebaut und die Kaffeewagen habe ich ja auch schon angesprochen. Die werden das schon schaffen.

P1030276_2.jpg  P1030278.jpg  

Ein Blick auf die Uhr holt uns in unsere Gegenwart zurück und sagt uns, dass wir fast unser Date verpennt hätten. Ich will anrufen, habe aber das falsche Handy dabei und damit Svens Nummer nicht greifbar. Wenn man sich schon dumm anstellt kann man froh sein wenn es sich durch Geld beheben lässt. Ich rufe also in Deutschland an und besorge mir seine Nummer um ihm zu sagen, dass wir etwas „late“ sind und lasse mir noch einmal den Weg erklären. Wir finden das Haus der Beiden sehr schnell und so hält sich unsere Verspätung etwas in Grenzen. Mit Barbecue wird es eh nichts, da da Wetter kein wirkliches Grillwetter ist. Wir klingeln einmal, nichts, ein zweites Mal, etwas warten, nichts, jetzt kommt eine Nachbarin von schräg drüben und meint, dass die beiden jungen Leute auf jeden Fall zu Hause wären, sie hätten den jungen Mann den Müll rausbringen sehen. Nachdem wir später hören, dass es mit der Connection der Beiden zu eben dieser Nachbarin nicht zum Besten steht fragen wir uns warum sie uns überhaupt darauf hingewiesen hat. Wie Steuerfahnder oder Headhunter sehen wir ja nun wirklich nicht aus, vielleicht haben wir ja einfach mal einen freundlichen Moment erwischt. Der Abend ist richtig schön und angenehm, Sven hat sich scheinbar schon sehr gut eingelebt und die Beiden strahlen eine richtige Zufriedenheit aus. Als wir so gemütlich am Essen und bei einem guten Rose Weinschorle sind spüre ich plötzlich etwas Hartes im Mund und schaffe es gerade nicht drauf zu beissen. Ich kann es ja nicht fassen, eine meiner Kronen hat sich sauber vom restlichen Zahn gelöst. Jetzt heisst es ruhig bleiben, was mir bei Zahnthemen immer schwer fällt. Mandy ist zuerst etwas geschockt, dass IHRE Steaks das verursacht haben, ich beruhige sie jedoch damit, dass die Steaks wirklich optimal getroffen und zart sind und das wohl nur eine Frage der Zeit gewesen wäre und das Teil hätte sich sogar bei Haferbrei gelöst. Eigentlch kann ich froh sein, dass es mir hier passiert ist. Zum einen weiss Mandy einen guten Zahnarzt zum anderen ist heute Donnerstag, so dass ich noch die Chance habe morgen gleich einen Termin zu bekommen. Mandy warnt uns noch vor den leichten Macken des Arztes und gibt uns die Adresse und Telefonnummer. Er sammelt Uhren und sagt in jedem zweiten Wort „et cetera“ . Na wenn das alles ist, soll es mir recht sein. Die Zeit verrinnt wie im Flug und es ist schon nach 23:00 als wir wieder ins Hotel zurückfahren.

 

Freitag 23.03.2012

Ich wache auf und denke als erstes an meine Krone in der Zip-Lock Tüte. Hoffentlich geht das gut heute und er muss das Ding einfach wieder drauf zementieren. Ich rufe gar nicht erst an, wir fahren direkt dort hin, fertig bepackt so dass wir direkt danach weiterfahren können. Und es klappt, ich bekomme einen Termin um 13:30, jetzt bin ich etwas relaxter, so dass ich mir erst einmal die Wände mit den vielen verrückten Uhren betrachten kann. Ich glaube ich müsste schon Drogen nehmen um manche davon zu kaufen, geschweige denn sie an die Wand zu hängen und zu betrachten. Aber es weckt auch Interesse auf den Menschen der diese Dinger sammelt. Und so sehe ich gespannt meinem Termin auf dem Behandlungsstuhl entgegen. Wir gehen noch einkaufen, der Supermarkt ist direkt daneben und einen Kaffee trinken dann ist es schon soweit und ich muss rüber laufen in die Praxis während Manu noch am letzten Rest des Kaffees schlürft. Ich hatte auch noch etwas gegessen weil man ja nicht weiss wie lange danach man nichts mehr bekommt und dann auf der Café Toilette noch die Zähne geputzt. Dazu hatte man mir beim Zahnarzt freundlicherweise eine Zahnbürste die schon „vorgeladen“ war mitgegeben. Ich sitze auf der Bank hinter der grossen Fensterscheibe und die Sonne scheint mir warm auf den Rücken. Ich habe noch etwas Zeit mir weiter die Uhren zu betrachten. Man kann da schon eine Weile mit zubringen und entdeckt immer wieder neue verrückte Details. Dann kommt Andrew wie er sich vorstellt auf mich zu und bittet mich ins Behandlungszimmer. Er ist ein lockerer Typ und erzählt wie ein Wasserfall, ohne jedoch die vielen „et ceteras“ zu benutzen. Nach 10 Minuten kann ich eh nur noch zuhören, wie das eben so ist auf diesem Stuhl, den Kopf nach hinten gelegt und den Mund voll mit Wattebäuschen und allen möglichen Instrumenten. Das Thema ist wirklich schnell erledigt, die Krone wird gestrahlt, die Zementreste entfernt und wieder aufgeklebt. Na da bin ich aber froh, ich kann Menschen besser leiden wenn sie mir nicht weh tun und so verabschieden wir uns herzlich mit einem Bild und einer Rechnung die gar nicht mal soo teuer ist. Der ADAC wird’s wohl bezahlen müssen.

Norden-der-Sudinsle-1797.jpg 

Für uns geht es los Richtung Lewis Pass. Es ist nun doch schon etwas später und wir kommen nur noch bis Hamner Springs, ein Ort gebaut um die warmen Heilquellen dort. Wir buchen uns im Youth Hostel ein und es ist seit langem das erste Mal, dass es keine Unterstellmöglichkeit für die Bikes gibt, sie müssen vor der Herberge auf dem Parkplatz bleiben. Motels mit Unterstellmöglichkeit waren dort einfach zu teuer und so decke ich die Beiden mit der Unterlegplane für unser Zelt ab und sichere sie mit Wäscheleine und grossen Holzscheiten. Die Unterkunft ist recht ruhig und um Hamner Springs kann man auch den einen oder anderen Walk machen. Der Wetterbericht zeigt verdammt viel Regen in Richtung Reefton und der Buller Gorge. Genau das wären aber nun unsere nächsten Ziele. Hier in Hamner Springs soll es morgen noch schön sein und übermorgen nicht gleich regnen. So entscheiden wir uns zwei Nächte zu bleiben. Wir sind früh dran und wir gehen schon einmal ins Ort und checken die Einkaufsmöglichkeiten und Cafés bzw. kaufen auch gleich fürs Abendessen ein. Manu studiert am Abend noch die Wanderkarten und sucht uns den richtigen Track für den morgigen Tag aus.

Norden-der-Sudinsle-1759.jpg  Norden-der-Sudinsle-1745.jpg

 

Samstag 24.03.2012

Wir starten relativ spät zu unserem Walk, der Beschreibung nach ist er nicht die grösste Herausforderung. Ca. 10km das sollte locker in 3-4 Stunden inklusive aller Fotostops und Essenspausen machbar sein. Die Gegend durch die wir wandern ist eine Mischung zwischen Schwarzwald und Pfälzerwald und die Walks laufen oft zusammen mit Mountain Bike Tracks. Als ob das nicht schon problematisch genug wäre, die Wege sind oft steil und schmal und ich möchte mir gar nicht vorstellen wenn so ein Downhiller hier heruntergeschossen kommt und wir gerade nach oben keuchen, kommen während einer kleinen Pause bewi der wir auf einer Holzbank am Wegrand sitzen 6 Motocrossmaschinen durchs Gebüsch gefahren und der erste landet gerade 40cm neben meinem Knie. Die Jungs sind wohl „versehentlich“ etwas vom Weg abgekommen. Ich bin Motorrädern gegenüber extrem tolerant aber das geht selbst mir etwas zu weit. Der Erste kann gerade noch seine Kollegen vor den zwei Wanderern warnen die da gemütlich die Beine in „Ihre“ Fahrbahn strecken. Den Vollvisierhelm auf und die offene Akrapovic im Ohr kann ich ihm nur per Zeichensprache klarmachen, dass sie sich vom Acker scheren sollen. Ich hab jetzt schon ´nen Riesenhals. Die Jungs schaun, dass sie weiterkommen aber sicher nicht weil ich mich etwas aufrege sondern um noch mehr Spass zu haben. Egal, Hauptsache sie sind weg. Wir hören sie noch den ganzen Rest vom Nachmittag und das ist wirklich nervig. Na ja, da die Gegend eh recht unspektakulär ist hält uns nicht mehr viel hier. Morgen ist Abfahrt, das ist sicher.

 

Norden-der-Sudinsle-1765.jpg  Norden-der-Sudinsle-1773.jpg

Sonntag 25.03.2012

Ich mache mir mein erstes Frühstück und setze mich auf den kleinen Balkon neben unserem Zimmer. Das wird mir dann aber doch etwas kühl, vor allem wird mein Müsli so schnell kalt. Ich bin dennoch begeistert, sieht so aus als hätten wir einen tollen Start in den Tag vor uns. Wir wissen allerdings auch ziemlich sicher, dass hinter den ersten Bergketten der Regen wartet. Das Regenradar des Met-service lässt dabei keine Zweifel offen. Solange das Wetter jedoch noch so gut ist, sehen wir es nicht ein mit Regenklamotten durch die Gegend zu fahren. Vor dem Fahrspass steht allerdings noch tanken an, bis nach Murchison wird unser Tank nicht mehr ganz reichen. Ich rechne immer noch damit über Reefton und die Buller Gorge zu fahren. Selbst Reefton wird knapp und da wir das nun schon das eine oder andere Mal durchexerziert haben tanken wir vorsichtshalber ein paar Liter so dass es sicher bis Murchison reicht. Warum so sparsam? Weil der Sprit in dieser Bergregion sauteuer ist. Kaum stehen wir an der Tanke fährt ein Club mit klassischen japanischen Motorrädern ein. Eine 750 four ist nun nichts so Besonderes aber die Suzuki GT750, bei uns als Wasserbüffel bekannt, ein wassergekühlter Zweitakter und die Suzuki mit Wankelmotor und futuristischen Armaturen sieht man in Deutschland nur noch extrem selten. Wir kommennicht wirklich ins Gespräch, es bleibt beim Hallo und gute Fahrt, für mehr ist eine alte Harley und so eine Suzuki doch zu weit voneinander entfernt.

P1030310.jpg 

Nach ca. 40km verdunkelt sich der Himmel und wir schmeissen uns in die Regenklamotten. Nach weiteren 10km kommt was kommen muss es fängt an zu regnen, zuerst nur leicht aber die Tropfen werden mehr und vor allem grösser. An der Kreuzung an der wir uns entscheiden müssen nach Reefton oder auf kürzestem Weg nach Murchison zu fahren regnet es in Strömen. Dort steht ein Kaffee mit weit überdachten Eingangsbereich. Der ist eigentlich dazu gedacht, dass sich die Gäste auch raus setzen können, darauf kann ich jetzt leider keine Rücksicht nehmen. Ich steuere die Harley direkt unter das Dach und stelle sie dort ab.Manu folgt mir auf dem Fuss und positioniert die Triumph direkt daneben.

P1030323.jpg P1030321.jpg

Niemand kommt auf die Idee uns wieder wegzujagen und so sitzen wir kurz darauf in dem Café, was mehr so eine Mischung aus Diner und Schnellfress ist. Nicht wirklich gemütlich aber trocken. Draussen stehen noch zwei Harley Davidson Sportster, eine Superglide und eine Suzuki. Die beiden Mädels die auf den Sportstern unterwegs sind kommen von der Ostküste, sind ebenfalls bei bestem Wetter gestartet und trauern jetzt der Sonne und den warmen Temperaturen dort nach. Hier ist es jetzt neben dem Regen auch ziemlich kühl geworden also richtig ungemütlich. Die beiden mit Superglide und Suzuki sitzen im Nebenraum und wir grüssen uns nur kurz beim rausgehen. Ein Biker kommt gerade an. Er kommt von der Westküste und ist wie er sagt die gesamte Zeit im Regen gefahren. Die Buller Gorge wäre bei Regen aufgrund von Baustellen auch keine empfehlenswerte Strecke. So ist die Entscheidung gefallen, wir haben auch in Europa schöne Schluchten zum Durchfahren, wir fahren direkt nach Murchison. Der Regen hat sogar aufgehört und in Fahrtrichtung sieht es gar nicht so schlecht aus. Zu früh gefreut, es fängt immer wieder an zu pieseln. In Murchison tanken wir voll um erst einmal wieder unter einem Dach zu stehen. Nach dem Tanken lassen wir die Bikes noch an der Zapfsäule stehen und gehen rüber ins Lazy Cow Backpackers um nach Zimmer und Garage zu fragen. Das Backpacker erweist sich als super gemütliche familiäre Unterkunft. Der Betreiber hat sogar einen tollen Unterstellplatz in seiner Garage. Zu der geht es steil nach unten, wie wir dort wieder herauskommen schaue ich mir später an. Jetzt stehen die beiden Ladies erst einmal wohl behütet in einer trockenen Unterkunft, die unserer in nichts nachsteht. Wir werden in der guten Stube (Küche und Esszimmer) mit einem Stück Karottenkuchen begrüsst. Draussen geht gerade mal wieder ein Regenschauer runter und wir sind froh hier untergekommen zu sein. Ich hatte mich schon auf das Hotel gegenüber eingestellt. Wenn man in Neuseeland von einem Hotel spricht ist damit meistens ein Hotel/Pub gemeint. Die Zimmer haben grösstenteils kein eigenes Bad, sind dafür recht preiswert und weil man vom Tea, wie die Kiwis ihr Abendessen nennen, über die Bar direkt aufs Zimmer stolpern kann sind sie die erste Wahl für viele Biker auf Tour. Wir haben hier zwar auch kein eigenes Bad, dafür haben wir es viel gemütlicher und haben eine Küche zur Verfügung um uns morgens ein Frühstück und vor allem einen guten Kaffee aus unserer kleinen italienischen Espressomaschine zu machen. Fürs Abendessen haben wir allerdings nichts dabei, Lasagne um 18:30 steht im Hostel auf einer Kreidetafel. Man muss sich dafür anmelden und wir überlegen noch ob die Lasagne für mich funktionieren könnte aber die Wirtin beruhigt mich, das Hackfleisch wäre sehr mager, sie würde sich nur Gedanken über den Käse machen. Den kann man herunterkratzen sage ich und wir bestellen eine Portion. Da Manu noch nach Pommes ist trabe ich kurz bevor die Lasagen aufgetischt wird rüber zum Hotel und hole eine Portion. Somit ist das Abendessen perfekt. Nein noch nicht ganz, der Wirt hat sogar noch einen ganz annehmbaren Hauswein, Manu nimmt den roten und ich einen Weissen. JETZT ist das Abendessen perfekt. Danach haben wir noch einige interessante Gespräche mit den anderen Gästen. Darunter ein Mann mit seiner Tochter, Neuseeländer, die zusammen eine grosse Fahhradtour gemacht haben. Er hat eine geraume Zeit im Kraichtal gelebt und spricht noch recht gut deutsch. Er macht ein paar Spässe über Harley Fahrer und meint ich wäre ja nun weit entfernt vom typischen Harley Fahrer, der gross, schwer und tätowiert wäre. Na entgegne ich schnell, da kannst Du mal froh sein, für die Spässe von vorhin hätte Dich der typische HD Fahrer von der Bank gehauen das wär dir dann sicher auch nicht recht, oder. Damit ist das Thema erledigt.

Montag 26.03.2012

Wir machen uns ganz gemütlich fertig, räumen das Zimmer und setzen uns dann noch ins Esszimmer um zu frühstücken. Wir haben´s heute nicht weit, wir wollen zu Des Molloy nach Pohara. Des ist Motorradreisender sein letzter ganz grosser Trip führte 2005 zusammen mit Dick Huurdemonn von Peking nach Arnheim. Er hat darüber ein Buch geschrieben und Steve sein Sohn begleitete die Beiden als Kameramann und so gibt es auch einen Film über diesen Trip. Nun wäre es schon ein Buch wert wenn zwei so alte Haudegen, Des war zu dieser Zeit etwa Mitte Sechzig und Dick schon 72 Jahre alt mit zwei Motorrädern so eine Reise unternehmen. Der Knüller ist allerdings mit welchen Motorrädern die Beiden unterwegs waren. Des auf seiner „Penelope“ einer alten einzylindrischen englischen Panther Baujahr 1967 und Dick auf einer Einzylinder Norton ebenfalls aus den frühen Sechzigern. Dagegen erscheint unser Trip natürlich wie ein Kindergeburtstag bei Mc D.. Ist ja auch eigentlich so. Wir waren nur in weitestgehend hoch zivilisierten Gegenden unterwegs, weitestgehend, für manche Gebiete in Australien galt das nicht immer und Neuseeland, na ja ist immerhin bei weitem nicht so entwickelt wie Deutschland. Was die Kiwis gerne als laid-back bezeichnen ist manchmal doch ganz schön rückständig. Von Murchison führt eine wunderschöne Strasse nach Motueka wo wir unsere erste grössere Rast machen und vor allem einkaufen, da wir nicht sicher sind wie gross Takaka der Ort vor Pohara ist. Es gibt sogar eine european Bakery, die allerdings schon recht ausverkauft ist. Einen Laib knuspriges Sauerteig-Weissbrot bekommen wir noch und das ist schon gut mal wieder etwas anderes als knatschigen Toast zu haben. Ich möchte mir noch einen kurzen Haarschnitt mit Bartrasur verpassen lassen und gerade als ich über die Strasse zum Barbershop gehe, erlischt dort das „Open“ in der Scheibe. Na komm, die paar Dollar könnt ihr doch noch mitnehmen. Als ich den Laden betrete ist zunächst keiner zu sehen aber der Boden ist noch nicht gefegt, gute Voraussetzung denke ich, da geht doch noch was. Weit gefehlt, die Dame kommt um die Ecke und erklärt mir, dass sie um 17:00 schliessen würden. Ich schaue auf die Uhr, 10 vor fünf, na 10 Minuten braucht man ja nicht um einmal mit dem Rasierer über alles zu gehen. Nö, ich möchte doch bitte morgen wieder kommen. Kiwis halt, was soll ich sagen. Also wird nichts aus der Rasur. Ich sehe mal wieder zum Fürchten aus. Wir starten auf die letzten 50km, kein Problem denke ich, die Strasse sieht auf der Karte harmlos aus. Weit gefehlt, für die 50km brauchen wir mehr als eine Stunde. Die Strasse hat kaum eine Gerade, dafür Kurven ohne Ende, eine enger wie die andere. Und so wird es ziemlich spät bis wir in Pohara ankommen. 

Steph und Des begrüssen uns herzlich und zeigen uns die Räumlichkeiten inklusive der Garage für die Motorräder. In dieser Garage stehen schon einige andere alte Bikes. Penelope, die alte Panther, Bessie eine noch ältere BSA die schon von Amerika bis nach Usuhaia gefahren wurde und ein BMW R69 S mit der sie Quer durch die Vereinigten Staaten getourt sind. Die Motorräder sind keine schön restaurierten Oldtimer, sie werden noch regelmässig gefahren und haben eine absolut authentische Patina angesetzt. Ein paar Kicks und die alte Bessie tuckert vor sich hin, phantastisch.

Norden-der-Sudinsle-1790.jpg

Manu ist inzwischen schon in der Küche und sorgt für unser Abendessen. Die Motorräder sind versorgt und nach dem Abendessen sitzen wir noch etwas mit Doris, Des und Steph zusammen. Doris ist eine deutsche Reisende die schon seit Juni letzten Jahres unterwegs ist. Sie war zuvor IT-Managerin einer grossen deutschen Firma und hat uns einiges zu erzählen, das wieso, weshalb, warum. Sie hat Ihren Job allerdings zunächst einmal komplett an den Nagel gehängt. Eines bleibt uns tief im Gedächtnis: Nach einem halben Jahr so sagt sie, war sie noch nicht bereit zurückzukehren, nun nach fast einem Jahr ist es soweit, dass sie wieder nach Hause „kann“. Interessant, hat sich bei uns doch noch relativ wenig in der Hinsicht neuer Einsichten und Ideen getan. Vielleicht hätten wir die Tour doch etwas länger anlegen sollen, auch wir freuen uns zwar auf einige Dinge und Menschen zu Hause aber so richtig bereit nach Deutschland zurückzugehen sind wir eigentlich noch nicht. Des möchte mit uns morgen zu einem interessanten Freund von ihm fahren, mit dem Motorrad natürlich, klasse, da freuen wir uns drauf. Wie wir so im „Wohnzimmer sitzen bringt er mir noch einige seiner Motorradreisebücher damit ich etwas zum Lesen habe. Die meisten sind von Motorradreisenden aus längst vergangenen Zeiten. Unheimlich beeindruckend welche Reisen noch vor dem zweiten Weltkrieg mit dem Motorrad unternommen wurden. Diesen Reisenden, Männern wie auch einer Frau gehört mein tiefster Respekt. Das waren Abenteuer, was wir heute dagegen machen ist nur wenig spektakulärer als ein gebuchter Neckermann Urlaub. Vielleicht etwas überzogen, aber das waren die Empfindungen beim Lesen in diesen Büchern.

 

Dienstag 27.03.2012

Nach dem Frühstück packen wir die Motorräder und gehen mit Des auf eine kleine Rundfahrt. Er will uns ein nettes Restaurant zeigen und einem Freund, der aus Deutschland stammt vorstellen. Sein Alltags-Motorrad ist die R69S, Alltagsmotorrad? Da kommen so manchem Liebhaber die Tränen aber für Des ist das ganz normal. Was ist ein Motorrad wert wenn man es nicht nutzt? Ich kann mich dieser Sichtweise nur anschliessen, mit einem Ausstellungsstück könnte auch ich wenig anfangen.

Norden-der-Sudinsle-1788.jpg  

Wir fahren zunächst zu seinem Freund der auch ein Fan alter Autos und Motorräder ist. Sein Geschmack ist jedoch noch weitaus individueller. Er hat einen Narren an alten Velocette Motorrädern gefressen oder vielleicht sollte man diese Vehikel eher Roller nennen? Michael lebt seit vielen Jahren hier in Neuseeland hat kürzlich sein Haus untervermietet und geht nun für 6 Monate auf die Cook Islands um auf die Katze von Freunden aufzupassen während diese unterwegs sind. Hört sich verrückt an, oder? Oder cool? Auf jeden Fall nicht gewöhnlich und so ist auch das Haus Michaels kein gewöhnliches Haus. Er hat vor ein paar Jahren noch auf der anderen Seite des Bergs in einem selbst gebauten Haus aus Strohballen gelebt. Dort auf dem Bergrücken war es allerdings immer extremen Winden ausgesetzt und so ist er hierher zu einem geschützteren Platz gezogen. Allerdings ist dieses Haus nicht wirklich fertig. Was allerdings fertig ist, ist eine Aussichtsplattform auf der es immer sonnig ist (vorausgesetzt die Sonne scheint) und so ist es auch heute. Wir sitzen oben, trinken einen Heidelbeersaft und essen Rosinenbrot und Michael erzählt uns von seinem bevorstehenden Trip auf die Cook Inseln und wir berichten was uns schon so alles auf unserem Trip passiert ist. Es herrscht super entspannte Stimmung.

P1030354.jpg

Dann bläst Des zum Aufbruch, er muss am Nachmittag wieder zu Hause sein ausserdem ist es Zeit zum Mittagessen. Wir verabschieden uns von Michael und fahren ins Mussel Inn, eine urige Kneipe mit gutem Essen und selbst gebrauten Bieren. Interessante Varianten mit Manuka Honig oder das sogenannte Paddington ein englisches Rezept und Des absoluter Favorit. Beim essen klingelt das Telefon und ein Interessent für die Vermietung eines Teils der Gebäude steht bei ihm zu Hause vor der Tür, klar es ist auch schon nach 14:00. Des fährt schon mal voraus, nicht ohne sich zu versichern, dass wir auch wieder nach The Nock finden. Zuvor vereinbaren wir noch ein gemeinsames Abendessen bei dem jeder etwas beiträgt. Also fahren wir nach Takaka um noch etwas Gutes einzukaufen. Dort fährt gerade Michael mit seiner Velocette vorbei zum Postamt, es ist schon der Hammer, auch er bewegt diesen uralten Klassiker tagtäglich in die Stadt zum Einkaufen, auf die Post oder einfach nur zu einem Kaffee unter Freuden. Wir gehen in die deutsche Bäckerei und kaufen ein tolles Vollkornbrot und haben ja noch unsere Blackball Hirsch-Salami ein echtes Highlight für einen solchen Abend. Im Bottle Shop noch einen guten Wein mitgenommen, so ist unser Anteil am Dinner perfekt. Als wir zu den Motorrädern zurückkommen sprechen uns 3 Biker an die ebenfalls auf Tour sind. Bei solch einem Small Talk mit dem „Woher-Wohin-Warum“ geht immer schnell eine halbe Stunde drauf aber es ist immer interessant auch die Stories der anderen zu hören. Die Jubngs sind cool drauf und vielleicht sehen wir uns ja wieder, Reisende in Neuseeland laufen sich immer wieder über den Weg. Der Abend in The Nook wird klasse. Es ist noch ein weiteres Ehepaar, Tony und Ronda aus Wellington, auf zwei Motorrädern angekommen und siehe da, wir haben uns damals im Roadhouse an der Kreuzung nach Murchison getroffen, an dem Tag an dem es so geschüttet hat. Wie schon einmal gesagt kreuzen sich die Wege vieler Reisender auf Neuseeland immer mal wieder. Tony entspringt einer Art Motorraddynastie in Neuseeland. Seine ganze Familie fährt Motorrad und ist unter Bikern hier recht bekannt. Wir haben natürlich alle viel zu erzählen und vor allem viel zu lachen. Steph und ich diskutieren das für und wider von Ensuite Badezimmern. Und ihr Argument, dass man interessante Menschen in Gemeinschaftsbad trifft kontere ich damit, dass man die gleichen Typen auch in der Gemeinschaftsküche treffen kann und in beiden Einrichtungen kristallisieren sich normal die unangenehmen Zeitgenossen schnell heraus. Es wird recht spät bis wir ins Bett kommen.

 

Mittwoch 28.03.2012

Abschied steht wieder einmal an. Dieses Mal fällt es richtig schwer. Des und Steph sind tolle Gastgeber und sie sind vor allem interessante und liebenswürdige Menschen, wir könnten uns sicher noch einiges erzählen und könnten noch vieles diskutieren. Das Problem ist unsere Zeit verstreicht hier in Neuseeland und trotz, dass uns die Menschen wichtiger sind als die Strassen wollen wir doch noch ein bisschen was sehen von diesem Land. Wir lassen uns Zeit beim Packen, machen noch ein paar schöne Bilder, tauschen die Kontaktdaten aus und ich lasse mir noch ein Buch von Des signieren. Der Plan ist in Wellington auch Dick Huurdemonn, seinen Freund und damaligen Begleiter zu besuchen und auch ihn unterschreiben zu lassen. Wir haben ein Zimmer im Farewells Garden gebucht, einem Backpacker mit angeschlossenem Campingplatz und sogar einem Apartment. Das sieht im Internet irgendwie etwas verwohnt aus und so entschliessen wir uns für die günstigere Variante des Zimmers mit Bad. Wo das alles liegt? Ganz oben an der nördlichsten Spitze der Südinsel am Farewell Spit. Dies ist eine schmale Landzunge die wie eine Sichel ca. 25km ins Meer ragt. Der ungewöhnlichen Form dieser Landzunge schreibt man es zu, dass jährlich immer wieder Wale dort stranden. Dann kommt es jedes Mal zu grossen und dramatischen Rettungsaktionen, die nicht immer erfolgreich verlaufen. Jedes Jahr kommen Wale dabei um. Zunächst geht es jedoch nach Collingwood, bei Des haben wir die Werbung eines Kaffee-Caravans mit einem Biker gesehen, der noch auf dem Motorrad sitzend seinen Kaffee gereicht bekommt. Das hätten wir auch mal gerne so, also auf zu „Lady Luck“ so der Name des „Etablissements“. Typisch für uns, als wir dort ankommen ist der Laden geschlossen. Die Lady hat nur 4 Tage die Woche geöffnet. Wir treffen jedoch die 3 Jungs wieder, die uns schon in Takaka angesprochen haben. Wir halten noch ein bisschen Small Talk, sie sind schon wieder in Richtung Südosten unterwegs heisst Richtung Nelson. Farewell Spit haben sie schnell abgehakt und planen jetzt wieder den Rückweg auf die Nordinsel. Sie kommen von Hamilton und gibt uns noch seine Karte, damit wir uns melden können wenn wir durch Hamilton kommen. Wir sitzen noch etwas am Tisch als sich zwei junge Typen zu uns an den Tisch setzen. Karlsruher Nummernschild, Mann habt ihr die Dinger tatsächlich mitgebracht? Der Dialekt ist klar Kurpfälzisch. Und tatsächlich, der eine der Beiden Dominik wohnt in Mannheim (normalerweise) und arbeitet beim Winzer Schneider, dessen Weine (vor allem den Black Print oder den X) auch wir schätzen. Er wird ein halbes Jahr bei einem Winzer hier arbeiten und dadurch neue Erfahrungen sammeln. Wir brechen nun auch auf, denn durch den doch sehr späten Start sind wir trotz der kurzen Distanz recht spät dran. Nach Collingwood führt die Strasse direkt am Meer entlang bis nach Farewell Spit. Die Anzahl der Schlaglöcher nimmt allerdings stark zu je weiter man nach oben kommt. Man ist hier schon sehr abgelegen, Einkaufsmöglichkeiten gibt es keine, der nächste General Store ist in Collingwood und hat allerdings auch nur eine geringste Auswahl an Dingen für den allernötigsten täglichen Bedarf. Wenn man tatsächlich etwas braucht muss man zurück nach Takaka. Die Communal Kitchen ist extrem basic und nur mit dem nötigsten ausgestattet. Der Gaskocher ist von anno dazumal und hat so grosse Löcher, dass die Töpfe und Pfannen unten völlig verrust sind.

Norden-der-Sudinsle-1808.jpg  Norden-der-Sudinsle-1814.jpg

Norden-der-Sudinsle 1813

Donnerstag 29.03.2012

Wie immer soll es morgens natürlich einen Kaffee geben aber das Gitter über dem Gasherd ist so weit, dass das Herdkännchen durchfallen würde, da ist guter Rat teuer. Oder auch nicht. Die Bratpfanne muss als Adapter herhalten damit wird auch das Herdkännchen nicht rusig. Da es heute Abend Kartoffel mit Schinken, Schafskäse und Ei geben soll. Möchten wir noch Eier kaufen gehen. Eier ist das Einzigste was es nebenan direkt vom Bauer zu kaufen gibt. Wir wollen gerade los da treffen wir vor dem Camp auf Tony und Ronda, die mit Ihren Freunden einen Ausflug nach hier oben machen. Sie wissen, dass das Café am Farewell Spit eigentlich um 3 Uhr schliesst und da schon 5 vor Drei ist, entscheiden wir uns vor dem Eierkauf noch mit Ihnen einen Kaffee trinken zu gehen. Da muss man uns nun nicht wirklich überreden. Die 6 fahren schon einmal vor um den Wirt zu überreden seine Öffnungszeiten noch einmal zu überdenken. Wir laufen.

Norden-der-Sudinsle-1799.jpg

Den Boss des Café´s musste man nicht lange überreden, vor uns ist noch eine ganze Wandertruppe eingetroffen und dieses Geschäft lässt sich selbst ein Kiwi-Wirt nicht entgehen. Wir kommen etwas mit ihm ins Gespräch und reden darüber, dass wir morgen den Coastal Walk machen wollen. Da der Startpunkt des Walks ca. 5km über eine recht grobe unbefestigte Strasse entfernt ist meint er wir sollten mal seinen Koch ansprechen, der würde uns sicher fahren. Dan, der Koch erklärt sich auch sofort bereit uns für „eine Handvoll Dollar“ dorthin zu fahren. Eier bräuchten wir auch nicht mehr kaufen zu gehen, er hätte welche da, eben von diesem Bauer und weil wir gerade im Geschäft sind nimmt er uns auch noch mit zurück zu unserer Unterkunft. Dan war früher Project Manager und hatte die Nase voll von dem Stress den solch ein Job mit sich bringt. Er fühlte sich ausgebrannt und anstatt eine Kur wegen Burn-out zu beantragen (gibt es natürlich in NZ nicht) hat er den Job geschmissen und wohnt jetzt in einer winzigen Hütte auf dem Nachbargelände auf dem noch ein grösseres Haus steht für welches er den Housekeeper macht. Dazu arbeitet er in der Küche des Cafés, pflanzt Tomaten und Kartoffeln an und macht ein Fernstudium darüber wie sich die Märkte und bestimmte Aktien verhalten um daraus Schlüsse auf die weitere Entwicklung zu ziehen. Na ja denke ich, wenn man das studieren könnte gäbe es wohl noch mehr Millionäre. Wir vereinbaren morgen 8:30 zum Walk aufzubrechen und gehen zum Abendessen über.

 

Freitag 30.03.2012

Das Frühstück fällt heute etwas kürzer aus, da wir 8:30 ja schon fertig sein müssen. Der Walk ist weitaus interessanter als wir dachten. Um zwei kleine Seen herum und über Weideland führt er an den Strand und da wir doch recht früh dran sind sind wir die Einzigen dort. Spuren deuten zwar auf einen noch früheren Besucher hin aber von dem ist weit und breit nichts zu sehen. Der Starnd bietet schon schöne Ausblicke auf die vorgelagerten Felsen aber der Knüller sind einige Pools zwischen den Felsen in denen sich Babyrobben vergnügen. Die Kids spielen recht unbekümmert, ein kleiner Feigling ist zwar dabei der recht schnell das Weite sucht, wird aber von seinen Spielkameraden schnell überzeugt wieder zurückzukommen. Um vom Strand wieder runterzukommen müssen wir dann allerdings durch einen Fluss waten, zu tief für die Treckingschuhe und so heisst es Schuhe aus und durch. Manu schimpft wie ein Rohrspatz weil das Wasser saukalt ist und sie dann mit sandigen Füssen zurück in die Schuhe muss. Ja, ja die Wildnis...

P1030439.jpgDer Pfad führt weiter entlang der Steilküste vorwiegend über Schafsweiden. Dieser Walk ist weitaus anstrengender als wir dachten. Das ständige steile Auf und Ab auf den Kliffs strengt unheimlich an und so sind wir ganz schön ausgepowert als wir nach 6 Stunden beim Café ankommen. Mit dieser Leistung so ist Manu der Meinung hat sie sich das letzte Stück Schokoladenkuchen hinter der Vitrine verdient. Die Füsse tun deswegen am nächsten Tag aber nicht weniger weh.

Norden-der-Sudinsle-1842.jpg  Norden-der-Sudinsle-1849.jpg

Norden-der-Sudinsle-1870.jpg  Norden-der-Sudinsle-1883.jpg

 

Diesen Post teilen

Repost0

Kommentare